Forum Archaeologiae - Zeitschrift für klassische Archäologie 29 / XII / 2003
10. Österreichischer Archäologentag

ANTIKE BILDSPRACHE UND DAS SOG. PARTHERDENKMAL VON EPHESOS

Wir haben das Glück, die wohl aussagekräftigste Reliefdarstellung aus der Adoptionsserie nahezu unversehrt erhalten zu haben. Die sog. Kaiserplatte (Abb.) ist nicht nur die einzige der Reliefplatten, die eindeutig auf ein konkretes historisches Ereignis weist, sondern ist auch innerhalb der römischen Staatskunst mit dem inhaltlichen Bezug auf die Nachfolgeregelung des Kaisers Hadrian im Jahre 138 n.Chr. offenbar singulär. Es ist nicht der Staatsakt selbst visualisiert, sondern die mit diesem Akt verbundene Opferhandlung, an der wahrscheinlich auch Mitglieder des Kaiserhauses und der "neuen" Familien teilgenommen hatten. Betrachtet man diese Szene ohne große Vorkenntnisse, so wird man Hadrian und Antoninus Pius als Hauptakteure verstehen, die beiden jungen Prinzen als zukunftsträchtige Mitglieder des Kaiserhauses und als Erben der Antoninendynastie.
Diese Szene birgt den Schlüssel zu allen weiteren Deutungen des Bildprogrammes, d.h. das Jahr 138 ist als terminus post quem zu verstehen, dem unmittelbar die Errichtung eines Denkmals folgte.


Mit der Darstellung einer militärischen Unternehmung auf einem Staatsdenkmal soll dem Publikum die Glorie und die Virtus des Kaisers und des Heeres visualisiert werden. Der Schlachtfries bezieht sich nicht auf eine konkrete Kampfhandlung, sondern veranschaulicht die militärische Überlegenheit der Römer den Feinden bzw. Barbaren gegenüber.
Mit den Personifikationen wurde ein Bildthema gewählt, das zum einen die Politik der Kaiser Hadrian und Antoninus Pius widerspiegelt, zum anderen die Heterogenität der Ikonographie personifizierter Ethnien, Städte oder Länder verdeutlicht und deren Bedeutung für das Imperium Romanum als orbis terrarum pacata hervorhebt.
Die pietas erga deos kommt an diesem Denkmal nicht nur durch die Opferbilder zum Ausdruck, sondern auch durch die Darstellung der Götter.
Das Bildprogramm des Denkmals ehrt Kaiser Hadrian in mehrfacher Hinsicht: als Initiator der Nachfolgeregelung über mindestens zwei Generationen, als Organisator eines stabilen "Vielvölkerstaates" auf militärischer und verwaltungstechnischer Ebene und als tugendhaften Staatsmann, dessen Herrschaft durch die Götter legitimiert war. Das gesamte Bildprogramm des sog. Partherdenkmals läßt sich sehr gut in die Bildersprache der Regierungszeit dieser beiden Kaiser einordnen.

© Alice Landskron
e-mail: alice.landskron@univie.ac.at

This article will be quoted by A. Landskron, Antike Bildsprache und das sog. Partherdenkmal von Ephesos, Forum Archaeologiae 29/XII/2003 (http://farch.net).



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