Forum Archaeologiae - Zeitschrift für klassische Archäologie 54 / III / 2010

DAS INTERVALLUM IM LEGIONSLAGER VINDOBONA

Die Grabungen der Stadtarchäologie Wien im Bereich der Feuerwehrzentrale Wien 1, Am Hof 7-10 in den Jahren 2007 bis 2009 führten zur Aufdeckung eines bislang unbekannten Abschnittes innerhalb des römischen Legionslagers Vindobona. Neben der bereits 2007 erfolgten Lokalisierung der fabrica waren es hauptsächlich Befunde im Bereich des westlichen Intervallums, die im Fokus der Grabungen standen. Auf einer Länge von 30m erfolgte eine detaillierte Dokumentation der chronologischen und funktionalen Entwicklung der Baustrukturen zwischen via sagularis und der westlichen Lagermauer. Auch wenn die Lagermauer selbst knapp außerhalb des Grabungsabschnittes lag, so gelang dennoch eine Rekonstruktion der an sie anschließenden Anlagen: Über den gesamten Grabungsabschnitt konnte der Verlauf des Kanals der via sagularis verfolgt werden, der weiter südlich bereits 1953 aufgedeckt wurde und somit nun auf einer Länge von über 60m bekannt ist. Wie bereits unter anderem in einigen britannischen Legionslagern im Intervallum festgestellt, so konnte nun auch in Vindobona die Anlage einer Backofenbatterie, bestehend aus vier nebeneinander gesetzten, im Grundriss kreisrunden Öfen entlang der via sagularis dokumentiert werden. Diese über einem Steinkranz aufgebauten Lehmkuppelöfen entstanden bereits während der Errichtungszeit des Legionslagers am Ende des 1. Jahrhunderts n. Chr. Sie waren unmittelbar an den Erdwall gesetzt und von einer einfachen Holzkonstruktion überdacht worden.


Noch während der Mittelkaiserzeit werden diese Öfen demoliert. Fünf mächtige, bis zu 1,20m tiefe Pfostengruben, welche diese Objekte schneiden, weisen entweder auf einen weiteren (mehrstöckigen?) hölzernen Anbau oder eine den Erdwall stützende Wehrgangskonstruktion. In der Spätantike wird der Wall abschnittsweise abgetragen und durch langrechteckige Gebäude ersetzt, wobei jenes Am Hof nachgewiesene eine Länge von über 22 m und eine Breite von mindestens 6 m aufweist. Dieses Gebäude ist in seiner Längsausdehnung durch drei 6-7m lange und mindestens 3,50m breite Räume gegliedert, die zumindest zwei Bauphasen aufweisen. Entlang der Lagermauer dürften noch weitere Raumeinheiten anschließen. Der größte Raum im Süden zeigte in seiner ersten Bauperiode Werkstattbefunde, die schließlich durch einen Wohnraum mit T-förmiger Schlauchheizung und Mörtelestrichboden ersetzt werden. Die übrigen Räume sind funktional vorerst nicht interpretierbar, zeigen aber in ihrer zweiten Bauphase gut erhaltene Lehmziegelmauern. Im Unterschied zur Befundlage im Bereich der Kasernen oder der fabrica des Legionslagers Vindobona konnten bei den Gebäuden entlang der Lagermauer keine typischen Verfalls- oder Versturzhorizonte des 5. Jahrhunderts und auch keine so genannte "Schwarze Schicht" festgestellt werden, was offensichtlich hauptsächlich auf Planiermaßnahmen im Zuge der Errichtung des jüdischen Ghettos im Hochmittelalter zurückzuführen ist, welche diese Horizonte konsequent beseitigte.

© Martin Mosser
e-mail: martin.mosser@wien.gv.at


This article should be cited like this: M. Mosser, Das Intervallum im Legionslager Vindobona, Forum Archaeologiae 54/III/2010 (http://farch.net).


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