In Wien eingegangene Beobachtungsberichte zur
Sonnenfinsternis von 1842

(1842/1943)

In den Morgenstunden des 7. Juli 1842, also gerade vor 101 Jahren fand eine totale Sonnenfinsternis statt, in deren Totalitätszone Wien lag. Auf der Wiener Universitätssternwarte, die damals am Dache der heutigen Akademie der Wissenschaften war, beobachtete am 6-Zöller Konferenzrat Schumacher.

Wien war damals noch eine befestigte Stadt und hatte außer den historischen Festungsmauern und dem Verteidigungsgraben, das ist das Gebiet der heutigen Ringstraße, auch noch eine vorgelagerte Verteidigungszone, den sogenannten Linienwall – die heutige Gürtellinie, die auch mit Bastionen (Bollwerken) und fertigen, stets bezugsbereiten Geschützstellungen armiert war. Diese Gebiete lagen alle erhöht, um Ausblick und ein gutes Schußfeld zu haben, waren daher durch ihre Lage auch für astronomische Beobachtungen äußerst günstig gelegen.

So finden wir, daß sich am Linienwall bei der Kirche St. Marx zu dieser Sonnenfinsternis auch eine Gruppe von Beobachtern eingefunden hat: Oberst Jüttner mit einem 4-Zöller, Pfarrer Konz mit einem dreizölligen Plössl-Dialyt und Oberleutnant Häusler mit freiem Auge beobachtend.

Der Wiener botanische Garten der Universität lag schon damals an seiner jetzigen Stelle, am Rennweg Nr. 14 (III. Bezirk). Heute ist seine Lage innerhalb der Großstadt leider bereits so verbaut, daß man es als Besucher desselben gar nicht merkt, wie günstig gelegen er für astronomische Beobachtungen war. Hier hatten sich zur Beobachtung der Sonnenfinsternis eingefunden:
Mit einem 4-Zöller Karl Ludwig von Littrow, Direktor der Universitätssternwarte;
mit einem 3 1/4-Zöller F. Graf Coloredo-Wallsee und Prof. Steinheil;
mit einem 3-Zöller Regierungsrat Hallaschka; mit einem dreizölligen Plössl-Dialyt Consistorialrat Keserü.

An weiteren Beobachtungsberichten registrierte die Wiener Universitäts-Sternwarte noch Meldungen von folgenden Beobachtern:

Am Grünberg bei Schönbrunn, Villa Kolowrat stand F. Schaub mit einem vierzölligen Fraunhofer. – In Mödling bei Wien, im Garten vor der neuen Kirche beobachtete Baron Pittel mit einem Zugfernrohr. In Pitten bei Wiener Neustadt war Ph. O. Werdmüller von Elgg. In Holling bei Ödenburg beobachtete mit freiem Auge L. Moser. An der Budapester Universitäts-Sternwarte, die damals in den heute noch am Blocksberg stehenden Resten der ehemaligen Festung eingebaut war, arbeitete am sechszölligen Fraunhofer deren Direktor Mayer.

Der rührige Kometenforscher, der österreichische Hauptmann Wilhelm Biela, der am 28. Februar 1826 in Josefstadt in Böhmen den nach ihm benannten berühmten Kometen entdeckt hatte, war militärischer Platzkommandant von Rovigo a.d. Etsch. Zur Beobachtung der Sonnenfinsternis hatte er sich auf die zunächst befindliche Sternwarte Padua begeben, wo er bei 40-, 60- und 85-maliger Vergrößerung diesem Himmelsereignisse folgte.

Aus: Die Himmelswelt. 53. Jahrgang. Heft 5/6 (1943). S. 43–45.

Der Text steht auch als PDF-Datei <(<1 MB)zur Verfügung.

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