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| Entwicklung der europäischen Alphabete |
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Die Anfänge |
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Die Geschichte unseres Alphabets beginnt, wenn man so will, mit der Schrift der alten Römer. Diese entlehnten ihre Buchstaben wieder von den alten Griechen, welche auf Vorlagen der Phönizier zurückgriffen. Die Phönizier schrieben nicht wie damals üblich eine Silbenschrift, sondern entwarfen eine Lautschrift. So konnten sie mit einigen wenigen Zeichen ausdrücken wozu die anderen Kulturstaaten der damaligen Welt eine unüberschaubare Menge an Symbolen benötigten. |
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Die Urmutter |
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Nach etwa 700 Jahren (um 100 n.Chr.) hatten die römischen Buchstaben eine vollendete Form erreicht. Als Musterbeispiel dient die Trajansäule in Rom. Die Buchstaben wurden mit einem Flachpinsel vorgeschrieben und danach in Stein gehauen. Die einzelnen Zeichen sind im Durchschnitt 10 cm hoch und bekamen Serifen um ihren Abschluss besser zu verdeutlichen. Diese capitalis romana gilt als Urmutter aller unserer Schriften. Sie ist in ihren Proportionen, die sich nach Quadrat, Kreis und Dreieck richten, unübertroffen und dient bis heute zu recht als großes Vorbild. |
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Quadrata, Rustika und Unziale |
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Trajansäule |
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Für ihre Bücher verwendeten die Römer eine breitgeschnittene Rohrfeder. Es gab eine "langsame" und eine "schnelle" Buchschrift. Die langsame, die Quadrata wurde fast nur parallel zur Schriftlinie geschrieben. Schneller war die Rustika mit einer viel schrägeren Federhaltung. Ihre Verkehrsschrift schrieben die Römer mit einem Griffel in Wachstafeln oder mit einer schmalen Rohrfeder auf Papyrus. |
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Bei In- und Buchschriften waren die Buchstaben gleich hoch, während bei der Älteren römischen Kursive oft Teile über das Zweiliniensystem ragten. Daraus entwickelte sich langsam die Unziale. Diese hat echte Ober- und Unterlängen und viele Gerade werden zu Rundungen. Von der Unziale gibt es viele Abarten mit gerader, wie auch schräger Federhaltung. In der römischen Spätzeit entwickelte sich die Jüngere römische Kursive. Die Ober- und Unterlängen erbrachten erhöhte Leserlichkeit. Besonders ausgeprägt findet man das in der Halbunziale. Ganz besonders schöne Formen dieser letztgenannten Schrift entstanden in England und Irland. |
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Runenzeichen |
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Karl der Große |
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Ein entscheidenter Punkt in der europäischen Schriftgeschichte war der Auftrag Karl des Großen an Bischof Alkuin von York, sich des Bildungswesen seines Reiches anzunehmen (karolingische Schreibreform). Die dadurch entstehende karolingische Minuskel ist die erste echte Kleinbuchstabenschrift (Minuskelschrift). Das "t" hatte zwar noch keine Spitze, das "n" jedoch schon seine charakteristische, heutige Form. Schräg zur Schriftlinie und mit der Feder geschrieben, erlaubte sie ein hohes Schreibtempo. |
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Die Gotik |
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Das Streben nach Gott, brachte in der Gotik nicht nur eine neue Architektur, sondern auch eine neue Schriftform. Neue Formprinzipien entstanden. Unter den Händen der Geistlichkeit wurde die Schrift enger, eckiger und dichter. Bis schließlich eine neue Schrift entstand, die Textur. Im Norden Europas wurden die runden Formen gänzlich gebrochen, während sich in Italien und Spanien die Rotunda oder Rundgotische nicht völlig von der karolingischen Minuskel lösen konnte und Rundungen blieben. |
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Die gebrochenen Schriften werden oft fälschlich als Frakturschrift oder auch deutsche Schrift bezeichnet. Beide Ausdrücke sind nicht treffend! Eine Rundgotische ist keine Fraktur und nur zwei gebrochene Schriften sind deutschen Ursprungs, die Schwabacher und die Fraktur. Rundgotisch, Textur und Schwabacher gehören dem gotischen Stil an - die Fraktur jedoch entsteht in der deutschen Renaissance. |
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Die Renaissance |
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Am Ende des Mittelalters bildet sich wieder ein neuer Schriftstil. Er lehnt sich stark an die karolingische Schift an. Der neue "i" Punkt hilft bei der Unterscheidung. Die italienische Renaissance fand aber bald zu einer selbstständigeren Form, der Antiqua. Diese diente den frühen Druckern als Vorlage zu den ersten Antiquadruckschriften. Eine neue humanistische Idee beflügelte die geistige Elite. Die geschriebene humanistische Minuskel war eine Buchschrift. Die schneller zu schreibende humanistische Kursive war Verkehrsschrift und mündete in die Cancelleresca, die als Modell für die Kursiv, die Schwesterschrift der Antiqua diente. |
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Bis in die Moderne... |
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Durch die Erfindung des Buchdrucks entglitt die Schriftkunst den Händen der Kalligraphen. Es verbleibt ihnen nur noch die Niederschrift von Urkunden oder Verträgen und der Schreibunterricht. Die weitere Entwicklung der Schriften aber liegt in der Obhut der Typographen. Als sich um 1850 die Stahlfeder industriell herstellen lässt und in Schreibstuben und Schulen einzug hält, entwickeln sich neue Schreibschriften. Die Kupferstecher sorgen für die Vorlagen der neuen Schrift, die ganz besonders in England für so manch zersplitterten Rohrstab sorgt. In Deutschland sorgt der Berliner Sütterlin für weniger tränenreiche Kinderaugen. Er entschärft die Haar- und Schattenstriche der mit Spitzfeder geschriebenen Kurrent und Kanzleischriften durch einen runderen Federkopf. Ab 1940 schreiben wir die lateinische Schreibschrift. Der Füllhalter hat das Schreiben zum Kinderspiel gemacht. Kugelschreiber und Filzstift folgen nach. Schließlich hat der Computer mit seinen digitalisierten Fonts das Steuer an sich gerissen und den Druckern ergeht es wie einst den Kalligraphen. |
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