Forum Archaeologiae - Zeitschrift für klassische Archäologie 54 / III / 2010

DER APOLLO DES AUGUSTUS
Zur Verbindung von augusteischer Religionspolitik und Kunst am Beispiel einer Gottheit

Von allen Göttern des römischen Pantheons stand Apollo Augustus am nächsten. Nach Cassius Dio (45, 1, 2) verdankte er seine Adoption durch Caesar vor allem dem Gerücht, er wäre in Wahrheit der Sohn des Apollo. Eine derartige Legendenbildung noch zu Lebzeiten des Augustus wäre nicht überraschend, doch für die 40er Jahre v.Chr. ist sie noch nicht anzunehmen.
Aus den archäologischen und historischen Quellen geht hervor, dass Apollo mitsamt seiner Symbolik bis zur Schlacht von Actium 31 v.Chr. nicht allein Octavian zuzuordnen ist. So wird der Neubau des Apollotempels auf dem Marsfeld zwischen 37 und 34 v.Chr. durch C. Sosius, einen Anhänger des Marcus Antonius, in Angriff genommen. Die Niederlage des Marcus Antonius bei Actium bedeutete für Octavian das siegreiche Ende der Bürgerkriege. Dieser Sieg wurde mit Apollo verbunden, da auf dem Vorgebirge von Actium ein Apolloheiligtum lag.
Besonders nahe kamen sich Kaiser und Gott auf dem Palatin, unweit des mythischen Ursprungs Roms: In der Nähe der Hütte der Romulus entstand ein hellenistisch anmutender Residenzkomplex mit Apollotempel (28 v.Chr. eingeweiht), Portiken und Bibliotheken. Octavian verwarf dafür nach Actium ältere, bescheidenere Pläne. In diesem Komplex auf dem Palatin zeigt sich ein wesentliches Merkmal der augusteischen Apolloverehrung und der augusteischen Religionspolitik allgemein: die Anwendung von Symbolen. Zu ihnen zählen u.a. Lorbeer, Dreifuß und Baitylos. Sie sind auch Teil der Ausstattung verschiedener stadtrömischer Bauprogramme des Augustus.
Diese Propagierung des Apollo durch Augustus in der Öffentlichkeit ist literarisch gesichert und archäologisch belegt. Lückenreicher ist die Überlieferung im privaten Bereich, wodurch die Untersuchung des Einflusses der offiziellen Apolloverehrung erschwert wird. Als Beispiel kann hier die Villa des Voconius Pollio in Marino gelten.
Für die besondere Betonung des Apollo durch Augustus lassen sich verschiedene Motive anführen. Einerseits verband man Apollo seit der späten Republik mit der cumanischen Sybille und ihren Prophezeiungen eines neuen, friedlichen Zeitalters. Indem Augustus Apollo und seinen Symbolen einen gewichtigen Raum einnehmen ließ, konnte er darauf hinweisen, dass er diese Prophezeiungen nun erfüllte. Des Weiteren oblag Apollo schon im griechischen Mythos die Bestrafung von Hybris, z.B. bei der Tötung der Niobiden, die im Umfeld beider Apollotempel dargestellt war. Der Sieg des Augustus konnte als Bestrafung der Hybris seiner Vorgänger und Gegner angesehen werden. Auch die entsühnende Funktion des Apollo war von Bedeutung: Im Rahmen des Triumphzuges wurde, so E. Simon, mithilfe des Lorbeers das zurückgekehrte Heer religiös gereinigt und von der Blutschuld entsühnt. Nach Jahrzehnten des Bürgerkrieges war dies ein wertvoller Aspekt der augusteischen Religionspolitik.
Die Propagierung des Apollo entspricht vorzüglich dem politischen Programm des Augustus. Dies soll jedoch nicht zur Annahme verleiten, sie wäre von Anfang an strategisch geplant gewesen: Die Betonung des Apollo als religionspolitisches Programm wurde von Augustus übernommen, entwickelt und ausgebaut.

© Magdalena Stütz
e-mail: magdalena_stuetz@yahoo.com

This article should be cited like this: M. Stütz, Der Apollo des Augustus. Zur Verbindung von augusteischer Religionspolitik und Kunst am Beispiel einer Gottheit, Forum Archaeologiae 54/III/2010 (http://farch.net).



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