Forum Archaeologiae - Zeitschrift für klassische Archäologie 78 / III / 2016

DER INFORMATIONSGEHALT VON SCHUTTSCHICHTEN – ÜBERLEGUNGEN ZU AUSGEWÄHLTEN KERAMIKKOMPLEXEN AUS PHENEOS

Pheneos liegt in Arkadien auf der Peloponnes, in der Hochebene zwischen Chelmos und Kyllene. Im Nordwesten der Ebene befindet sich ein kleiner Hügel, die Akropolis des antiken Pheneos.
Seit 2011 sind dort archäologische Grabungen entlang der antiken Befestigungsmauer im Rahmen des Projekts Archaia Pheneos durchgeführt worden. Es handelt sich um eine Kooperation der EFA Korinthias (ehemalige 37. Ephorie für Prähistorische und Klassische Altertümer in Korinth) und dem ÖAI Zweigstelle Athen, in diesem Projekt vertreten durch die Universität Graz.
Die folgenden Erkenntnisse basieren auf der Fundbearbeitung aus einem Schnitt, welcher am Ostende des bekannten Mauerverlaufs angelegt wurde. Untersucht wurden die mauerbauzeitlichen Schichten an der Innenseite der Befestigungsmauer. Es handelt sich dabei um Material, welches nach Errichtung der Mauer zu dieser hin aufgeschüttet wurde, um den durch den Bau entstandenen hangseitigen Geländezwickel zu füllen.
Die Funde sind kleinscherbig und eher schlecht erhalten. Die meisten Fragmente weisen abgeschliffene und rund-geriebene Ränder und Kanten auf. Passscherben sind so gut wie keine vorhanden. Das sind Hinweise darauf, dass das schon fragmentierte Material (vielleicht auch mehrmals) bewegt wurde. Des Weiteren ist die Fundkeramik dieser Schichten chronologisch durchmischt. Neben prähistorischen Fragmenten und wenigen aus dem 5.Jh. v.Chr. kann der Großteil in das 4.Jh. v.Chr. datiert werden, wenige Stücke könnten auch eine Laufzeit bis Anfang 3.Jh. v.Chr. haben. Unter Berücksichtigung des Befundes und des Fundmaterials werden diese Schichten daher als Schuttschichten angesprochen.
Die Keramik ist in Fabrikat-Gruppen gegliedert worden. Als Fabrikat wurde der Rohstoff Ton inklusive dessen Zuschlagstoffe, also das Material aus dem das Gefäß gefertigt wurde, verstanden und in gebranntem Zustand beschrieben. Die Analyse der Fabrikate ermöglichte die Keramik in Gruppen zu gliedern und ein Bild der Eigenschaften und der Vielfalt der vorhandenen Keramik in Pheneos zu gewinnen. Die Fragmente konnten nur mit freiem Auge und in mit Wasser gereinigtem Zustand analysiert werden. Die Einteilung erfolgte nach dementsprechenden Merkmalen.


Bisher ist keine Keramikproduktion aus dem Becken von Pheneos belegt. Die Quantität von zwei Fabrikat-Gruppen sowie ein Skyphosboden, der Spuren eines Fehlers während des Herstellungsprozesses aufweist (Abb.), deuten jedoch darauf hin, dass eine hellbeige bis braun-beige Keramik mit schwarzem Überzug lokal produziert worden sein könnte.
Die untersuchten Schichten beinhalten auch Fragmente, die im Zusammenhang mit dem Heiligtum standen, welches in unmittelbarer Nähe südwestlich des Schnittes freigelegt wurde. Da es sich um Schuttschichten handelt, sprechen diese Funde für die Annahme einer Einschränkung des Kultbetriebs durch den Bau der Befestigungsmauer. Der sakrale Kontext jener Fragmente wurde zum Zeitpunkt, als diese gemeinsam mit anderem Material und Erdmaterial zur Mauer hin aufgeschüttet wurden, nicht mehr berücksichtigt.

© Claudia Löckher
e-mail: loeckher_c@gmx.at

This article should be cited like this: C. Loeckher, Der Informationsgehalt von Schuttschichten – Überlegungen zu ausgewählten Keramikkomplexen aus Pheneos, Forum Archaeologiae 78/III/2016 (http://farch.net).



HOME