The Psychology of Terrorism: An Agenda for the 21st Century

Martha Crenshaw

Department of Government, Wesleyan University

Zusammengefasst von Manuela E. Klein

 

 

Der Artikel von Martha Crenshaw behandelt aktuelle Probleme der Terrorismusforschung und übt auch Kritik an der gängiger Terrorismusforschung die angesichts eines „neuen Terrorismus“ nicht adäquat reagiert. 

Beginn der Terrorismusforschung: frühe 70er Jahre. Die damals aufgetretenen Probleme haben heute nicht an Relevanz verloren.

Probleme:

Definition von Terrorismus

Die Frage der Verwendung der Forschung für politische Zwecke

Das sammeln empirischer Daten

Das Zuschreiben einer Persönlichkeitsstörung oder irrationalem Denken an Terrorismus

Die Notwendigkeit einer integrativen und kumulativen Theorie

Die Tatsache, dass ein Großteil der Forschung von konkreten Ereignissen  ausgeht (ereignisabhängig)

 

Das Problem Terrorismus zu definieren hat die Analyse des Terrorismus seit Beginn der Untersuchungen in den 70ern behindert.

Problemkreis:

Das Wort „Terrorismus“ wird oft polemisch und rhetorisch verwendet. Das Verhalten eines Gegner wird als illegitim verurteilt, ohne es zu beschreiben, ohne darauf einzugehen, was eigentlich passiert. Es gibt keine objektive Beschreibung von Terrorismus, sogar dann nicht wenn der Ausdruck objektiv zur Analyse genutzt wird, ist es schwierig eine angemessene Definition zu finden, die Terrorismus von anderen Arten der Gewalt unterscheidet.

 

Terrorismus: ist eine absichtliche und systematische Gewalt, ausgeführt von einer kleinen Anzahl von Leuten.

Die Absicht des Terrorismus ist es, ein zusehendes Publikum zu ängstigen oder einzuschüchtern, indem nur wenige in Mitleidenschaft gezogen werden, dies aber vor den Augen der Welt.

Terrorismus soll nicht verletzen, nicht zerstören. Terrorismus ist vor allem politisch und symbolisch, wo hingegen ein Guerillakrieg eine militärische Aktivität ist.

 

Zur Unterscheidung der Begrifflichkeiten führt die Autorin noch einige Definitionen an, meint aber, dass in der Praxis Gewaltereignisse nicht immer eindeutig zugeordnet werden können.

 

Kommunale Gewalt  (Gewalt, die vom Volk ausgeht)

Sie ist nicht geplant, nicht systematisch, sondern sporadisch, spontan und benötigt Massenbeteiligung.

Genozid:  Dabei geht es um die Auslöschung von ganzen Volksgruppen.

 

Repressiver Terror: von oben, wird von den Machthabern ausgeübt, während Terrorismus ein verdeckter Widerstand gegen Autorität darstellt.

 

Terrorismus umfasst eine große Spannbreite von Kidnapping bis zu Verbrechen wie Narco-terrorism, Cyber-terrorism, Eco-terrorism, Olfaktorischer Terrorismus oder Nahrungsmittel-Terrorismus.

 

Die ideologische Umstrittenheit des Begriffes betreffend, konstatiert die Autorin eine Veränderung seit Ende des Kalten Krieges. Der Umgangston sei ein anderer geworden seit dem Verschwinden der linken revolutionären und antiimperialistischen Bewegungen, die zu einem Großteil den ideologischen Terrorismus der 70er und 80er geprägt haben.

 

Verwendung der psychologischen Terrorismusforschung

 

Es entstand auch durch eine Änderung im Umgangston ein Zusammenrücken von Regierung, politischer Ideologie einerseits und der Wissenschaft andererseits, die bisher bzgl. der Verwendung ihrer Forschung sehr kritisch war (bridging the gap! Alexander George, Nationalkoordinator für Sicherheit, Infrastruktur und Antiterrorismus)

Ein großes Problem dabei ist aber, dass die Politik ein bestimmtes eindeutiges Terroristenprofil sucht bzw. glaubt, dass es dieses gibt. Annahme einer bestimmten terroristischen Psychopathologie.

Silke (1998) meint dazu, dass, obwohl die meisten, die sich mit terroristischen Psychopathologien beschäftigen, die These einer wirklich offensichtlichen Anomalie ablehnen, trotzdem an subtile Hinweise auf Abnormalität glauben. Er selbst spricht von einem fehlleitenden Trend, der Terrorismus absichtlich pathologisieren will und führt dazu Perlstein (1991)  an, der zu dem Schluss gekommen ist,  dass

„ein Individuum, das ein politischer Terrorist wird und bleibt üblicherweise von bestimmten narzisstischen Persönlichkeitsstörungen geprägt ist.“

Perlstein  (1991) untersuchte auch weibliche Terroristinnen, z. B. Ulrike Meinhof, Gründungsmitglied der RAF, die seiner Meinung nach zur Terroristin wurde, weil sie viele traumatische Erlebnisse hat, die ihr Selbstbild beschädigten. Dies führte bei ihr zu einer obsessiven Suche nach Zugehörigkeit und Anerkennung. Ihre profunde narzisstische Enttäuschung und ihr Scheitern am eigenen Ego-Ideal machten sie zu einer Terroristin. Er stellte auch bei anderen Terroristinnen, die er untersuchte Verletzungen in der Kindheit und Jugend fest, die zu geringem Selbstbewusstsein führten. Durch radikale politische Handlungen ihrerseits bekamen sie wieder ein positives Selbstbild.

