Forum Archaeologiae - Zeitschrift für klassische Archäologie 65 / XII / 2012

DIE VILLA RUSTICA AUF DEM HAUSHAMER FELD
Die Ergebnisse der Kampagnen 2011-2012

Auf der sanft abfallenden Terrasse im Norden des Ortes Vöcklamarkt, welche die nördliche Begrenzung des Vöcklatals darstellt, wurden schon bei Sondierungen im Jahr 1933 römerzeitliche Mauerreste angeschnitten und als Teil einer Villa rustica gedeutet (Abb. 1) [1]. Die guten Voraussetzungen für den Ackerbau und die Weidewirtschaft sowie die Nähe der vom Donaulimes von Ovilavis (Wels) kommenden und nach Iuvavum (Salzburg) führenden Straße, welche in diesem Abschnitt südlich der Vöckla verläuft, ließen diese Deutung als sehr wahrscheinlich scheinen [2]. Erst in den letzten Jahren haben aufmerksame Heimatforscher ihr Interesse wieder auf diese Stelle gelenkt, an der vermehrt Keramikfunde zutage kamen. Aufgrund der evidenten Gefahr einer völligen Zerstörung des Befunds durch die Landwirtschaft, aber auch wegen des unbefriedigenden Forschungsstands zur römischen Besiedlung dieses Bereichs ist das Institut für Klassische Archäologie der Universität Wien gerne der Einladung der Gemeinde Vöcklamarkt und besonders des Museumsvereins Vöcklamarkt – Pfaffing – Fornach nachgekommen, diese Fundstelle im Rahmen von bisher zwei Lehrgrabungen näher zu untersuchen [3].

Bereits in der ersten Grabungskampagne im Jahr 2011 [4] konnten die Reste von insgesamt drei Gebäuden angeschnitten werden, die jedoch durchwegs sehr schlecht und nur mehr im Fundament erhalten waren. Erst im November 2011 wurde die geomagnetische Prospektion eines Bereichs von rund 8000m2 durch eine Subvention des Museumsvereins Vöcklamarkt – Pfaffing – Fornach möglich, welche die Gewissheit erbrachte, dass es sich bei den Befunden um eine Villa rustica handelte [5]. Deutlich zeichnete sich ein rund 40x30m großer, NNW-SSO orientierter Bau ab, der als Hauptgebäude im Typus der „Risalitvilla mit Innenhof“ identifiziert werden konnte (Abb. 2) [6]. An der West-, Nord- und Ostseite sind Räume U-förmig um einen großen Hof angeordnet, der in einen Nord- und einen Südteil geteilt ist, von denen der nördliche etwas größer ist. In beiden Hofteilen sind unklare Strukturen zu erkennen. Die Breite der Räume beträgt ca. 8m, von der Inneneinteilung lässt sich nur wenig erkennen. Der Nordteil des Gebäudes ist stark verunklart.

Die Untersuchungen des Jahres 2012 konzentrierten sich vor allem auf dieses nun gut lokalisierbare Hauptgebäude, um weitere Aufschlüsse über die Bauweise und die chronologische Einordnung zu erhalten. Während die Grabungen im Bereich der bereits stark gestörten Nordseite nur wenig neue Informationen erbrachten, zeigten die Untersuchungen in den beiden Risaliten, dass die äußeren Mauern jeweils 0,90–1,30m breite Fundamente besaßen, die aus Bruch- und Rollsteinen sowie zahlreichen Ziegelbruchstücken bestanden und durchschnittlich bis zu einer Tiefe von 0,60m erhalten waren, wobei der Bauhorizont bereits zerstört war (Abb. 3). Sie können gut mit jenen Mauern, die durch die geomagnetischen Messungen wiedergegeben werden, in Übereinstimmung gebracht werden.
Überraschend war hingegen die Tatsache, dass sich in beiden Risalit-Bereichen auch Reste von schmäleren, etwa 0,65m breiten Fundamenten fanden, die aus kleinteiligen Rollsteinen bestanden und sich in der geomagnetischen Messung überhaupt nicht abgezeichnet hatten. Da diese schmäleren Mauern von den breiteren Fundamenten geschnitten wurden, stellen sie eine ältere Phase der Anlage dar. Die Gesamtmaße dieses Vorgängerbaus lassen sich derzeit noch nicht eindeutig fassen. Geht man jedoch davon aus, dass die älteren Rollsteinfundamente zu einem zusammenhängenden Bau gehören, so würde dies ein Gebäude mit einer O-W-Erstreckung von 23,70m ergeben. Der angenommene Vorgängerbau wäre damit etwas schmäler als die Risalitvilla. Aufgrund der ähnlichen Bauweise dürfte auch das südlich des Hauptgebäudes liegende Objekt 1 dieser älteren Phase angehören.

