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[Kartenbrief. Stempel: Prag, 16.10.07]

[An:] Herrn Dr. Max Brod Prag Schalengasse 1


Lieber Max

Geschrieben auf der Gasse wie wir uns jetzt immer schreiben werden denn die Stöße der Vorübergehenden beleben die Schrift.

    Vor der Photographie der Paula R. Gestern sah ich sie lebendig enige Male. Sie stand ein Weilchen und gieng ein Weilchen ganz weiß durch die Hybernergasse mit einem jungen Mann der faltenwerfende Hosen trug. Nur um sich an etwas festzuhalten: Die Zähne sind ihr im Mund verwirrt, sie hat nur in der rechten Wange ein Grübchen, ihre Gesichtshaut ist mit Maß verwittert, mit Asche, gar nicht mit Puder bedeckt; offenbar ruht die Haut am Tage aus - Ich komme Donnerstag. Mach mir Freude und arbeie viel

Franz        
 



Quelle: Franz Kafka ; Max Brod: Eine Freundschaft (II). Briefwechsel. Hrsg. von Malcolm Pasley. Frankfurt am Main 1989.


Paula R.: Wahrscheinlich die Artistin Paula Riedl, während dieser Woche eine Hauptattraktion der täglichen Variété-Vorstellungen im "Hötel Stadt Wien".


Letzte Änderung: 17.4.2009werner.haas@univie.ac.at