Zum Projekt

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Das Langzeitprojekt Romania „minor“ wurde 2013 von Univ.-Prof. Dr. Elton Prifti konzipiert und ins Leben gerufen. Zentrale Ziele dieses Lehr- und Forschungsprojektes sind:

  • die systematische Vermittlung von fundierten sprachwissenschaftlich-philologischen sowie sprachpraktischen Kenntnissen über die sogenannten „kleinen“ romanischen Sprachen und Kulturen,
  • die Förderung der Forschung im Bereich der Romania „minor“ sowie
  • die umfassende Erörterung von innerromanischen Zusammenhängen.

Es richtet sich vor allem an Romanistik-Studierende und NachwuchswissenschaftlerInnen, die mehr über die sprachliche und kulturelle Vielfalt der Romania erfahren möchten, denn sie hört bekanntlich nicht bei den „großen“ romanischen Sprachen wie Spanisch, Französisch, Italienisch oder Portugiesisch auf, sondern fängt dort erst an.

Das Wesen der Romania ist durch eine stark ausgeprägte kulturelle und sprachliche Vielfalt gekennzeichnet. In sprachlicher Hinsicht stellt die markante Mannigfaltigkeit ein bedeutendes Charakteristikum in synchroner und – in besonderer Weise – diachroner Perspektive dar. Schon seit den Anfängen der Ausdifferenzierung und graduellen Emanzipierung der einzelnen romanischen Sprachen war deren Entwicklung durch sich wandelnde Unterschiede in den komplexen Ausbauprozessen, in der Verbreitung sowie in ihrer Akzeptanz charakterisiert, wie etwa die Geschichte des Okzitanischen, des Französischen, des Katalanischen, des Galicischen, des Portugiesischen, des Frankoprovenzalischen oder des Meglenorumänischen zeigt. So reduzierten sich mit der Zeit die kommunikative Valenz (…) und Akzeptanz des Okzitanischen zugunsten des Franzischen bzw. später des Französischen, dessen Dominanz sich zunehmend verfestigte. Die Entwicklung des Dominanzverhältnisses zwischen dem Galicischen und dem Portugiesischen kann als wechselhaft bezeichnet werden, um nur zwei der zahlreichen Beispiele aus der komplexen romanischen Realität zu erwähnen.

„Betrachtet man die gegenwärtige Situation, vor allem im europäischen Raum, kann von einer Polarisierung die Rede sein. Auf einer Seite hat man die sogenannten „großen“ romanischen Sprachen, das Spanische, das Französische, das Portugiesische, das Italienische und Rumänische, während am Gegenpol die sogenannten „kleinen“ romanischen Sprachen positioniert sind, die die Mehrheit der romanischen Sprachen darstellen. Aus dieser Gruppe gehören zur Romania continua nach allgemeinem Verständnis vom Westen nach Osten das Galicische, das Katalanische, das Okzitanische, das Frankoprovenzalische, das Sardische, das Bündnerromanische, das Ladinische, das Friaulische, das Istrorumänische, das Aromunische und das Meglenorumänische. Diese Sprachen stellen in der Regel in den Ländern, in den sie gesprochen werden, Minderheitensprachen dar, während die erstgenannten den Status einer Dachsprache im Sinne von Kloss (…) besitzen. Die Gesamtheit der romanischen Sprachen, die als Sprachen einer Minderheit innerhalb eines Staates gesprochen werden oder wurden und durch eine andere Sprache überdacht sind, stellt – ungeachtet ihrer tatsächlichen soziolinguistischen Stabilität und Sprecherzahl – die sogenannte Romania „minor“ dar. Die Sprachen und Varietäten der Romania „minor“ besitzen für die romanistische Forschung eine doppelte Relevanz. Erstens stellen sie fundamentale Bestandteile der sprachlichen Romania dar, die es systematisch, tiefergehend und umfassend zu erforschen gilt, wobei historisch ausgerichtete Untersuchungen für gesamtromanistische Studien besonders ertragreich und viel versprechend sind. Zweitens werden im Rahmen der Auseinandersetzung mit den Sprachen der Romania „minor“ aufgrund ihrer engen Beziehungen und Verbindungen zu den „großen“ romanischen Sprachen bzw. zu den Sprachen der Romania „maior“, die in der Regel Dachsprachfunktionen ausüben, auch die letztgenannten berücksichtigt. Befasst man sich etwa mit dem Galicischen, wird man natürlich auch seinen Beziehungen zum Spanischen und zum Portugiesischen Beachtung schenken müssen, ähnlich wie im Falle des Okzitanischen und des Frankoprovenzalischen oder des Sardischen, des Ladinischen und des Friulanischen, die in Geschichte und Gegenwart in enger Verbindung jeweils zum Französischen oder zum Italienischen stehen. (Auszug aus Prifti, Elton/Schrader-Kniffki, Martina (2020): Vorwort, in: Prifti, Elton/Schrader-Kniffki, Martina (eds.), Translation und sprachlicher Plurizentrismus in der Romania „minor“, Frankfurt a. M. et al., Lang, 7-8)

Im Bereich der Lehre wurde unter anderem die Lehrveranstaltungsreihe Romania „minor“ ins Leben gerufen, in derer Rahmen jedes Semester jeweils eine Sprache der Romania „minor“ in den Mittelpunkt gestellt wird. Dabei wird systematisch Grundlagenwissen vermittelt. Die Lehrveranstaltungen werden durch Sprachkurse, die von MuttersprachlerInnen geleitet werden, durch Gastvorträge von ausgewiesenen Spezialisten und verschiedenen kulturellen Events  begleitet. Feldforschungsaufenthalte und Fachexkursionen vervollständigen das Spektrum.

Gegenstand des Projektes Romania „minor“ im Sommersemester 2019 war das Friaulische; im Wintersemester 2019-2020 das Galicische und im Sommersemester 2020 das Sardische. Im Wintersemester 2020-2021 steht das Bündnerromanische im Mittelpunkt.

Zur Forschungsinfrastruktur zählen die Forschungszentren der einzelnen Sprachen und Realitäten der Romania „minor“. Das erste Romania „minor“-Forschungszentrum ist das Centro de Estudos Galegos Viena (CEG Viena)/Zentrum für galicische Studien Wien, gegründet im Juni 2020, welches eng mit dem CEG Heidelberg kooperiert.

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