Was mich besonders begeistert

Abschiedsvorlesung von Helmuth Horvath

am 29. September 2006

im großen Hörsaal des Instituts für Experimentalphysik der Universität Wien

 

Heute vor 47 Jahren minus einer Woche habe ich diesen Hörsaal erstmalig betreten. In diesen 47 Jahren ist sehr viel passiert und ich habe fast nur positive Erinnerungen, weil mich von wenigen Ausnahmen abgesehen alles sehr begeistert hat; daher auch der Titel dieser Vorlesung.

Da heute der Form nach mein letzter Arbeitstag ist, ist es angebracht, heute die Abschiedsvorlesung zu halten.

Gehen wir gleich die 47 Jahre zurück. Nach bestandener Matura inskribierte ich Mathematik und Physik und es begeisterte mich, Physik studieren zu können. Ich hatte zwar weder einen Physik-, noch einen Mathematikunterricht in der Schule, der mich für diese Fächer begeistert hätte, aber mein Vater, selbst Mathematik- und Physik-Lehrer am Gymnasium Rainergasse, und mein Onkel, Physiker und Meteorolge an der Zentralanstalt, förderten meine naturwissenschaftlichen Interessen. Mit etwa 300 Kollegen und Kolleginnen hörte von 8 bis 10 Uhr Mathematikvorlesungen und dann warteten wir vor dem verschlossenen Hörsaal, um jeweils um 11 Uhr hier die einführende Physikvorlesung bei Professor Stetter zu besuchen. Der Hörsaal sah damals ganz anders aus. Die Bilder zeigen den vorderen Teil, wo die Experimente aufgebaut wurden und die große Schalttafel.

 

Bei diesen Bild blickte die Kamera von vorne in den Hörsaal, der damals noch zu beiden Seiten große Fenster hatte, und das Tageslicht erleuchtete den Hörsaal sehr hell.

 

Es war ein echter Jugendstilhörsaal, der uns leider verloren gegangen ist, weil es billiger war, die wandfüllenden Glasfenster zuzumauern, als die Verdunklung zu reparieren. Schade! Übrigens war das vom Standpunkt der Umwelt ein großer Fehler, denn der erhöhte Stromverbrauch für die Beleuchtung seit 1968 verursachte zusätzliche CO2-Emissionen von 110 Tonnen.

Noch einmal zum Physikgebäude: Der Architekt schrieb ein Buch mit dem Titel: "Der Neubau des physikalischen Institutes der Wiener k.k. Universität", mitgeteilt von k.k. Baurat im Ministerium für öffentliche Arbeiten Dr. techn. Fritz Golitschek Edler von Elbwart (Sonderabdruck aus der „Allgemeinen Bauzeitung", Heft 1, 1915), da ja Physikinstitute nur sehr selten gebaut werden. Hier sehen Sie die Titelseite des Sonderdrucks.

In diesem Heft ist der Bau genau beschrieben und es gibt viele Photos, einige habe ich Ihnen soeben gezeigt. Besonders bemerkenswert ist folgender Satz:

" Gegenüber dem für den Bau und Einrichtung genehmigten Betrage von zusammen K 2,275.000.-- gelang es jedoch durch günstige Vergebungsresultate und mannigfache Vereinfachungen gegenüber dem ursprünglichen Projekte bei der Baudurchführung sehr erhebliche Ersparnisse zu erzielen, so daß sich der wirkliche Ausführungsaufwand für diese Arbeiten nur auf zirka K 1,900.00.-- stellen dürfte."

Daß der Bau eines so großen Gebäudes sogar billiger wurde, als der Kostenvoranschlag hat es seither kaum gegeben.

 

Aber zurück zur Vorlesung. Professor Stetter hielt eine sehr hochstehende, anspruchsvolle Vorlesung. Wir verstanden sehr wenig davon, denn sie war für das erste Semester viel zu hoch. Gleich in der zweiten oder dritten Vorlesung standen Dreifachintegrale an der Tafel. Vielen Kollegen und Kolleginnen und auch mir wurde in der Schule kurz einmal gezeigt, daß es Integrale gibt, mehr nicht. Für mich war das jedenfalls ein Grund, später eine Mathematikvorlesung zu halten, die als Einführung in jene Mathematik gedacht war, die die Physiker am Anfang ihres Studiums dringend brauchen. Übrigens besuchte ich die einführende Physikvorlesung gegen Studienende nochmals und dann begeisterte sie mich sehr, weil sie sowohl systematisch als auch inhaltlich einmalig war, aber eben auf hohem Niveau.

Bei uns in Wien ist es Tradition, in der Vorlesung eindrucksvolle Experimente zu zeigen. Es gab zu jeder neuen Erkenntnis ein oder mehrere Experimente, die wesentlich zum Verständnis der viel zu hohen Vorlesung beitrugen. Zwei Laboranten und zwei bis drei Assistenten waren mit den Experimenten voll beschäftigt. Unter anderem zeigte uns ein uns unbekannter Dr. Preining einige besonders imposante Experimente. Der große Teslatransformator war einer seiner Lieblinge. Wir erfuhren, daß Dr. Preining gerade von einem mehrjährigen Amerikaufenthalt zurückgekommen war. Das beeindruckte uns Studenten sehr, zumal das damals noch etwas sehr Exklusives war, denn die Vereinigten Staaten waren damals fast nur mit dem Schiff erreichbar.

Zum Glück war die Prüfung bei Prof. Stetter leichter als die Vorlesung, und ich konnte nach erfolgreicher Ablegung das physikalische Praktikum für Anfänger besuchen. Nun konnte ich selbständig (natürlich unter Aufsicht) Experimente und Messungen machen, es war ein Vergnügen. Hiezu ein Bild von der Bestimmung der Zähigkeit einer Flüssigkeit.

 

 

 

Im Hintergrund sehen Sie übrigens die alten Marmorschalttafeln mit den blanken Metallkontakten, die selbstverständlich unter Spannung standen. Hier gab er eine natürliche Auslese der Physiker. Wer die Kontakte berührte war nicht lange Physiker.

Im Praktikum versuchte ich, diese Begeisterung auf meine Kollegen zu übertragen, aber nicht immer mit Erfolg, da es vielfach an Verständnis mangelte. Daher erklärte ich ihnen die Grundlagen, aber helfen war strikte verboten, und ich bekam einmal ein Strafbeispiel aufgebrummt. Es war angeblich ein sehr schweres Beispiel, die Elektronenröhre. Aber ich hatte Glück (und der Assistent, der mir es verpaßt hatte, Pech), denn mit der Elektronenröhre hatte ich mich schon seit langem beschäftigt und ich konnte das Beispiel inklusive Prüfung noch am selben Nachmittag abschließen. Übrigens: Von der Assistentin die mich prüfte, fand ich ein Photo. Sie kennen sie sicher, es ist Professor Brigitte Weiß.

 

Eine Person, die ich in diesem Zusammenhang unbedingt erwähnen muß, ist der Laborant des Praktikums, Herr Sentall. Er half allen, die Probleme hatten (Ihm konnten ja keine Strafbeispiele verpaßt werden), und noch viel wichtiger, er organisierte Praktikumsausflüge in die nähere und fernere Umgebung Wiens. Ich kann mich noch an den Peilstein, die Rosenburg am Kamp, oder die Umgebung von Klosterneuburg erinnern. Immer waren es Wanderungen, wo wir Zeit genug hatten, Blumen anzuschauen, mit Kollegen zu reden oder die Landschaft zu bewundern. Hier ist ein Bild von einem der vielen Ausflüge.

