Adorno-Generator,
Script: Christoph Reuter, nach einer Idee von Markus Heuger



Das 'Ende' des In-der-Welt-seins ist der Tod

Die Teilnehmer der Heldengedenkfahrt versammeln sich in Lüneburg. Der Eifer für die Ewigkeit des Todes verlängert die Drohung mit ihm; hat er sie freilich zugleich desto schroffer herausgefordert. (1) Verwandt ist der Gestus von Schauspielern aus der früheren Reinhardtära, durch den Ton beflissener Echtheit. Er billigt wohl gar als ontologische Möglichkeit, als Dienst am Menschen maskieren, da man Juden, die nichts über sie vermögen und deren Appell darum vorweg hohl ist. (2) Es sammelt aber das mächtige, eine Amphibolie der Reflexionsbegriffe. Sakral ist der Jargon nicht zuletzt als Sprache eines unsichtbaren Königreichs, als wäre sie, was man gelten läßt und was nicht, uminterpretiert zum Angelpunkt seines gesamten Ansatzes. Aber die von Heidegger gemeinte, daß man sterben muß, der die sich selbst Gleichheit als Höheres an den Mann bringt, wie hemmungslos auch dessen Verwalter ihre Hand nach dem unbewehrten Genius ausstrecken. Der Dichter, worauf es geht. (3)

Und mein Ohr vernahm nichts als Lobgesang. (4)(5)

Sozial reagiert das Gefühl der Sinnlosigkeit auf die weitreichende Abschaffung von Arbeit unter fortdauernder gesellschaftlicher Unfreiheit. (6) Daraus wird bei Heidegger der Nimbus des Eigentlichen:

Er springt mit dem subjektiven Moment an Eigentlichkeit taktisch um: Der Text des 'Jargons' enthält indessen, der es auslöscht. Besorgter Ton wird dräuend angeschlagen: Der Jargon paßt nachträglich sich dem Bedürfnis der um 1925 gängigen Philosophie nach der Konkretion von Erfahrung, reiht einen Pyrrhussieg an den anderen. Der Jargon sträubt sich dagegen. Dabei gerät die reale Gewalt der Aufspaltung des Subjekts aus dem Blickfeld; das dem monopolistischen Philosophen nicht behagt: Dadurch soll Subjektivität von anderem Seienden sich unterscheiden; nicht als Befindlichkeit sondern als Stellung verdinglichten Bewußtseins zum toten Objekt: Der Tod wird, sondern qualitativ ein Drittes sein muß, ohne diesen Überschuß des Redenden, in Mißachtung des objektiven Aspekts der Worte. Die ganz entmythologisierte Tatsache entzöge sich der Sprache; dort, nachdem diese ohnehin als Gesetz der glücklich Extrovertierten waltet. Zwar verwendet er das Wort Eigentlichkeit zentral in Sein und Zeit, um sich durch seinen Gehalt und seine Problematik hinleiten zu lassen zu einem vollen und reinen Verständnis von Mensch und Welt. Selten nur haben Worte von Heidegger soviel Wahrheit wie die letzten. Über das Nächste und Trivialste im Verhältnis von Dasein und Tod, ebenso als Teilhaber piekfeiner Kultur sich empfehlen - ihnen klingen noch die Ladenhüter modern - wie als Individuen eigenen Wesens: Sie brauchten nur, Heideggers Daseinskonzeption, gegen welche Sein und Zeit aufbegehrte. Und die philosophische Arbeit verläuft nicht als abseitige Beschäftigung eines Sonderlings. Dadurch soll die Wirklichkeit jenes Mehr gestiftet sein, wird ihm gleichwie durch Maßnahmen, ohne daß doch von ihr abgelassen würde. (7)(8)

Dort schon verschwistert sich dem Drang zur Konkretion ein Rühr mich nicht an. Es ist aber nicht die tastende Regung, soll gerade einen solchen verstecken, die Hausierer Scheitele und Nausel grüßen lassen. (9)


Fussnoten:

(1) Vgl. Friedrich Gundolf, George, 3. Aufl., Berlin 1930, S. 269.
(2) Guido Schneeberger, Nachlese zu Heidegger. Dokumente zu seinem Leben und Denken, Bern 1962, S. 218.
(3) Heidegger, Hölderlin und das Wesen der Dichtung, München 1937, S. 6. 2 a.a.O.
(4) Heidegger, Sein und Zeit, a.a.O., S. 262.
(5) Vgl. Heidegger, Sein und Zeit, a.a.O., S. 130; s. a. Text, S. 491.
(6) Karl Jaspers, Der philosophische Glaube, München 1948, S. 125.
(7) Vgl. Johann Peter Hebel, Werke, 2. Bd., Berlin 1874, S. 254.
(8) Vgl. Kant, Kritik der reinen Vernunft, B 332 f. (Die Amphibolie der Reflexionsbegriffe).
(9) Otto Friedrich Bollnow, Neue Geborgenheit, Stuttgart 1956, S. 37 f.