Steinhoff (1996) untersuchte Frauen in jap. Terroristischen Organisationen und hält dem entgegen, dass die Öffentlichkeit und Psychiater, beiden Terroristinnen eher mentale Krankheiten zuschrieben, weil diese Frauen für alles stehen, was Frauen eben nicht sein sollten.

Sie bringt das Beispiel von Hiroka Nagata von der United Red Army und diese anscheinend berühmtberüchtigte blutige Säuberungsaktion innerhalb der Organisationsspitze. Da gab es einen männlichen Führer und unteren anderen auch Hiroka Nagata,  Er soll der Presse und Psychiatern zu folge aus einer Notwendigkeit gehandelt haben, den Anlass entsprechend, er handelte aus einer Notsituation und hat sich dabei irgendwie verschätzt, aber die Frau wurde in ihren Handlungen als rein emotional beschrieben. Sie wurde von Presse und Psychiatern als rachsüchtig, eifersüchtig, höchst gefährlich und psychologisch instabil beschrieben.

Untersuchung von De Cataldo Neuberger und Valentini (1996), die meinen, dass weiblicher Terrorismus verknüpft sei mit einer Verhaltensstörung aus der Kindheit, die zurück zu führen ist auf einen gefühllosen tyrannischen Vater und eine schwache Mutter. Befunde, basierend auf Interviews mit Terroristinnen in Italien weisen darauf hin. Die größere Passivität von Frauen führt zu einer längeren Identifikationsphase im Jugendalter, als man sie z.B. bei Buben festgestellt hat. Mädchen brauchen die Verbindung zu ihrer Mutter für eine lange Zeit um sich zu entwickeln und anzupassen. Während dieser Phase können Entwicklungsprobleme auftreten, die später dazu führen können, dass Frauen terroristischen Gruppen beitreten. Solch verhaltensgestörte Mädchen, die sich mit ihrer schwachen Mutter identifizieren, neigen dazu sich innerlich aufzuspalten und in deren zweitgeteilter Weltsicht zählen für sie Mitgefühl und Toleranz der anderen nicht mehr. Junge Frauen suchen sich Identifikationsfiguren außerhalb der Familie und suchen eine „schwache“ Person die sie lieben und beschützen können. Deshalb sind sie sehr empfänglich für die Anziehungskraft einer terroristischen Organisation welche die Starken, die die Schwachen unterdrücken, bekämpfen oder zerstören wollen. So demonstriert die Terroristin die Stärke des Vaters und die aufopfernde Haltung der Mutter. Diese Autoren sind der Meinung,

dass ein mütterlicher Opferbereitschaftscode bei Frauen stark ausgeprägt ist aufgrund

ihrer Kindheitsentwicklung,

des patriarchalen Drucks der Gesellschaft und

ihrer genetischen Disposition zu beschützen und sich für ihre Kinder zu opfern.

Sie meinen weiter, dass dieser feminine Lebensstil Frauen dazu prädestiniert sich aufzuopfern und sich um andere kümmern. Dieser mütterliche Code ist anscheinend das gewisse Extra, dass Frauen geneigter macht ihr Leben im Namen der Gruppe einzusetzen. Trotzdem glauben die meisten Terroranalysten nicht, dass Persönlichkeitsfaktoren für terroristisches Verhalten ausschlaggebend ist, noch glauben sie an signifikante Geschlechtsunterschiede.

 

Terrorismus als Gruppenaktivität

 

Ein anderes sehr grundlegendes Forschungsergebnis ist, dass Terrorismus hauptsächlich Gruppenaktivität ist und nicht das Resultat von Psychopathologie oder eines einzelnen Persönlichkeitstyps.

Eine gemeinsame ideologische Bindung und Gruppensolidarität sind viel wichtigere Komponenten terroristischen Verhaltens als einzelne Charaktereigenschaften.

Ross (1994) aber schlägt eine Theorie vor, die die Persönlichkeitsfaktoren mit ein bezieht, nämlich die Theorie, dass Individuen die aufgrund ihrer Entwicklung für terroristische Aktivitäten prädestiniert sind ihre Bedürfnisse in Untergrundgruppierungen befriedigen können. (Er integriert die Gruppengeschichte mit Entwicklungspsychologie!)