Ich kann gar nicht verstehen, wie Herr Sentall damals (1961) die Zeit dafür finden konnte, denn auch noch der halbe Samstag war Arbeitstag, da fanden u.a. die Mathematik-Übungen statt. Er liebte die Natur und konnte die Studenten und auch mich dafür begeistern. Zusammen mit meinem Studienkollegen Dieter Hochrainer entwickelten wir diese Begeisterung noch weiter zu Bergsteigen und Klettern, was wir noch immer gemeinsam betreiben. Sozusagen eine Fortsetzung der Idee der Praktikumsausflüge war auch der Aerosolschikurs, den es mehr als 20 Jahre gab.

Ein weiterer Höhepunkt für mich als Experimentalphysiker war das Vorgeschrittenenpraktikum. Dieses hatte etwa 20 Plätze bei ungefähr 300 Studierenden pro Studienjahr. Nach einer Vorselektion blieb noch immer eine erkleckliche Anzahl an Bewerbern übrig. Daher gab es eine strenge Aufnahmsprüfung beim damaligen Doz. Dr. Stangler. Mit Bangen warteten wir auf den Aushang mit den Namen der ins Praktikum aufgenommenen Studenten. Wir schafften es! Gemeinsam mit meinem Kollegen Manfred Richter machte ich mich an die Arbeit. Hier mußten wir selbständig experimentieren und uns die nötigen Kenntnisse irgendwie aneignen. Meistens erwarben wir das Wissen aus Büchern der Bibliothek, die . Einmal gingen wir sogar, potentielle Käufer von wissenschaftlichen Geräten vortäuschend, zu einen Laborfachhandel, um uns über den neuesten Stand der Produkte zu informieren.

Das erste Beispiel war die Kalibrierung einer analytischen Waage. Das klingt sehr trocken, war aber wirklich interessant. Das zweite Beispiel war ein Laue Diagramm. Da mußten wir uns aus Büchern schlau machen. Das Standardbuch, welches man verwenden mußte, war das Buch von Schmid und Boas über Kristallplastizität, denn Erich Schmid war der Institutsvorstand. Als wir es in der Bibliothek ausborgen wollten, waren leider gerade alle Exemplare entlehnt. Anstatt zu warten, suchte ich nach Alternativen und fand das Buch von B.D. Cullity "Elements of X-Ray diffraction". Dieses Buch war zwar auf Englisch, aber es war sehr hilfreich. Aufgrund des Aussehens des Buches wußte ich, daß es sicher niemand vor uns gelesen hatte. Und da wir dies wußten, konnten wir auch viele Absätze aus dem Buch ins Protokoll übernehmen. Dieses Buch wurde aufgrund unserer Empfehlungen mindestens für die nächsten 20 Jahre das Standard-Buch für das V-Praktikum, allerdings konnten unsere Kollegen dann nicht mehr Übersetzungen des Buches als Protokoll abgeben.

Beim dritten Beispiel hatten wir alle Freiheiten: Wir kamen mit einer guten Idee, und der Praktikumsleiter ließ sogar noch einige Teile in der Werkstätte anfertigen, damit wir gute Mikrowellenexperimente machen konnten. Es hat uns sehr begeistert. Das Praktikum endete mit einer Prüfung. Damals war es üblich, daß jene, die ein "Sehr gut" auf das Praktikum bekamen, eine Dissertation im 2. Physikalischen Institut in Festkörperphysik machen durften. Das Wort "durften" habe ich absichtlich gewählt, denn es beschrieb den Zustand genau. Während heute 10 Professoren um einen Diplomanden kämpfen, kämpften damals 10 Studenten um einen Dissertationsplatz. Mein Kollege Manfred Richter und ich bekamen zwar ein "Sehr gut", aber uns wurde keine Dissertation angeboten. Warum das so war, weiß ich nicht, vieleicht waren wir zu frech, aber im Nachhinein bin ich Prof Stangler unendlich dankbar, daß er uns nicht empfohlen hatte. Denn anstatt eine Nummer unter zigtausend Festkörperphysikern zu werden, konnte ich Aerosolphysik studieren und mich mit der äußerst interessanten Umweltphysik beschäftigen.

Da ich nicht gleich an einer Dissertation arbeite, machte ich noch zwei Praktika am Atominstitut. Hin und wieder besuchte ich Herrn Sentall im Anfängerpraktikum. Er riet mir dringend, mich aktiv um eine Dissertation zu kümmern, und daher folgte ich seinen Empfehlungen, schnappte alle meine Zeugnisse und ging zu Prof. Stetter. Er schaute sie an, murmelte: "sehr interessant, sehr interessant" und sagte, ich solle meine Adresse dalassen, ich werde von ihm hören. Ich klassifizierte das als Mißerfolg. Daher war ich sehr erstaunt, als nach einer Woche ein Brief kam und ich eingeladen wurde, bei Dr. Preining vorzusprechen. Ich begann eine Dissertation auf dem mir völlig fremden Gebiet der Aerosolphysik. Es gab keine Vorlesung darüber und nur ganz wenige Bücher. Es war also sehr hart, sich das entsprechende Wissen zu erarbeiten, aber es war möglich.

Dr. Preining war mehrere Jahre am CALTECH (California Institute of Technology, Pasadena, California) und arbeitete dort mit dem neuesten Aerosolspektrometer, mit dem man Teilchen bis hinunter zu 0.08µm messen konnte, damals die extremste unterste Grenze. Diese Zentrifuge wurde bei uns in Wien in der Werkstätte in einer weiterentwickelten Version nachgebaut. Ein Photo ist hier zu sehen. Mich hat es als jungen Dissertanten sehr beeindruckt, daß man so ein tolles Gerät überhaupt bei uns bauen kann. 40 Jahre später kann ich nur sagen, daß das wissenschaftliche und technische Know-how gepaart mit einer guten Werkstätte das Erfolgsrezept unseres Instituts ausmachen. Die meisten Forscher haben zwar das wissenschaftliche Know-how und viel mehr Geld als wir, aber es mangelt an technischem Wissen und vor allem an der Realisierungmöglichkeit durch die Institutswerkstätte.

Hier sehen Sie das in Wien gebaute Aerosospektrometer:

 

 

Um mit dem Aerosolspektrometer Größenverteilungen zu messen, wurden die Partikel in dieser Zentrifunge auf eine Folie abgeschieden und im Ultramikroskop betrachtet. Das Bild im Mikroskop sah etwa so aus.

 

 

Da der Ort der Deposition von der Größe abhängt, ergibt eine Zählung der deponierten Teilchen die Größenverteilung. Da sich diese allerdings durch Differentiation ergibt, war es nötig, viele Teilchen zu zählen. Für meine Dissertation mußte ich 2 Millionen Teilchen zählen, was bedeutete, daß ich stundenlang in der Dunkelkammer saß und geduldig Teilchen zählte. Ich überlegte einige Monate, ob ich nicht eine Zählmaschine bauen sollte, aber ich zählte lieber 600 Stunden, denn der Zeitaufwand für den Bau einer Zählmaschine wäre sicher noch größer gewesen. Meine Studienkollegen belächelten mich, denn sie machten ja Reaktorphysik, ein Forschungsgebiet mit enormem Zukunftspotential. Zumindest war das damals die gängige Meinung.

Da mein Doktorvater Professor Preining wußte, daß ich die Natur liebte, arrangierte er für mich eine einmonatige Meßserie auf der Gemeindealpe bei Mariazell. Das war eindeutig der Höhepunkt meiner Dissertationsarbeit. Es begeisterte mich sehr, denn ich konnte mich in der nahezu unberührten Natur aufhalten und gleichzeitig Messungen für meine Dissertation machen. In einem gemieteten in Zimmer des Terzerhauses (Photo) richtete ich ein kleines Labor ein (Photo) und betrieb die Meßstelle einen Monat lang und zwar 24 Studen am Tag.

