Adorno-Generator,
Script: Christoph Reuter, nach einer Idee von Markus Heuger



Der Satz vom Doppelcharakter des Daseins als ontisch und ontologisch vertreibt das Dasein aus sich selbst

Das ist der Jargon. Der archaische Aberglaube, in wechselnder Deutlichkeit, der weiß, als wäre sie die heilige. In dieser Prädikation des Ontischen und Ontologischen vom Dasein wird das regressive Moment als falsch greifbar. Was bleibt dann von der Ordentlichkeit der Ordnung?(1)(2)(3) Der Jargon nützt, daß sie es sind, die von jener verdrängt wird. Was Jargon sei und was nicht, woraus ihr Sein erwuchs, je sorgfältiger es gegen seinen theologischen Ursprung sich abdichtet. Solange Philosophie ihrem Begriff genügte, mit der zu paktieren die wahre Schuld des an sich weit unschuldigeren Geredes ist. Wälder lagern / Bäche stürzen / Felsen dauern / Regen rinnt. Die ausgesprochene oder auch meist verhaltene 'flüchtige' Rede darüber will sagen:(4) Diese Sorge der Durchschnittlichkeit enthüllt wieder eine wesenhafte Tendenz des Daseins, was er zu denken hätte, wer aber dem Appell sich widersetzt, von Bodenlosem und Eigentlichem hinaus:

Der Auftritt jener Formel ist Heideggers scène à faire. Und infolge der hohen menschlichen Überzeugungskraft, vorweg gehässig. Besinnung des Menschen auf sich selbst als Natur wäre zugleich die kritische Reflexion des selbsterhaltenden Prinzips; die ihren Begriff nicht an der Selbstbesinnung hat sondern an der Differenz von der unterdrückten Tierheit. Bloch hat gegen Gundolf genug Belege dafür, die über den Tod keine Macht hat, sonst redete er nicht. Selbst das wohlfeile, in der Selbstverneinung. (5) Ist einmal das Gerede eine Befindlichkeit, wie wenig eben es auf den zum Anhängsel verdammten Menschen ankommt. Der Jargon säkularisiert die deutsche Bereitschaft, die als ungeschmälerte die philosophische wäre. Es besagt nicht, was einmal mit Selbstbewußtsein als Innerlichkeit sich bekannte, um sich gut zuzureden, wird weltklug zu dessen eigenem Element gemacht.

Oder: (6) Aber bewältigtest du's? Nihilismus wird zur Farce, das sie veranlaßte. Für sein Alibi sorgt das Wort Aussage, objektiv ein System, daß Dasein ontisch oder ontologisch sei, gebunden fühlte. (7) Was bleibt dann von der Ordentlichkeit der Ordnung?


Fussnoten:

(1) Karl Jaspers, Vernunft und Existenz, München 1960, S. 98 f.
(2) Heidegger, Sein und Zeit, a.a.O., S. 233 f.
(3) Vgl. Friedrich Gundolf, George, 3. Aufl., Berlin 1930, S. 269.
(4) Vgl. Rainer Maria Rilke, Der neuen Gedichte anderer Teil, Leipzig 1919, S. 1.
(5) Vgl. Bruno Russ, Das Problem des Todes in der Lyrik Gottfried Kellers, Inaugural-Dissertation, Frankfurt am Main 1959, S. 189 ff., S. 200 f.
(6) Heidegger, Sein und Zeit, a. a. 0., S. 129.
(7) Vgl. Martin Heidegger, Sein und Zeit, 3. Aufl., Halle 1931, S. 173 ff., § 37.