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FWF PROJEKT: Materialität und Zeitlichkeit_Wissenschaftlicher Teil

1. Wissenschaftliche Aspekte

1.1. Ziele und internationaler Stand der Forschung
1.1.1. Darstellung und Interpretation performativer Sprechakttheorien: John L. Austin, John R. Searle, Jacques Derrida, Judith Butler

Wie Uwe Wirth in seinem 2002 erschienen Sammelband Performanz überzeugend darlegt, ist dieser Terminus im 20. Jahrhundert zu einem zentralen Thema sprachphilosophischer und kulturphilosophischer Überlegungen geworden. Mit der Frage How to do things with Words? hat John L. Austin offensichtlich einen Diskurs ins Rollen gebracht, der Vertreter unterschiedlichster philosophischer, sprach- und kulturwissenschaftlicher Traditionen zu heftigen Reaktionen provoziert hat. Paradigmatisch dafür steht der leidenschaftliche Disput zwischen John R. Searle und Jacques Derrida, in dem zwei führende Vertreter der Philosophie des 20. Jahrhunderts verbal in den Krieg gezogen sind, um ihre heterogenen Lesarten in Bezug auf das Erbe der Austin`schen Sprechakttheorie aufs Heftigste zu verteidigen. Ein Sachverhalt, der darauf hinweist, dass die performative Sprechakttheorie an elementare Bedürfnisse (passive Synthesen ) rührt, die von dieser Lehre in ihrer Geltung in Frage gestellt werden.

In unserem Forschungsvorhaben wird es daher nicht nur um die Frage gegangen sein, wie das Austin`sche Erbe nun „richtig“ (auf)gelesen und der philosophische Rechtsstreit unter den Erben seiner Lehre möglichst „gerecht“ geschlichtet werden soll. Es wird uns darüber hinaus auch um die Frage gegangen sein, warum diese Theorie überhaupt in der Lage ist, so heftige Reaktionen bei den Lesern und ihren Verteidigern auszulösen? Sollte sich die Performanz der Sprache etwa als ein Phänomen erweisen, das ganz besonders dafür prädestiniert ist, bei den Interpreten dieses Phänomens auf heftige Widerstände zu stoßen, die sich zu Wort melden, sobald diese Lehre aufgelesen und vom Leser ausgelegt wird?

An dieser Stelle sei philosophiegeschichtlich daran erinnert, dass Friedrich Nietzsche schon im 19. Jahrhundert die eigenartige Wirkkraft und Dynamik seiner Texte wiederholt mit dem Bild des „Dynamits“ in Zusammenhang gebracht hat. Ein explosives Bild der Sprache, demgemäß ein Text nicht nur eine bestimmte Bedeutung birgt, sondern vielleicht wesentlicher noch eine Sprengkraft besitzt, die beim Auflesen des Textes zur Wirkung kommt, indem alteingewohnte passive Synthesen im Leser angesprochen, geweckt, problematisiert und schließlich vielleicht sogar gesprengt werden.

Nicht nur die „Lehre“ der Performanz, sondern auch die dynamische Wirk- und Handlungsmacht dieser Lehre samt ihrer explosiven Sprengkraft stellt für unser Forschungsprojekt folglich den fragwürdigen Sachverhalt dar, den es zu analysieren gilt. Ein Forschungsansatz, der uns Erfolg versprechend scheint, da er nicht nur den Wasgehalt, sondern auch die (wirk-liche) Handlungsmacht performativer Sprechakttheorien thematisiert und systematisch zu untersuchen gedenkt.

1.1.2 Ruinöse Auswirkungen der Performanztheorie auf das klassisch-metaphysische Bild des Denkens

1.1.2.1. How to do things with words
„Der Name [performativ A. B.] stammt natürlich von ‚to perform‘, ‚vollziehen‘: man ‚vollzieht‘ Handlungen. Er soll andeuten, dass jemand, der eine solche Äußerung tut, damit eine Handlung vollzieht – man fasst die Äußerung gewöhnlich nicht einfach als bloßes Sagen auf.“ Das eigentümliche Merkmal performativer Sprechakte beruht für Austin darin, dass in solchen Sprachhandlungen etwas getan und nicht nur ausgesagt wird: Eine Sitzung wird eröffnet, ein Mensch getauft, ein Krieg deklariert etc. Äußerungen, in denen ein Sachverhalt nicht nur konstatiert und beschrieben, sondern im Zuge seiner Äußerung verbal allererst vollzogen wird. „Wir würden hier sagen, dass wir mit der Äußerung etwas tun“ -: eine Sitzung eröffnen, einem Menschen einen Namen geben, jemanden den Krieg erklären usw. Das Gemeinte folgt hier bis zu einem gewissen Grad aus dem Gesagten, da der tatsächliche Vollzug des performativen Sprechakts den Sachverhalt, auf den in diesem Sprechakt referiert wird, im Zuge der tatsächlichen Äußerung allererst zu einer vollständig (perfekt) vorliegenden Tatsache macht. Sachverhalt und Verbalisierung des Sachverhalts stehen sich in diesem Fall nicht völlig indifferent gegenüber, da die Äußerung selbst ein konstitutiver Bestandteil des gesamten performativen Sach-Verhalts ausmacht, so dass das Verhältnis kein äußerliches, sondern ein inhärentes ist.

Gehört es aber zur eigentümlichen Struktur performativer Sprachhandlungen, dass sie im Zuge der Zeitigung bestimmter Äußerungen allererst vollzogen und in ihrem propositionalen Gehalt vollständig hervorgebracht („perfekt“ gezeitigt) werden, dann können sich performative Sprechakte offensichtlich niemals auf schon vollständig konstituierte Sachverhalte stützen, die im Zuge der Sprachhandlung bloß richtig wiedergegeben und angemessen re-präsentiert (matching) werden müssen. Denn wenn der propositionale Gehalt einer performativen Äußerung vor dem Tätigen der Aussage noch gar nicht vollständig vorliegt, kann es sich bei solchen Sätzen nicht einfach um die Repräsentation eines schon bestehenden Sachverhalts handeln, dessen An-sich-sein im Zuge der Äußerung bloß richtig ausgedrückt und ins Für-sich-sein übersetzt wird (Hegel). Noch kann es sich dabei bloß um die Repräsentation eines substanziell schon vorliegenden Gegenstands handeln, der sprachlich nur angemessen ausgedrückt werden muss (Aristoteles), damit sein impliziter Sinn von uns explizit ausgesprochen und damit ausdrücklich offenbar geworden ist (Husserl). All diese Bilder der Sprache, die Sprache primär als Instrument der Repräsentation an sich bestehender Sachverhalte (matching) interpretieren, überlesen den performativen Charakter sprachlicher Äußerungen (making), der eben darin beruht, dass der Aussagegehalt performativer Sätze im Zuge des Sprechakts erst vollständig gesetzt und damit zu einem konstatierbaren Sachverhalt „gemacht“ (ereignet) worden ist. Während im Konstatieren von Sachverhalten der konstatierte Sachverhalt auch ohne den Akt des Konstatierens in seinen konstitutiven Momenten gänzlich realisiert ist und daher unabhängig von seinem Ausgesprochensein „an sich“ existiert, wird in performativen Sprechakten diese Äußerlichkeit von intendiertem Sachverhalt und Konstatieren des Sachverhalts gerade in ein immanentes Verhältnis der gesamten Sprechaktsituation verwandelt. In solchen Äußerungen wird also nicht nur „über“ Sprachspiele gesprochen, sondern im Zeitigen solcher Sprechakte wird das im Sprechen involvierte Sprachspiel tat-sächlich gespielt, so dass jeder Sprechakt – ganz im Sinne von Wittgenstein – selbst einen Schach- und Spielzug inmitten der Spielstellung eines Sprachspiels vollzieht. „Was bleibt dann letzten Endes von der Unterscheidung zwischen performativer und konstativer Äußerung? Wir können sagen, dass es uns dabei im Grunde um folgendes gegangen ist: (a) Bei der konstativen Äußerung sehen wir von den illokutionären (und erst recht von den perlokutionären) Aspekten des Sprechaktes ab und beschränken uns auf den lokutionären. Darüber hinaus ist unsere Vorstellung von der Entsprechung zu den Tatsachen zu einfach – zu einfach, weil für sie in Wahrheit der illoktuionäre Aspekt wesentlich ist. Wir streben nach einer idealen Äußerung, die unter allen Umständen, zu jedem Zweck, mit jedem Adressaten richtig wäre. Vielleicht erreicht man so etwas bisweilen. (b) Bei der performativen Äußerung achten wir so ausschließlich wie möglich auf ihre illokutionäre Rolle und lassen die Dimension der Entsprechung zu den Tatsachen beiseite.“