 

Das bedeutete, daß ich in der Nacht zwei Stunden schlafen konnte, dann folgte eine Stunde für Folienwechsel und Photographieren der Partikel, dann wieder zwei Stunden Schlaf, usw. Untertags nutzte ich die Zeit zwischen den Folienwechseln um meteorologische Messungen zu machen und Teilchen zu zählen. Nach Auswertung aller Daten hatte ich eine Klimatologie der Größenverteilung des atmosphärischen Aerosols in einem Größenbereich, den sonst niemand beherrschte. Die Ergebnisse wurden in einer amerikanischen Zeitschrift publiziert. Hier ein Digramm aus der Zeitschrift Atmospheric Environment, wo die österreichischen Daten den Daten in Seattle gegenübergestellt wurden.

Bald nach der Publikation wurden meine Daten von dem USPHS (United States Public Health Service), dem Vorläufer der US EPA (United States Environmetal Protection Agency), als "clean air standard" festgelegt. Eigentlich ein großer Erfolg, daß ein kleiner Dissertant aus Österreich den Amerikanern zeigt, wie die reine Luft in der Atmsophäre beschaffen ist. Übrigens, so etwas Ähnliches ist mir noch zweimal geglückt.

 

Nach erfolreichem Studienabschluß in Wien (Doktorat und Lehramtsprüfung 1966) war ich zwei Jahre Assistent an der University of Washington in Seattle. Obwohl ich dem Fachgebiet treu blieb, wurden neue Akzente gesetzt. Ich war von dem neuen Job, der sehr lockeren Universitätsorganisation und der Offenheit und Freundlichkeit der Wissenschaftler sowie dem Forschungsgebiet sehr begeistert. Der Schwerpunkt lag auf Aerosoloptik in der Atmosphäre. Wir entwickelten den Prototyp des integrierenden Nephelometers, welches nun weltweit verwendet wird. Ich lernte in diesen zwei Jahren in jeder Beziehung mindestens genauso viel wie in den sieben Jahren Studium in Wien. Meine Chefs waren August T. Rossano und Robert J. Charlson. Robert Charlson ist ein weltweit bekannter Klimaforscher. Er hatte eine Fülle vom Ideen, die er meist sehr unexakt formulierte, und kaum hinterfragte. Nicht alle Ideen waren brauchbar, und oft hatte ich die Aufgabe, die unbrauchbaren Ideen zu widerlegen, denn sonst hätte ich sie realisieren müssen. Da ich als Physiker gelernt hatte, einserseits Gedankenexperimente zu ersinnen und andererseits ein System als Ganzes zu analysieren, war es nicht so schwer, die guten von den schlechten Ideen zu trennen.

Seattle hat eine wunderschöne Umgebung und bietet alles, was ein Naturliebhaber sich wünschen kann: Das Meer mit seiner interessanten Biologie, unberührte Wälder und hohe Berge. Wann immer ich Gelegenheit hatte, hielt ich mich in dieser schönen Umgebung auf. Im Winter arbeitete ich nebenberuflich als Schilehrer und verdiente am Wochende mehr als unter der Woche mit der Wissenschaft. Wäre ich Amerikaner gewesen, hätte ich sofort meinen Beruf wechseln müssen. Ich tat es nicht.

 

Im Jahre 1969 bot mir Professor Preining eine Position als Assistent an der Uni Wien an, die ich gerne annahm. Es folgte die übliche Routine: Forschung und Mitarbeit bei Lehrveranstaltungen des Instituts. Nun konnte ich auch etwas realisieren, was mir seit meinem eigenen Studienbeginn am Herzen lag: Mit der Vorlesung "Einführung in die physikalischen Rechenmethoden" konnte ich jenen Studierenden der Physik Hilfe geben, die nicht das Glück hatten, einen guten Mathematikunterricht in der Schule gehabt zu haben. Die Lehrveranstaltung wurde ein voller Erfolg, manchmal hielt ich sie von 7 bis 8 Uhr am Morgen und trotzden kamen 40 bis 50 Hörer.

Übrigens, noch etwas Privates: Das Jahr 1968 lag noch in der Luft und es gab viele Zusammenkünfte und Sitzungen der jungen Assistenten. Bei so einer Gelegenheit traf ich eine ehemalige Studienkollegin, meine jetzige Gattin wieder, die damals Assistentin am Institut für Logistik war.

 

Die 1966 absolvierte Lehramtsprüfung galt damals nur fünf Jahre. Daher machte ich 1971 das Probejahr, um die Gültigkeit für die nächsten fünf Jahre aufrecht zu erhalten. Der Direktor der Wasagasse bekniete mich, weiter zu unterrichten, und ich unterrichtete 10 Jahre, anfänglich Mathematik und Physik und später nur mehr eine Klasse in Physik. Das brachte mir für die Universität viele Anregungen. Spätestens bei der Wiederholung in der nächsten Stunde merkt man, ob der Unterricht angekommen ist. Ich wußte auch genau, mit welchen Kenntnissen die Schüler die Schule verlassen und konnte die Rechenmethoden-Vorlesung daran anpassen. Schließlich stellte sich heraus, daß Schüler, wenn sie gefordert werden, auch bereit sind, Leistungen zu erbringen. Dazu eine Begebenheit, die mich besonders begeistert hat: Eines Tages traf ich auf der Währingerstraße eine ehemalige Schülerin, die mir voll Freude erzählte, daß sie soeben das Physikrigorosum für Mediziner mit "Gut" bestanden hatte und dafür gar nichts lernen mußte, da sie ohnehin schon alles von der Schule kannte. Sie hatte übrigens bei mir ein „Befriedigend".

 

Die Forschungsrichtung, die ich in Seattle begonnen hatte, verfolgte ich in Wien weiter. Im Kellerlabor machte ich mit meinem ersten Dissertanten Gerard Presle Sichtweiten-Simulationexperimente, bei denen gezeigt werden konnte, daß Sichtweite unter kontrollierten Bedingungen genau meßbar ist und mit einigen Modifikationen der Theorie auch mit dieser übereinstimmt. Hier ein Bild der Meßergebnisse unserer Simulationsapparatur. Es hat mich sehr begeistert daß die Sichtweite so genau gemessen werden konnte und mit der Theorie so gut übereinstimmte.

 

 

Die intensive Beschäftigung mit der Theorie der Sichtweite führte zur Entwicklung eines Meßgerätes, des "University of Vienna Telephotometers", welches in der Institutswerkstätte gebaut wurde und das Dr. Presle und ich an verschiedenen Stellen Österreichs erprobten. Hier das Bild eine Telephotometers, welches schon weitgehend automatisiert ist.

Es wurde für längere Meßserien in der Dissertation von Regina Hitzenberger, meiner zweiten Dissertantin, eingesetzt. Das Telephotometer wurde bei verschiedensten Meßprojekten verwendet. Hier einige Beispiele:

VISTTA (Visibility Impairment by Sulfate Transport and Transformation of Aerosols)

in Page, Arizona, Boulder, Colorado. Bei dieser Studie wurden die Emissionen eines großen Kohlekraftwerkes (2.4 GW) untersucht. Hier ein Blick zu meinem Meßort wo gerade das Meßflugzeug die Meßstrecke abfliegt um Vergleichsmessungen zu machen.

St. Louis,

Santiago de Chile, Hier sehen Sie das Telephotometer am Fuß des Cerro San Cristóbal in Santiago de Chile. Die Luftverunreingung der Fünfmillionenstadt ist deutlich sichtbar.

 

Zum Vergleich machte ich auch Messungen in den nahegelegenen Anden, Hier ein Bild von Messungen in 3000 m Höhe. Dies ist in den Anden eine noch ziemlich niedrige Höhe.

Es stellte sich heraus daß das Aerosol am Morgen genauso sauber ist wie auf der Osterinsel (wo auch Messungen gemacht wurden), am späteren Nachmittag durch vertikale Durchmischung dieselbe Konzentration wie in Santiago hat.

