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100 Jahre Verfassung – 10 Jahre Dinghofer-Institut: Die Symposien 2010 bis 2020

Der Sammelband wird durch den Ares-Verlag Graz verlegt und am 12. November 2020 aus Anlass der Kundmachung des Bundes-Verfassungsgesetzes vor 100 Jahren im Rahmen des Dinghofer-Symposiums der Öffentlichkeit vorgestellt.

Zum Geleit

Das im Herbst 2010 als „freiheitliche Denkwerkstatt“ ins Leben gerufene Franz Dinghofer-Institut hat es sich zur Aufgabe gemacht, seinem Namenspatron als „Verkünder“ der Republik Österreich im Besonderen und dem aktuellen Wirken freiheitlicher Politiker im Allgemeinen jenen Stellenwert in der Öffentlichkeit zu verschaffen, der ihnen in den zeitgeistigen Medien nicht eingeräumt wird.

Das seit 2010 jährlich zu Ehren des Republikverkünders stets in parlamentarischem Umfeld stattfindende Symposium bietet ein feierliches Forum, um Leistungen von freiheitlichen Gesinnungsträgern auf dem Gebiet der Wissenschaften sowie der Demokratie entsprechend zu würdigen, und zwar durch die Verleihung einer Medaille; seit 2018 wird überdies eine solche Auszeichnung für freiheitliche Leistungen im Bereich der Medien verliehen. Bislang wurde eine Dinghofer-Medaille – nahezu – stets Männern zugedacht[1]; von einem Fall (2016) abgesehen. Im zehnten Jahr seines Bestandes wollte das Franz Dinghofer-Institut neuerlich eine Frau mit dieser Ehrung auszeichnen – bedauerlicherweise wurde die Verleihung der Dinghofer-Medaille zurückgewiesen.[2]

Die am 12. November 2010 begonnene Reihe der Dinghofer-Symposien bietet dem Dinghofer-Institut auch die Möglichkeit, seinen Zielsetzungen als Studiengesellschaft für Politikforschung[3] ein geeignetes Forum zur Verfügung zu stellen: Einen besonderen Schwerpunkt bilden dabei Fragen im Bereich der Grundprinzipien der Verfassung. Diese Aufgabe ist nicht auf die Republik Österreich beschränkt, sie bezieht sich auch auf andere Rechts- und Kulturkreise. Diesen Zielsetzungen entsprechend wurde – unter Mitwirkung des wissenschaftlichen Beirates im Dinghofer-Institut – jeweils im Rahmen der jährlichen Symposien ein wissenschaftliches Vortragsprogramm organisiert, das mit diesem Sammelband publiziert und zum 10. Symposium am 12. November 2019 in der Wiener Hofburg der Öffentlichkeit vorgestellt werden sollte – „coronabedingt“ hat sich dieses Ereignis um ein ganzes Jahr verschoben[4] und konnte erst im Herbst 2020 zum Abschluss gebracht werden: „Ende gut – alles gut“.

Der vorliegende Sammelband umfasst 20 Beiträge von 15 Autoren – der Bogen spannt sich thematisch von den staatsrechtlichen Anfängen der Republik Österreich und der Genese ihrer Verfassungsgrundlagen bis zu politischen Ereignissen der jüngsten Vergangenheit; sie stellt dabei Parallelen zu Entwicklungen in den damaligen Nachbarstaaten, dem Deutschen Reich, der Tschechoslowakischen Republik und Ungarn, her; sie zieht insbesondere Fragen der historischen und gegenwärtigen Bedeutung der Grundrechte sowie des Föderalismus in Österreich, Deutschland und der Schweiz in den Fokus; und sie stellt einzelne dabei federführende Akteure ins Rampenlicht. Das letzte Symposium stand im Zeichen der Würdigung der 100. Wiederkehr der Verkündung der Republik durch Franz Dinghofer.

