Elisabeth Holzleithner

Recht Macht Geschlecht
Legal Gender Studies. Eine Einführung

 

 

170 Seiten, 18,80 €

Wien, WUV Universitätsverlag 2002

Online bestellen über facultas

Online bestellen über Amazon

 

Über das Buch und die Disziplin Legal Gender Studies

Einer weit verbreiteten Ansicht zufolge sind Frauen „anders“ als Männer. Dieses „Anderssein“ musste im Lauf der vergangenen Jahrhunderte als Begründung für ihren Ausschluss von wesentlichen Ressourcen gesellschaftlicher Macht herhalten. Das Recht zu studieren, einen Beruf der eigenen Wahl auszuüben, das aktive und passive Wahlrecht, körperlich-sexuelle Integrität auch in der Ehe – diese Rechte wurden Frauen erst in den letzten hundert Jahren und nur zögerlich zugestanden.

Die Geschichte rechtlicher Diskriminierungen bildet den Hintergrund für Analysen im Rahmen der Legal Gender Studies. Ausgangsfrage ist jene danach, wie der Begriff des Geschlechts im Rechtsdiskurs eingesetzt wird und inwiefern die Geschlechtszugehörigkeit – auch heute noch – die Verteilung von Freiheit(en), Ressourcen und Verantwortung im öffentlichen wie im privaten Leben beeinflusst. Daraus ergeben sich die zentralen Themen dieser genuin juristischen, zugleich aber interdisziplinär angelegten Disziplin. Sie kann an der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität Wien als Wahlfachkorb studiert werden.

Ein zentrales Feld der Analyse ist das Berufsleben. Alle Statistiken weisen aus, dass Frauen weniger verdienen und in lukrativen beruflichen Positionen deutlich unterrepräsentiert sind. Dem wird mit umfangreichen rechtlichen Regelwerken – „Gleichbehandlungspaketen“ – entgegengetreten. Die Chancen von Frauen sollen effizient verbessert werden. Allerdings sind solche rechtliche Maßnahmen nicht unumstritten: „Frauenquoten“ etwa werden als Diskriminierung von Männern kritisiert. Was diese Kritik für sich hat, ist im Lichte theoretischer Überlegungen, aber auch anhand der einschlägigen Judikatur des Europäischen Gerichtshofs zu beurteilen.

Ein weiteres sehr umstrittenes Feld betrifft den Einsatz von Recht im privaten Leben. Als Frauenministerin Helga Konrad vor einigen Jahren die „halbe/halbe“-Aktion gestartet hatte, wurde in einer sehr emotional geführten Debatte die Befürchtung artikuliert, der Staat würde nun auch vor den intimsten Lebensbereichen nicht mehr zurückschrecken. Ähnlich kontrovers verlief die Debatte, als es darum ging, Vergewaltigung in der Ehe zu kriminalisieren. Ist das Recht eine Bedrohung „von außen“ oder hat es auch im „Privatleben“ einen legitimen Platz? 

Legal Gender Studies haben die Aufgabe, sich mit solchen Fragen wissenschaftlich zu befassen. Dies bedarf einer sorgfältigen Problemformulierung, die der Komplexität gesellschaftlicher Verhältnisse angemessen ist. Die Vorstellung, dass dem Recht die Aufgabe zukommt, die gleiche Freiheit aller zu verbürgen, dient dabei als Richtlinie.

 

Rezension von Swantje Lichtenstein, Querelles-Net

Links:

Wahlfachkorb Legal Gender Studies an der Wiener Rechtswissenschaftlichen Fakultät

Lehrveranstaltungen von Elisabeth Holzleithner aus dem Bereich Legal Gender Studies