Forschung

Lehnwörter im basiswortschatz (Slawische Sprachen)

Grundsätzlich geht es um die Frage, ob und welche Lehnwörter in einem sogenannten Basiswortschatz vorkommen. Die übliche Annahme, wonach der Basiswortschatz (deren theoretische Bestimmung der Sprachwissenschaft Probleme bereitet) als konservativ, stabil und generell lehnwortresistent anzusehen ist, ist bereits in einer Vielzahl von Sprachen widerlegt worden bzw. es konnte der jeweilige Umfang relativ gut bestimmt werden. Nunmehr ist es geplant nach einem einheitlichen Untersuchungsdesign auch slawische Standardsprachen aus der Perspektive zu untersuchen. Konzeptueller Anküpfungspunkte dafür lässt sich bei Projekten wie WOLD finden.

Ausgewählte Aspekte der Phraseologie

Feste Wortverbindungen sind aus unterschiedlicher Perspektive von Interese für Sprach- und Textwissenschaft. Mein Interesse liegt an der Schnittstelle von Einheiten wie feste Wortverbindung, Kollokation und generell formelhaften Wendungen. Insbesondere von Intersse ist die Frage von Variabilität dieser Einheiten, die sich aus der Perspektive eines „usage-based approach“ durchaus mit generellen Fragen der Serialisierung in sprachlichen Systemen in Verbindung bringen lassen. Erste vielversprschende empirsche Untersuchungen zu slowenischen und kroatischen Paarformeln liegen vor.

Russische Wissenschaftsgeschichte

Das Interesse ist vor allem auf die Entwicklung des russischen sprach- und literaturwissenschaftliche Denkens ausgerichtet. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf den 20er und 30er Jahren des 20. Jh. Zu beobachten sind interessante Mischungen von sprach- und literaturwissenschaftlichen Ansätzen, insbesondere aber einer Vielzahl von methodologischen Innovationen, deren Rekonstruktion auch für den heutigen Diskurs von Relevanz sein kann.

Quantitative Sprach- und Textanalyse

Die quantitative Sprach- und Textanalyse beschäftigt sich mit unterschiedlichen linguistischen Fragestellungen, wie in etwa der Verwendung und Struktur von sprachlichen Systemen und Texten, dem Sprachwandel und insbesondere mit Fragen der Selbstorganisation und Selbstregulation von Sprache/Text. Methodologische Besonderheit dieses Forschungsgebietes ist die Verwendung von Methoden der mathematischen Statistik und der Wahrscheinlichkeitsrechnung. Die quantitative Text- und Sprachanalyse beschäftigt sich intensiv u.a. mit folgenden Teilbereichen:  Wort- und Satzlänge, Identifikation von Textsorten und Individualstilen (Autorenschaft-Identifikation) und der Häufigkeit von linguistischen Einheiten auf allen sprachlichen Ebenen. Ziel ist es zu zeigen, inwiefern Sprache/Text als eine Menge von miteinander verbundenen sprachlichen Gesetzmäßigkeiten/Regularitäten anzusehen ist. Besonderes Augenmerk wird auf die Untersuchung von slawischen Sprachen (insbesondere Kroatisch/Serbisch, Russisch, Slowenisch, Slowakisch, Ukrainisch) gelegt.

Phoneminventar – Phonemhäufigkeit – Phonotaktik – Silbenstruktur: Probleme der synergetischen und quantitativen Linguistik

Ein zentrales epistemologisches Ziel der synergetischen und quantitativen Linguistik ist es, im Hinblick auf einzelne Sprachen und sprachübergreifend (bzw. sprachvergleichend), und innerhalb einer Sprache immanente Gesetzmäßigkeiten und Konstruktionsmechanismen aufzudecken. Als prototypische Beispiele für das Wirken derartiger Zusammenhänge werden häufig das Zipf-Gesetz (Zusammenhänge auf lexikalischer Ebene) oder das  Menzerathsche-Gesetz (ein Set von Hypothesen, welches inter- und intrasprachliche Abhängigkeiten zwischen unterschiedlichen sprachlichen Ebenen beschreibt) genannt. Das in Arbeit befindliche Projekt soll davon ausgehend auf bislang wenig berücksichtigte Aspekte der sprachlichen und textlichen Selbstorganisation unter zur Zuhilfenahme statistischer Methoden eingehen. Diese Aspekte umfassen in erster Linie die phonologische Organisation von Sprachen (segmentale Eigenschaften unter Berücksichtigung  der Silbenphonologie) und Probleme der allgemeinen silbischen und morphologischen Wortstruktur. Die entsprechenden Hypothesen werden anhand von 12 slawischen Standardsprachen diskutiert. Zu diesem Zweck wurde ein Paralleltextkorpus (russischer Originaltext von „Kak zakaljalas’ stal’“ [Wie der Stahl gehärtet wurde] und die Übersetzungen ins Slowenische, Kroatische, Serbische, Bulgarische, Mazedonische, Weißrussisch, Tschechisch, Obersorbisch, Tschechisch und Slowakisch) erstellt.

Geschichte quantitativer Verfahren in der russischen Sprach- und Literaturwissenschaft

Die Dissertation beinhaltet die Geschichte statistischer Verfahren in der russischen Sprach- und Literaturwissenschaft. Nachgezeichnet wird die historische Evolution und epistemologische Motivation der Anwendung quantitativer Verfahren, die von einer kritischen Reflektion der sich ergebenden Resultate begleitet ist. Es wird die Entwicklung von der Mitte des 19. Jahrhunderts, die extensive Beschäftigung mit quantitativen Methoden im russischen Formalismus, sowie die Etablierung statistischer Methoden in den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts besprochen. Abschließend wird ein aktueller Überblick zur russischen quantitativen Sprach- und Textanalyse geboten. Die Dissertation ist beim Hamburger Verlag Dr. Kovač erschienen und mittlerweile auch mehrfach positiv rezensiert worden.