Mit mehreren Beiträgen über Franz Dinghofer als Parteipolitiker und Staatsmann setzt der Reigen der hier veröffentlichten Beiträge ein, mit einem Beitrag zur Rechtfertigung von Franz Dinghofer als „Mentor“ einer freiheitlichen „Denkwerkstatt“ schließt er. Die im Zusammenhang mit den Würdigungen der führte in verschiedenen Medien zur Verbreitung von Meldungen über eine vermeintliche Mitgliedschaft von Franz Dinghofer in der NSDAP. Den Höhepunkt bildete ein Anfang Mai 2019 in der Tageszeitung „Die Presse“ veröffentlichter Beitrag des bekannten österreichischen Sozial- und Wirtschaftshistorikers Roman Sandgruber über den Namenspatron unserer Studiengesellschaft. Darin wird Franz Dinghofer das Etikett eines Ariseurs, Antisemiten und bekennenden Nationalsozialisten verpasst. Die – nach einem „Blick in die Archive“ – von Professor Sandgruber aufgestellten Behauptungen werden nun durch Konfrontierung mit Tatsachen, die Peter Avancini, ein Enkel von Franz Dinghofer, aus von seinem Großvater hinterlassenen Papieren bezieht, in das rechte Licht gerückt und durch ergänzende Erhebungen in staatlichen Archiven in Wien und Berlin ergänzt; das Ergebnis sei gleich hier vorweggenommen: Es liegt keine persönliche Erklärung über eine Mitgliedschaft zur NSDAP von Franz Dinghofer vor. Er ist daher als politisch integrer und moralisch redlicher Parteigenosse der großdeutschen „Volkspartei“, wie kaum ein anderer aus den Reihen dieser Vorfahren der Freiheitlichen Partei, prädestiniert, als „Mentor“ einer „freiheitlichen Denkwerkstatt“ zu fungieren. Tiefgehende Blicke in die Archive widerlegen die von den Kritikern der Person Dinghofers bloß oberflächlich recherchierten Befunde und rechtfertigen nachdrücklich das in der freiheitlichen Bewegung über ihn bestehende Bild als „Mann der Mitte, österreichischen Patrioten, aufrechten Demokraten“. Deswegen darf er von freiheitlich gesinnten Österreichern auch zu Recht als „Baumeister der Republik“ gewürdigt werden.[5]

Wien, im Juli 2020                                                               Univ.-Prof. Dr. Christian Neschwara (Wissenschaftlicher Beirat des DI)

[1] Zu den Ausgezeichneten siehe auf der Homepage des Instituts unter „Veranstaltungen“ [http://www.dinghofer-institut.at/].

[2] Wegen Verdiensten um die Demokratie wurde 2016 Frau Isabella Lehner für die Aufdeckung von Unregelmäßigkeiten bei der Stimmenauszählung im Zusammenhang mit der Wahl des österreichischen Bundespräsidenten ausgezeichnet; 2019 sollte Vera Lengsfeld, zu Zeiten der DDR als Dissidentin bekanntgeworden und nach der Wende zunächst für die Grünen und dann für die CdU aktiv (aktuell engagiert sich für die AfD), diese Ehrung erhalten – sie lehnte in letzter Minute ab: Wegen der vermeintlichen NSDAP-Mitgliedschaft von Franz Dinghofer, welche sich freilich nicht belegen lässt, wie der Beitrag „Zur Rechtfertigung von Franz Dinghofer …“ (in diesem Band) nach Forschungen in Wiener und Berliner Archiven beweist: https://homepage.univie.ac.at/Christian.Neschwara/dinghofer-kein-nazi-kein-mitglied-der-nsdap/,

[3] Siehe „Ziele und Forschungsschwerpunkte“ auf der Homepage des Instituts [http://www.dinghofer-institut.at/?page_id=44].

[4] Lediglich zwei Beiträge konnten – mangels Vorlage eines Manuskripts – nicht veröffentlicht werden; ein schon gesetzter Beitrag wurde vom Autor nach ursprünglich erteilter Genehmigung der Veröffentlichung wieder zurückgezogen. Zur Liste der Vorträge zu den Symposien seit 2010 siehe die Homepage des Instituts: http://www.dinghofer-institut.at/?page_id=62. Für die mühevolle Sammlung der Manuskripte, die Einholung der Druckerlaubnis der Autoren und die erste formale Bearbeitung der Beiträge zum vorliegenden Sammelband ist dem Geschäftsführer des Dinghofer-Institutes, Herrn Mag. Christian Schmied, besonders zu danken. Von Seiten des Ares-Verlages hat Herr Mag. Gut in bewährter Weise die redaktionelle Betreuung übernommen. Die im Herbst 2019 in Vorbereitung begriffene Produktion des Buches wurde „coronabedingt“.

[5] Die auf der Wikipedia-Seite zu Franz Dinghofer von mir am 27.1.2020 eingefügten Ergänzungen zur Relativierung seiner antisemitischen Einstellung sowie vor allem die zur Widerlegung der Behauptung seiner Mitgliedschaft in der NSDAP aus Wiener und Berliner Archiven vorgelegten Belege, ferner Richtigstellungen auf Grundlage neuer Literatur zu Ablauf und Ergebnis der Enteignung von Dinghofers Familiengut sowie zu seiner unmittelbar 1938 nach dem Anschluss durch die Nationalsozialisten angeordneten Entlassung, wurden nahezu postwendend von mehreren „Bearbeitern“ Zug-um-Zug gekürzt und schließlich von einem „Administrator“ (Neusprech für „Zensor“?) ganz gelöscht („zurückgesetzt“) – offenbar, um diesen Fakten die Publizität zu entziehen: Siehe dazu den Beitrag „Franz DINGHOFER war kein ,Nazi‘, kein Mitglied der NSDAP – Wikipedias Zensurmaschine löschte Belege aus der Seite über Franz Dinghofer, die seine Mitgliedschaft zur NSDAP widerlegten!“ auf meiner Homepage [https://homepage.univie.ac.at/Christian.Neschwara/#aktuelles].