Braungart und Braungart (1992) haben z. B. herausgefunden, dass Entwicklungsphasen in der Jugend, die Weathermen besser erklären können, als psychologische Zuschreibungen von Persönlichkeitsmerkmalen eines einzelnen. Wenn man einmal in der Gruppe ist, werden durch Sozialisation und Lernerfahrungen terroristische Verhaltensweisen vertieft. Diese Mitglieder von terroristischen Gruppen interagieren, ja auch mit Mitgliedern, mit rivalisierenden Gruppen und mit der Regierung gegen die sie sind. Deshalb muss Terrorismus als ein interaktiver und dynamischer Prozess gesehen werden:

Della Porta (1992) 1995a1995b, hat einen komplexeren Rahmen hergestellt, der die persönliche Lebensgeschichte mit den politischen und sozialen Umfeld in Verbindung bringt.

Sie konzentriert sich auf individuelle Wahrnehmungen von äußeren Handlungsmöglichkeiten die von der Umwelt gegeben sind. In diesem Ansatz ist die Wahl, verdeckt zu agieren der kritische Punkt. Ihr ist die dauerhafte Verbindung von einzelnen zur Untergrundorganisationen aufgefallen (intensive Identifikation mit der Gruppe) Dieses Engagement ist auch dadurch motiviert, dass dabei das eigene Ego involviert ist. Einzelpersonen versuchen immer den Respekt gegenüber sich selbst aufrechtzuerhalten. Wesentlich ist auch die Unterstützung der Gemeinschaft der Gleichgesinnten und das Zugehörigkeitsgefühl, das durch das gemeinsam eingegangene Risiko verstärkt wird. Della Portas Forschungen zeigen nicht nur, dass individuelle Motivationen und strukturelle Bedingungen gemeinsam analysiert werden müssen, sondern auch, dass die nämlichen Einzelpersonen alle sehr stark ausgeprägte politische Identitäten hatten und schon früh in ihrer Sozialisation Gewalterfahren gemacht hatten. Ihr terroristisches Engagement war das Resultat eines graduellen Prozesses, nicht eine plötzliches Übertreten. Sie hatten vor allem das Bild eines gewalttätigen Staates und die Teilnahme an halblegalen Protestbewegungen gemeinsam.

 

Bandura (1990) vertrat einen anderen Ansatz.

Terrorismus ist das Resultat einer von hohen Grundsätzen basierende Zuflucht zu Gewalt und nicht von einem ungebremsten Impuls.

Das ist ein Faktor den die psychologischen Gewaltanalysen bisher nicht berücksichtigt hatten. Er untersuchte, wie Menschen die inneren regulativen Mechanismen die normalerweise Gewalt unterdrücken  außer Gefecht setzen können.

Er hat 3 wichtige Punkte im selbstregulativen Prozess identifiziert:

 

Wenn abstoßendes Verhalten als rechtfertigbar ausgelegt wird

die schädlichen Effekte eines solchen Verhaltens werden verzerrt und

das Opfer selbst beschuldigt wird.

 

In Bezug auf Ursächliche Täterschaft hat er eine Tendenz herausgefunden die die Verantwortung entweder auf den Feind schiebt oder sie auf die Gruppe aufteilt.

 

Ross und Rabbie haben festgestellt, dass  man empirische Untersuchungen von integrativen psychologischen Theorien braucht um ein ausgereiftes Forschungsprogramm zu erstellen. Es genügt nicht, einfach Hypothesen aufzustellen. Dem Studium von Terrorismus fehlt die Basis von wesentlichen Daten, die sich auf Interviews und Lebensgeschichten von Leuten die sich terroristisch engagiert haben, stützen.

Sie kritisieren, dass psychologische Hypothesen oft auf Spekulation begründet werden oder von einer so geringen Anzahl von Fällen abgeleitet werden, dass die Ergebnisse nicht als verlässlich oder repräsentativ betrachtet werden können. (Perlstein 1991, hat z. B. hauptsächlich Sekundärquellen verwendet um 9 Einzelpersonen zu analysieren)

Eine Ausnahme dabei bilden die Arbeiten von den Soziologen Jürgensmeyer und della Porta (92,95a 95 b) Diese Arbeiten zeigen, dass es nicht unmöglich ist relevante Informationen über die Ursprünge verdeckter Gewalt zu bekommen. Della Portas Untersuchungen von italienischen und deutschen Linksterroristen, basieren auf einer großen Sammlung von Lebensgeschichten, Biographien und Autobiographien.

Psychologische Studien über den Terrorismus beschäftigen sich oft damit, wie bestimmte Überzeugungen, Falschannahmen die Rationalität einschränken, aber es ist wichtig, nicht zu vergessen, dass Terrorismus eine eigene, wenn auch unkonventionelle Logik hat, die verständlich ist.  Diese Glaubenssysteme, die dieser Logik entsprechen sind nicht selbst erfunden, sondern übernommen oder abgeleitet. Es ist ganz wichtig die Ideologie und die Weltanschauung von praktizierenden Terroristen aus ihrer Sicht zu verstehen und diese Ideologien nicht aus der Analyse auszuschließen weil sie irrational erscheinen (Reich 1990)

 

Sprinzaks (1990,91,95) „theory of split delegitimization“  Theorie der geteilten Nichtlegitimation, beschäftigt sich mit dem Bild (Feindbild), welches Terroristen von ihren Feinden haben. Er meint, dass bestimmte Gruppen unter dem Grundsatz organisiert sind, dass der Feind keine Legitimation hat und daher nicht menschlich ist.

