Zur finnougristischen Quellenkunde: Wie finde ich die Literatur?

(Parallel version in English.)

Die fiu. Sprachwissenschaft existiert als eine etablierte wissenschaftliche Disziplin seit mehr als hundert Jahren. Viele von den klassischen Quellenwerken sind immer noch unentbehrlich, das Volumen der Forschung ist (mit den “großen” europäischen Philologien verglichen) ziemlich gering, und die Forschungsarbeit wird zerstreut in vielen Ländern und Institutionen durchgeführt. Dies bedeutet,

Die meisten Korpora und Nachschlagwerke zur Finnougristik, falls elektronisch vorhanden, sind nur registrierten UserInnen (oder über elektronische Universitätsbibliotheken) zugänglich. Wichtige Ausnahmen:

Sprachwissenschaftliche Literatur zum Finnisch-Ugrischen findet man mit Hilfe von

Bibliografien

Bibliographie der uralischen Sprachwissenschaft 1830-1970 ist 1976-1986 in 3 Bänden erschienen (I: Ungarisch, 2: Finnisch-Permisch/Obugrisch/Samojedisch, 3: Autorenregister).

Bibliographia Studiorum Uralicorum 1917–1987, Ergebnis eines internationalen Bibliographieprojekts, ist 1989–1993 in vier großen Bänden erschienen (Archäologie, Ethnographie und Folkloristik, Sprachwissenschaft, Literaturwissenschaft). Der sprachwissenschaftliche Teil des Projekts wurde im Rahmen der Datenbank URBIS fortgesetzt: URBIS ist jetzt auf dem Server der Universitätsbibliothek Tartu zugänglich (englischsprachige Einstiegseite) und enthält zur Zeit über 7000 Verweise zu 1998–2000 erschienenen Aufsätzen und Monografien.

Unter dem Titel Bibliographia Uralica wurden in Sowjet-Estland regelmässig Bibliographien zur sowjetischen Uralistik herausgegeben. Ein Gesamtindex 1918-1985 ist 1988-1989 erschienen.

Bibliothekskatalogen und Datenbanken

In unserem U:SEARCH findet man die (meisten) Monografien, die bei uns oder anderswo in der Universitätsbibliothek Wien vorhanden sind. Für Quellensuche kann man auch andere elektronische Bibliothekskatalogen verwenden, nicht nur, um Bücher über Fernleihe aus anderen Bibliotheken bestellen zu können, sondern auch

Die wichtigsten Bibliothekskataloge für finnougristische Zwecke sind

Handbücher

Wichtige finnougristische Handbücher mit umfangreichen Bibliografien (auch zu Detailfragen, wie z.B. “chantische Vokalgeschichte” oder “Partitiv im Ostseefinnischen”) sind z.B.

Schriftenreihen und Zeitschriften

Die wichtigsten Schriftenreihen sind leider nur ausnahmsweise online verfügbar – oder der Zugang gilt nur für die jüngsten Jahrgänge und UserInnen in bestimmten Umgebungen (z.B. sind viele finnische wissenschaftliche Zeitschriften über die Elektra-Interface zugänglich, aber nur in den meisten finnischen Universitätsnetzwerken, und die elektronische Zeitschriftenbibliothek der UB Wien kennt sie nicht). Dagegen haben viele schon die Inhaltsverzeichnisse online, manchmal sogar in Datenbankform mit Möglichkeit für Stichwortsuchen.

Für die wichtigsten Zeitschriften gibt es gedruckt erschienene Gesamtverzeichnisse, oft auch mit thematischen und Wörterverzeichnissen.

NB: In Zeitschriften findet man nicht nur Aufsätze sondern auch Hinweise zu wichtigen Monografien, z.B. Rezensionen!

Wichtige Zeitschriften und Schriftenreihen sind z.B.

Kataloge, Repositorien und Datenbanken von Institutionen

Manchmal lohnt es sich, auch nach Namen zu suchen (“X. Y. soll die größte Expertin in dieser Frage sein, was und wo hat sie eigentlich publiziert?”). Zusätzlich zu den persönlichen Homepages gibt es bei den Universitäten Experten- und Publikationendatenbanken, so wie z.B. TUHAT an der Universität Helsinki oder das estnische Wissenschaftsinformationssystem ETIS. Einige Institutionen haben auch thematische online-Bibliografien, so wie die Finnisch als Fremdsprache -Bibliografie von Jyväskylä.

Es kann auch eine gute Idee sein, auf den Homepages von anderen Instituten nach relevanten Synopsen von Lehrveranstaltungen oder Prüfungsliteraturverzeichnissen zu suchen.

Bei einigen Universitäten gibt es dauernd aktualisierte Lokalbibliografien von Diplomarbeiten und Dissertationen, so z.B. bei der Fennistik in Jyväskylä.

Universitäten und Forschungsinsitutionen entwickeln sich dauernd elektronische Online-Repositorien, wo erschienene Arbeiten oder ihre Entwürfe elektronisch gespeichert und – inwieweit es die Verlage erlauben – zugänglich gemacht werden können, so wie in Wien das U:SCHOLAR. Außeruniversitäre, gemeinnützige und kommerzielle Repositorien, wo man immer öfter interessante Materialien finden kann, sind z.B. academia.edu, ResearchGate und Humanities Commons.

 

Aktualisiert 02.05.2018

johanna.laakso@univie.ac.at