Institut
für
Rechtsphilosophie
und
Rechtstheorie

Elisabeth Holzleithner
Lehre

Kooperation mit 
Ilse Reiter-Zatloukal

SoSe 2003

 

 

Gender Technologien - Konstruktionen von Geschlecht im Rechtsdiskurs -
Aufbaumodul zu
Konstruktionen von Gleichheit als Hauptmaßstab des Geschlechterverhältnisses (Grundmodul)

Gender Studies aus Rechtsgeschichte und Rechtsphilosophie

Kurs in Kooperation mit mit dem gleichnamigen
Seminar von Ilse Reiter-Zatloukal

 

Wir sind daran gewöhnt, das „natürliche Geschlecht“ als stabile biologische Kategorie anzusehen, die bestimmte soziale Konsequenzen (Stichwort Gender) zeitigt. Recht nimmt dann das Geschlecht (Sex) als natürlichen Ausgangspunkt und ist beschränkt auf die Rolle eines Verwalters der kulturellen Konsequenzen, nicht aber der körperlichen Grundlagen der Geschlechtszugehörigkeit. Insbesondere drei Phänomene brechen allerdings dieses Alltagsverständnis auf und sind geeignet, das Recht auf die Probe zu stellen: die Geburt von Kindern mit uneindeutigen Genitalien und damit fragwürdiger Geschlechtszugehörigkeit (Intersexualismus) einerseits, der Wille zum medizinischen Geschlechtswechsel bzw. zur Anpassung des Körpergeschlechts an das Gefühlsgeschlecht (Transsexualismus) andererseits, und nicht zuletzt eine nicht dem „natürlichen Geschlecht“ entsprechende sexuelle Orientierung (Homosexualität). Für das Recht stellt sich in diesen Fällen die Frage, welches Geschlecht bzw. welche Praktiken inwieweit anerkannt werden. Um derartige Fragen von Sex und Gender sowie die rechtlichen Antworten und Rahmenbedingungen kritisch zu analysieren, ist ein Aufriss des Zweigeschlechtersystems im Recht erforderlich, das in verschiedenen Institutionen und rechtlichen Maßnahmen zum Ausdruck kam und kommt.

 

Themen für das Aufbaumodul

A. Zur Einstimmung

1. Die Konstruktion des modernen Körpers – Vom Ein-Geschlechtermodell zu Frauen- und Männerkörpern

B. Vom Hermaphroditen zum Intersex Case Management

2. Der „Hermaphrodit“ und die medizinische Geschlechterkonstruktion
3. Exkurs: „Entmannte“ Männer – Kastraten und Eunuchen
4. Abel/(Adélaïde Herculine) Alexina Barbin und andere Fälle von Hermaphrodismus
5. Intersexualität im historischen Rechtsdiskurs

6. Intersexualität im aktuellen Rechtsdiskurs:
a. Operative Geschlechtszuweisung und das Prinzip des Informierten Konsenses
b. Personenstand „Zwitter“?

C. Vom Transvestismus zur Transsexualität

7. Kleiderordnungen und Travestieverbote (D)
8. Frauenleben in Männerkleidern und weibliche „Travestie“

9. Männerleben in Frauenkleidern und männliche „Travestie“

10. Transvestismus und Medizin

11. Transsexualität als medizinisch-rechtliches Projekt
a. Der Fall Christine Jørgensen
b. Der Weg zur „Geschlechtsanpassung“
c. Dimensionen und Grenzen der Anerkennung im angenommenen Geschlecht – die neuere nationale und internationale Judikatur

D. Das „Dritte Geschlecht“ – von der Konträrsexualität zur Homosexualität

12. Homosexualität und Medizin
13. Von der Sodomie zur Entkriminalisierung der Homosexualität (D)

14. Von der Entkriminalisierung zur Anerkennung
a. Gleichgeschlechtliche Beziehungen
b. Geschlecht und/im Militär

E. Konstruktionen der Heterosexualität

15. Die Entdeckung der „Natur“ der Frau in der Aufklärung und ihr Niederschlag im Rechtsdiskurs (D)
16. Obrigkeitliche Regelungsfelder im Bereich der Heterosexualität:
a. Eheverbote (D)
b. Sanktionierung vorehelicher Sexualität (D)
c. Minderjährigkeit und mangelnder Willensgebrauch (D)
d. Gewaltunterworfene (D)
17. Prostitution als Mittel zum Beweis der Heterosexualität?

F. Theorien der Geschlechterkonstitution – queer theory