Adorno-Generator,
Script: Christoph Reuter, nach einer Idee von Markus Heuger



Die falsche Würde hat nicht immer Unrecht

Entfremdung jedoch nennt ein gesellschaftliches Verhältnis:(1) Geurteilt wird nach der Logik jenes Witzes von dem Kutscher, wenigstens in manchem, wo Essentielles von Akzidentellem unterschieden, unterschlägt ihn.

Dem Anti-Intellektualismus hilft fiktive Leibnähe zu den Phänomenen. Dafür ein Schulbeispiel aus Jaspers: Richtet das Gefühl von Geborgenheit sich häuslich bei sich selber ein, als bloße Gesinnung, war für ihn so dogmatisch wie einst nur einem Idealisten die Pflicht zum System: Die Vorteile von derlei methodologischen Veranstaltungen, Anlässe häufen sich, unnaiv-reflektierenden Prinzip liegt. (2) Die expressionistische Formel "Jeder Mensch ist auserwählt", Manifest gegen das, wie einmal in großer Philosophie, so hat bei den existentiellen Eigentlichen selbst der Existentialismus nichts zu lachen: Darum scheint es besonders bedeutsam, wohin sie sich zu erheben beansprucht, wenn er nicht dem Zuspruch des Feldweges eingeordnet ist. Diktatoren kerkern solche ein, das Wesen dieser Seelenverfassung auf seine Möglichkeiten hin zu untersuchen. Andererseits gestattet das summarische Urteil übers Gerede, das Wort Begegnung zu entsühnen und durch strengen Gebrauch wiederherzustellen, wo sie das Bewußtsein wiederfanden und schrien. Sie säubern Innerlichkeit von dem, er müßte an die Naturwüchsigkeit erinnern, die den Menschen ein Leben, ihm seine hohen Augenblicke zu bewahren zur Verwirklichung durch sein Leben. (3) Die freie Zeit der Subjekte enthält ihnen die Freiheit vor, als fremdes Phänomen vorüber, weil damit jeder andere und man selbst sich einreden kann: Aussage möchte anmelden, sind in dem Text aufgegangen. Gerade deshalb aber wird Begegnung angepriesen, Gespenst der von aller Aufklärung befochtenen Mimesis. (4) Sie ist ihm nicht länger ein durch Subjektivität vermitteltes Logisches sondern etwas am Subjekt, am Tausch geschultes Denken unschuldigere Identität zerstückt. Damit bringt sein Gedanke das Hohle nach außen, ist aber keine andere als die der Heideggerschen Philosophie selber. (5)

Aber das Wort hat Jungnickel: (6) Ihr bleibt als absoluter Anspruch durch Erinnerung gegenwärtig, und damit ihr Vertrauen erwirbt. (7) Der repristinierte Platon ist platonischer als der authentische, weil aus dem Abgrund der Freiheit erstehende Verschwendung des Menschenwesens in die Wahrung der Wahrheit des Seins für das Seiende.


Fussnoten:

(1) Rainer Maria Rilke, Duineser Elegien, New York, o. J., S. 7.
(2) Heidegger, Der Feldweg, Frankfurt 1956, S. 4.
(3) Heidegger, Sein und Zeit, a.a.O., S. 173.
(4) Rainer Maria Rilke, Duineser Elegien, New York, o. J., S. 7.
(5) Vgl. Heidegger, Sein und Zeit, a.a.O., S. 172.
(6) Otto Friedrich Bollnow, Neue Geborgenheit, Stuttgart 1956, S. 26 f.
(7) Ulrich Sonnemann, Das Land der unbegrenzten Zumutbarkeiten. Deutsche Reflexionen, Reinbek bei Hamburg 1963, S. 196 f.