Forum Archaeologiae - Zeitschrift für klassische Archäologie 94 / III / 2020

MATERIA SECUNDA

Der Kunstband MATERIA SECUNDA folgt den historischen Spuren mitteleuropäischer Gipsabgusssammlungen und widmet sich damit einem in Europa und Nordamerika weit verbreiteten und doch wenig bekannten Kulturerbe. Es macht sich auf die Suche nach Orten der Herstellung, Aufbewahrung und Präsentation von Abgüssen und Modellen und zeigt dabei nicht nur öffentliche Schau- und Studiensammlungen an Museen und Universitäten, sondern wirft auch einen Blick hinter die Kulissen in Depots und Werkstätten.
Die verschiedenen Kategorien von Gipseinrichtungen begründen die Gliederung in einzelne Kapitel: Gipsformereien und Werkstätten, Universitäre Sammlungen/Lehrsammlungen, Künstlerateliers, Depots/Lager, Private Sammler und anthropologische Sammlungen. Neben mehreren Sammlungen in Österreich (Wien, Baden, Graz, Salzburg) wurden exemplarisch rund zwanzig Institutionen in Deutschland, Italien, Frankreich, Belgien und der Schweiz zur Präsentation ausgewählt.

Der Titel bezieht sich auf den aristotelischen Begriff für „geformte Materie“ im Gegensatz zum „universellen Urstoff“ (materia prima) und spiegelt das Verhältnis zwischen dem plastischen Original und seiner Kopie in Gips.
Die fotografischen Aufnahmen von Christoph Lingg fangen die magische, mitunter auch ein wenig skurrile Atmosphäre rund um die Figuren aus Gips ein und lassen sie in der Art von Porträts mit dem Betrachter in einen Dialog treten. Die Textabschnitte von Danica Beyll spannen einen historischen Bogen von der Einrichtung der ersten Gipssammlungen an verschiedenen europäischen Fürstenhöfen über mehrere Jahrhunderte ihrer wechselhaften Wertschätzung bis zu aktuellen Entwicklungen und würzen die „große Geschichte“ mit „kleinen Geschichten“ aus dem Anekdotenschatz der Sammlungen.
Mit den Methoden der Fotografie und der historischen Recherche bewegt sich MATERIA SECUNDA wie die Gipsabgüsse selbst im Spannungsfeld zwischen Kunst und Wissenschaft. Es möchte einladen zum Schauen und Schmökern und einen Beitrag leisten zum aktuellen Diskurs über den kulturhistorischen und gesellschaftsrelevanten Stellenwert der Sammlungen, der über den Expertenkreis hinaus ein breiteres Publikum erreichen soll.
Das Buch präsentiert sich im handgefertigten textilen Einband mit einer eingearbeiteten Vitrine, die den Miniaturabguss eines antikisierenden Köpfchens aus Gips bewahrt.

MATERIA SECUNDA von Danica Beyll(Text) und Christoph Lingg(Fotografie)
25 x 25 cm, 176 Seiten
Edition Aufbruch, Wien 2019
ISBN 978-3-9502450-5-9
Euro 59,- zzgl. Versandkosten
www.editionaufbruch.com

© Danica Beyll, Christoph Lingg
e-mail: danica.beyll@yahoo.de

This article should be cited like this: D. Beyll – Ch. Lingg, MATERIA SECUNDA, Forum Archaeologiae 94/III/2020 (http://farch.net).



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