Weiters war das Telephotometer im Einsatz in Grafschaft, Deutschland, und in Italien bei Untersuchungen des Rural Aerosols in der Basilicata bei Potenza, und des stark verunreinigten Aerosols in der Po Ebene: Hier ein Bild vom Messungen im Nebel in der Nähe von Bologna. Der Herr der hier die Instrumente bedient ist übrigens mein damaliger Diplomand und jetziger Professor für Computational Physics Christoph Dellago.

 

Weiters wurde das Telephotometer eingesetzt in Spanien (Granada, Sierra Nevada, Valladolid, Huelva ), und in Kyoto, Japan.

Viele Publikationen entstanden mithilfe dieses Geräts.

 

Bei der Sichtweite spielt, wie wir in einem früheren Diagramm sahen, die Lichtextinktion die wesentliche Rolle. Ein Stoff, der in der Atmosphäre fast allgegenwärtig ist, ist Ruß. Er absorbiert das Licht stark und trägt ebenfalls zur Verringerung der Sichtweite bei. Bei Ruß kommt es wegen der erhöhten Absorption zu einer Veränderung der Helligkeitsverhältnisse. Wir haben das in unserer Sichtweitensimulationsapparatur im Keller mit Tusche in Wasser simuliert und fanden, daß dunkle Objekte, wie z.B. Bäume, weniger gut sichtbar sind, während hellere Objekte, z.B. Betongebäude, besser sichtbar werden. Das ist ja nicht gerade das, was man sich wünscht.

Ende der Siebzigerjahre Jahre des vorigen Jahrhunderts wollten die Amerikaner Energie sparen, und für einige Zeit dachte man daran, bei PKWs auf Dieselmotore umzusteigen. Daher war es sehr interessant, zu wissen, wieviel Ruß von den Dieselmotoren in die Luft gelangt. Das ist aber nicht so einfach, denn es gibt auch andere Quellen, und Ruß ist nicht von Ruß unterscheidbar. Aber die EPA wollte eben den Dieselbeitrag wissen. So kam ich auf folgende Idee: Wien war damals die letzte Stadt vor dem eisernen Vorhang, und dieser war sehr dicht. Aller Treibstoff, der in Wien verkauft wurde, wurde auch dort verbraucht, und er stammte ausschließlich aus der Raffinerie Schwechat. Wenn man dem Dieseltreibstoff eine Markierungssubstanz zugibt, die sich am Ruß anheftet, so kann man Dieselruß von anderem Ruß unterscheiden. Vorversuche bestätigten, daß das so ist. Es dauerte ein halbes Jahr, um die ÖMV zu überzeugen, daß es bedenkenlos ist,

zu einer Menge von 40000 Tonnen Dieseltreibstoff (das sind etwa 1300 LKW Züge)

insgesamt 4 kg der Substanz Tris-dipivaloyl-methanato Dysprosium beizugeben.

Hier ist die chemische Formel:

 

Vom 13. Juni bis 10. Juli 1984 fand das Wiener Dieselexperiment statt. Die ÖMV lieferte nur markierten Treibstoff aus, an den Tankstellen war er binnen kurzem zu haben und in der Atmosphäre fand sich Dy. Gemeinsam mit meinen Dissertantinnen Christine Norek und Ilse Kreiner sammelten wir an 11 Stellen Luftproben, und die Dieselpartikelkonzentration ergab sich leicht. Hier ein Diagramm der Ergebnisse. Interessant ist, daß der Hintergrund von 11 µg/m3 (1/3der gesamten Masse) an einer Stelle weitab vom Verkehr gemessen wurde. Mit diesen Daten konnte das Lungenkrebsrisiko durch Dieselpartikel ermittelt werden, und es ergab sich pro 100000 Personen ein zusätzlicher Lungenkrebstoter pro Jahr im verkehrsarmen Wohngebiet und 2,4 neben dem Gürtel. Nur zum Vergleich: Das natürliche Risiko ist 7 pro 100000 für Nichtraucher, und 80 für Raucher. Die Ergebnisse faßten wir in einer Publikation zusammen, die in der Zeitschrift Atmospheric Environment erschien. Fast alle Wissenschaftler, die sich mit diesem Gebiet befassen, kennen sie.

Knapp nachdem diese Publikation erschienen war, erhielt ich einen Anruf einer Umweltstelle in Essen, die mich zu einem Vortrag einladen wollte. Ich sagte gerne zu und hielt meinen Vortrag. Bei der Diskussion bemerkte ich erst den Zweck der Einladung. Ich war über Nacht zum Todfeind der Autoindustrie geworden, denn ein Toter pro 100000 ist zwar nicht viel, aber nicht zu vernachlässigen. Im Publikum saßen Vertreter von Instituten, die von der Autoindustrie finanziert wurden. Sie hatten Kopien der Dissertationen von Christine Norek und Ilse Kreiner und versuchten möglichst peinliche Fragen zu stellen. Da ich ja wesentlich an der Studie beteilgt war, konnte ich alle Fragen zur Zufriedenheit der Zuhörer beantworten und die Autoindustrie konnte kein Haar in der Suppe finden.

Einige Wochen später erhielt ich einen Brief eines Wissenschaftlers, der viel mit der Autoindustrie zusammenarbeitete. In diesem Brief stellte er fest, daß das Dieselexperiment nur Blödsinn sei, denn nach seinen Abschätzungen hätte ich nur ein Tausendstel der Dy Menge finden sollen. Das war auch genau vorgerechnet. Ich rechnete es nach und kam nach seiner Methode ungefähr auf die Menge, die wir fanden. Die Diskrepanz des Faktors 1000 kam deshalb zustande, weil er vergessen hatte, das kg Dy in Gramm unzuwandeln. In einem Brief wies ich ihn höflich darauf hin und seither hörte ich keine Kritik mehr am Dieselexperiment.

Das Dy für das Experiment konnte ich mir kaum leisten, es kostete 350000 S, also etwas über 25000€. Das war die minimale Menge, die nötig war, um knapp über der Nachweisgrenze zu bleiben. Nach dem erfolgreichen Ausgang des Experiments hätte ich ohne Probleme eine Finanzierung für mehr Dy gefunden, wollte es auch. Allerdings ging ich dann für 1 Semester an die University of Colorado in Boulder und so wurde das zweite Experiment nicht realisiert.

Zehn Jahre später erfuhr ich von Prof. Niessner, dem Aerosolchemiker Deutschlands, noch eine weitere Facette. Kurz nach unserer Publikation erhielt er einen Anruf aus der oberen Etage der Autoindustrie, mit der Anfrage ob man da etwas dagegen machen könne. Er sagte "nein, das ist einwandfrei, das hält". Aber damit gaben sie sich nicht zufrieden. Niessner erzählte mir weiter, daß die Autohersteller alles Dy bei Merck kauften, um ein weiteres Experiment zu verhindern. Allerdings sind die Automanager zum Glück keine Physiker, dann sonst hätten sie gewußt, daß es auch andere Elemente gibt, die einen hohen Wirkungquerschnitt für Neutronen haben, z.B. Samarium. Die Nachweisgrenzen in Gesteinsmatrix (homepage Uni Köln) sind: Dysprosium 0.1 ppm, Samarium 0.002 ppm. Die Millionen Mark, die in die Verhinderung des zweiten Wiener Dieselexperiments investiert wurden, waren daher sicher eine Fehlinvestition.

 

Das Wiener Dieselexperiment hatte übrigens noch eine weitere, allerdings positive Folge: Ich hatte es bei der EPA als Projekt eingereicht und es wurde abgelehnt, weil das Expertenkommitee feststellte, daß es nicht möglich sein wird, den Dieselanteil zu ermitteln. Als ich dann bei der EPA einen Vortrag hielt, sagte mir im privaten Gespräch William Wilson "Gee, we didn't know that you can do that". Die EPA bot mir dann quasi als Entschuldigung für eine Fehlentscheidung 15000 Dollar als Unterstützung von Einladungen von Wissenschaftlern aus dem Osten zur Teilnahme an der ersten Visibility Konferenz in Wien an. Die Konferenz war ein voller Erfolg und ich konnte danach, allerdings mit Unterstützung aus Österreich und Deutschland, zwei weitere Konferenzen in Wien organisieren.