Möglicherweise mit den Umbauarbeiten in Verbindung zu bringen ist ein spannender Fund in der Südecke des südlichsten Raums im Westrisalit. In einer Grube, welche die Fundamente der älteren Phase störte, fanden sich vier Knochen vom linken Fußskelett eines Hausrindes sowie ein massiver Meißel aus Eisen, über denen ein Deckel aus grautoniger Keramik lag [7]. Die gesamte Deponierung war von Bruchsteinen bedeckt. Insgesamt geht aus der speziellen Anordnung der Objekte klar hervor, dass wir es hier mit einer intentionellen, möglicherweise rituellen Deponierung zu tun haben. Aufgrund der stratigraphischen Einordnung und der Lage in einem Innenraum scheint eine Deutung als Bauopfer am wahrscheinlichsten, wobei die Deponierung von Werkzeugen ein bisher nur selten beobachtetes Phänomen ist [8].

Südlich des Haupthauses der Villa rustica hatten die geomagnetischen Messungen auf die Existenz von Gruben oder Öfen hingewiesen. Hier konnte unmittelbar östlich von Objekt 1 ein birnenförmiger Ofen mit Schürkanal freigelegt werden (3,0x1,5m), der nur mehr in seinem untersten, stark verziegelten Teil erhalten war und im Inneren eine dünne Aschenschicht aufwies (Abb. 4). Er störte die Fundamente von Objekt 1 und ist daher der zweiten Phase zuzuordnen. Der Form nach könnte es sich sowohl um einen Backofen als auch um einen Keramikbrennofen gehandelt haben. In Grundriss und Größe vergleichbare Öfen sind etwa aus Oberschauersberg bei Wels, Enns und St. Pölten oder aus Waiblingen in Baden-Württemberg und Weißenburg in Bayern bekannt, die alle als Keramikbrennöfen gedeutet werden [9]. Ähnlichkeit zeigen auch Töpferöfen und ein Kalkbrennofen aus Straubing [10]. Angesichts einer unmittelbar daneben gefundenen, etwa 1,0x1,6m großen ovalförmigen Vertiefung, die mit großen Kalksteinen verfüllt war, kann nicht ausgeschlossen werden, dass es sich in Hausham ebenfalls um einen Kalkofen handeln könnte. Kalköfen konnten mehrfach bei landwirtschaftlichen Betrieben nachgewiesen werden, da der bei 900/1000°C zu Stückkalk gebrannte Kalkstein nicht nur zu Löschkalk für Mörtel und Tünche mit Wasser eingesumpft, sondern zur Verbesserung der Bodenfruchtbarkeit auch zu Düngekalk zermahlen werden konnte. Eine gute Parallele stellt die Villa bei Kay in Oberbayern dar, wo eine von drei nebeneinander liegenden Feuerstellen als Kalkofen identifiziert werden konnte [11].

Um bessere Aufschlüsse über die Gesamtausdehnung der Villa zu erhalten, wurden im Oktober 2012 die angrenzenden Bereiche mit Geomagnetik untersucht, wobei die Ergebnisse auch aufgrund der starken Störungen durch die moderne Straße und die daraus folgenden Geländeveränderungen wenig aussagekräftig waren [12]. Daher sollen die für das folgende Jahr geplanten Grabungen die Erforschung der von der Forschung meist vernachlässigten Wirtschaftsbereiche vor allem im Norden des Hauptgebäudes fortsetzen, wo Ziegelöfen vermutet werden.

Literatur
J. Berlinger, FÖ 1, 1920/33, 243. 259.
R. Noll, Römische Siedlungen und Straßen im Limesgebiet zwischen Inn und Enns (Oberösterreich), RLÖ 21 (Wien 1958) 63–64.
J. Reitinger, Die ur- und frühgeschichtlichen Funde in Oberösterreich (Linz 1968) 333.
G. Winkler, Die Römer in Oberösterreich (Linz 1975) 131–132.
G. Winkler, Die Römer im Bezirk Vöcklabruck, in: Der Bezirk Vöcklabruck (Vöcklabruck 1981) 459.
St. Traxler, Römische Guts- und Bauernhöfe in Oberösterreich, Passauer Universitätsschriften zur Archäologie 9 (Rahden 2004) 131–132.
V. Gassner – R. Ployer, Archäologische Untersuchungen auf dem Haushamerfeld in Pfaffing, AÖ 22/2, 2011, 13–14.
V. Gassner – R. Ployer, KG Pfaffing, OG Pfaffing, in: Berichte zu archäologischen Maßnahmen, FÖ 50, 2011, 347–349 Abb. 82.
V. Gassner – R. Ployer, Archäologische Untersuchungen im Bereich der Villa rustica auf dem Haushamer Feld bei Pfaffing, AÖ 23/2, 2012 (in Druck).
V. Gassner – R. Ployer, Ein ländlicher Siedlungsplatz auf dem Haushamer Feld (Vöcklamarkt) im nordwestlichen Noricum, in: Dörfliche Siedlungen der römischen Kaiserzeit im mittleren Donauraum. Tagung 6.–8. Dezember 2010 in Györ anlässlich des 65. Geburtstages von Eszter Szõnyi (in Druck).
R. Ployer, Untersuchungen zur Besiedlung des südlichen Hausruckviertels (Oberösterreich) während der römischen Kaiserzeit, in: Akten des 14. Österreichischen Archäologentages an der Karl-Franzens-Universität Graz, 19.-21. April 2012 (in Druck).

