SOZIALE DISKRIMINIERUNG & TOLERANZ IN INTERGRUPPALEN BEZIEHUNGEN

 

Verfasst von Amélie Mummendey und Michael Wenzel

Abteilung für Sozialpsychologie - Universität Jena

(aus „Personality and Social Psychology Review, 1999, Vol. 3, No.2, 158-174)

 

Zusammengefasst und bearbeitet von Marlene Datlinger

 

Einleitung

 

Phänomene wie soziale Diskriminierung, Vorurteile und feindseliges Verhalten zwischen Gruppen sind als Reaktionen auf intergruppale Unterschiede zurückzuführen. Dies sind wesentliche Probleme unserer Gesellschaft, die bei all dem Streben nach Individualisierung und Selbstverwirklichung immer mehr in zwischenmenschliche Konflikte gerät.

Nun stellt sich die Frage, wie Mitglieder einer Gruppe mit intergruppalen Unterschieden umgehen.

Sozialpsychologische Untersuchungen haben sich zunächst vor allem auf die negativen Aspekte von Beziehungen zwischen Gruppen konzentriert, doch die Frage, wie können verschiedene soziale Gruppen friedlich und in einer positiven Beziehung mit einander leben, rückt ins Zentrum des Interessens.

 

 

Soziale Diskriminierung

 

ALLPORT hat soziale Diskriminierung folgend definiert:

Obwohl Individuen oder Gruppen die gleiche Behandlung wünschen, wird ihnen diese verweigert.

Es entsteht eine Diskrepanz zwischen der in-group und der out-group bezüglich ihrer Beurteilung und ihrer Behandlung.

 

Superordinate Goals – Eine Möglichkeit zur Reduktion der Diskrepanz

 

SHERIF (1957) beschäftigte sich mit den Beziehungen zwischen Gruppen und unterscheidet dabei zwei wesentliche Faktoren: Positive und Negative Abhängigkeit. Die Qualität einer Beziehung ist abhängig von den wahrgenommen Zielen der beiden Gruppen.

 

Positive Abhängigkeit

Negative Abhängigkeit

 

Zwei Gruppen haben ein gemeinsames Ziel oder eine Gruppe kann ihr Ziel nur mit Hilfe der anderen Gruppe erreichen.

 

Ein Problem gemeinsam zu lösen, wirkt sich positiv auf die Zusammenarbeit aus und führt zu einem freundlichen, kooperativen Verhalten.

 

Das Ziel einer Gruppe kann nur auf Kosten der anderen Gruppe erreicht werden.

 

 

Die Wettbewerbs- oder Kampfsituation bewirkt eine negative Einstellung und ablehnende Haltung der anderen Gruppe gegenüber. Die eigene Gruppe, hingegen, wird aufgewertet.

 

 

Einerseits bringt ein gemeinsames Ziel die beiden Gruppen näher zusammen und führt zu einem kooperativen Verhalten.

Andererseits tragen gemeinsame, übergeordnete Ziele (superordinate goals) nicht nur zur Zusammenarbeit bei, sondern können auch eine Diskriminierung der out-group hervorrufen.

Denn durch ein gemeinsames Ziel wird die Einzigartigkeit jeder einzelnen Gruppe bedroht.

Wird jedoch versucht, dass jede Gruppe eine andere Aufgabe übernimmt um das übergeordnete Ziel zu erreichen und sich beide Gruppen dadurch gegenseitig ergänzen, so kann die Einzigartigkeit jeder Gruppe gewahrt bleiben und dennoch ein gemeinsames Ziel erreicht werden.

 

 

THEORIE DER SOZIALEN IDENTITÄT (TAJFEL, 1978)

 

Diese Theorie sagt aus, dass ein Individuum einen Teil seines Selbstkonzepts auf seine soziale Identität zurückführt und versucht eine positive soziale Identität zu erreichen oder zu erhalten.

In diesem Zusammenhang kann soziale Diskriminierung verstanden werden als der Versuch seine soziale Überlegenheit zu sichern. Die in-group demonstriert der out-group ihre Überlegenheit.

 

Ähnlichkeiten & Unterschiede zwischen Gruppen

 

1. Ähnlichkeiten (Turner, 1981; Worchel, 1996)

 

Ähnlichkeiten zwischen Gruppen begünstigen die Beziehung zwischen den einzelnen Gruppenmitgliedern und auch zwischen den Gruppen untereinander à freundliche Beziehung.

Wohingegen, wahrgenommene Unähnlichkeiten zu Entwertung u. Diskriminierung führen.

