Georg von Peuerbach:
… hat erschinen an dem himel ain geschwantzter Stern …

(1456)

Gnedigster Herr. Ytz ettlich tage hat erschinen an dem himel ain geschwantzter stern / der gnant wirt ein Comet / Von deßselben gangh ursach natur und bedewtunge hab ich gedacht ewrer konighlichen gnad etzwas kurtzlich zu schreyben

Von seynem gange

An sant Erasmo tag [= 3. Juni] nacht umb mitternacht, als ich dann mit meynem astrolabi und der sphere und gewiser lewt sagen, die in von erst gesehen haben und auß gewiser rayttung [= Berechnung] erfunden hab / ist er erschinen von erstlich inn dem zaychen des Stiers, pey dem 6. grade, doch wol herdann inn die prayte gain septentrion zwischen zweyen sternen ainer gnant razd algol, heyßt des tewfels haupt / der ander genant des weybs Andromade pain [= gamma And], und zur selbich zeyt ist er gewasen nicht vere vom planeten Mars, der dieweyl ist im dritten grad desselbiglich zeychen Stiers gestanden. Darnach nechtlich hab ich funden seinen standt hinabwerts gain der Sonnen. […]

Von seinen ursachen

Alle Cometen werden auß zwayen ursachen. Die erste ist der materi darauß der Comet wirt, die ander ist der stern und planeten, die dy materi aufzihen von der erden inn der obersten lufft und die sphere des fewrs. Von erst will ich schreyben von der materi. Die materi darauß der Comet wirt ist nichts anders dann ein fester irdischer tampf und rawch, der aus der erden gezogen wirt durch die hitze der obersten dinge, / der selb tampf ist hays und trucken und fest alß dann wer ein rawch von schmaltz oder von öle. So der wirt aufgezogen inn die höe des luffts, ist sein wenig, so wirt er herwider abgeschlagen durch die kelten [=Kälte], die dae ist inn der mittel des luffts und etwa an dem widerschlaen entzundet er sich und werden darauß prinnende kugel die man heysst fürbug der sterne die herab fallen; etwen [=einige] werden andere prinnende und fligende formen / als man heysst die fliegende tzacken [=Nordlicht?] oder die prinnende alpen [=Alpenglühen], etwann wirt darauß der plitz und der tonner, und anderley des gleichn.

Von des Cometen Grösse

Gewise kunst der zal und der maß anzaygt das von der erden biß an den himmel des Mon[d]s ist bey dreyssigtawsent tewtsch meyl. Auß der selben kunst und auß des Cometen gange, hab ich gewißlich beschlossen, daß dieser Comet mere dann tawsent tewtsch meyl von der erden ist, und sein flamme hat mere dann 80 tewtsch meyle inn der lenge / aber inn der dicke hat er mere dann vier teutsch meyl, ist nue die flamme alß groß, wie groß mage dann seyn die sewl und die materi an ir selbs. Awß dieser grösß wirt genommen, / da seine bedewtunge auch groß wirt […]

Aus: Kodex 4756 der Österreichischen Nationalbibliothek. Transkribiert und kommentiert von Konradin Ferrari d'Occhieppo in: Weitere Dokumente zu Peuerbachs Gutachten über den Kometen von 1456. Sitzungsberichte der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Mathem.-naturw. Klasse, Abt. II, Bd. 169, S. 163f.

Der Text steht auch als PDF-Datei (<1 MB) zur Verfügung.

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