Voriger Eintrag Jahresübersicht | IndexseiteNächster Eintrag

 

[An Josef David]

[Matliary, 22. oder 23. August 1921]
 


Milý Pepíčku, odpust, odpust, nejdřív to s těma kalhotama a teď zase to. Víš bylo to dost nepříjemné, velká horečka, celé noce kašel a když jsem se ráno do toho psaní na ředitele pustil nebyl jsem ovšem v nejlepší náladě. Tak odpust tedy. Ostatně nebyla Otla doma, že ty si tu věc musel vyřídit? Udělal jsi to ovšem výborně. Pan rada je velmi citlivý pán, je velmi dobře, že si tak vážně s ním jednal, je to ovšem také třeba, neboť já zacházím už s tím ústavem, jako dítě s rodiči by se zacházeti neodvážilo.

O tu dovolenou žádat nebudu, nemělo by to smyslu, buď bude třeba abych se dále léčil totiž buď bude nádeje že bych se mohl ještě dále vyléčit, o tom rozhodnou lékaři, pak by tak malá dovolená ničeho nepomohla a jinak jí nepotřebuji. Přinesu jednoduše lékarské vysvědčení, že jsem teď tak a tak dlouho ležel a to postačí.

Děkují ti Pepíčku mnohokráte za nábídku, že si pro mě přijedeš. Pro mne to ovšem není nijak zapotřebí, ale pro tebe by to ovšem bylo velmi krásné. Teď ty skoro již podzimně chladno-teplé dny a to krásné vandrování, to je snad v jistém ohledu zde lepší než v Alpách; i na nejvyší hory se může lehce bez vůdců. Já bych ovšem mnoho z toho neměl kdybys přišel, ráno bys mi vyprávěl kam půjdes, a večer kde si byl. Proč si v Praze, když máš ještě prázdniny?

Tak tedy v pátek asi příjdu. Na shledanou Pepíčku, pozdravuj pěkně Ottlu a Věru.

Tvůj F


[D e u t s c h e Ü b e r s e t z u n g:


Lieber Pepi, verzeih, verzeih, erst das mit den Hosen und jetzt wieder das. Weißt Du, es war recht unangenehm, hohes Fieber, ganze Nächte Husten, und als ich früh den Brief an den Direktor zu schreiben begann, war ich gewiß nicht in der besten Laune. Also verzeih. War übrigens Ottla nicht zuhause, dass Du diese Sache erledigen mußtest? Du hast es freilich ausgezeichnet gemacht. Der Herr Rat ist ein sehr empfindlicher Herr, es ist sehr gut, dass Du so ernst mit ihm verhandelt hast, das ist allerdings auch notwendig, denn ich gehe ja mit der Anstalt um, wie ein Kind mit seinen Eltern umzugehen sich nicht trauen würde.

Um Urlaub werde ich nicht ansuchen, es hätte keinen Sinn, entweder wird es notwendig sein, dass ich länger in Behandlung bleibe, also entweder besteht eine Hoffnung, dass sich meine Gesundheit bessern kann, das werden die ärzte entscheiden, dann würde ein so kurzer Urlaub gar nicht helfen, sonst aber brauche ich ihn nicht. Ich werde einfach ein ärztliches Zeugnis mitbringen, dass ich jetzt so und so lange gelegen bin, und das wird genügen.

Ich danke Dir, Pepi, vielmals für Dein Angebot, mich abzuholen. Meinetwegen ist das allerdings keineswegs nötig, für Dich aber wäre es freilich sehr schön. Jetzt diese schon fast herbstlich kühl-warmen Tage und das schöne Herumwandern, das ist vielleicht hier in mancher Hinsicht besser als in den Alpen; selbst auf die höchsten Berge kommt man leicht ohne Führer. Ich hätte freilich nicht viel davon, wenn Du kämest, am Morgen würdest Du mir erzählen, wohin Du gehst, und am Abend, wo Du gewesen bist. Warum bist Du in Prag, wenn Du noch Ferien hast? Ich komme also wahrscheinlich am Freitag am. Auf Wiedersehen,

Pepi, grüße schön Ottla und Věra.

Dein F]




Am 14. August 1921 bekam Kafka plötzlich Fieber und mußte das Bett hüten. Da nicht abzusehen war, ob er am 22. des Monats seinen Dienst planmäßig wieder antreten konnte, schrieb er am 16. an seinen Vorgesetzten:


Verehrter Herr Direktor!

Ich schreibe diesen Brief im Bett. Am 19. des Monats wollte ich nach Prag kommen, aber ich fürchte, dass das nicht möglich sein wird. Einige Monate hindurch war ich fast fieberfrei, am Sonntag aber wachte ich mit Fieber auf, das bis über 38 stieg und noch heute andauert. Das wird wahrscheinlich nicht die Folge einer Erkältung sein, sondern einer der Anfälle, die bei Lungenleiden üblich sind und gegen die man sich nicht wehren kann. Der Arzt, der mich untersucht hat und meine Lungen bis auf einen kleinen hartnäckigen Rest in der linken Spitze in gutem Zustand fand, hält dieses akute Fieber für wenig bedeutsam. Trotzdem muß ich natürlich, solange das Fieber andauert, im Bett bleiben. Vielleicht verliert sich das Fieber bis Freitag, dann würde ich mich doch noch auf den Weg begeben, andernfalls müßte ich noch einige Tage bleiben und würde dann das ärztliche Attest bringen.

Das Fieber, durch das ich übrigens auch an einem beträchtlichen Verlust an Körpergewicht leide, ist für mich um so betrüblicher, als es mir unmöglich macht, nach so einem langen Urlaub wenigstens jene kleine Pflicht des rechtzeitigen Dienstantritts zu erfüllen

In Ehrfurcht ergebener                                   

Dr Kafka.                    


(Zitiert nach K. Hermsdorf, Briefe des Versicherungsangestellten Franz Kafka, in: Sinn und Form 9 [1957], S. 645 f.)

Da er diesmal (vgl. dagegen Nr. 95 und 98) aber tschechisch schreiben wollte, war es aus Zeitgründen nicht möglich, den Brief in Prag von David übersetzen zu lassen (vgl. Nr. 90), und er beschloß, selber eine tschechische Fassung herzustellen (vielleicht mithilfe von tschechisch sprechenden Bekannten, vgl. Nr. 91) und sie dem Schwager zur Durchsicht auf orthographische Fehler hin zu schicken. Ottla sollte den korrigierten Brief dann mit ein paar erläuternden Worten Kafkas Dienstvorgesetzten übergeben. Da sie gerade nicht zuhause war, übernahm David diesen Gang.

Stellt man in Rechnung, dass Kafka am 29. August seinen Dienst wieder antrat (vgl. D 76, dort auch der von David revidierte tschechische Text von Kafkas Entschuldigungsschreiben) - er wollte, wie er an David schreibt, am 26. nach Prag zurückkehren und da eine an Max Brod gerichtete und am 23. August abgestempelte Postkarte ähnliche Formulierungen enthält, also wohl gleichzeitig entstand (vgl. Br 339 und die Anmerkungen zu Nr. 84 und 108), muß Kafkas Brief an diesem Tag oder am vorhergehenden Montag geschrieben worden sein.


Pepi: Die zugrunde liegende tschechische Form Pepičku ist eine liebevolle Verkleinerung der Koseform Pepa.


Der Herr Rat: Gemeint ist Kafkas Vorgesetzter Jindřich Valenta, der 1920 Vorstand der Schadensliquidatur wurde (vgl. D 71).


Letzte Änderung: 17.4.2009werner.haas@univie.ac.at