 

Vielleicht noch ein interessantes Aerosolproblem, die blaue Sonne. Allgemein ist bekannt, daß der Sonnenauf- und Untergang ein sehr schönes Farbenspiel, meist rot oder gelb gibt, wenn ausreichend Aerosolpartikel vorhanden sind. Ein sehr schönes Beispiel ist das Bild von Monet.

 

 

Sehr, sehr selten gibt es eine blaue Sonne. Hiezu ein Bild.

 

 

 

 

 

 

Dieses Bild wurde während eines NASA Fluges gemacht, wo es der glückliche Zufall wollte, daß Prof. Preining die blaue Sonne sah, Dr. Metzig aus Karlsruhe die Kamera bereit hatte und daß gerade Aerosolmessungen im Flugzeug liefen. So wurde dieses Phänomen genau dokumentiert und konnte analysiert werden. Für diese Erscheinung konnte die NASA keine Erklärung geben und ich bekam die Daten zur Untersuchung. Ich erinnerte mich an ein Sichtweitenexperiment mit Dr. Presle, wo wir zum Testen der Theorie ein Hydrosol mit exotischen Streueigenschaften brauchten. Wir verwendeten 2µm Kugeln, die im Roten eine stärkere Lichtstreuung als im Blauen hatten. Dadurch erschien z.B eine weiße Glühbirne durch das Hydrosol bläulich. Schauen wir uns das an: In diesen beiden Bechergläsern sind Suspensionen von Kugeln in Wasser. Die Suspension mit den 0.5 µm Kugeln, das wäre das normale atmosphärische Aerosol, gibt eine gelblich-rötliche Färbung am Bildschirm des Overheadprojektors, ganz analog dem normalen Sonnenuntergang. Die Suspension mit den 2 µm Kugeln gibt eine bläuliche Färbung. Daher liegt der Schluß nahe, daß auch die blaue Sonne durch Aerosolteichen dieser Größe hervorgerufen wird. Allerdings muß man noch beachten, daß in der Atmosphäre die Teilchen von Luft umgeben sind, während sie in dem soeben gesehenen Experiment in Wasser schweben. Berücksichtigt man das, so müssten die Teilchen eine Größe von etwa 1.5 µm haben, um diesen Effekt zu zeigen.

Die während der Beobachtung gemessenen Teilchen hatten hauptsächlich eine Größe von 0.5 µm, wie das Diagramm der Messungen der NASA zeigt (ausgezogene Linie).

 

 

Mit diesen Teilchen gibt es nur eine gelbe bis rote Sonne. Bei Betrachtung des Bildes der blauen Sonne sieht man, dass sie durch eine sich auflösende Wolke gesehen wurde, das Flugzeug aber außerhalb der Wolke fliegt. D.h. die gemessenen Teilchen sind nur mehr die Überreste der verdampfenden Wolkentröpfchen. Daher musste ich die Größe der Teilchen der teilweise verdampfenden Tröpfchen ermitteln. Das war aber ganz einfach, denn in Wien in der Aerosolgruppe haben wir alles bei der Hand: Herr Prof. Wagner beschäftigt sich intensiv mit Nukleation und Kondensation und zeigte in seinem SANC (Size Analyzing Nuclei Counter), daß bei Kondensation alle Teilchen gleichzeitig durch Wasseraufnahme zu gleicher Größe anwachsen, womit naheliegend ist, daß bei Verdampfung das Umgekehrte passiert. Daher war es ganz einfach zu zeigen, daß im Zuge des Verdampfens der Wolke alle Tröpfchen dieselbe Größe haben. Gleichzeitig waren offenbar ausreichend viele Teilchen vorhanden, sodaß die Sonne blau erschien. Die Größenverteilung ist in dem Bild strichliert eingezeichnet. Wir schrieben ein paper für die Zeitschrift Atmospheric Environment, wofür wir sehr viele Sonderdruckanforderungen bekamen.

 

Wahrscheinlich wissen Sie alle, daß ich mich sehr intensiv mit der biologischen Physik beschäftige. Denn sowohl für Physik als auch für Biologie habe ich mich schon immer interessiert. Daher war das Interesse für Biologische Physik eine logische Konsequenz. Es kam aber trotzdem unerwartet. In einer Professorenkuriensitzung im Juni 1983 fragte Prof. Kienzl ob jemand eine Physikvorlesung für Biologen halten könne. Ich sagte spontan zu, ohne zu wissen, worauf ich mich einließ. Es waren seit 1983 etwa 18000 Prüfungen zu korrigieren; das bedeutet, daß 180000 Seiten gelesen werden mußten. Das ist der eher unangenehme Teil. Ich muß noch erwähnen, daß die Betreuung von ca 500 Studenten für mich alleine nicht machbar war und ich hatte bzw. habe Unterstützung durch Thomas Habenreich, Andreas Kästenbauer, Regina Hitzenberger, Gerhard Raimann, Sonja Seidl, Christian Kruisz, Martin Gangl, Lisa Fenk, Nayla Sabbagh.

Der viel wichtigere Teil aber ist die Beschäftigung mit einem so interessanten Gebiet der Physik. Ich lernte bei der Vorbereitung auf die Vorlesung unglaublich viel, eine Zeit lang las ich fast nur Biologiebücher. Es ist erstaunlich, wie optimal alle Organismen - seien es Pflanzen oder Tiere - gebaut sind, immer wird die beste Lösung verwendet, nichts wird verschwendet. Unsere Technik ist da weit hinten. Auch gibt es im Bereich der Biologie viele sehr originelle Lösungen. Und die Physik ermöglicht es, das alles zu verstehen.

Lassen Sie mich das an zwei Beispielen illustrieren:

Unser Gehör: Im äußeren Ohr geht der Schall bis zum Trommelfell, welches als Membran mit dem Schall mitschwingt, ganz analog einem Mikrophon. Dann kommen die Gehörsknöchelchen, die als Hebel die Druckamplitude hinauf- und die Bewegungsamplitude herabsetzen, damit der Schall effizient in die Flüssigkeit der Schnecke übertragen wird. Das ist physikalisch notwendig. In der Schnecke befinden sich in der Basilarmembran die Haarzellen, die die Schallschwingungen in Nervenimpulse umwandeln. Je nach Frequenz schwingt die Basilarmembran an einer bestimmten Stelle stark.

Um die weitere Übertragung zu verstehen, muß ich kurz etwas über Nervenimpulse einstreuen. Jede Zelle ist von einer Membran umhüllt, die für Ionen durchlässig ist. Innen und außen sind verschiedene Ionenkonzentrationen und das führt durch Diffusion zu einer Spannung von ca -70 mV zwischen innen und außen. Wird eine Information übertragen, so wird die Membran kurz für Na-Ionen durchlässig, diese strömen ein, das Potential innen steigt auf ca +60 mV, es bildet sich das Aktionspotential. Danach strömen vermehrt K-Ionen hinaus und nach einigen ms ist der alte Zustand wieder hergestellt. Jede Potentialänderung stimuliert in benachbarten Bereichen das Öffnen der Poren, und so kann sich ein Nervenimpuls entlang der Nervenzelle ausbreiten. Wichtig ist zu wissen, daß bei Überschreiten eines Schwellwertes stets ein Aktionspotential ausgelöst wird, egal wie hoch die Erregung ist. Die Übertragung ist also rein digital, entweder Änderung auf +60 mV oder keine Änderung.