Sprinzak (1990) betonte auch, dass die Bedingungen für ideologischen Terrorismus besonders für linken Terrorismus in Demokratien nicht identisch sind mit den Ursachen für Protest oder für unkonventionelles politisches Verhalten im allgemeinen. Außerparlamentarische politische Aktionen sind ein akzeptierter Teil des demokratischen Repertoires. Terrorismus aber entsteht aus  

der Wahrnehmung einer ungerechten und strengen Regierung

aus tiefer Enttäuschung über die bestehende Ordnung und

aus der Verfügbarkeit von außenstehenden Vorbildern.

 

Dennoch gilt: Die meisten Radikalen werden keine Terroristen.  Sprinzaks analytisches Modell war der entscheidende Mittelpunkt einer Sammlung vergleichender Fallstudien von rechtem Terrorismus, das den Anspruch erhebt das erste seiner Art zu sein. Das erst kürzlich entstandene Interesse am rechten Terrorismus zeigt die Tendenz, wie sehr Terrorismusstudien ereignisabhängig sind. In den 70ern und früher 80ern galt dem Terrorismus der extremen Linken und des nationalen Widerstands die größte Aufmerksamkeit. In den späten 80ern und 90ern kam das Interesse am Terrorismus der extremen Rechten auf. In den Vereinigten Staaten hat sich die Sorge nach den Bombenanschlägen in Oklahoma City 1995 und auch nach den Aktivitäten von „Survivalist movement“ militia movement and Christian Identy movement verstärkt.

International haben der jüdische Terrorismus in Israel und rechte Gewalt gegen Einwanderer in Europa Aufsehen erregt. Diese Fokussierung auf aktuelle Anlässe ist zwar aus psychologischer und politischer Sicht verständlich, sie kann ForscherInnen aber von ihren Studien zur historischen Entwicklung des Terrorismus ablenken. Diese reaktive Qualität hat auch bis zu einem gewissen Grad die Terrorismusstudien diskreditiert, insofern als sie als trendy und modern gesehen werden.

 

Ein neuer Terrorismus?

 

Obwohl man vielleicht früher den rechten Terrorismus nicht vorausgesehen hat konnten die Analysten auf ein Grundgerüst an Forschungen zu rechten Bewegungen und Ideologien aufbauen.  Das Phänomen von rechtem Terrorismus war zwar nicht gänzlich unbekannt, aber die Gewalt vom extrem rechten Flügel schien immer virulenter und destruktiver zu werden. Die Frage wer ein Terrorist sei, hat dabei eine neue Dimension angenommen. Einige neuere Arbeiten beschäftigen sich mit einem „neuen Terrorismus“ der religiös motiviert ist und der fanatischer, tödlicher und um sich greifender ist als ältere rein zweckdienliche Formen von Terrorismus, an die sich die Welt schon gewöhnt hat.

Dieser aufkommende

Neue Terrorismus hebt sich angeblich vom alten Terrorismus ab, und zwar in Bezug auf Ziele, Methoden und Organisation.

 

Der Unterschied wird hier grob umrissen: 

Während der alte Terrorismus kurzfristige politische Macht durch Revolution, nationale Befreiung oder Abspaltung anstrebte, will der neue Terrorismus die Welt transformieren. Dadurch dass die VertreterInnen durch religiöse Gebote geleitet sind, fehle ihnen anscheinend ein weltlicher Bezug und so fühlen sie sich nur einer Gottheit oder einer transzendentalen oder mystischen Idee verpflichtet. Traditionelle links -rechts-Zuschreibungen sind nicht mehr anwendbar.

Weil sie die Unterstützung des Volkes nicht wollen, suchen sie auch keine öffentliche Anerkennung ihrer Taten. Außerdem glaubt man von den neuen Terroristen, dass sie viel eher skrupellose Mittel anwenden um eine unreine Welt zu zerstören und die Apokalypse herbeizuführen. Die Strategien der alten Terroristen waren wohl überlegt. Terrorismus war ein Weg um eine bestimmte Botschaft zu vermitteln. Die Ergebnisse sollten hier und jetzt unmittelbar erzielt werden können. Im „neuen Terrorismus“ werden aber unbegrenzte Mittel angewandt um zeitlich unbegrenzte Ziele zu verfolgen. Deshalb wollen die neuen Terroristen viele Opfer und sind sogar bereit selbst zu sterben und Waffen einzusetzen die große Massen treffen.  Ein letzter Unterschied wird darin gesehen, dass militante Mitglieder früher in festen zentralisierten und strukturierten verschwörerischen Organisationen verbunden waren, wo hingegen die Organisation der neuen Terroristen dezentralisiert und diffus ist.  Zugehörige sind eher durch gemeinsame Erfahrungen oder durch eine gemeinsame Inspiration verbunden als durch direkte persönliche Interaktion mit anderen Gruppenmitgliedern oder Gruppenführern. Institutionen und Organisationen sind weniger wichtig als Überzeugungen.