1.1.2.2 Vom rebellierenden Widersacher performativer Sprechakttheorien.
Damit kündigt sich an, was schon für Austin in der Theorie performativer Sprechakte „in Wirklichkeit“ auf dem Spiel steht: jene all zu einfache Vorstellung von einer quasi prästabilisierten Korrespondenz zwischen dem (realen) Akt einer Äußerung und dem (ideellen) Sachverhalt, der in der Äußerung explizit ausgesprochen wird. Diese Vorstellung „von der Entsprechung zu den Tatsachen ist zu einfach“, weil der reale Akt der Äußerung des Sachverhalts bei performativen Sprechakten – und nicht nur bei ihnen, wie sich im Laufe seiner Vorlesung immer deutlicher herausstellen wird -, eben selbst ein konstitutives Moment der ideellen Bedingungen darstellt, die erfüllt werden müssen (conditions of satisfaction), damit ein performativer Sprechakt überhaupt vollzogen wird. Es ist demnach die klassische Definition von Wahrheit als adaequatio intellectus ad rem bzw. rei ad intellectum; – die „all zu einfache Vorstellung“ von veritas qua convenientia, Übereinstimmung, Korrelation, Entsprechung, matching, Richtigkeit, die das gängige Bild von Wahrheit über Jahrhunderte hinweg maßgeblich geprägt hat, die hier „im Grunde“ (sub-iectum) auf dem Spiel steht. Da es sich bei diesem Bild um eine tief eingefleischte habilitative Synthesis handelt, die sich quasi automatisch in uns meldet (passive Synthesis), sobald „wir“ das Wort Wahrheit auflesen, stellt jede Infragestellung dieses archaischen Wahrheitsarchivs eine unmittelbare Gefährdung unserer habilitierten Integrität, Stabilität und Identität dar , die sich in hohem Maße dafür eignet, heftige Reaktionen in uns zu provozieren, sobald ihre „uralte“ Geltung in Frage gestellt wird. Von da-her (ek tou) gesehen wird es eine fundierte Arbeitshypothese dieses Forschungsprojekts sein, dass es der Bruch mit der traditionellen Definition von Wahrheit qua convenientia ist, der in den profundesten Lesern performativer Sprechakttheorien zunächst einmal eine intensive Abwehrhaltung hervorruft, in der sich das von alters her sedimentierte Bild von Wahrheit qua „Richtigkeit“ in den Lesern mittels passiver Synthesen ganz von selbst zu Wort meldet, um habituell auf sein alt angestammtes Vorrecht zu insistieren. Eine hoch explosive Konstellation „der Wahrheit“, die eine Menge Zündstoff und Sprengkraft in sich birgt, die es in unserem Forschungsprojekt sprachlich zu bändigen gilt.

Wenn sich der Sachverhalt, auf den sich eine performative Aussage bezieht, also nicht vor und unabhängig von seinem Ausgesagtwerden vollständig konstituiert hat und es sich daher bei einer solchen Äußerung evidenterweise nicht mehr um den Akt der bloßen Angleichung (matching) der Aussage an einen schon bestehenden Sachverhalt handeln kann, dann gilt es sich im Zuge unseres Projektbündels neuerlich die Frage zu stellen, wie Wahrheit gedacht werden muss, wenn ihr performativer Charakter (making) explizit Berücksichtigung finden soll. Ein komplexes Unterfangen. Denn je mehr der performative Charakter der Sprache ans Licht drängt, umso mehr verdankt sich die Existenz des Sachverhalts (être raison), auf den in einer Äußerung referiert wird dem Faktum, inmitten eines herrschenden Diskurses überhaupt geäußert zu werden. „Wenn in diesem Spiel die Performanz die Oberhand behält, so deshalb, weil es hier um die Vergegenwärtigung eines seiner Natur nach Nicht-Erscheinenden im Erscheinenden geht.“ In einer Theorie der Wahrheit, die der Performanz von Sprache Rechnung trägt, tritt der poietische Aspekt und technokratische „Machtcharakter“ der Wahrheit in den Vordergrund. Kunst und Technik, schon im griechischen Da-sein die beiden entscheidenden Weisen des hervorbringenden Erscheinen-Lassens von Seiendem, werden damit zu den bestimmenden Mächten einer performativ verstandenen Wahrheit, die das klassische Paradigma von Wahrheit qua Entsprechung (matching) durch das poietische Paradigma von Wahrheit qua „making“ metonymisch ersetzt. Ein epochales Geschehen, das offenbar schon den jungen Nietzsche angerührt hat, wenn er rückblickend über sich sagt. „Über das Verhältnis der Kunst zur Wahrheit bin ich am frühesten ernst geworden: und noch jetzt stehe ich mit einem heiligen Entsetzen vor diesem Zwiespalt…“

Nietzsche wird die Frage nach dem abgründigen Verhältnis von konstatierenden und poietischen Sprachfunktionen für sich mit dem Satz beantworten, „dass die Kunst mehr wert ist, als die Wahrheit.“, da der poietische Charakter der Sprache eben die Handlungsmacht der Sprache ausmacht. „Wir haben die Kunst, damit wir nicht an der Wahrheit zu Grunde gehen.“ Damit wird Wahrheit qua matching (Anpassung, Richtigkeit, Konventionalität) zu einer untergeordneten Funktion von Wahrheit qua „making“ (Machen, Macht, Machenschaft, Produktivität). Die schaffenden, produktiven Kräfte unterwerfen sich nun die konventionell angepassten Kräfte (die Wahrheit als Richtigkeit), so dass Nietzsche schon in seiner Jugendschrift Über Wahrheit und Lüge im außermoralischen Sinne schreiben kann. „‚Was ist also Wahrheit?‘ Ein bewegliches Heer von Metaphern, Metonymien, Anthropomorphismen kurz eine Summe von menschlichen Relationen, die, poetisch und rhetorisch gesteigert, übertragen, geschmückt wurden, und die nach langem Gebrauche einem Volke fest, canonisch und verbindlich dünken: die Wahrheiten sind Illusionen, von denen man vergessen hat, dass sie welche sind, Metaphern, die abgenutzt und sinnlich kraftlos geworden sind…“