Nun wieder zum Innenohr. Wenn die Membran, durch Schallwellen bedingt, schwingt, wird bei einer bestimmten Elongation ein Aktionspotential ausgelöst, bei der nächsten Schwingung wieder usw. Das Gehirn erhält nur Impulse im Abstand der Periodenlänge, also eine Information über die Frequenz. Dies ist in diesem Bild zu sehen.

Ist der Ton laut, so feuern viele Nervenzellen, ist er leise, so gibt es nur in wenigen Zellen Aktionspotentiale. Über die Zahl der angeregten Zellen wird daher die Amplitude übertragen. Unser Ohr macht also eine Fourieranalyse des Schalls.

Das ist bei Frequenzen unter 200 Hz der Fall. Bei Frequenzen zwischen 200 und 2000 Hz feuern die Zellen wieder in genauer Phasenbeziehung zur Schwingung aber nicht bei jeder Schwingung, da die Regeneration der Zelle zu lange dauert. Dies ist in diesem Bild zu sehen.

Bei Frequenzen über 2000 Hz werden Aktionspotentiale ohne Phasenbeziehung zur Schwingung ausgelöst.

Aber aufgrund des Ortes, wo die Zelle auf der Basilarmembran endet, ist die Frequenz und über die Zahl der rekrutierten Nervenfasern die Intensität kodiert. Im Gegensatz zu den Frequenzen bis 2000 Hz ist da die Frequenzmessung nicht mehr so genau, da es nur mehr über die Lokalisation geht, aber das scheint zu reichen.

Es ist erstaunlich, daß wir mit dieser geringen Information so gut hören können. Aber seit Fourier wissen wir, daß eine Schwingung durch die Frequenzen der Teilschwingungen und deren Amplitude vollständig beschrieben ist. Das ist die effizienteste Charakterisierung des Schalls, und selbstverständlich macht die Biologie davon gebrauch. Interessant ist, daß genau diese Kodierung von den neuesten Mobiltelfonen verwendet wird, um Bandbreite zu sparen. Für den Genuß der Schönheit des Schalls etwa bei einer Symphonie haben wir ja noch das Gehirn mit seinen 1011 Neuronen mit 1014 synaptischen Verbindungen.

Ein zweites Beispiel: Scaling: Mit ganz einfachen physikalischen Überlegungen kann man Fragen beantworten, wie: Warum gibt es zwar Elefanten, jedoch keine fliegenden Lebewesen dieser Größe, oder warum sind die kleinsten Warmblüter einige Zentimeter groß und nicht ein Millimeter, oder warum haben die großen Tiere, die ja längere Beine und kräftigere Muskeln haben, die kleinen nicht ausgerottet usw.

Ich möchte mit Ihnen einen kleinen Aspekt behandeln, die metabolische Rate und die Herzfrequenz. Wir nehmen an, daß alle Tiere sehr ähnliche Bauweise haben und sich nur durch ihre Größe unterscheiden.

D.h. ein doppelt so langes Tier ist auch doppelt so breit und hoch.

 

 

Tiere, die nur in einer Dimension verändert werden, schließen wir aus. Obwohl es das zufällig bei Hunden wirklich gibt.

 

 

 

Wenn wir das Lebewesen durch seine Länge L charakterisieren, so ist das Volumen und die Masse m proportional zu L3, die Oberfläche proportinal zu L2. Betrachten wir nun ein Lebewesen in Ruhe. Es muß atmen, den Blutkreislauf betreiben, die inneren Organe müssen funktionieren, es müssen Blutkörperchen gebildet werden etc. All das erfordert Energie, die aus der Nahrung gewonnen wird. Schlußendlich bleibt die verbrauchte Energie in Form von Wärme übrig, die über die Körperoberfläche abgegeben wird. Je größer die Oberfläche, desto mehr Energie kann abgegeben werden. Die Oberfläche bestimmt also die abgebbare Energie oder Leistung P. Wäre bei einer gegebenen Leistung P die Oberfläche zu klein, dann gäbe es einen Wärmestau, der tödlich enden kann. Ist die Fläche zu groß, dann gibt es Unterkühlung.

Fassen wir das kurz in Formeln: P proportional zu L2 proportional zu m2/3.

Sehen wir uns das in einem Diagramm an, es paßt praktisch für alle Lebewesen.

 

Die Wärme wird mit dem Blut zur Oberfläche transportiert, d.h. das Blutvolumen pro Zeit muß proportional zur Oberfläche sein.

Das Blut wird vom Herzen gepumpt. Das Herzvolumen ist proportional zur 3. Potenz der Größe. Die Anzahl der Herzschläge pro Sekunde erhält man, indem man den Volumenfluß durch das Herzvolumen dividiert. Dann ergibt sich, daß die Herzfrequenz verkehrt proportional zur Körpergröße sein muß, was auch stimmt.

Es ist dies die obere Gerade in der Abbildung.

 

Auf diesem Diaramm sehen Sie noch etwas Interessantes (untere Kurve): Es ist die Lebensdauer (genaugenommen der Reziprokwert) aufgetragen. Diese verläuft parallel zur Herzfrequenz, woraus man schließen kann, daß alle Lebewesen in ihrem Leben gleich viel Herzschläge machen. Das ist auch verständlich, denn die Muskeln sind bei allen Lebewesen gleich gebaut: das Elementarelement des Muskels, der Sarkomer, bestehend aus etwa 1000 dicken Proteinstäben, dem Myosinfilament, und 2000 dünnen Stäben, dem Aktinfilament, die aneinander vorbei gleiten können und über umklappbare Querbrücken verbunden sind, ist bei jedem Lebewesen vorhanden.

Aus dem Abstand der beiden Kurven kann man die Anzahl der Herzschläge pro Leben ermitteln, es ergeben sich 6.108 Schläge. Ist das nun viel oder wenig? Am besten vergleichen wir es mit einem technischen Gerät des Alltags, dem Auto. Der Motor ist ja auch eine Pumpe. Ein Automotor macht bei einer mittleren Lebensdauer von 150000km insgesamt 3.108 Umdrehungen. Das Herz macht also doppelt so viele Kontraktionen wie ein Automotor sich dreht, und das, obwohl das Herz weder jährlich ein Pickerl braucht, Ölwechsel bekommt oder ein Service erhält. Und schon wieder sehen wir, daß die biologischen Lösungen den technischen weit überlegen sind.

Aber ich habe nicht nur Biologische Physik gelehrt sondern vieles andere auch. Es machte mir einfach Spaß Vorlesungen zu halten. Eine Liste der LVAs sehen Sie in der folgenden Tabelle.

 

Gehaltene Lehrveranstaltungen 1968-2006

Physics of Microscopy. Kurs an der University of Washington, 1968

Demonstrationsübungen zu Physik I und II.

Rechenübungen zu Physik I und II.

Einführung in die physikalischen Rechenmethoden.

Einführung in die physikalischen Rechenmethoden II.

Übungen zu Einfuhrung in die physikalischen Rechenmethoden. 2 St..

Einführung in die Aerosolphysik I, II. 2 St., ab 1975.

Physik I, II. III, IV, 5 St. (über viele Jahre fallweise Vertretung für Prof. Preining)

Biologische Physik I,II.

Biologische Physik III.

Rechenübungen zu Biologische Physik I,II.

Physikalische Meßtechnik fur Biologen, Praktikum, später

Physikalisches Praktikum (Meßtechnik)

Physics in Biology. 2 St. 1985/1986, University of Colorado, Boulder, Colo. USA.

Optica aplicada a problemas atmosfericas y la fisica de particulas. 3 St. 1988/89.Universidad de Santiago

Musikalische Akustik. 2 St.

Physikalische und technische Akustik 2 St.

Physik des Sehens, 2 St.

Physikalische Prinzipien der Bautechnik, 2 St.

Sonnenenergie I,II. 2 St.