 

Eine empirische Quelle dieser Wahrnehmung eines „neuen Terrorismus“ ist die radikale rechte Gewalt besonders in den USA.  Der Schock des Bombenattentats in Oklahoma City hat die weitgehend unbekannte Miliz- Bewegung ins internationale Interesse gerückt.

Barkun (1996) ist der Meinung, dass der Glaube an eine Verschwörungstheorie die diffusen und zersplitterten radikalen rechten Gruppen zusammenhält.  Obwohl solche verschwörerischen Überzeugungen der amerikanischen Politik nicht neu sind, unterscheiden sie sich doch von dem doktrinellen Grundgerüst der 90er und zwar in ihrer Spezifität und darin, dass sie so leicht religiös interpretiert werden können. Die verschwörerische Rechte glaubt nicht nur, dass eine Intrige oder ein Komplott eine tyrannische neue Weltordnung unter Führung der Vereinten Nationen vorantreibt, sondern auch dass sie diese Ordnung bald errichtet haben. Aus diesem Grund müsse rasch gehandelt werden. Die gewaltsamen Begegnungen bei Ruby Ridge (1992) und Waco werden als Bestätigung für die finsteren Absichten der Verschwörer gesehen. Diese Vorfälle zeugen auch von einer großen Bereitschaft zum Märtyrertum. Diese Glaubenssysteme beinhalten apokalyptische religiöse Elemente. Die neue Weltordnung wird oft als Schöpfung des Antichristen dargestellt. Viele extreme rechte Gruppen und Führer sind diesem „Christian Identity Movement“ angeschlossen. Insofern bilden weltliche und religiöse Überzeugungen zwei sich kreuzende und einander bestärkende verschwörerische Visionen. Die Tatsache, dass diese Ideen von etablierten gesellschaftlichen Institutionen abgelehnt werden, macht sie nur glaubhafter für die Verschwörer.

Rechte Gewalt ist auch in Europa vorgekommen, besonders Gewalt gegen Ausländer, aber diese Gewalt hat nicht die religiösen apokalyptischen Untertöne der amerikanischen Subkultur. Es ist auch wichtig, dass man festhält, dass die Bomben in Oklahoma City zumindest bisher der einzige Akt von rechten Terrorismus war bei dem es Massenopfer gegeben hat.

Ein früherer und brutalerer historischer Vorgänger dieser Auffassung des neuen Terrorismus ist der

Antiwestliche Terrorismus, der aus dem mittleren Osten kommt und im Zusammenhang mit dem radikalen und fundamentalistischen Islam steht. Damit sind die Vorfälle in den 80er Jahren gemeint und der Terrorismus der der Shiitischen Hisbollah-Fraktion im Libanon zugerechnet werden. In den 90-Jahren kam ein Terrorismus auf, der die Rhetorik und den Diskurs des Islam benützte seitens der Hamas und des Islamischen Yihads, der Islamischen Gruppe in Ägypten und der „Armed Islamic Group“ in Algerien und in neuerer Zeit auch seitens des Osama Bin Laden-Netzwerks. Einige Regierungen wie z.B. der Sudan oder Afghanistan schienen diesen Trend zu unterstützen. Der Schrecken über das Aufkommen von radikalen Islamismus (eine kleine Minderheit in der islamischen Welt), wurde verstärkt durch eine Kombination von Faktoren, durch die Selbstmordattentate im Libanon und Israel, eine generelle Bereitschaft Zivilisten massenweise zu verletzen und zu töten und ein antiamerikanischer und antiwestlicher Fokus. Der Bombenanschlag auf das World-Trade-Center 1993 und auch die Attentate auf die amerikanischen Botschaften in Kenya und Tansania 1998 haben das Gefühl der Verletzbarkeit bei den Amerikanern noch erhöht. Religiöser Terrorismus gibt es nicht nur im Islam sondern auch in jüdischen, in christlichen und im Sikh-Glauben.

Juergensmeyer (2000) hat christliche, muslimische, Sikh und buddhistische Aktivisten verglichen die Gewalt ausüben oder vertreten. Er hat in ihren Weltanschauungen und Einstellung gleiche Muster von Metaphorik und Rechtfertigungsmuster gefunden. Besonders alarmierend in diesem Zusammenhang, nämlich religiöser Terrorismus war der Gasanschlag auf in der Tokyer U-Bahn 1995, verübt von der Aum Shinrikyo-Sekte. Er bestätigte die Annahmen eines katastrophalen Terrorismus, der die Apokalypse bringen sollte. Außerdem kamen religiöse Sekten ins Spiel im Gegensatz zu Bewegungen die Nationalismus und Religion verknüpften.

Robert Jay Lifton (1991) schloss daraus, dass die Verbindung zwischen religiösen Sekten und der Gebrauch von Massenvernichtungsmittel ein Vorbote einer zukünftigen Eskalation eines Terrorismus sei, der unvorhersehbare und wirklich furchteinflössende Tendenzen annehmen würde.

In der Kombination von Fanatismus mit der ultimativen Waffe Gas war eine Grenze überschritten worden. Seit 1995 gibt es viele Studien über WMD (weapons of massdestruction).

