Forum Archaeologiae - Zeitschrift für klassische Archäologie 29 / XII / 2003
10. Österreichischer Archäologentag

MUSSTEN SIE ERST KOMMEN?
Provinzialrömisches und latènezeitliches aus dem römischen Grabbezirk von Faschendorf (Oberkärnten)

Der römische Grabbezirk von Faschendorf soll diesmal unter neuen Gesichtspunkten betrachtet werden. Zum ersten werden einige herausragende Funde präsentiert und anschließend sollen die Frage der "Romanisierung" im speziellen Fall untersucht werden.
Der Fund einer reichverzierten Henkelattasche eines Bronzebeckens mit omegaförmigen Henkeln stellt bislang ein Unikat in Österreich dar. Vergleiche dazu kennt man aus Pompeji, Thrakien sowie eines aus einem belgischen Museum (Mariemont) und aus Agde (S-Frankreich). Evident für die Bedeutung des Stücks sind die Funde aus Thrakien, die ausschließlich in Hügelgräbern der höchsten sozialen Elite auftreten. Anzunehmen ist eine Herstellung in einer kampanischen Werkstatt aufgrund des massierten Vorkommens in diesem Bereich. Der zweite exzeptionelle Fund ist eine silberne Doppelknopffibel mit der Darstellung zweier Eroten beim Faustkampf in Gold (Abb. 1), zu der bislang kein Vergleich auszumachen ist. Zwischen den beiden sieht man den dem Sieger gebührenden Palmzweig. Prinzipiell handelt es sich um eine beliebte Darstellung, die auch auf Sarkophagen, Gemmen und Terra Sigillata zu finden ist. Im Sepulkralbereich kann man Palästraszenen als Heroisierung des Toten interpretieren. Die Frage der sozialen Stellung der in Faschendorf Bestatteten führt zu den epigraphischen Zeugnissen. Ein Grabtitulus nennt eine Alba Cisioni (eine Tochter des Cisionus, Cisionius oder Cisio). Man hat es hier mit einer peregrinen Frau zu tun, deren Vaternamen eindeutig aus dem Keltischen stammt. Auf einem Sigillatateller kam folgende Ritzinschrift zum Vorschein: GAIO IVLIO VISONIO. Wahrscheinlich ist auch hier eine Ableitung des Namens aus dem Keltischen. Das Bürgerformuluar nennt das Kaisergentile Iulius, weshalb es sich wohl um einen römischen Vollbürger handelt. An fünf Stellen innerhalb und südlich des Grabbezirks wurden Verfärbungen aus verziegeltem Lehm mit Holzkohle festgestellt, in denen sich spätlatènezeitliche Keramik fand.
Von besonderem Interesse sind spätlatènezeitliche Funde und Befunde aus dem Areal des Grabbezirkes. Sog. Aschengruben der ausgehenden Latènekultur sind im Kontext zeitgleicher, wahrscheinlich zerstörter Gräber zu sehen. Der Rest eines Spätlatèneschwertes und eines Kettenhemdes (Abb. 2) sind aller Wahrscheinlichkeit nach als - allerdings dislozierte Grabfunde zu interpretieren. Das Kettenhemd dürfte das bislang älteste auf österreichischem Boden sein.
Schwert und besonders das Kettenhemd höchster Qualität und spätrepublikanischer Machart weisen auf ebensolche Gräber höchster Ausstattungsklasse hin. So stellt sich die Frage, ob der Faschendorfer Grabbezirk nicht auch Grablege einer einheimischen, höchst elitären Familie im Umland von Teurnia war, die dort noch mindestens bis in die mittlere Kaiserzeit bestattet hat.

© Julia Polleres, Wolfgang Artner
e-mail: julia.polleres@uibk.ac.at
Wolfgang.Artner.arch@chello.at

This article will be quoted by J. Polleres - W. Artner, Mußten sie erst kommen? Provinzialrömisches und latènezeitliches aus dem römischen Grabbezirk von Faschendorf (Oberkärnten), Forum Archaeologiae 29/XII/2003 (http://farch.net).



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