Umweltphysik I, II. 2 St

Biophysik.. Vorlesung im Rahmen der postgraduellen Ausbildung vonMedizinphysikern.

Biologie und Physik Interdisziplinares Seminar, gemeinsam mit Prof. Barth I.f. Zoologie.

Atmospheric optics 2 St. Mini curso de pos graduacao. Universidade de Sao Paulo. Dezember 1994.

Atmospheric Optics: Vorlesung gehalten an der Universitat Kuopio, Finnland, im Rahmen des SOKRATES Programms der EU, 1998.

Umweltphysik III: Strahlen, Teilchen, Wellen.

Umweltphysik IV: Umweltbiophysik.

Einführung in die Umweltwissenschaften 3 St.

Sequestrietrung von Kohlenstoff und nichtkonventoionelle Energie, Universität Kyoto 2004/05, Universität Wien 2005/06

Als Dozent der Experimentalphysik konnte ich ja fast alles ankündigen, da die Physik für alles die Grundlage ist. Wann immer ich etwas Interessantes entdeckte und mich intensiv damit beschäftigte, entstand auch eine Vorlesung. Als ich mein Haus in Breitenfurt selbst baute (selbst heißt in diesem Fall, daß ich von den 400 Tonnen des Hauses jedes Stück mindestens einmal in der Hand hatte), beschäftigte ich mich intensiv mit Statik, Wärmeisolation, Sonnenenergie, etc. Das eifrige Literaturstudium brachte mir nicht nur große Vorteile beim Bau oder beim Verhandeln mit Professionisten, da ich meist sofort kompetent argumentieren konnte, sondern auch so viel Wissen, daß ich z.B. Betonträger berechnet habe (übrigens steht das Haus noch immer) und eine Vorlesung über die physikalischen Grundlagen der Bautechnik hielt. Da ich während des Physik-Studiums auch Musik studierte (Hauptfach Tuba), analysierte ich das Spielen vom physikalischen Standpunkt aus, und das war später der Anstoß zu einer Vorlesung über physikalische und musikalische Akustik. Gemeinsam mit meinem Bruder Roland, der bei den Wr. Philharmonikern spielte, er ist seit 29 Tagen in Pension, hielten wir immer wieder Vorträge über Physik und Musik.

Bei meinen diversen Auslandsaufenthalten hielt ich gerne, wenn es möglich war, eine Vorlesung. Z.B. in Santiago de Chile, wo ich das interessante Aerosol einer Fünfmillionenstadt umgeben von Sechstausendern studieren konnte, gab ich einen Kurs in Atmosphärischer Optik. Diesen mußte ich Sao Paulo wiederholen, und auch in Kuopio, Finnland war Interesse dafür.

Die intensive Beschäftigung mit der Umwelt schlug sich auch in Lehrveranstaltungen nieder. Es hat mich besonders begeistert, die LVA "Einführung in die Umweltwissenschaften" zweimal in den letzten 3 Jahren zu halten. Diese gibt einen Überblick über unsere Umwelt und beinhaltet Biologie, Meteorologie, Geologie, etc. Eine wirklich spannende Aufgabe. Übrigens: Je mehr ich mich mit der Umwelt beschäftigte und weiß, wie wichtig die Erhaltung einer gesunden Umwelt ist, desto mehr versuche ich auch selbst etwas dazu beizutragen. Sicherlich wissen alle, daß ich fast nur mit dem Fahrrad unterwegs bin und das Auto kaum benütze. Vielleicht haben Sie im Winter bemerkt, daß es in meinem Zimmer ziemlich kalt ist, denn es ist auch bei 18° C möglich zu arbeiten und spart fossile Brennstoffe. Ich versuche mit gutem Beispiel voranzugehen, dann kann man auch eine überzeugende Vorlesung halten.

Ein wesentlicher Teil meiner Lehre war die Betreuung von Dissertanten und Diplomanden. Es hat mich wirklich begeistert mit ihnen zu arbeiten und sie mit möglichst wenig Beeinflussung zum erstrebten akademischen Grad zu führen. Ich danke allen, daß ich einige Zeit mit ihnen arbeiten konnte und es freut mich, daß so viele meiner ehemaligen Studenten heute anwesend sind. Das ist mir eine große Ehre.

Hier ist noch eine Liste meiner Schützlinge.

Abgeschlossene Diplomarbeiten

W. Hebenstreit Akustik des Schmetter-Studio, gem. m. Prof. Panzhauser, TU

J. Gorraiz Simulation der Sicht in absorbierenden Medien

Ch. Johnson Sicht in absorbierenden Medien Fulbright Stipendiatin

G. Wind Sonnenzellen

A. Kästenbauer Feuchtemessung in Beton

W. Kammerer Fallstudie Windnenergie

C. Dellago Inversion von Größenverteilungen

U. Wastl Die Trichobotrien von Cupiennius Salei Keys. Gem. m. G. Barth Zoologie

C. Berger Abscheidung von Dieselpartikel in Rohleitungen

S. Seidl Schnelles Nephelometer

P. Pesava Optisches Schließungsexperiment in Wien

W. Kaller Ladung v. Pharmazeutischen Aerosolen

H. Hazunuma Aerosol, Lichtextinktion und solare Strahlung gemeinsam mit der Kyoto Univeristy

G. Olivares Telphotometermessunge n Santiago de Chile. gemeinsam mit der Universidad de Santíago de Chile (USACH)

S. Pino Lichtabsoprtion in Chile, gemeinsam mit USACH

R. Rodrigo Lichtabsorption in Santiago de Chile, gemeinsam mit USACH

W. Foch Statistik der Luftverunreinigung von Santiago de Chile, gemeinsam mit USACH

M. Tscherkassova Oberflächenspannung und Wasserläufer Gemeinsam mit Biologie

H. Sauerzopf Strömung in Blutpumpen

N. Noori Spurenelemente in Archäologischen Proben. gem. m. H. Seidler, Anthropologie

R. Aksu Depositionsgeschwindigkeit von Partikelm

S. Toprak Schwärzung von Bauwerksoberflächen

G. Raimann Simulation der Gleitkorrektur

M. Gangl Funkenrußgenerator

M. Kaffesie Extinktionszelle

N. Hyppönen Lichtextinktion (Uni Kuopio, Finnland)

L. Fenk Ausbreitung der Brennhaare des Eichenprozessionsspinners

N. Sabbagh Beschichtete Aerosolteilchen

V. Wurmsdobler Streuung intern gemischter Teilchen

Diplomarbeiten in Arbeit

N. Fölker Absorption intern gemischter Teilchen

O. Kubart Lichtstreuung des atmosphärischen Aerosols

B. Jost Streuung nicht-kugelförmiger Teilchen

N. Koch Spektrum von Chlorophyll

D. Strigl Aerosol und Sichtweite

F. Havlik/Turalic Blutfluß

Abgeschlossene Dissertationen

G. Presle Sichtweite färbiger Objekte

C. Maier Datenaufzeichnung Gemeinsam mit H. Bodenseher

R. Hitzenberger Optische Eigenschaften und Größenverteilung

T. Habenreich Lichtabsorption in Wiem

I. Keiner Wiener Dieselstudie

C. Norek Wiener Dieselstudie

D. Baurecht Vibratory communication in spiders. Gemeinsam mit C. Barth, Zoologie

Y. Vargas Hernandez Schädigung von Gebäuden durch Aerosolpartikel

E. Pfalzmann Transmission von künstlich erzeugten Nebeln

N. Noori Blutfluß in künstlichen Blutgefäßen

J. Gorraiz Schwelle für Farbkontraste

W. Kaller Polares Nephelometer

S. Nugent Computational Physics von Flüssibkeiten. Gemeinsam mit H. Posch

O. Jovanovic Photophorese unter Stratosphärischen Bedingungen

H. Sauerzopf Lichtstreuung und Absorptiondes Aerosols und sie Auswirkung auf die Sonnenenergiegewinnung

Dissertationen in Arbeit

M. Gangl Brechungsindex von atmosphärischen Aerosolen

U, Schmitzer Physics of makeup

M. Kares Nikola Tesla

 

In fast 40 Jahren Tätigkeit hier ist auch Administration unvermeidbar. Ich habe mich nie darum gerissen aber auch nicht darum geschraubt. Immer war ich bemüht auch die Administration so gut wie möglich auszuführen und ich bin stolz darauf, daß ich in den 4˝ Jahren als Institutsvorstand die Berufung Rupp, die Prof. Drosg begann, zu Ende führen konnte, die Berufung Zeillinger voll durchführen und die Berufung Dellago so weit vorantreiben konnte, daß sie erfolgreich abgeschlossen wurde. Traurig stimmt es mich allerdings, daß ich die Nachbesetzung Preining nicht schaffte, da das mein eigenes Fachgebiet ist und auch mein Nachfolger nichts mit Umweltphysik zu tun hat.

