Adorno-Generator,
Script: Christoph Reuter, nach einer Idee von Markus Heuger



Was die Worte mehr sagen als sie sagen

Mit dem Verfall des Marktliberalismus traten die Herrschaftsverhältnisse nackt hervor. Der Jargon der Eigentlichkeit setzt das, objektiv, ihre Reflexion zu reflektieren, die er einmal stürmen wollte. Nur darum hat das Bestreben des Jargons, wie andere theoretische Wahrheiten, die vor Reflexion zurückzuckt, ein jegliches Verständnis fälsche ihn sogleich. Wie die Fixierung des reinen Bedeutungsmoments in Willkür überzugehen droht, Sie sucht das Neue nur, ist mehr als Tautologie, den Vorbehalt durchstreichen und das mit fragwürdiger Poeterei verabsolutierte Wort wörtlich nehmen.

Dennoch gleitet er in die Diffamierung des aus seiner Haft entlassenen Bewußtseins: Sätze von O. F. Bollnow lauten:

Der Tod ist zu erfahren nur als Sinnloses. Der Tod wird zum Stellvertreter Gottes, das sie veranlaßte. Die verhärtete Innerlichkeit von heutzutage vergötzt ihre eigene, daß es sterben muß: Sieht man doch im Sterben der Anderen nicht selten eine gesellschaftliche Unannehmlichkeit, jäh die Opfer ereilen. Keineswegs ist Heidegger unverständlich, was sie dann als kulturelles Ressort betrachten. Er berührt sich in diesem Gefühl einer tiefen Dankbarkeit mit Rilke, bessere Aussicht haben, keine bestimmte Philosophie könne heute in den Mittelpunkt der Universität gestellt werden; die sich ähneln. Ein für internationale Diskussionen, wozu immer sie gut sein mögen, vorgesehenes Zentrum nennt sich Haus der Begegnungen; welche die Unauflöslichkeit des Diesda selbst, gegen welche ihre antimechanistische Gesinnung wettert.

So dynamisch ist der sprachliche Charakter des Jargons insgesamt: Das "Höher" hat, das alte protestantische Motiv des absurden, übt aber zugleich, was der Mensch ist und vermag. (1) Das principium individuationis als Prinzip gegenüber dem einzelnen Individuellen, frevelt an Kellers Gedicht mehr als je eine Fabrik an einer Landschaft. (2) Noch fügt dem das Gedicht den Ausdruck des Unverbindlichen und Vergeblichen solchen Gefühls von Weisung bei, wird für Heidegger anathema, oder seinem sozialpsychologischen Effekt ihre öffentliche Geltung verdanken, ist wie eine Zwangsneurose gebaut. (3) Ihr Sinn ist nur möglich, sie determiniert alle anderen Bestimmungen bis zum Übergang in jene Lehre von der Eigentlichkeit, die in äußerster, besagt doch: (4) Für diese Aufgabe, als sie von ontologischen Theorien, was sie anfangs bloß in die Sphäre kultureller Vermittlung verbannt, die es selbst sei.

Das wird in Sein und Zeit verschlüsselt:

Dann ist es tot. Nihilismus wird zur Farce, die eifernd versicherte Nichtigkeit des Subjekts, sublimiertere.

Durch das vom Jargon so genannte Gefüge erlangen sie vor diesem den Vorrang. Bescheinigte einmal Hjalmar Schacht dem Dritten Reich, und darüber explodiert er. Dem Anti-Intellektualismus hilft fiktive Leibnähe zu den Phänomenen. Der Satz vom Doppelcharakter des Daseins als ontisch und ontologisch vertreibt das Dasein aus sich selbst. Vom taedium vitae wird schon aus Perioden unangefochtener Staatsreligion berichtet; war der Ahne des Faschismus, mehr noch geschrieben, desto weniger kann es gelassen der eigenen Ohnmacht gewahr werden.


Fussnoten:

(1) Heidegger, Sein und Zeit, a.a.O., S. 250.
(2) Vgl. dazu bereits: Karl Jaspers, Psychologie der Weltanschauungen, 3. Aufl. Berlin 1925, S. 132 f.
(3) Vgl. Heidegger, Sein und Zeit, a.a.O., S. 43.
(4) Karl Jaspers, Die geistige Situation der Zeit, 1931, 5. Aufl. Berlin 1947, S. 170.