In diesem Zusammenhang kritisiert die Autorin, dass sich die meisten Studien darauf konzentrieren herauszufinden welche Gelegenheiten geboten werden und die Fähigkeiten dazu notwendig sind, anstatt sich mit den Motivationen auseinander zu setzen. Die Motivationen sind schwer rauszufinden weil es keine konkreten Informationen gibt. In Regierungskreisen gilt die Erwartung neuer Anschläge als schon fast sicher. Sie stellt sich die Frage:

Welche psychologischen Anzeichen gibt es, um die Vorhersage zu stützen, dass religiöse Terroristen versuchen werden Zerstörungen im katastrophalen Ausmaß zu verursachen und zwar mittels biologischen, chemischen, radiologischer oder nuklearer Waffen?

Bisher gibt es dazu nur eine psychologischen Analyse, nämlich von

Lifton, dessen Ergebnisse auf Interviews mit rangmäßig niedrigstehenden Mitgliedern von Aum Shinrikyo-Sekte. Obwohl Liftons Zugang grundsätzlich psychoanalytisch war, hat er das Engagement der Gruppe auf deren soziale Beziehungen innerhalb der Sekte und auf die charismatische Autorität des Führers zurückgeführt. Wer einmal in der Gruppe war musste dem Führer, Shoko Asahara, bedingungslos und absolut gehorchen. Und wenn der Gehorsam nicht freiwillig war, wurde er erzwungen. Dabei ist wichtig, dass die Mitglieder von Aum keine politischen Aktivisten waren, sondern sich einer spirituellen Gruppe anschließen wollten, sie suchten Spiritualität (New age) Dementsprechend eklektisch und inkohärent war das Glaubenssystem innerhalb der Gruppe. Lifton verglich diese Sekte mit anderen und fand heraus, dass sie alle bereit waren zu einem „revolutionary suicide“. Er bemerkte, dass obwohl das Verhalten der Gruppe als gesamtes das merkwürdigste und bizzarste Verhalten an den tag legten, die er jäh studiert hatte waren sie im Alltagsleben völlig unauffällig. Einige lebten völlig unauffällig in Familien. Die Betonung eines neues Terrorismus beinhaltet also mehrere Themen:

Ist der Aum-Kult typisch für ein Genre des Terrorismus von dem man allgemeine Schlüsse bzgl. der Motivation ableiten kann?

Ist er wirklich repräsentativ für einen neuen Terrorismus?

Oder ist er einfach ungewöhnlich in Bezug auf Ressourcen, Führung , historischen und sozialen Hintergrund?

Jedenfalls erfüllt der Aum-Kult nicht das Kriterium einer dezentralisierten Bewegung, die ein Merkmal eines neuen Terrorismus sein soll und die Sekte war eine legale Organisation und nicht im illegalen Untergrund.

Das heißt, dass es innerhalb der Kategorie „neuer Terrorismus“ verschiedene Organisationsstrukturen gibt. Die Frage ist, welche Auswirkungen habe diese auf das Verhalten der Mitglieder?

Sprinzak meinte, dass in schlecht organisierten radikalen Subgruppen Persönlichkeitseigenschaften besonders die des Führers wichtiger sind als soziopolitische Faktoren. Aber wie kann ein charismatischer Führer Macht ausüben, wenn die Gruppe zerstreut ist und es keinen persönlichen Kontakt zwischen Führern und Mitgliedern gibt?

Charismatische Führung wie eben in Aum ist wahrscheinlich typischer für geschlossene Gruppen. Geschlossene Gruppen die miteinander konkurrieren und deren Gruppen eine starke Gruppesolidarität und Druck innerhalb der Gruppe erleben fühlen eine starke Loyalität untereinander und verschmelzen ihre Identität mit der der Gruppenidentität. Sie haben eine verzerrte Wahrnehmung der Außenwelt.

Obwohl manche Mitglieder militärischer Truppen in Trainingscamps in Afghanistan Kontakt haben sind die meisten eher durch gemeinsame Erinnerungen z.B. dem Kampf gegen die Sowjetunion und gemeinsame Überzeugungen verbunden, als durch Kontakte untereinander. Man weiß wenig über die Psychologie von militärischen Mitgliedern die unabhängig von einer Gruppe agieren und die eher von ideologischer Inspiration geleitet werden als durch Befehle. Außerdem sind Gruppen die man aufgrund ihrer religiösen Überzeugungen in eine Kategorie einteilen möchte oft unterschiedlich in der Gesellschaft verwurzelt. Manche sind gesellschaftlich isoliert, manche aber sind Teil einer gesellschaftlichen Bewegung, die vom Volk unterstützt wird.

