Forum Archaeologiae - Zeitschrift für klassische Archäologie 94 / III / 2020

DAS LATÈNEZEITLICHE GRÄBERFELD VON KLEINKLEIN, STEIERMARK

Seit dem Jahr 2018 wird vom Verein ASIST (Archäologisch-Soziale Initiative Steiermark) in Zusammenarbeit mit der Steirischen Wissenschafts- Umwelt- und Kulturprojektträger Gmbh (St:WUK) und dem AMS Leibnitz im Auftrag und in Kooperation mit dem Archeo Norico Burgmuseum Deutschlandsberg auf dem westlich des hallstattzeitlichen Grabhügels Pommerkogel (MG/ KG Großklein) gelegenen Grundstück eine archäologische Grabung durchgeführt. Diese wurde aufgrund der bevorstehenden Bebauung eines Großteils des Grundstückes notwendig und erbrachte auch interessante Funde und Befunde, zu welchen eine bronzezeitliche Quellfassung sowie eine wohl bronzezeitliche Materialentnahmegrube zählen.
Im Jahr 2019 konnte das hier vermutete Gräberfeld der Latènezeit (Abb.) durch das Auffinden mehrerer Gräber weiter untermauert werden. Das erste dieser Gräber konnte bereits 1977 geborgen werden, nachdem es beim Pflügen der Fläche angefahren wurde. Dieses Grab beinhaltete neben drei organischen Urnen ein Schwert, eine Lanzenspitze, ein Messer und Reste einer Schwertkette sowie weitere Eisenfunde.

Grab 2 wurde beim Oberbodenabtrag angetroffen und war bereits durch die intensive landwirtschaftliche Nutzung in Mitleidenschaft gezogen worden. Es handelt sich um ein klassisches Schwertgrab, dessen Inventar aus dem Eisenschwert, einer Lanze, einem Hiebmesser, einem Bronzering, drei Eisenfibeln und diversen Keramikfragmenten sowie Leichenbrand besteht.
Die Gräber 3 und 4 zeigen viele verkohlte Holzreste und dürften nahezu ungestört sein, da an ihren Oberflächen noch teilweise Reste des umgebenden Lehmbodens aufzufinden waren. Als Beigaben können bis dato nur Keramikfragmente angeführt werden, da die Gräber im Block geborgen wurden und zeitnah restauriert werden.
Die Gräber 5 und 6 sind durch die Landwirtschaft in Mitleidenschaft gezogen worden, zeigen aber die Ausstattungen zweier Kriegergräber, welche noch der Restaurierung bedürfen.
Zwischen den Gräbern 1 und 2 konnte eine Nord-Süd-orientierte, stark holzkohlehaltige Verfüllung angetroffen werden, in welcher sich neben zwei kleinen Fragmenten an Leichenbrand auch Keramikscherben und eine Duxer Fibel fanden.
Ein weiterer als Grab interpretierter Befund wurde bei Grabungen des Universalmuseum Joanneum für die Errichtung der Zufahrtsstraße freigelegt. Hierbei handelt es sich um eine Holzkammer, in welcher Keramikreste aufgefunden wurden. Aufgrund des Fehlens von Leichenbrand und der Position der Keramikgefäße wird von einem Skelettgrab ausgegangen, dessen Knochen wohl vergangen sind.
Anhand der bisherigen Ergebnisse datiert das Gräberfeld von der Stufe LT B2 bis zumindest LT C, wobei Funde aus der Ackerkrumme auch in das LT D deuten. Weitere Erkenntnisse, besonders zur Datierung und der Grabausstattung, sind durch die Bearbeitung der Blockbergungen und die Restaurierung der Funde sowie der 2020 fortgeführten Grabung zu erwarten.

© Florian Mauthner
e-mail: florian.mauthner@gmx.net

This article should be cited like this: F. Mauthner, Das latènezeitliche Gräberfeld von Kleinklein, Steiermark, Forum Archaeologiae 94/III/2020 (http://farch.net).



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