 

WORCHEL: Die Geschichte und Entwicklung einer Gruppe ist wichtig. Wie ist die Gruppe entstanden, aus welchen Mitgliedern setzt sie sich zusammen und welche Meinungen und Ziele vertritt diese Gruppe?

 

Positiv-negative Asymmetrie von sozialer Diskriminierung (Mummendey et. al. 1992)

 

Wenn aversive Reize (Lärm, unlösbare Aufgaben, etc.) vorhanden sind oder wenn Gruppen anhand von schlecht gewählten Dimensionen beurteilt werden, so wird die out-group weniger diskriminiert als unter positiven Bedingungen, da die äußeren Umstände für beide Gruppe unangenehm sind.

 

Bei genauerer Betrachtung definiert sich die in-group durch folgende Merkmale:

 

1.      Bevorzugung der eigenen Gruppe: wobei hier aber nicht die Solidarität mit der eigenen Gruppe im Vordergrund steht, sondern eher die Abgrenzung und Diskriminierung der out-group.

 

2.      Abwertung der anderen Gruppe: hier wird Diskriminierung verstanden als negative, abwertendes, feindseliges und aggressives Verhalten der out-group gegenüber.

 

Soziale Diskriminierung im Sinne von antagonistischem Verhalten der out-group gegenüber, führt zu folgenden Konsequenzen:

 

1.      Motivation der in-group eine positive Überlegenheit zu etablieren

 

2.      subjektive Legitimation für ein abwertendes, aggressives Verhalten – Die in-group versucht ihr ungerechtes, abwertendes Verhalten der out-group gegenüber zurechtfertigen.

 

Das heißt einerseits dient Diskriminierung dazu die eigenen Interessen und Ziele zu wahren und andererseits das eigene feindselige Verhalten zu legitimieren.

 

 

2. Unterschiede

 

Unterschiede zwischen Gruppen können als Widerspruch, Bedrohung der eigenen Werte und Normen verstanden werden, sodass es notwendig erscheint die bedrohten Werte zu schützen indem man der anderen Gruppe diskriminierend gegenüber tritt.

 

Nun drängt sich die Frage auf, ob es möglich ist intergruppale Konflikte zu reduzieren indem man auch die Unterschiede zwischen den Gruppen reduziert. Oder ist eine positive Beziehung zwischen Gruppen, trotz ihrer Unterschiede, möglich?

 

Die ambivalente Bedeutung von Unterschieden zwischen Gruppen:

 

1.      Sind zwischen zwei Gruppen keine Unterschiede vorhanden, so versucht man Einzigartigkeit zu entwickeln um sich deutlich von der anderen Gruppe abzugrenzen.

 

2.      Werden zwischen zwei Gruppen Unterschiede als Normübertretung oder Verhaltensabweichung wahrgenommen werden, so stellen diese eine legitime Grundlage für eine schlechte Behandlung der out-group dar.

 

Unterschiede hinsichtlich Normen, Ansichtsweisen und Verhaltensvorstellungen werden als Bedrohung für die eigene soziale Identität empfunden und deshalb wird versucht mittels Entwertung und Feindseligkeit die eigene soziale Identität zu verteidigen.

 

Folgen:

 

1.      Starke Motivation die Einzigartigkeit zu bewahren

2.      Verteidigung der eigenen Werte

 

 

Soziale Diskriminierung = ein negatives, abwertendes Verhalten der out-group gegenüber, das von der in-goup als gerechtfertigt und legitim angesehen wird, wohingegen es nach Ansicht der out-group als ungerechtfertigt und nicht legitim ist.

 

 

Einige Theoretische Beiträge zum Umgang mit Differenzen

 

1. Abweichung: (Festinger, 1950)

 

Je weniger die abweichende Person als Gruppenmitglied wahrgenommen wird oder je weniger diese wünscht ein Gruppenmitglied zu werden, umso geringer ist der Druck nach Uniformität innerhalb der Gruppe.

Je homogener und zusammengehöriger die Gruppe gesehen wird, umso größer ist das Verlangen nach Uniformität, Übereinstimmung und Reduktion von Meinungsverschiedenheiten.

   

                        3 Möglichkeiten:

 

à  Die Gruppe beeinflusst die abweichende Person

à  Die abweichende Person beeinflusst die Gruppe

à  Neubewertung / Umwertung der Richtlinien à die Gruppe schließt die abweichende Person aus

 

2.Soziale Einflüsse:  (Turner, 1987, 1991)

 

Mit Hilfe von sozialen Einflüssen versucht die Gruppe die abweichende Person zu ändern oder die Person versucht die Position der Gruppe zu ändern. Voraussetzung dafür ist, dass man sich eine Einigung erwartet. Obwohl unterschiedliche Ansichten bestehen, so wird die Person dennoch als gleichwertig und zur selben Kategorie angehörig empfunden. Eine Reduktion der Differenzen wird angestrebt.

