Forum Archaeologiae - Zeitschrift für klassische Archäologie 39 / VI / 2006

DIE GRABUNG SCHÜTZENGASSE 24 IN WIEN: ERGEBNISSE AUS DEM WIRTSCHAFTSBEREICH EINES HAUSES IN DER ZIVILEN SIEDLUNG VON VINDOBONA

Im Februar letzten Jahres ergab sich für die Stadtarchäologie Wien die Möglichkeit ein 600 m2 großes Grundstück im 3. Wiener Gemeindebezirk zu untersuchen. Es umfasst sowohl die Liegenschaft Rennweg Nr. 57 als auch diejenige in der Schützengasse Nr. 24. Diese Parzelle ist für die Stadtarchäologie besonders interessant, da sie direkt an den Rennweg, der die römische Limesstraße nach Carnuntum überbaut, anschließt und mitten in der Zivilsiedlung von Wien liegt.
Nach dem Abtragen eines Teils der rezenten Humusdecke konnten wir drei neuzeitliche Strukturen beobachten: Ausgehend vom Durchgang des Hauses Rennweg 57 führte ein Kanal nach Norden und durchschnitt ein Becken mit 2,5 m Seitenlänge. Beide Bauteile waren aus Ziegeln errichtet worden. Möglicherweise handelt es sich dabei um einen Sickerschacht, in dem das Dachwasser aufgefangen und zumindest für eine kurze Zeit gesammelt werden konnte. Der Kanal könnte als Überlauf gedient haben. Im Südwesten des Grabungsareals lag ein 14 m tiefer Brunnen. Etwas weiter im Norden konnten wir die Reste eines "Komposthaufens" sichern.


Die chronologische Abfolge der römischen Strukturen stellte sich nun wie folgt dar: Vor der ersten Besiedlung befand sich hier ein bewachsenes Gelände, das nach Norden (Richtung Schützengasse) abfiel. Für die Bebauung mussten die ersten Siedler eine zumindest partielle Rodung vornehmen, die sich in einer ca. 1-5 cm dicken Holzkohlenlage im Südwesten des Grabungsareals niedergeschlagen hat. Römische Befunde konnten von uns vom Ende des 1. bis ins 3. Jh. n.Chr. verfolgt werden. In diesem Zeitraum wurden hier ein Holzgebäude und zwei Steinbauten errichtet. Die Holzbauphase ließ sich durch ein in Nord-Süd Richtung verlaufendes Pfostengräbchen, dessen Pfosten einen Durchmesser von bis zu 15 cm hatten, feststellen. Ausgehend von diesem Gräbchen konnte wir eine weitere Pfostensetzung, deren Ruten einen Durchmesser von nur 8 cm aufwiesen dokumentieren. Zu dieser Phase gehören auch zwei Feuerstellen und mehrere Gruben. Im 2. Jh. n.Chr. ist das Gelände im Norden um bis zu 0,60 m aufplaniert worden. Entlang der Ost-Grenze der Parzelle konnten wir eine Querstraße zu der unter dem Rennweg liegenden Limesstraße feststellen. Das Holzgebäude wurde durch ein Haus, welches zumindest ein dreilagiges Schotterfundament und einen 0,5 m hohen erhaltenen Sockel bzw. Mauer aus opus caementitium besaß, ersetzt. In der Südwest-Ecke eines großen Raumes kamen drei nebeneinander liegende Backöfen (Abb.) zum Vorschein, die uns einen Eindruck von der Lebensgrundlage der Bewohner dieses Hauses vermitteln kann.

© Sabine Jäger-Wersonig
e-mail: jag@m07.magwien.gv.at

This article should be cited like this: S. Jäger-Wersonig, Die Grabung Schützengasse 24 in Wien: Ergebnisse aus dem Wirtschaftsbereich eines Hauses in der zivilen Siedlung von Vindobona, Forum Archaeologiae 39/VI/2006 (http://farch.net).



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