1.1.3 Analyse der Zeitlichkeit performativer Sprechakte. (Philosophie der Zeit)

In performativen Sprechakttheorien wird demnach die klassische Definition von Wahrheit qua Richtigkeit nicht nur problematisiert. In ihnen kündigt sich auch eine metonymische Unterordnung und schließlich Ersetzung der Wahrheit im Sinne von Richtigkeit (matching/convenientia) unter das Paradigma der technologisch verstandenen Künste (Poietik/poiesis/making/Produktivität) an. Ein „shifting“, das ein zentrales Thema unseres Forschungsvorhabens sein wird.

Um die Struktur dieses „Wahrheitsgeschehens“ methodisch in den Blick zu bringen, möchten wir zunächst die verwickelte Zeitstruktur performativer Sprechaktsituationen analysieren, die zwei charakteristische Zeitmerkmale aufweist. Erstens stellt der performative Sprechakt die aktuelle Zeitigung einer bestimmten Aussage dar, durch deren Äußerung der konstatierte Sachverhalt allererst vollständig („perfekt“) konstituiert und damit zu einer gegenwärtig vorliegenden Tatsache gemacht worden ist. Zweitens muss die aktuelle Verwendung kodierter Zeichen per se auf ge-bräuchliche Kodierungsverfahren zurückgreifen, die im Akt der Äußerung zitiert werden, will die getätigte Aussage für Sender und Empfänger der Botschaft hinreichend lesbar sein und damit ihre kommunikative Funktion erfüllen. Denn ohne aktuellen Rück-griff auf ein öffentlich verfügbares Erbe („Brauchtum“), auf das der Autor der Äußerung im Gebrauch konventionell kodierter Zeichen zurückgreifen kann, um im Zitat der ihm zur Verfügung stehenden gebräuchlichen Ausdrucksmittel eine hinreichend verständliche Aussage zu zeitigen, bliebe die geäußerte Aussage für die Kommunizierenden völlig unlesbar und in der Folge auch wirkungslos. So würde zum Beispiel „hate speech“, ohne Emotion in einer Fremdsprache gesprochen, beim fremdsprachigen Hörer keine verletzende Wirkung nach sich ziehen. Für ihn wären bloß Signale geäußert worden (tokens), die dem fremdländischen Rezipienten des Signals nichts Bestimmtes signalisieren würden und damit auch nichts Verletzendes bedeuten (type) könnten. Der rekursive Rückgriff auf ein allgemein verfügbares Erbe konventionell kodierter Ausdrucksmittel stellt also selbst ein temporales Moment der aktuellen Zeitigung von Sprechakten überhaupt dar, das in unserem Forschungsvorhaben aufgeklärt werden muss.

Es war vor allem Judith Butler, die uns in „Hass spricht! Zur Politik des Performativen“ eindringlich auf diese Notwendigkeit hingewiesen hat, die rekursive Zeitstruktur performativer Aktstrukturen – und damit ihre Geschichtlichkeit – zu analysieren. Birgt dieses temporale Moment doch ein hohes Maß an gesellschaftskritischem Potenzial, das es im Zuge einer solchen Analyse fruchtbar zu machen gilt. Denn wenn das Gelingen der kommunikativen Funktion von Sprechakten an den rekursiven Gebrauch eines öffentlich anerkannten Brauchtums gebunden ist, das im aktuellen Rückgriff einer Äußerung „richtig“ zitiert und von den Adressaten der Aussage „richtig“ auf-gelesen (rezitiert) werden muss, damit der performative Sprechakt „richtig“ verstanden und damit illokutionär und perlokutionär zur Wirkung kommen kann, dann impliziert der rekursive Akt eines aktuellen Rückgriffs auf ein tradiertes Erbe von Kodierungsregeln (rules of signification) auch die Möglichkeit, eine Äußerung gegen den Strich zu lesen und damit bewusst oder unbewusst unkonventionell quer zu lesen; – also „un-richtig“ aufzulesen.

Auch von dieser Seite der dreifachen Synthesis von Apprehension, Reproduktion und Rekognition im Begriff (Kant) betrachtet, wird die überlieferte Bestimmung von Wahrheit qua Richtigkeit offenbar fragwürdig, da sie nun nur mehr den Grenzfall einer konventionell ablaufenden Kommunikation beschreibt und dahin tendiert, diese zum universellen Paradigma von Kommunikation überhaupt zu machen, in der die geäußerten Worte von den Sprechenden wechselseitig in ihrem gebräuchlichen Sinn verwendet, mittels passiver Synthesen rezitiert und folglich konventionell rekogniziert werden.
Wird der unkonventionelle, spielerische Gebrauch von Worten von uns aber nicht mehr länger als zwangsläufig illegitimer Verstoß gegen den „richtigen“ Gebrauch bestehender „rules of signification“ betrachtet, sondern wird der poietische Umgang mit Sprache nun selbst als legitime Potenz der Sprache betrachtet, in deren Vollzug vorhandene Spielregeln des Be-deutens nicht nur „richtig“ angewendet, sondern im Zeitigen neuer Wendungen der Sprache verwandelt, vielleicht sogar poetisch veredelt werden, dann wird damit ein neues Verständnis von „Wahrheit“ nötig, das diese Möglichkeit explizit affirmiert und in sein Bild von Wahrheit mit einbezieht. Macht der ungebräuchliche Umgang mit Sprache, das Brechen von Konventionen und etablierten Kodierungsverfahren doch gerade die poietische Intensität und Lebendigkeit von Sprachspielen aus. „Ein postmoderner Künstler oder Schriftsteller ist [daher A. B.] in derselben Situation wie ein Philosoph: Der Text, den er schreibt, das Werk, das er schafft, sind grundsätzlich nicht durch bereits feststehende Regeln geleitet und können nicht nach Maßgabe eines bestimmenden Urteils beurteilt werden, indem auf einen Text oder auf ein Werk nur bekannte Kategorien angewandt würden. Diese Regeln und Kategorien sind vielmehr das, was der Text oder das Werk suchten. Künstler und Schriftsteller arbeiten also ohne Regeln; sie arbeiten, um die Regel dessen zu erstellen, was gemacht worden sein wird. Daher rührt, dass Werk und Text den Charakter eines Ereignisses haben.“

Jean François Lyotard weist in diesem Absatz im Zuge seiner Beantwortung der Frage „Was ist postmodern?“ ausdrücklich darauf hin, dass er das inzwischen zum Allerweltslabel degradierte Wort „postmodern“ als Zeitigungsmodus einer paradoxen Zeitstruktur denkt, die den Ereignischarakter von poietischen Prozessen berücksichtigt. „Postmodern wäre also als das Paradox der Vorzukunft (post-modo) zu denken.“