 

Gehört eine Person, hingegen, zu einer Außengruppe und wird als nicht gleichwertig wahrgenommen, so treten Differenzen nicht unerwartet auf.

 

Eine Minderheit kann nur dann Einfluss ausüben, wenn die Mehrheit meint, dass sie derselben sozialen Kategorie angehört. Folglich hat die Minderheit für die Akzeptanz ihres sozialen Image zu kämpfen. Sie muss als Teil der Gesellschaft aufgefasst werden.

Auf der anderen Seite versucht die Mehrheit die Minderheit als abweichend und „anders“ zu etikettieren – um so die „abweichenden“ Ansichten der Minderheit zu erklären und selbst die Gültigkeit ihrer Aussagen zu bestärken.

 

3. „BLACK SHEEP“ – Effekt: (Marques & Paez, 1994)

 

Ein attraktives Gruppenmitglied wird positiver bewertet, als ein gleich attraktives Mitglied der Außengruppe. Aber ein unattraktives Mitglied der in-group wird wesentlich schlechter beurteilt als ein unattraktives Mitglied der out-group.

 

Man ist bestrebt das gute Image der eigenen Gruppe aufrechtzuerhalten und deshalb ein unattraktives Mitglied der eigenen Gruppe stärker abzuwerten als das einer anderen Gruppe.

Denn ein unattraktives Mitglied stellt eine Abweichung der Gruppennorm da und nur durch die Entwertung des unerwünschten Mitglieds kann die positive Image der Gruppe erhalten bleiben.

Ein unattraktives Mitglied der Out-group bedroht die eigene Norm nicht, mehr noch sie bestätigt sie.

 

4. „Intragroup Attraction“ ( Attraktivität innerhalb eine Gruppe) (Hogg, 1992, 1993)

 

Hogg unterscheidet zwischen der Attraktivität zwischen Gruppenmitgliedern und der zwischenmenschlichen Attraktivität.

Die letztere bezieht sich vor allem auf die individuellen Beziehungen und Erlebnisse zwischen Personen, wogegen es bei der Attraktivität zwischen Gruppenmitgliedern um „ depersonalized liking for an individual group member based on group prototypicality“ geht -à man akzeptiert ein einzelnes Mitglied unabhängig von seiner Persönlichkeit einfach deshalb weil es diese „group prototypicality“ vertritt.

Die Person wird positiv beurteilt einfach aufgrund dessen, dass sie einfach dieser Gruppe angehört.

 

Was nun genau abweichend ist, hängt von der Repräsentation der allgemeinen Gruppe ab.

Der Prototyp der „inclusive group“ bestimmt die Normen anhand derer es möglich ist zu beurteilen, was anders ist und was nicht. Wenn sich jemand von Repräsentationen der gemeinsamen sozialen Kategorie unterscheidet d.h. von in diesem Zusammenhang relevanten Normen, so verursacht er Unsicherheit und wird entwertet und zurückgewiesen.

 

 

SELF-CATEGORIZATION THEORY (TURNER, 1987)

 

Annahmen der SCT :

 

-         Personen erhalten einen Teil ihres Selbstkonzepts aufgrund ihrer Mitgliedschaft zu sozialen Kategorien / Selbst-Kategorisierung.

 

-         Sie betrachten sich als gleichwertig zu anderen Mitgliedern derselben sozialen Kategorie, nicht jedoch zu Mitgliedern einer anderen sozialen Kategorie.

 

-         Personen kategorisieren sich selbst in „inclusive ways“ d.h. je nach Gruppe wird unterschieden welchen Bereich die selbst gewählte Kategorie umfasst: z.B. Mensch – Tier oder „less inclusive ways“ z.B. Deutsche –Österreicher

 

-         Selbst-Kategorien verhalten sich hierarchisch zu einander, so dass eine soziale Kategorie verglichen zur nächsten einen weitaus größeren Bereich umfasst z.B. Österreicher u. Griechen können verglichen werden als Europäer – im Gegensatz dazu Europäer vs. Asiaten.

Diese hierarchischen Relationen zwischen den sozialen Kategorien spielen eine wichtige Rolle bei „intergroup evaluations“ und soziale Diskriminierung.

  

Eigenschaften, die prototypisch für die übergeordnete soziale Kategorie sind, werden positiv bewertet.