Alle meine Mitarbeiter wissen, daß ich einmal im Jahr nach Mariazell pilgere. Es ist das schon ein fixer Punkt in meinem Leben, es sind das drei Tage, die ich bewußt einem ganz anderen Thema widme. Für mich ist Wissenschaft allein nicht alles und das einizige, auch der Glaube hat seinen Platz und da ist die Ruhe und Stille des beschaulichen Gehens eine gute Gelegenheit zur Besinnung. Eine Steigerung des Pilgerns ergab sich durch einen glücklichen Zufall. Frau Prof. Hitzenberger schenkte mir ein Buch über den Pilgerweg nach Santiago de Compostela in Nordspanien. Ich las es und es begeisterte mich und ich probierte es aus. Nun ging ich schon viermal den etwa 750 km langen Weg von der Spanisch/französischen Grenze nach Santiago. Hier ein Blick auf die Kathedrale von Santiago de Compostala. Alle Pilger freuen sich schon auf diesen Anblick am Ende der langen Wallfahrt.

 

 

Für kommenden Mai/Juni ist die nächste Wallfahrt geplant.

 

Nach so vielen mich begeisternden positiven Erlebnissen werden Sie sich fragen: Ja hat er denn nichts Negatives erlebt?? Auch damit kann ich dienen: der schwärzeste Moment war am 14. Februar 2005 um 21:30. Ich hatte im Labor gearbeitet und verließ das Institut, um mit dem Fahrrad nach Hause zu fahren. Aber mein Fahrrad, welches mich 30 Jahre lang aufs Institut brachte, war weg. Hier sehen Sie es noch.

 

Dia. Ich konnte mir gar nicht vorstellen, daß so ein altes Fahrrad so attraktiv ist. Aber es war weg. Ich tat alles, um es zu finden, es wieder zu bekommen, erfolglos. Nun hätte ich mir einfach ein neues kaufen konnen. Aber ich habe an diesem Fahhrad in den 30 Jahren Verbesserungen gemacht, die ich nicht missen möchte: z.B einen Nabedynamo aus Japan eingebaut, der auch bei Schnee auf der Fahrbahn funktioniert. Oder den großen Gepächsträger, in dem ich immer die Arbeit am Abend nach Hause nahm oder den 1F Kondensator, der sich während der Fahrt auflud und bei Stillstand die Rückleuchte 3 Minuten lang leuchten ließ, oder den große LKW Rückspiegel. All das war weg. Aber noch viel ärger: Dieses Photo stammt von meiner Homepage. Was sollte ich nun machen? Etwa ohne Fahrrad vor der Institutstüre stehen? Etwas so??

 

Oder so wie fast alle Wissenschaftler als Hintergrund eine Bücherwand oder ein Labor verwenden? Da hätte ich ja einiges zu bieten gehabt, da sowohl mein Arbeitszimmer als auch mein Labor ziemlich chaotisch sind, wie Sie ja sehen können.

Das Arbeitszimmer wird bei Homepages gern als Hintergrung verwendet, heir ist meines.

Hier ein Blick ins Aerosololabor; Bei Vielenhomepages wird der Blick ins Labor als Hintergrund verwendet.

Aber das wäre ja viel zu wenig individuell. Daher entschloß ich mich, aus meinen Fahrradreserven, und von denen habe ich genug, ein Fahrrad mit den gewünschten Eigenschaften zu bauen. Es hat mich zwar etliche Wochenenden Arbeit gekostet, aber es hat sich ausgezahlt, hier ist es.

Damit ist die Homepage gerettet, ich mußte nichts verändern.

 

Sicherlich erwarten Sie auch einen Ausblick auf meine zuküftige Tätigkeit: Da muß ich gestehen: Die letzten sechs Monate waren so hektisch, daß ich gar nicht darüber nachdenken konnte. Sicher ist, daß ich am kommenden Montag nicht im Institut sein werde, um einmal auszuprobieren, wie es ist, in Pension zu sein, aber Dienstag, Mittwoch Donnerstag und Freitag muß ich da sein, weil es schon fixe Veranstaltungen gibt. Wie Sie gesehen haben, habe ich noch Dissertanten und Diplomanden, die fertig werden müssen, das wird mich einige Zeit beschäftigen. Außerdem habe ich noch eine Fülle unausgewerteter Daten, an denen ich ich noch lange arbeiten werde. Jene Meßinstrumente, die ich entwickelt und benützt habe, möchte ich soweit wie möglich verbessern und erproben. Ich bin sehr froh, daß die zwei LVA Gruppen, die ich als besonders wichtig erachte, fortgesetzt werden. Herr Professor Dellago hält schon seit 3 Jahren die Rechenmethoden und Koll. Szymanski wird ab heuer die biologische Physik lesen. Ich werde selbstverständlich falls nötig zur Verfügung stehen. Dasselbe gilt auch für die Umweltphysik. Universitätsadministration werde ich wahrscheinlich keine mehr machen müssen. Ich werde noch bis 2008 Präsident der GAeF (Gesellschaft für Aerosolforschung, e.V., Deutschland) sein, bis 2010 dem Komitee des "Internationl Aerosol Fellow Awards" vorstehen und 2010 ein Symposion "History of Aerosol Science" organisieren.

 

Zum Schluß muß ich nun noch Worte des Dankes aussprechen. In der langen Zeit, die ich hier wirken durfte, habe ich viele Hilfen erhalten, die ich größtenteils schon erwähnt habe: Eltern, meine Gattin, Professoren, Mentoren, motivierte und engagierte Mitarbeiter, sowie Dissertanten und Diplomanden, Kollegen, die Institutswerkstätte, die Forschungsfinanzierung, und die adminsitrative Hilfe im Institut: Hier muß ich explizit die Damen erwähnen, die mich als Vorstand und bis morgen als Stellverterter unterstützt haben: Frau Fradinger, Frau Grafeneder, Frau Hofböck und für alle administrative Hilfe die Aerosolgruppe und meine Lehre betreffend danke ich Frau Hnizdo.

Für noch etwas möchte ich danken und das ist etwas abstrakter: Ich lebe in einem Land, in dem ich nicht fürchten muß, in der nächsten Nacht einem Bombenangriff zum Opfer zu fallen oder grundlos verhaftet und gefoltert zu werden oder zwangsausgesiedelt zu werden oder zu verhungern, weil es nichts zu essen gibt. Das ist nicht selbstverständlich, wie wir ja alle aus den Medien wissen. Ich habe das nicht verdient, ich habe nichts dazu beigetragen. Daher möchte ich Gott für die Güte, die er mir erwiesen und die Gesundheit, die er mir geschenkt hat, danken.

Nun komme ich zum Schluß: Ich danke Ihnen, daß sie mir so lange zugehört haben.