Von dieser temporalen-(post-modo ) Perspektive aus gesehen darf das Ins-Werk-setzen eines Kunstwerks für ihn nicht länger vom Paradigma eines bestimmenden Urteils her gelesen werden; – als ob es im Hervorbringen von Kunstwerken nur darum ginge, ein Werk hervorzubringen, in dem ein schon vorhandenes Regelwerk bloß möglichst adäquat abgebildet und in mustergültigen Beispielen vorbildlich illustriert worden ist. Eine solche „juridische“ Auffassung von Kunst würde gerade ihren Ereignischarakter übergehen. Denn dieser beruht für Lyotard gerade darin, dass das Ins-Werk-setzen (en-ergeia) eines Kunstwerks (ergon) in das sub-iective Gefüge der Vollzugsbedingungen, die im „Machen“ einer künstlerischen Erfahrung implizit am Werk sind, prozessual eingeht und daher auf die Struktur dieser Vollzugsbedingungen selbst entscheidend zurückwirkt. Eine selbstimmanente Wirkung des Kunstwerks, die dazu führen kann, dass das „Machen“ einer künstlerischen Erfahrung gerade zur Korrektur – womöglich sogar zum Um- und Einsturz der im poietischen Vollzug zitierten Regelwerke, Schematismen und Urteilsregeln führen kann. Ja diese permanente Möglichkeit der De-Konstruktion der im Gestaltungsprozess der Kunst zitierten Regelwerke macht für ihn den eigentümlichen Ereignischarakter eines Kunstwerks aus! – Seinen unvordenklichen Spielcharakter.
Damit kündigt sich an, warum der experimentelle Performancecharakter eines Kunstwerks für uns nicht lesbar ist, solange wir den Werkcharakter eines Kunstwerks (ergon) nur als simplen Ausdruck, als bloße Darstellung oder als einfache Anwendung eines dem Werkprozess selbst schon zugrunde liegenden Regelwerks interpretieren, das im Kunstwerk bloß zur Anwendung kommt. Werden die impliziten Vollzugsbedingungen des künstlerischen Schaffens im aktuellen Akt des Generierens eines Kunstwerks doch niemals bloß angewendet, sondern im Zuge der künstlerischen Produktion gerade riskiert, experimentell erprobt und damit in ihrer Geltung aufs Spiel gesetzt.

Avital Ronell konnte in ihrem Artikel „The Test Drive“ überzeugend darlegen, dass das Verlangen, uns alle ständig zu testen, um die Grenzen unserer Tauglichkeit herauszufinden, die Grunderfahrung der „condition postmoderne“ ausmacht. Sei es der Test des Ironikers, der im geistreich-vieldeutigen Gespräche die Grenzen unserer Dummheit auslotet, sei es der Eignungstest in Schulen, der Aidstest im Zuge einer Blutspende etc. Eine zeitgeschichtliche Konstellation, in der intersubjektive Verhältnisse dahin tendieren, die Form eines universellen Testlabors anzunehmen, in dem der „Test Drive“ seiner Experimentierlust, alles zu erproben und jeden jederzeit auf die Probe zu stellen, hemmungslos nachgeht.

Wenn wir in unserem Forschungsprojekt unsere Aufmerksamkeit auf das Thema Performanz lenken wollen, dann wird es uns dabei also nicht nur um eine sprachphilosophische Betrachtung des Performanzbegriffs gegangen sein, sondern auch um jene epochale „condition postmoderne“, in der die Struktur menschlicher Erfahrungen überhaupt den temporalen Charakter performativer Ereignisse anzunehmen scheinen und sich damit der Sprache fiktionaler Texte annähern, in denen der „den Elementen des Textes unterliegende Code erst entdeckt werden [muss A. B.], der als Referenz den Sinn des Textes verkörpert“.

Auch die Kunst ahmt im Zitieren von Brauchtümern konventionell kodierte Sprachspiele nach, da auch sie ohne Rekurs auf allgemein gebräuchliche Ausdrucksmittel nicht lesbar wäre. Da sie sich den konventionell verfügbaren Ausdrucksmitteln im rekursiven Gebrauch „derselben“ aber nicht vollständig unterwirft, die traditionellen Kodierungen einer etablierten Sprache also nur spielerisch imitiert und daher „unernst“ gebraucht, lässt sich die spezifische Wirkung und Wirklichkeit von Künsten niemals vom Vorbild konventioneller Sprachhandlungen her lesen und handlungspragmatisch beurteilen, wie das bei Austin und Searle der Fall zu sein scheint, wenn sie fiktionale Diskurse von einer ihrer Perspektive aus als parasitär bezeichnen. Ein Beurteilungskriterium, das den Fisch danach beurteilt, wie gut er sich auf dem Land bewegen kann. Bedeutet die Tatsache, „dass fiktionale Sprachverwendung nicht im gegebenen Kontext eines aktuellen Handlungszusammenhanges aufgeht“ doch nicht unbedingt, „dass sie nichts bewirkt.“

Der entscheidende Grund, warum Austin und Searle eine verfehlte Perspektive auf fiktionale Diskurse entwickeln, liegt für Wolfgang Iser darin, dass sie bei ihrem Hinweis, dass wir notwendig auf konventionelle Verfahren und akzeptierte Prozeduren zurückgreifen müssen, wenn wir eine Äußerung tätigen, die kommunizierbar sein soll, unbemerkt mit einem normativen Urteil verbinden, das fragwürdig ist: Dass nämlich die Gültigkeit der allgemein akzeptierten Verfahrensregeln, die in einem Sprechakt zitiert werden, stabil bleiben sollen, damit der Handlungserfolg der Kommunikation nicht unnötig gefährdet wird. „Was vorher galt, gilt auch jetzt; was bisher die Handlungen regulierte, wird jetzt angerufen. In den Sprechakten geschieht folglich nicht eine Berufung auf Konvention überhaupt, sondern auf deren Geltung. Die Geltung der Konvention hat eine vertikale Struktur; sie zieht ihre Funktion daraus, dass sie immer schon gegolten hat. Diese Form der Geltung wird in fiktionaler Rede problematisiert; nicht etwa, weil sie konventionslos wäre, denn dann hätte sie gar keine Beziehung mehr zur Konvention, sondern weil sie die vertikale stabilisierte Geltung von Konventionen durchbricht und diese horizontal zu organisieren beginnt.“

Wenn die Performance der Künste neben einer bewahrenden auch eine de-konstruktive Funktion erfüllen, in der verhärtete Spielregeln, konventionelle Bedeutungen, klar definierte Regelkreise und traditionelle Wortzusammenfügungen durch den spielerischen Gebrauch von Zeichen gerade aufgebrochen und in neuartigen Kombinationen zusammengefügt werden, dann ist es offensichtlich unfruchtbar, den Ereignischarakter eines Kunstwerks am Ideal einer gelingenden konventionellen Sprachhandlung zu messen. „Leer heißt für Austin, dass sich fiktionale Rede nicht auf Konventionen und akzeptierte Prozeduren berufen kann… Gewiss, ihr ‚Gelingen‘ ist ungleich bedrohter als das einer explizit performativen Äußerung, und das von ihr Bewirkte lässt sich vielleicht auch nicht als Handlung im strengen Sinne qualifizieren. Doch selbst wenn man diese Umstände als ausreichend erachten würde, um sie als leer zu qualifizieren, so verschwindet damit noch nicht die ihr eigene pragmatische Dimension.“