[1] Berlinger 1920/33; siehe auch Traxler 2004, 131–132.
[2] Zum Verlauf dieser Straße vgl. Noll 1958, 93–95; Winkler 1981, 452–453. 465–466.
[3] Zum Forschungstand zur ländlichen Besiedlung in Noricum vgl. allgemein T. Fischer, Noricum. Orbis Provinciarum (Mainz am Rhein 2002) 108-115; Traxler 2004.
Unser besonderer Dank gilt Walter Schöfbauer, Vöcklamarkt, der auf die Funde aufmerksam machte sowie den Grundbesitzern, dem Ehepaar Christine und Josef Meinhart, die die Arbeiten nicht nur erlaubten, sondern auch tatkräftig unterstützten. Die finanzielle Hauptlast der Arbeiten trug neben der Historisch-Kulturwissenschaftlichen Fakultät der Universität Wien vor allem der Museumsverein sowie die
Kulturabteilung des Landes Oberösterreich. Die Arbeiten wurden in Kooperation mit Christine Schwanzar von den Oberösterreichischen Landesmuseen (Abteilung Archäologie: Römerzeit-Mittelalter-Neuzeit) durchgeführt. Personelle Unterstützung kam vom Amt der Oberösterreichischen Landesregierung, Direktion Straßenbau und Verkehr, Abteilung Geoinformation und Liegenschaft (DI Erwin Kraus, Ing. Christian Bauer, Dieter Eder).
[4] Siehe AÖ 22/2, 2011, 13–14; FÖ 50, 2011, 347–349 Abb. 82.
[5] Die Arbeiten wurden durch T. Riese von Posselt & Zickgraf Prospektionen GbR, Marburg durchgeführt. Besonders danken wir dem Vorsitzenden des Museumsvereins Vöcklamarkt-Pfaffing-Fornach, Herrn KR Karl Ammerer-Willibald, für die finanzielle Unterstützung, die diese Untersuchung erst möglich machte.
[6] St. Traxler – R. Kastler, Römische Guts- und Bauernhöfe in Nordwest-Noricum. Gehöftstrukturen, Wohn- und Badegebäude, Fines Transire 19, 2010, 234–239 Abb. 4. 5.
[7] Für die Bestimmung der Tierknochen danken wir Karl Kunst von VIAS, Universität Wien.
[8] Vgl. dazu etwa K. Grote, Ein augusteischer Stützpunkt bei Hedemünden an der Werra: das Römerlager und seine Außenanlagen, Berichte zur Denkmalpflege in Niedersachsen 1/2010 oder zu einer möglicherweise vergleichbaren Situation in Porolissum/Pometberg http://www.archaeologie.hu-berlin.de/projekte/porolissum/kampagne2011.
[9] B. Tober – R. Risy, KG Oberschauersberg, OG Steinhaus, VB Wels-Land, FÖ 38, 1999, 853 (Oberschauersberg); R.A. Risy, Römerzeitliche Brennöfen in Noricum (Dipl. Univ. Wien 1994) 91 Kat.-Nr. 2 Taf. 33 (Enns) und 53–57. 137 Kat.-Nr. 40 Taf. 56. 57,1 (St. Pölten); H. Kaiser, Zum Beispiel Waiblingen. Römische Töpfereien in Baden-Württemberg, in: Imperium Romanum. Roms Provinzen an Neckar, Rhein und Donau, Ausstellungskatalog Stuttgart (Stuttgart 2005) 403 Abb. 537; R. Koch – U. Pfauth, Ein römischer Keramikbrennofen aus dem Vicus von Weißenburg i. Bay., Das archäologische Jahr in Bayern 1994, 1995, 119–120 Abb. 70.
[10] J. Pammer, Jagdszenen aus Sorviodurum – Zwei römische Töpferbetriebe in Straubing, Das archäologische Jahr in Bayern 2006, 2007, 83–86 Abb. 101.
[11] M. Pietsch – S. Mühlemeier – H.-P. Volpert, Neue Ausgrabungen in einer römischen Villenanlage bei Kay, Das archäologische Jahr in Bayern 1993, 1994, 102–104 Abb. 61. Ein deutlich größerer, aber im Grundriss vergleichbarer Kalkofen ist aus dem bayerischen Baldingen bekannt, vgl. W. Czysz, Der römische Gutshof am Ortsrand von Baldingen, Das archäologische Jahr in Bayern 1994, 1995, 130–133.
[12] Parz. 994, 995, 996, 997/1, 1002, 1003/2, 2896, 2903, 2904. Die Messungen wurden wieder von Posselt & Zickgraf Prospektionen GbR, Marburg durchgeführt.

© Verena Gassner, René Ployer
e-mail: verena.gassner@univie.ac.at, rene.ployer@univie.ac.at

This article should be cited like this: V. Gassner - R. Ployer, Die Villa rustica auf dem Haushamer Feld. Die Ergebnisse der Kampagnen 2011-2012, Forum Archaeologiae 65/XII/2012 (http://farch.net).



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