Wenn man die Unterschiede in organisatorischer Struktur und sozialem Kontext betrachtet, muss man die Annahme, dass Nachahmung unvermeidbar sei, hinterfragen. Die Mechanismen der Verbreitung von Methoden der Gewaltanwendung sind noch nicht ganz klar. Der Anschlag in Tokio 1995 scheint keinen Präzedenzfall geschaffen zu haben. Verwendet man  massenvernichtende Waffen nur, wenn man Massen von Menschen treffen möchte oder haben sie einen einzigartigen Reiz? Wie werden Normen und Tabus gebrochen, die eine Anwendung solcher Waffen verhindern? Würde der Einsatz von „WMD“ eine größere moralische Distanz erfordern als der Einsatz konventioneller Waffen? Haben Bombenanschläge einen größeren psychologischen Wert/ Effekt als biologische oder chemische „Vergiftungen“?

Und ist selbstmörderische Gewalt und die Bereitschaft, Massen zu vernichten immer mit religiösen Zielen verbunden?

Da es keine empirische Daten gibt, die einen „neuen“ Terrorismus und die hohe Wahrscheinlichkeit, dass dabei „WMD“ eingesetzt werden,  beweisen, kommen weitere Fragen auf:

Sowohl die Studien zu Terrorismus als auch die zum Anti-Terrorismus waren ereignisgebunden. Warum ist die Annahme eines „neuen“, gefährlichen und unkontrollierbaren Terrorismus so zwingend geworden? Ist es aus Schock über die Serie von Anschlägen, die zwar zeitlich nah beieinander lagen, aber nicht unbedingt von denselben Faktoren verursacht wurden? Oder geht die Wahrnehmung einer Bedrohung von der öffentlichen Meinung aus, von den Nachrichtenmedien oder den Regierungseliten oder von Gruppen von Wissenschaftern?

Stern (99) meinte, dass die Leute vor einem Vergiftungstod Angst hätten und sich besonders vor möglichen chemischen oder biologischen Anschlägen fürchten.

Johnson (94) behauptete, dass die Überbewertung von Bedrohung dann eintrete, wenn die Menschen einen Verlust von Ordnung und Kontrolle wahrnehmen würden, weil sie ein Bedürfnis nach Sicherheit und Vorhersehbarkeit haben. Das Gefühl einer realen oder unmittelbaren Bedrohung ist vielleicht übertrieben, besonders weil es darüber wenige Informationen gibt. Das Potential der vernichtenden Wirkung von chemischem oder biologischem Terrorismus (und darum geht es im wissenschaftlichen Diskurs) erzeugt vielleicht eine Überbewertung von dessen Wahrscheinlichkeit.

Außerdem gibt es kaum psychologische Studien über die öffentliche Reaktion auf „konventionellen“ Terrorismus.

 

Neue Forschungsmöglichkeiten

 

Die Terrorismusforschung muss über Untersuchungen zu aktuellen Ereignissen und über Zukunftsspekulationen hinausgehen und eine systematische Analyse über die historische Entwicklung des Phänomens  erstellen. Die Forscher haben jetzt eine Fülle von Beweisen und Anhaltspunkten, von denen man  allgemeingültige Fakten ableiten kann. Die Psychologie könnte bei der Beantwortung von vielen Fragen helfen, die bisher jedoch kaum direkt angesprochen wurden.

 

Erstens weiß man wenig darüber, unter welchen Umständen Terroristen ihre Strategien aufgeben würden. PsychologInnen haben sich damit beschäftigt, welche Motive zu terroristischem Handeln führen können, nicht aber mit den Motiven, Terrorismus nicht anzuwenden oder aufzugeben/auf terrorist. Mittel zu verzichten. Viele längerfristig angelegte terroristische Feldzüge wurden aber durch eine bewusste Entscheidung seitens der  Terroristen selbst beendet.(z.B. v.d. Provisional Irish Republican Army oder der Popular Front for the Liberation of Palestine (PLO), im Kontext eines großangelegten Friedensprozesses). Es wird als Faktum gesehen, dass Terroristen nicht in einem sachlichen oder materiellen Sinn „gewinnen.

Die Analyse aber sollte sich damit beschäftigen:

wie Terroristen selbst ihre Ziele und die Wirksamkeit ihrer Strategien wahrnehmen. Die Forschung sollte versuchen, die psychologischen Anreize, die dazu führen auf Gewalt zu verzichten, zu identifizieren.

Z.B.: Sind Gruppen, die ihre Gewaltausübung aufgeben, der Meinung, dass der Terrorismus versagt hat (indem er etwa die Unterstützung eine Volkes verloren hat oder durch Demoralisierung innerhalb der Gruppe) oder haben sie neue Möglichkeiten gefunden, ihre Forderungen oder Ziele zu erfüllen?

Welchen psychologischen Preis muss man als Terrorist(in) zahlen? Warum akzeptieren Einzelpersonen gemilderte Gefängnisverurteilungen (Strafausmaße) oder Begnadigungen? Hängt die Entscheidung, sich von Terrorismus zu distanzieren, von Einzelpersonen oder von der Gruppe (Grippe?) ab?

Gibt es dabei eine Reaktivierung einer moralischen Eigenbewertung, eine Umkehrung der Prozesse, die zu einer moralischen Distanzierung  /   einer Abkehr von moralischen Werten geführt haben? (wie von Bandura 1990 festgestellt.)

Regierungen glauben oft, dass Terrorismus durch energische und vergeltende Rückschläge besiegt werden kann, aber in machen Fällen scheint eine Politik der Abschreckung die Überzeugungen von Terroristen noch zu verstärken.

