Forum Archaeologiae - Zeitschrift für klassische Archäologie 54 / III / 2010

KLEIDUNG, IDENTITÄTEN UND TEXTILPRODUKTION ZWISCHEN ÄGÄIS UND BALKAN BIS ZU DEN RÖMERN: BERICHT ÜBER EIN TEILPROJEKT IM RAHMEN VON DressID-PROJECT

DressID [1] ist ein multinationales und interdisziplinäres Forschungs- und Ausstellungsprojekt zur Erforschung von Kleidung und Identitäten im Römischen Reich, das mit Unterstützung des Kulturprogramms der Europäischen Union [2] von 2007 bis 2012 unter der Leitung der Reiss-Engelhorn-Museen in Mannheim [3] und der Beteiligung sechs weiterer europäischer Institutionen [4] stattfinden kann.
Gegenstand der Forschung sind Textilfunde, Bild- und Schriftquellen der gesamten römischen Antike mit dem Ziel der Erforschung von Kleidung und Textilien in Bezug auf dress-codes als Ausdruck der ethnischen, sozialen, religiösen und geschlechtsspezifischen Identität des antiken Individuums sowohl gegenüber seinem unmittelbaren sozialen Umfeld als auch gegenüber dem Römischen Imperium. Das Projekt bietet erstmals eine umfassende Plattform für ForscherInnen diverser geistes- und naturwissenschaftlicher Disziplinen, die sich mit unterschiedlichen Methoden der Untersuchung antiker Textilien und Kleidung widmen. Der enorme Fragenkomplex ist in elf Arbeitsgruppen strukturiert, die sich sowohl der Grundlagenforschung als auch Kontextfragen widmen und reicht von der Analyse einzelner Trachtenelemente bis zu Produktion und Handel von Textilien.
Der jeweilige Forschungsstand wird bei jährlichen Generalversammlungen, Treffen der einzelnen Arbeitsgruppen sowie diverse thematisch eng verknüpfte Kongressen von den Teilnehmern des Projektes präsentiert. Die Ergebnisse sollen in einer Wanderausstellung, mehreren Begleit- und einer abschließenden Publikation einem internationalen Fach- und Laienpublikum in anschaulicher Weise zur Kenntnis gebracht werden. Als erste Station der Ausstellung im November 2012 ist Wien geplant [5]; es folgen die Reiss-Engelhorn-Museen und das Wissenschaftsmuseum in Valencia.

Die Unterzeichnete nimmt seit September 2008 an dem Projekt teil. Arbeitsbereich sind die Regionen rund um die Ägäis, die in römischer Zeit den Provinzen Achaia, Macedonia, Thracia mit dem nördlich anschließenden Dacia, Bithynia, Asia und Lycia et Pamphylia entsprechen. Zur Zeit der römischen Okkupation konnte dieses griechisch geprägte Gebiet im Gegegsatz zu den westlichen Provizen auf eine jahrhundertelange Tradition mehrerer Hochkulturen zurückblicken und war bezüglich Kleidung und Textilproduktion die gebende Seite. Dieser Aspekt muß innerhalb des DressID-Projektes berücksichtigt werden, da es einen anderen Forschungsansatz erfordert. Viele fremde, in der römischen Kunst rezipierte Kleidungselemente stammen ursprünglich aus dem Osten, von den Achämeniden und den autochthonen Ethnien in ihrem Reich. Der bis zum Kaiserhof begehrte Kleiderluxus basiert auf der Textiltradition v. a. der Provinz Asia und ihren Produktionszentren.
Bisherige Beiträge der Unterzeichneten erfolgten in den Arbeitsgruppen production and trade (Provinz Asia), Rome and the provinces und vor allem elements of dress mit Untersuchungen über die Trachtenelemente der Griechen und der ihnen benachbarten Ethnien, die zum Teil bis in die Spätantike erhalten blieben. Die wichtigsten Ergebnisse wurden in eine von der Arbeitgruppe erstellte Datenbank eingegeben. Gegenwärtige Forschungen befassen sich mit dem Thema "textiler Luxus" sowie den näheren Analysen von Trachtenelementen wie Hosen, Schuhen und Kopfbedeckungen aus den genannten Regionen und ihrer Relevanz für die römische Zeit. Ein Fokus wird dabei auf die Daker gerichtet sein, die nicht unter griechischem Einfluss standen. Einige der Ergebnisse sollen in Rekonstruktionen visualisiert werden.

[1] Alle Informationen zu diesem Projekt sind unter der homepage www.dressid.eu zu finden.
[2] Die Teilnehmer und die EU tragen die Kosten zu gleichen Teilen; die EU fördert das Projekt mit 2,4 Mio. Euro.
[3] Leitung und Koordination: PD Dr. Michael Tellenbach, Management: Dr. Annette Paetz gen. Schieck.
[4] Centre for Textile Research (CTR) der Universität Kopenhagen, Royal Institute for Cultural Heritage (KIK-IRPA) in Brüssel, die Universitäten Kreta (Rethymnon), Sheffield und Valencia sowie die Prähistorische Abteilung des Naturhistorischen Museums in Wien.
[5] Mit der Planung und Organisation der Ausstellung sind A. Kern und M. Tellenbach betraut.


© Isabella Benda-Weber
e-mail: isabella.benda-weber@oeai.at


This article should be cited like this: I. Benda-Weber, Kleidung, Identitäten und Textilproduktion zwischen Ägäis und Balkan bis zu den Römern: Bericht über ein Teilprojekt im Rahmen von DressID-Project, Forum Archaeologiae 54/III/2010 (http://farch.net).



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