Forum Archaeologiae - Zeitschrift für klassische Archäologie 29 / XII / 2003
10. Österreichischer Archäologentag

HIBERNIA: UNTERSUCHUNGEN ZUM RÖMISCHEN FUNDMATERIAL

In den uns heute etwa 25 überlieferten antiken Schriftstellen wird Irland meist als Ivernia, Ierne, Iris, Ivernos, Iverne oder Hibernia bezeichnet. Tacitus berichtet in Agricola 24 von seinem Schwiegervater gehört zu haben, dass Irland mit nur einer Legion und mäßigem Hilfsvolk leicht hätte unterworfen werden können. Weiters seien die geographischen Kenntnisse sowie die Lebensweise durch zahlreiche Kaufleute und den Handel mit den dortigen Bewohnern den Römern ausreichend bekannt gewesen.
Aus archäologischer Sicht kann ein Einmarsch der römischen Truppen bzw. jedwede kriegerische Auseinandersetzung, gleichwohl dies speziell für die Fundstelle Drumanagh Co. Dublin angenommen wird, bislang nicht eindeutig belegt werden. Die römischen Fundgegenstände scheinen vielmehr auf Handelsverbindungen, Flüchtlingswellen aus Britannien, Söldner, Abenteurer, Piraterie resp. in späterer Zeit auf Missionare und durch den Kunsthandel ins Land gekommenes Material hinzuweisen. Im Allgemeinen können die Objekte einer frühen Phase (1.Jh. v.Chr. bis zum Ende des 2.Jhs. n.Chr.) und einer späteren Phase (4.Jh. n.Chr.) zugeordnet werden.

Bei einem Großteil der Fundgegenstände der frühen Phase handelt es sich in erster Linie um Trachtbestandteile, Glasgefäße, Silberbarren, Bronzespiegel und Münzen. Zu den Hinterlassenschaften der späteren Phase zählt man vor allem eine ganze Reihe bedeutender Münzhorte. Die auffallende Funddichte um die heutige Hauptstadt Dublin an der Ostküste darf im Moment nur so erklärt werden, dass dieser Bereich der Küste günstige Anlegestellen geboten hat, von wo die Ware problemlos in das Landesinnere verschifft werden konnte. Zu den herausragendsten Fundkomplexen gehört mit Sicherheit der Hortfund von Balline Co. Limerick (Abb.), er umfasst insgesamt vier Silberbarren mit Stempelung sowie drei Silbergeschirr Fragmente, wobei die Objekte aufgrund eines gesichert datierten Vergleichsfundes aus Richborough in Kent an das Ende des 4.Jhs. n.Chr. datiert werden. Ein Urnengrab aus Stoneyford Co. Kilkenny und eine gravierte Schieferplatte eines vermutlich Ophthalmologen aus Golden Co. Tipperary liefern neben vielen anderen Fundgegenständen wichtige Hinweise auf die Verbindungen zum Römischen Reich.

© Sonja Laus
e-mail: csac9137@uibk.ac.at

This article will be quoted by S. Laus, Hibernia: Untersuchungen zum römischen Fundmaterial, Forum Archaeologiae 29/XII/2003 (http://farch.net).



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