Die pragmatische Dimension von Diskursen, deren Sprachgebrauch die Performanz von Sprachhandlungen poietisch akzentuieren – sei es im Alltag, in den Künsten, ja sogar im wissenschaftlich-philosophischen Ideal einer „Fröhlichen Wissenschaft“ – beruht gerade darin, dass sie in ihrem spielerischen Umgang mit Sprache den Handlungserfolg ihrer Aussagen riskieren und damit effektiv aufs Spiel setzen. „Ein solches Entpragmatisieren“ ist gerade „ihre pragmatische Definition… die Strategie [fiktionaler] Texte… Sie unterscheiden sich allerdings von den accepted procedures darin, dass sie stabilisierte Erwartungen oder gar solche, die sie selbst im einzelnen stabilisieren, durch ihren kombinierten Einsatz wieder durchbrechen.“

Da sich spielerisch entdeckte Verfahrensregeln per se auf keine gesellschaftlich schon etablierte Akzeptanz dieser Regeln berufen können, sondern diese Akzeptanz erst nachträglich, im Zuge der Etablierung der von ihnen erfundenen Standards möglicherweise zugesprochen bekommen, aufgrund dieser wesenhaften „Unzeitgemäßheit“ ist das Gelingen der Etablierung eines Kunstwerks per se unwahrscheinlich und gefährdet. „Daher rührt auch, dass sie für ihren Autor immer zu spät kommen, oder, was auf dasselbe führt, dass die Arbeit an ihnen immer zu früh beginnt.“

Ganz im Sinne von Wolfgang Iser möchten wir uns in unseren Forschungen daher seiner Frage anschließen, ob, „wenn heute vom ‚Ende der Repräsentation‘ die Rede ist,… damit lediglich eine historische Zustandbeschreibung oder nicht eher die Unzulänglichkeit gemeint ist, durch den Repräsentationsbegriff das fassen zu können, was in Kunst und Literatur geschieht.“ Wie lässt sich also ein Repräsentationsbegriff erarbeiten, der das, was in Kunst und Literatur geschieht, für uns lesbar zu machen vermag?

1.1.4 Analyse der Materialität performativer Sprechakte (Medienphilosophie)

Charles Sanders Peirce unterscheidet in diesem Zusammenhang „rules of replication“ und „rules of signification“. Während die „rules of replication“ den aktuellen Akt des Be-deutens in seinem prozessualen Ereignischarakter regulieren, wird durch die „rules of signification“ die semantische Bedeutung der abgerufenen Zeichen determiniert. Bei der Replikation von Zeichen handelt es sich also um jenen Prozess, der im aktuellen Abrufen bestimmter Verweisungszusammenhänge, deren Zeichenkette im Zuge einer Äußerung aktiviert wird, implizit am Werk ist.

Bei solchen replikativen Synthesen handelt es sich im doppelten Sinne um habitualisierte Prozesse. Einerseits wird der Verweisungszusammenhang solcher Zeichenketten im Moment ihrer aktuellen Belebung nicht erst „erfunden“, sondern zunächst und zumeist einem habitualisierten Muster konform vollzogen. Der aktuelle Vollzug stellt daher, wie Derrida nicht müde wurde aufzuzeigen, immer schon eine Re-aktivierung bestimmter Regelkreise dar, deren „materielle“ Verlaufsform im aktuellen Akt aktuell „nur“ zitiert und damit mehr oder weniger „adäquat“ wieder-holt und rituell re-aktiviert wird. „Könnte eine performative Äußerung gelingen, wenn ihre Formulierung nicht eine ‚codierte‘ oder iterierbare Äußerung wiederholte, mit andern Worten, wenn die Formel, die ich ausspreche, um eine Sitzung zu eröffnen, ein Schiff oder eine Ehe vom Stapel laufen zu lassen, nicht als einem iterierbaren Muster konform, wenn sie also nicht in gewisser Weise als ‚Zitat‘ identifizierbar wäre?“

Aber nicht nur der Regelkreis einer solchen Verweisungskette stellt ein habitualisiertes Verhaltensmuster dar, das die materielle Verlaufsform eines Zeichenprozesses in seiner rhizomatischen Verästelung rituell vor-schreibt. Der replikative Akt des aktuellen Reaktivierens solcher Verlaufsmuster läuft selbst mehr oder weniger „unbemerkt“ in uns ab, so dass wir den Vollzugsmodus dieser Handlung im Sinne Husserls sachgemäß als Ereignis von habilitativen, passiven Synthesen bezeichnen können, die quasi-mechanisch, also präreflexiv in uns ablaufen. Die aktuelle Reaktivierung habituell vorgeschriebener Verweisungszusammenhänge wieder-holt also nicht nur habitualisierte Verhaltensmuster, sondern der Modus dieser „materiellen Wieder-holung“ (Foucault ) findet selbst habilitativ statt. Es gehört demnach zum alltäglichsten Habitus unseres In-der-Welt-seins, habilitierte Verhaltensweisen quasi automatisch in uns zu zitieren, wodurch sie selbst – mehr in uns (auto-matos) als von uns (causa sui) – rekursiv geweckt und am Leben erhalten werden. Ein Habitus, der in seinem „unauffälligen“ Walten ständig dafür Sorge trägt, dass wir es in unseren bewusst gelichteten Objektbezügen immer schon mit präreflexiv indizierten „Dingen“ einer Lebenswelt zu tun haben, die uns „apriori“ etwas bedeuten, da die Gegenstände unseres Bewusstseins unterschwellig immer schon mit Bedeutung aufgeladen worden sind, wenn sie uns in den Sinn kommen und damit bewusst vor-stellig werden.

Bei replikativen Synthesen handelt es sich folglich um einen aktuellen, einmaligen Vollzug der materiellen Verkörperung von Aussagen im Zuge ihrer datierbaren Äußerung in Zeit und Raum. Aber insofern in diesem singulären Akt immer schon bestimmte habitualisierte Verhaltensmuster habituell abgerufen und „materiell wieder-holt“ werden, handelt es sich beim einmaligen Sprechakt einer singulären Äußerung unterschwellig um das Zitat eines Rituals, das im singulären Akt der Äußerung einem vorgeformten Habilitationsmuster konform „non-verbal“ vollzogen wird.

