Forum Archaeologiae - Zeitschrift für klassische Archäologie 78 / III / 2016

DIE BIOARCHÄOLOGISCHE GESELLSCHAFT – EINE NEUE INITIATIVE ZUR PRÄSENTATION UND FÖRDERUNG BIOARCHÄOLOGISCHER FORSCHUNG IN ÖSTERREICH

Bioarchäologische Fachdisziplinen stellen seit Jahrzehnten unverzichtbare Bestandteile der archäologischen Forschung dar und steuern wesentliche Erkenntnisse zum Verständnis vergangener Kulturen bei. Dabei spannt sich ein thematischer Bogen von der Demografie prähistorischer und historischer Populationen und deren gesundheitlichen Zustandes zu Fragen der Ernährung, der Ressourcenverfügbarkeit bzw. -nutzung, zur sozialen und ökonomischen Organisation bis hin zu Glaubensvorstellungen und deren Manifestationen. Dennoch erscheint in Österreich die Wahrnehmung der Möglichkeiten bioarchäologischer Disziplinen sowohl innerhalb der historisch/archäologischen Fachcommunity als auch in der breiten Öffentlichkeit gegenüber verbesserungswürdig. In diesem Sinne ist auch zu verstehen, dass 90% der BioarchäologInnen, die an der Umfrage „Bioarchäologie in Österreich – eine Standortbestimmung“ (Frühjahr 2015) teilgenommen haben, die Errichtung einer Interessenvertretung als „wichtig“ oder „sehr wichtig“ befanden. Um diesem Anliegen nachzukommen und nachhaltig an der Weiterentwicklung und stärkeren Verankerung bioarchäologischer Disziplinen in Österreichs Wissenschaftslandschaft zu arbeiten, wurde die „Bioarchäologische Gesellschaft Österreichs“ gegründet.

Die Gesellschaft verfolgt hierbei mehrere Ziele:
- Bessere Vernetzung und Kommunikation zwischen den bioarchäologisch tätigen Personen in Österreich.
- Bessere Vernetzung und Kommunikation zwischen BioarchäologInnen und potentiellen Auftraggebern, bzw. archäologisch/kulturhistorisch tätigen WissenschafterInnen.
- Bewusstseinsbildung für die Methoden und Aussagemöglichkeiten der bioarchäologischen Disziplinen und den dadurch zu erzielenden erweiterten Erkenntnisgewinn für kulturhistorische Wissenschaftsbereiche.
- Eine Stärkung der bioarchäologischen Fachdisziplinen im Kanon der kulturhistorischen Wissenschaftslandschaft Österreichs.
- Klar definierte Vorgaben zum Leistungsumfang und zur Qualität der Bearbeitung bioarchäologischer Fundmaterialien sowie transparente und nachvollziehbare Vergütungsrichtlinien, vor allem für freiberuflich agierende KollegInnen.
- Eine Interessensvertretung für BioarchäologInnen darzustellen sowohl einer breiten Öffentlichkeit gegenüber als auch gegenüber fachspezifisch relevanter Organisationen und Teilen der Wissenschaftscommunity.

Um diese Ziele zu erreichen, möchte sich die Gesellschaft folgender Mittel bedienen:
- Vernetzung und Kommunikation nach innen und außen: Durch eine gemeinsame Website sollen nicht nur die unterschiedlichen Fachdisziplinen dargestellt werden sondern auch den Mitgliedern die Möglichkeit einer umfassenden Repräsentation gegeben werden.
Die Website soll auch als Kommunikationsplattform zwischen BioarchäologInnen selbst, wie auch zu der Kollegenschaft aus den unterschiedlichen archäologischen/historischen Disziplinen dienen. Dadurch soll eine effizientere fachspezifische Koordination als auch eine Verbesserung der Position der bioarchäologischen Fächer im Kreise der archäologisch/historischer Wissenschaftsbereiche erzielt werden.
- Öffentliche Bewusstseinsbildung: Durch (populär-)wissenschaftliche Aktivitäten und die Forcierung der bioarchäologischen Fachbereiche in der Medienlandschaft soll die Sinnhaftigkeit und Notwendigkeit bioarchäologischer Forschung einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.
- Erstellung von Richtlinien für bioarchäologische Tätigkeiten: Etablierung eines Katalogs zur Leistung und Vergütung bioarchäologischer Tätigkeit vor allem für freiberuflich agierende Mitglieder um diesen ein entsprechendes Einkommen zu ermöglichen und um potentiellen Auftraggebern eine transparente und kalkulierbare Basis für die Projekterstellung zu ermöglichen.
- Consulting: Der Verein möchte, unter Einbeziehung seiner Mitglieder, eine Funktion als zentrale Informationsanlaufstelle für Grabungsfirmen, Museen, Universitäten, Denkmalschutzbehörden, etc. darstellen, um bioarchäologische Methoden und deren Rahmenbedingungen zu vermitteln und diese besser in die jeweiligen Verfahrensweisen zu implementieren.
- Nachwuchsförderung: Eine aktive Nachwuchsförderung, die nicht nur das Interesse an bioarchäologischen Disziplinen innerhalb der Studierenden stärken, sondern auch Unterstützung und Hilfestellung für fortgeschrittene Studierende und NachwuchswissenschafterInnen beinhalten soll.

© Michaela Binder, Herbert Böhm, Andreas G. Heiss, Maria Marschler, Doris Pany-Kucera, Andrea Stadlmayr
e-mail: info@bag.or.at

This article should be cited like this: M. Binder – H. Böhm – A.G. Heiss – M. Marschler – D. Pany-Kucera – A. Stadlmayr, Die Bioarchäologische Gesellschaft – Eine neue Initiative zur Präsentation und Förderung bioarchäologischer Forschung in Österreich, Forum Archaeologiae 78/III/2016 (http://farch.net).



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