Fundamentale Annahme:  eine Selbst-Kategorie (in-group, individual) wird im Vergleich zu einer anderen Kategorie (out-group, another individual) umso positiver bewertet, je mehr sie als „Idealfall“ der übergeordneten Kategorie zugeordnet wird.

  

Die Rolle von „Inclusion“ and „Prototypicality“ für Soziale Diskriminierung

 

Hypothese: Wenn die Eigenschaften der in-group als protypisch sprich als „Inbegriff“ für die „inclusive category“ wahrgenommen werden, so werden die Unterschiede zur out-group negativ bewertet.

Die in-group will die als protyp. bewerteten Eigenschaften für sich in Anpsruch nehmen und will eine angesehene Gruppe sein!

 

Begriffe:

INCLUSION = „Einbeziehung der in-u. out-group“ à führt zur Annahme und Erwartung, dass beide Gruppen gleichwertig sind und sich verstehen.

PROTOTYPE = Norm anhand welcher die in-u. out-group bewertet werden; wobei die in-goup möglicherweise die besseren Resultate erzielt. Dieser Umstand erscheint vom Blickwinkel der in-group als legitime Differenzierung, so wird er von der out-group als soziale Diskriminierung angesehen.

 

Effekt eines falschen Konsens (Ross, Greene & House, 1977)

 

Dieses Phänomen tritt auf, wenn eine Person das Ausmaß, in dem die eigene Meinung von anderen geteilt wird, überschätzt. Dadurch bleibt das positives Selbstwertgefühl erhalten. Dies gilt, jedoch, nur für Mitglieder der eigenen Gruppe, da man annimmt, dass die eigene Gruppe eher die eigene Meinung teilt als Mitglieder der out-group.

  

Die Relation zwischen Differenz und Identität

 

Zwei Gruppen werden von einander unterschieden aufgrund ihrer Gleichwertigkeit, und die Unterschiede zwischen Gruppen werden bewertet im Zusammenhang mit ihrer gemeinsamen Identität. Obwohl die Gruppen als gleichwertig angesehen werden im Sinne von einer gemeinsamen übergeordneten Kategorie, so werden sie ebenso als unterschiedlich wahrgenommen im Sinne ihrer  „prototypicality“. Es ist möglich, dass die Unterschiede zwischen zwei Gruppen als so grundlegend betrachtet werden, dass sie nicht als Teil einer gemeinsamen übergeordneten Kategorie gelten – es gibt keine gemeinsamen Normen u. Vorschriften.

 

Sozial-kategorische Repräsentation

Beide Gruppen errichten sich aufgrund normativer Vorstellungen und Ziele ihre eigene soziale Identität. Folglich repräsentiert jede Gruppe für sich ihren eigenen sozialen Kontext. 

Meinungsverschiedenheiten und  Widersprüche zwischen zwei Gruppen sind die Ursache für soziale Diskriminierung, die hauptsächlich durch die Projektion von Eigenschaften auf die „inclusive category“ hervorgerufen wird.

 

Meinungsverschiedenheiten:

1.      Unterschiede hinsichtlich der Wahrnehmung der Gleichwertigkeit

2.      Gruppen unterscheiden sich in ihren Ansichten bzgl. ihrer versch. Prototypen d. Inclusive category

 

Einerseits beinhalten soziale Kategorien Normen und andererseits sind sie der Gegenstand für intergruppale Wettkämpfe.

Toleranz & Pluralität

 

TOLERANZ ist die Akzeptanz und die positive Wertschätzung von Differenzen zwischen Gruppen. Ist Toleranz vorhanden so gibt es keine Vorstellungen bzgl. der Unterschiede zw. in- u. out-group. – keine Vorschriften, keine Erwartungen, etc.

Toleranz kann als komplexe und wage Repräsentation der „inclusive category“ – als undefinierter Prototyp, der verschiedene Eigenschaften und Positionen als normativ und akzeptierbar ansieht, verstanden werden.

 

ALLPORT unterscheidet zwischen 2 verschiedene Erscheinungsformen von Toleranz:

 

1.      Toleranz: wir erdulden etwas das wir nicht mögen oder als unangenehm empfinden – im Sinne von ertragen.

2.      Toleranz: wir bringen allen Menschen Freundlichkeit entgegen – im Sinne von Akzeptanz

Es kommt zur Veränderung von Gefühlen u. Einstellungen (Social adjustments) – Soziale Anpassung u. Veränderung von sozialen Normen

 

à Nur in einem oberflächlichen Sinn kann Toleranz als Erdulden und Selbst-Einschränkung verstanden werden.