Nicht nur der ideelle Aussagehalt, sondern auch das Tätigen der Äußerung selbst und die darin iterierten Konventionen lassen sich also re-plizieren, so dass auch die materielle Verkörperung einer bestimmten Aussage im Vollzug einer schriftlichen, lautlichen, gestischen… Äußerung das einmalige Ereignis eines wiederholbaren Tuns darstellt, das zwar von Fall zu Fall singulär vollzogen wird, selbst aber eine reproduzierbare Handlung darstellt, deren eidetische Struktur für eine Mehrzahl gleicher Fälle gültig (und konform) ist. Auch einmalig datierbare Ereignisse stellen als singuläres Datum einer iterierbaren Handlung (Derrida) folglich ein „Datum“ dar, das trotz seiner Singularität begrifflich rekogniziert werden kann, und zwar unter der Bedingung, dass der aktuelle Einzelfall von uns im Zuge der dreifachen Synthesis von Apprehension, Reproduktion und Rekognition im Begriff (Kant) als Fall einer n-ten Reihe möglicher Iterationen desselben eidetischen Datums zu einem anderen Zeitpunkt aufgelesen wird.

Nicht erst Derrida, sondern schon Kant hat in seiner Kritik der reinen Vernunft eindringlich darauf hingewiesen, dass ein singuläres Datum nur dann von uns diskursiv erkannt (rekogniziert) werden kann, wenn wir das singuläre Datum als ein prinzipiell reproduzierbares Datum ein und desselben Typs (Peirce) betrachten, der im aktuelle Akt des singulären Vollzugs „bloß“ reproduziert und damit aktuell reinszeniert wird. „Die Replica ist als Instance of Application“ demnach selbst das Eidos singulärer Vollzüge, deren Geschehen als prinzipiell iterierbar angesehen werden muss
Da singuläre Ereignisse selbst replikative Synthesen vollziehen, in denen vorkonfigurierte Regelkreise materieller Zeichenverkettungen habituell reaktiviert und im Zuge der Sendung von Signalen materiell wieder-holt und ent-äußert werden, weist die Materialität solcher Akte einen rituellen, regelmäßigen Charakter auf, dessen Beständigkeit ganz im Sinne Derridas niemals auf sein Stattfinden in der aktuellen Gegenwart reduzierbar ist. Vielmehr weist der rituelle Charakter aktueller Sprechhandlungen darauf hin, dass die aktuelle Gegenwart der Reaktivierung bestimmter materieller Verhaltensmuster geschichtlich verstanden werden muss, da auch in der Äußerung von Sprechakten historisch vorgeformte Muster der Verkörperung von Aussagen habituell wiederbelebt und damit quasi „süchtig“reinszeniert werden. „Zweitens lässt sich mit Blick auf Peirce argumentieren, dass Allgemeinheit und Abstraktion… durch eine gewohnheitsstiftende Wiederholung etabliert werden, welche als Gewohnheit (Habit) jenen semiopragmatischen Rahmen der Repräsentation bildet, den Peirce als Drittheit bezeichnet (vgl. CP 2.360).“

Ein Sachverhalt, durch den sich die Frage nach der (historischen) Materialität von Sprechaktstrukturen aufdrängt, in der drei Wesenmomente zusammenkommen:

Erstens wird es uns bei einer Analyse der Historizität materieller Zeichenprozesse darum gehen, wie der rituelle Charakter der regelmäßigen Wiederholung bestimmter materieller Verkörperungsrituale strukturell zu verstehen ist. Eine Fragestellung, die uns in eine Forschungsnähe zu Foucault bringen wird, der sich schon in der Archäologie des Wissens die Frage gestellt hat, wie der Akt der materiellen Wiederholung bestimmter Aussagen (Äußerung) zu verstehen ist. Generell wird damit überhaupt das Problem der Iteration virulent, das schon Denker wie Hume, Kant, Nietzsche, Peirces , Deleuze, Derrida oder Ronell – um nur einige Eigennamen aus einer langen Ahnenreihe zu zitieren -, maßgeblich umgetrieben hat.

Zweitens wird uns in diesem Zusammenhang beschäftigen, wie die Kopula (Synthesis) selbst zu verstehen ist, die in der Verkörperung sich reaktivierender Zeichenprozesse mittels passiver Synthesen am Werk ist. Lässt sich dieses Problem im Sinne von Peirce semiopragmatisch lösen, indem wir Zeichenprozesse als Typ-Token-Prozesse deuten, deren Relation untereinander indexikalisch reguliert und damit eindeutig festgelegt wird? Aber wie ist der materielle und habilitative Aspekt solcher indexikalen Zuschreibungen, Zuordnungen und Verkupplungen zu verstehen? Wie signalisiert ein Index Typ-Token-Relationen und wie werden (!) solche Signale selbst zu stabilen, habitualisierten Codes, in denen von nun an eine eindeutige Typ-Token-Relation angezeigt und verfolgt wird?

Drittens werden wir durch diese Fragestellung auf das Problem der Signalisation überhaupt im materiellen und indikatorischen Sinne gestoßen. Wenn in verbalen und non-verbalen Äußerungen rituell Signale gezeitigt und auf großteils schon vorgebahnten Datenbahnen („Informationshighways“) auf den Weg geschickt werden, um sich im Zuge dieser Deterritorialisierung zu entäußern, dann gilt es zu fragen, wie dieser Akt der Entäußerung von aktuell gezeitigten Signalen näher zu verstehen ist. Denn wenn die Zeichenstruktur von Zeichen darin beruht, dass sie etwas signalisieren möchten, dann verweist das Problem der Kommunikation von Zeichen nicht nur auf die Frage, was im Akt einer solchen Signalisation signalisiert und angezeigt werden möchte, sondern auch auf die Frage, wie die materielle Verkörperung (Zeitigung) und Übertragung solcher Signale selbst zu verstehen ist? Eine Thematik, die uns unter anderem in eine Auseinandersetzung mit Husserls Unterscheidung von anzeigenden und bedeutsamen Zeichen, seine Untersuchungen zum hyletischen Charakter passiver Zeitigunssynthesen sowie in medienphilosophische Überlegungen zur Signalstruktur von Zeichen verstricken wird.
Damit haben wir den Fragehorizont unseres Forschungsvorhaben skizziert und den wissenschaftlichen Rahmen des Projektbündels abgesteckt. Die entscheidenden Forschungsziele sollen in folgendem Resümee tabellarisch noch einmal kurz zusammenfasst werden.

Tabellarische Auflistung der Ziele des Forschungsprojekts

– Darstellung, Analyse und Kritik performativer Sprechakttheorien.
– Analyse der explosiven Sprengkraft dieser Theorie in Bezug auf die traditionelle Bestimmung von Wahrheit qua Richtigkeit (matching)
– Erarbeitung eines philosophischen Wahrheitsbegriff, der dem performativen Aspekt von Wahrheit qua „making“ und nicht nur qua „matching“ Rechnung trägt.
– Erörterung des Verhältnisses von Kunst (making) und Wahrheit (matching) aus der Perspektive performativer Sprechakttheorien, wobei „Wahrheit“ nun paradigmatisch vom „making“ der Kunst her zu verstehen versucht wird.
– Erarbeitung eines Repräsentationsbegriffs, der dem prozessualen „making“ von dem, was in den Künsten geschieht, gewachsen ist und damit dem Ereignischarakter von Kunstwerken zu entsprechen (matching) vermag.
– Analyse der Temporalität performativer Sprechakte. (Inhärenz von Äußerung und Aussagehalt in performativen Sprechakten unter Berücksichtigung des rekursiven Moments von Sprechhandlungen überhaupt.)
– Analyse der „rules of replication“. Replikation als aktueller Vollzug materieller Verkörperungsrituale, in denen Aussagen – mittels habilitierter passiver Synthesen – in Zeit und Raum geäußert und damit sinnlich in Erscheinung treten. (Wobei die Äußerung selbst eine reproduzierbare Tätigkeit darstellt.)
– Analyse der Materialität und Räumlichkeit performativer Äußerungen im Zuge der aktuellen Zeitigung von Signalen, in denen sich die Äußerung materiell ent-äußert (deterritorialisiert) und damit für andere, exterritoriale Wesen als „substantielle“ Botschaft lesbar wird, die etwas anzeigen und signalisieren möchte. (Kybernetik)