Wie nehmen Terroristen Regierungsmaßnahmen wahr?

 

Ein zweites gebiet für ergiebige Forschung  betrifft die Entwicklung von Strategien des Terrorismus. Vor allem die Frage:

Was bewirken neue terroristischen Verhaltensweisen wie z.B. Geiselnahmen oder der Rückgriff auf Massenvernichtungsmittel?

Die psychologische Theorie meint, dass Neuerungen kein Sprung ins Ungewisse sind, sondern sie entstehen aus neuen Methoden schon bekannte Ideen zu verknüpfen oder durch neue Wege gängige Methoden zu rekonstruieren. Neuerungen sind ein Resultat eines graduellen Lernprozesses, nicht ein plötzlicher Geistesblitz.

Man braucht eine Neudefinition und ein Neukonzeptionalisierung eines alten  Problems, angereichert mit heutigem Wissen und Erfahrung.

 

Ein anderes Forschungsgebiet, das bisher vernachlässigt wurde, ist die Untersuchung von Entscheidungsfindung im Kampf gegen den Terrorismus. Hermann&Hermann haben den Zusammenhang zwischen Geiselnahmen und Stress bei der Entscheidungsfindung der obersten Behörden untersucht. Sie kamen drauf, dass die Frage nach der Psychologie der Regierungsentscheidung besonders dann dringlich wird, wenn militärischer Einsatz in Frage kommt. Die Forschung sollte vor allem Ungleichmäßigkeiten (Widersprüche) in der Antiterrorismuspolitik und auch Ungleichmäßigkeiten in der Reaktion auf Terrorismus katastrophalen  Ausmaßes untersuchen.

Fragen darüber, wie Terrorismus endet und die Richtlinien der Politik bestimmenden Prozesse sind beide verbunden mit der Frage nach der Effektivität von der Antiterrorismus-Politik. In einer psychologischen Analyse von politischer Wirksamkeit sagt Ginges 97´dass eine Strategie von Verleugnung und Bestrafung terroristische Motivationen meistens stark vereinfacht und außerdem ihre Absichten nur noch verhärtet, wogegen eine reintegrative Strategie die Gefühle von Zurückweisung und Entfremdung mit ein bezieht.’

Was wir brauchen ist eine Untersuchung von den Auswirkungen verschiedener politischer Maßnahmen auf eine große Anzahl von Gruppen mit unterschiedlichen Motivationen, Organisationsstrukturen und sozialen Beziehungen.

Ein weiteres Forschungsfeld ist die öffentliche Reaktion auf Terrorismus. Wenn z.B. die USA chemischen oder biologischen Terrorismus erleben würde (das sind die Szenarien die am wahrscheinlichsten betrachtet werden) wie würde die Öffentlichkeit reagieren. Eine weit verbreitete Annahme in der Regierung ist, dass sich eine große Panik ausbreiten würde, die teure präventive Strategien und Bewältigungsstrategien erfordern würde, aber für diese Annahme gibt es keine psychologischen Befunde oder empirische Beweise. Untersuchungen über die psychologischen Auswirkungen von vergangenen Bombenanschlägen mit Massenopfern wären lehrreich. Wäre die Reaktion auf Terrorismus heftiger als die Reaktion auf eine Naturkatastrophe?

 

Schlussfolgerungen

 

Angesichts eines „neuen“ Terrorismus von katastrophalem Ausmaß sollten sich ForscherInnen

nicht von den Grundfragen der Terrorismusforschung ablenken lassen, weil ein Großteil des Terrorismus nach wie vor der vertrauten Art mit ihren pragmatischen Zielen entspricht. Vielmehr kann die Forschung durch Vergleich des alten mit dem neuen herausfinden, was genau neu ist.

Sie sollten auch vorsichtig sein beim Ziehen von Schlüssen über Arten des Terrorismus die nur auf einer kleinen Anzahl von Fällen basieren und sollten auch vorsichtig sein beim Aufstellen allgemeiner Merkmale von TerroristINNen , die ungleiche Motivationen, Organisationen, Ressourcen und Zusammenhänge in eine Topf schmeißen.

Obwohl es nach wie vor viel mehr zu erfahren gibt über die Motivation für Terrorismus, speziell über die Ursprünge der Eskalation.

Die Forschung sollte auch nicht die Frage außer Acht lassen wie Terrorismus aufhört oder wie Regierungen und die Öffentlichkeit auf Terrorismus reagiert.

 

Zum Schluss sei noch erwähnt, dass das Studium psychologischer Motivationen  für Terrorismus als auch für das Beenden von Terrorismus weiterhin auf einem Modell basieren soll, dass das Individuum, die Gruppe  und die Gesellschaft mit ein bezieht. „TerroristInnen“ können nicht isoliert von ihrem sozialen und politischen Kontext gesehen werden.

 

Literatur:

(siehe: The Psychology of Terrorism: An Agenda for the 21st Century) Martha Crenshaw

in: Political Psychology, Vol.21, No.2, 2000)