à Toleranz bedeutet nicht nur Akzeptanz, sondern auch Respekt. Erst dann ist man bereit seine Gefühle und Einstellungen zu überdenken und möglicherweise zu verändern.

  

Undefinierter Prototyp

 

4 Eigenschaften:

 

1.      Prototyp kann klar oder unklar repräsentiert werden

2.      Prototyp kann kleine oder große Bereiche betreffen: er kann wenige oder viele Dimensionen haben, kann sich wenige oder viele Lebensbereiche betreffen.

3.      Prototyp kann eng oder weit sein; kann eine große oder geringe Streuung aufweisen

4.      Prototyp kann einfach oder komplex, ein- oder mehrdimensional sein.

 

Die Abweichungen einer out-group werden akzeptiert, wenn die unterschiedlichen Merkmale nicht zum Gegenstand / Subjekt von relevanten Vorschriften werden, weil

a.)    der Prototyp schwach definiert ist.

b.)    Er sich auf einen eingeschränkten Bereich bezieht

und so die Merkmale nicht in Frage gestellt sind.

 

Die Unterschiede der out-group werden positiv bewertet, wenn

a.)    Die Differenzen Teil des Prototyps sind und daher als normativ beschrieben werden

b.)    Der Prototyp verschiedene wichtige Positionen vertritt.

 

Kategoriale Unterschiede

Die Unterschiede zur out-group werden an den Normen der „inclusiven category“ gemessen. Die Grenzen der Gruppe werden neu definiert, so dass unerwünschte/abweichende Personen nicht länger als Mitglieder wahrgenommen werden und es wird von ihnen auch nicht mehr erwartet, dass sie sich an die Richtlinien der Gruppe halten. Gibt es unüberwindbare Gegensätze oder keine gemeinsamen Vorstellungen, so wird Toleranz im Sinne von unabhängiger Koexistenz erlebt. Die andere Gruppe spielt keine Rolle mehr, es wird kein Kontakt zu ihr gesucht. Die Differenzen werden toleriert, weil die eigenen Ansichten nicht in Frage gestellt werden. Es kommt zu einer Trennung  und folglich ist die out-group für die in-group keine Bedrohung und daher von keiner Bedeutung.

Fehlende Integration und Zusammenarbeit sind jedoch die Basis für mangelndes Verständnis, Intoleranz, Ignoranz und Missachtung. Die Konsequenz daraus ist, dass nicht nur dieselben Normen u. Verhaltensvorschriften für die out-group nicht gelten, sondern auch dieselben Rechte bleiben ihnen vorenthalten.

 

Zusammenfassung

 

Soziale Diskriminierung wird in diesem Artikel auf zwei sozialpsychologische Theorien zurückgeführt.

1.      Theorie der Sozialen Identität (Tajfel): Ein Mensch versucht eine positive soziale Identität zu erreichen bzw. zu erhalten. Denn treten Unterschiede, die die eigenen Werte bedrohen, auf, so wird die out-group entwertet und dadurch werden die eigenen Werte geschützt. Soziale Diskriminierung wird verstanden als Versuch die soziale Überlegenheit zu sichern.

2.      Theorie der Selbst-Kategorisierung (Turner): Ein Mensch gewinnt einen Teil seines Selbstkonzepts durch die Mitgliedschaft zu sozialen Kategorien. Die Kategorisierung erfolgt meist in „inclusive ways“ – selbstgewählten Kategorien. Menschen, die zur gleichen Kategorie gehören, werden als gleichwertig angesehen, jene, die Mitglied einer anderen sozialen Kategorie sind, werden als nicht-gleichwertig wahrgenommen.

 

Intergruppale Differenzen:

Auf der einen Seite vergrößern Differenzen die Distinktheit und dadurch auf die Wahrscheinlichkeit von sozialer Diskriminierung. Auf der anderen Seite können Ähnlichkeiten die Einzigartigkeit der Gruppe bedrohen und sind so ein Motivationsfaktor für soziale Diskriminierung. Zusammenfassend kann man sagen, dass sowohl Ähnlichkeiten als auch Unterschiede intergruppale Unterschiede beeinflussen.

Toleranz ist nicht gleich Toleranz. Toleranz kann im Sinne von „ertragen“ und „erdulden“ verstanden werden. Toleranz kann aber auch im Sinne von sozialer Anpassung und als Ursache zur Veränderung von sozialen Normen verstanden werden.Toleranz ist erst dann möglich, wenn unüberwindbare Differenzen akzeptiert werden, so dass keine Einschränkungen und Vorschriften die Beziehung zwischen den Gruppen gefährden. Ziel ist es, dass die Vielfalt von Gruppen als selbstverständlich gesehen wird.