Zitierte Bücher und Artikel

– John L. Austin, Zur Theorie der Sprechakte (How to do things with Words), Reclam Verlag, Stuttgart 1998
– Hans-Dieter Bahr, Tropisches Denken, Verlag Turia & Kant, 1994
– Arno Böhler, Singularitäten. Vom zu-reichenden Grund der Zeit, Passagen Verlag, Wien 2004 (Im Druck Webversion unter http://www.phaidon.philo.at/~boehler).
– Arno Böhler, „Einblicke in den Ab-Grund des Denkens. ‚Über die Dummheit‘ (Avital Ronell)“ In: Das integrale und das gebrochene Ganze. Zum 100. Geburtstag von Leo Gabriel. Yvanka B. Raynova und Susanne Moser (Hg.), Peter Lang Verlag, Wien 2004 (Im Druck Webversion unter http://www. phaidon.philo.at/~boehler).
– Arno Böhler, „Nietzsches virtuellen Wanderungen im Sprachzeitraum des Gefährlichen Vielleicht“ In: Jahrbuch der Internationalen Nietzschegesellschaft, Nietzscheforschung Band 10, 2004, 24 Seiten. (Im Druck. Webversion unter http://www. phaidon.philo.at/~boehler)
– Arno Böhler, „Vor der (imaginären) Gesetzes-Kraft“ In: Das Verbindende der Kulturen. INST (http://www.inst.at/) (Hg.), Internetzeitschrift TRANS Nr. 15 (http://www.inst.at./trans/transstyle.htm) Online ab Frühjahr 2004 sowie im gleichnamigen Buch auf CD, Universitätsverlag Röhrig, Oktober 2004, 18 Seiten. (Im Druck. Webversion unter http://www. phaidon.philo.at/~boehler)
– Judith Butler, Hass spricht. Zur Politik des Performativen, Berlin Verlag, Berlin 1998
– Jacques Derrida, Die Schrift und die Differenz, Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 19946
– Jacques Derrida, Limited Inc. Passagen Verlag, Wien 2001
– Jacques Derrida, Mémoires for Paul de Man, Passagen Verlag, Wien 1988
– Jacques Derrida, Gesetzeskraft. Vom mystischen Grund der Autorität, Frankfurt am Main 1991
– Jacques Derrida, Die Stimme und das Phänomen, Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2003
– Jacques Derrida, Die Postkarte. Von Sokrates bis an Freud und jenseits, 2 Bände, Verlag Brinkmann und Bose, Berlin 1987
– Gilles Deleuze, Differenz und Wiederholung, Wilhelm Fink Verlag, München 19972
– Gilles Deleuze & Felix Guattari, Tausend Plateaus, Merve Verlag, Berlin 1992
– Michel Foucault, Archäologie des Wissens, Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 19883.
– Martin Heidegger, Zur Sache des Denkens, Tübingen 19762
– Martin Heidegger, Die Technik und die Kehre, Verlag Günther Neske, Pfullingen 19856
– Martin Heidegger, Gesamtausgabe, Vittorio Klostermann Verlag, Frankfurt am Main.
– Prolegomena zur Geschichte des Zeitbegriffs, GA Band 20, 19943
– „Vom Wesen der Wahrheit“. In: Wegmarken, GA Band 9, 1976, 177-202
– „Der Ursprung des Kunstwerks“. In: Holzwege, GA Band 5, 1977, 1-74
– Edmund Husserl, Analysen zur Passiven Synthesis. Aus Vorlesungs- und Forschungsmanuskripten 1918-1926, Husserliana XI, Den Haag (Nijhoff) 1966
– Edmund Husserl, Logische Untersuchungen, Husserliana1 XIX/1, Den Haag (Nijhoff) 1984
– Dieter Henrich, Konstellationen: Probleme und Debatten am Ursprung der idealistischen Philosophie (1789-1795), Klett-Cotta Verlag, Stuttgart 1991
– Wolfgang Iser, „Das Modell der Sprechakte“. In: Performanz. Zwischen Sprachphilosophie und Kulturwissenschaften, Uwe Wirth (Hg.), Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2002, 129-139
– Wolfgang Iser, „Mimesis und Performanz“. In: Performanz. Zwischen Sprachphilosophie und Kulturwissenschaften, Uwe Wirth (Hg.), Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2002, 243-262
– Immanuel Kant, Kritik der reinen Vernunft, Reclam Verlag, Stuttgart 1985
– Wayne Klein, Nietzsche And The Promise of Philosophy, State University of New York Press, New York 1997
– Sybille Krämer, Sprache, Sprechakt, Kommunikation. Sprachtheoretische Positionen des 20. Jahrhunderts, Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2001
– Sybille Krämer „Sprache und Sprechen oder: Wie sinnvoll ist die Unterscheidung zwischen einem Schema und seinem Gebrauch? Ein Überblick.“ In: Sybille Krämer und Ekkehard König (Hg.), Gibt es eine Sprache hinter dem Sprechen, Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2002, 97-125
– Rolf Kühn, Husserls Begriff der Passivität. Zur Kritik der passiven Synthesis in der Genetischen Phänomenologie, Alber Verlag, München 1998
– Jean François Lyotard, „Beantwortung der Frage: Was ist postmodern?“ In: Peter Engelmann (Hg.), Postmoderne und Dekonstruktion, Stuttgart 1990, 33-49
– Jean François Lyotard, Der Widerstreit, Wilhelm Fink Verlag, München 19892
– Paul de Man, Allegories of Reading, Yale University Press, Yale 1979
– Friedrich Nietzsche, Kritisches Studienausgabe (KSA), Giorgio Colli und Mazzino Montinari (Hg.), DTV München/Walter de Gruyter, Berlin/New York 1967-1977
– Über Wahrheit und Lüge im außermoralischen Sinne, KSA Band1, 873-891
– Zur Genealogie der Moral, KSA Band 5, 245-413
– Götzen-Dämmerung oder Wie man mit dem Hammer philosophirt. KSA Band 6, 55-162
– Charles S. Peirce, Elements of Logic. In: Collected Papers of Charles Sanders Peirce, Band II, Harvard University Press, Cambridge 1932
– Charles S. Peirce, Pragmatism and Pragmaticism. In: Collected Papers of Charles Sanders Peirce, Band V, Harvard University Press, Cambridge 1934
– Avital Ronell, Stupidity, University of Illinois Press, Chicago 2002
– Avital Ronell, Drogenkriege, Fischer Verlag, Frankfurt am Main 1994
– Avital Ronell, „The Test Drive“. In: Deconstruction is/in America. Anselm Haverkamp (Hg.), New York University Press 1995, 200-220.
– F.W.J. Schelling, System des transcendentalen Idealismus. In: Ausgewählte Schriften Band 1 (1794-1800), Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 1985, 395-703
– John R. Searle, Sprechakte, Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 1971
– Georg Christoph Tholen, Die Zäsur der Medien. Kulturphilosophische Konturen, Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2002
– Uwe Wirth, „Der Performanzbegriff im Spannungsfeld von Illokution, Iteration und Indexikalität.“. In: Performanz. Zwischen Sprachphilosophie und Kulturwissenschaften, Uwe Wirth (Hg.), Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2002, 9-60
– Ludwig Wittgenstein, Philosophische Grammatik. In: Rush Rhees (Hg.), Schriften 4, Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main/Oxford 1969
– Ludwig Wittgenstein, Philosophische Untersuchungen. In: Schriften 1, Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main/Oxford 19804
– Ingo Zechner, Deleuze. Der Gesang des Werdens, Wilhelm Fink Verlag, München 2003

1.1.2 Innovative Aspekte (inhaltlich und methodisch)

1.1.2.1 Bedeutung der zu erwartenden Fortschritte des Gebiets aufgrund des vorliegenden Projekts (inhaltlich innovative Aspekte)
Von der Erforschung der Materialität und Zeitlichkeit performativer Äußerungen erwarten wir uns in philosophischer Hinsicht die Entwicklung einer umfassenden Theorie der Kommunikation, die im Stande ist, sprach-, zeit- und medienphilosophische Aspekte performativer Sprechhandlungen in ihrem inhärenten Verweisungszusammenhang lesbar zu machen.

Gelingt es uns, im Laufe der „Performance“ unseres Forschungsprojekts eine solche Theorie auszubilden, dann wäre damit nicht nur ein innovativer philosophischer Beitrag zur Theorie der Performanz produziert worden, sondern auch eine theoretische Basis für einen innerphilosophischen Dialog zwischen mehreren philosophischen Disziplinen geschaffen worden. Kommen die entscheidenden philosophischen Beiträge zu den Themen Zeit, Sprache und mediale Vermittelung im 20. Jahrhundert doch aus sehr unterschiedlichen philosophischen Denkschulen. So verdanken wir die sublimen Zeitanalysen von Husserl und Heidegger methodisch der phänomenologischen Forschung, die Schriften Bergsons (und Nietzsches) zu Materie und Gedächtnis einer lebensphilosophischen Ausrichtung ihrer Philosophien, die Werke von Austin, Searle und Judith Butler zur Sprechakttheorie der sprachphilosophischen Wende („Linguistic Turn“) angelsächsischer Philosophien und die Ansätze französischer (Post-)strukturalisten, von Foucault über Deleuze bis zu Derrida und Kristeva schließlich einer diskursphilosophischen Ausrichtung ihrer Texte, die sich an linguistischen (Saussure), semiotischen (Peirce) und analytischen (Wittgenstein) Sprachtheorien reiben. Soll es uns gelingen, die Zeitlichkeit performativer Sprechakte in ihrem materiellen und ideellen Übertragungssinn parallel zu thematisieren, dann verlangt eine solche integrale Fragestellung offensichtlich eine breit gefächerte philosophische Plattform, in der Berührungsängste zwischen Schulen abgebaut und hermetischen Isolationstendenzen strategisch entgegengetreten wird.

Dieser fächerübergreifende Aspekt unseres Forschungsprojekts betrifft aber nicht nur unterschiedliche philosophische Schulen, sondern auch nicht-philosophische Fakultäten. Im Laufe unseres 3-jährigen Forschungsvorhabens möchten wir neben der theoretischen Grundlagenforschung und der experimentellen Arbeit im ART-Laboratorium auch 2 Lecture-Performances (‚ siehe innovative Methodik) organisieren, in denen wir nicht nur die Auseinandersetzung mit diversen geisteswissenschaftlichen Disziplinen, sondern auch mit technischen, natur- und medienwissenschaftlichen Disziplinen suchen werden, um eine möglichst interdisziplinäre Plattform von Grundlagenwissen zum Thema „Performanz“ zu organisieren. Deren hybride, Dichotomien durchkreuzende Organisationsstruktur soll uns schließlich jene breite Basis an Grundlagenwissen liefern, die es uns ermöglicht, eine fundierte, repräsentative „philosophische“ Auseinandersetzung mit den Künsten und dem, was in ihnen geschieht, auf den Weg zu bringen.

1.1.2.2 Bedeutung der zu erwartenden Fortschritte des Gebiets aufgrund des vorliegenden Projekts (methodisch innovative Aspekte)
„Als Galilei seine Kugeln die schiefe Fläche mit einer von ihm selbst gewählten Schwere herabrollen [ließ]… ging allen Naturforschern ein Licht auf. Sie begriffen, dass die Vernunft nur das einsieht, was sie selbst nach ihrem Entwurfe hervorbringt, dass sie mit Prinzipien ihrer Urteile nach beständigen Gesetzen vorangehen und die Natur nötigen müsse, auf ihre Fragen zu antworten…“

Übersetzen wir diese Textpassage aus Kants Vorrede zur Kritik der reinen Vernunft auf unser Forschungsprojekt, dann können wir sagen, dass auch kultur- und geisteswissenschaftliche Forschungen – zumindest im Sinne der Kritik der reinen Vernunft – erst dann wissenschaftliche Untersuchungen werden, wenn sie den zu untersuchenden geisteswissenschaftlichen Gegenstand zunächst einmal geistig vorentwerfen. In einem zweiten Schritt muss das so gewonnene Vorverständnis vom Gegenstand auf seine Gültigkeit hin überprüft werden, indem der Forschungsgegenstand im Zuge geisteswissenschaftlicher Experimente dazu gebracht wird, selbst auf die Rechtmäßigkeit der von uns vorentworfenen Ansicht über ihn zu antworten.

Die erste Anforderung einer solchen geistes-wissenschaftlichen Methodik haben wir im Zuge der Beschreibung unseres Forschungsvorhabens erfüllt, indem wir die Forschungsperspektive in Hinblick auf den von uns zu erforschenden Gegenstand geistig skizziert und imaginär antizipiert haben. Wie steht es nun aber mit dem experimentellen Teil unseres Forschungsvorhabens, in dem die Rechtmäßigkeit unserer Theorie im Zuge einer faktischen Auseinandersetzung mit dem in Frage stehenden „Referenten“ selbst erprobt, getestet und die Theorie damit auf ihre Gültigkeit hin falsifiziert wird? Wenn sich als „Referent“ unseres Forschungsprojekts das stets lückenhafte Regelwerk (sub-iectum) erwiesen hat, das in der „Performance“ der Künste zunächst und zumeist anonym am Werk ist, dann stellt sich im zweiten, experimentellen Teil unseres Forschungsvorhabens folgende Frage: Wie kann im Sinne Kants „die Kunst von uns genötigt werden“, auf die anonyme Gültigkeit und Rechtmäßigkeit unserer Performanztheorie explizit „zu antworten“?

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