Quelle:
"Vorarlberger Tageszeitung" vom 16. Mai 2004
ZITAT ANFANG
Weißt du wie viel Sternlein stehen? Nur noch rund 450 über Vorarlberg
Durch die zunehmende Lichtverschmutzung auch im Ländle wird der prachtvolle
Sternenhimmel immer unsichtbarer. Nicht nur Astronomen schlagen jetzt Alarm
gegen die unterschätzte Umweltsünde.
von Peter Barta
Weißt du wie viel Sternlein stehen? fragte Fabeldichter Wilhelm Hey (1789-1854)
in dem bekannten Volkslied. Klar, damals war das glitzernde Band der Milchstraße noch
allgegenwärtig. Gott der Herr hat sie gezählet, reimte Hey weiter. Aber auch der
die österreichischen Astronomen in einem Projekt. Durchschnittlich 450 Sterne, lautet
heute die Antwort. Somit werden am österreichischen Nachthimmel 80 bin 90 Prozent (!)
aller mit freiem Auge sichtbaren Sterne - und damit ein Naturjuwel ersten Ranges - optisch
verschluckt. Vom Lichterschein der Straßenlaternen, Leuchtreklamen und Diskobeamern.
"Alle menschlichen Kulturen beobachteten den Nachthimmel und erfanden Geschichten
über Sterne und Sternbilder", so der Vorarlberger Astrophysiker Robert Seeberger. "Mittlerweile
wachsen jedoch ganze Generationen in Ballungszentren auf, ohne den von Sternen übersäten
Nachthimmel mit dem beeindruckenden Band der Milchstraße mit eigenen Augen gesehen zu haben."
Forschungsobjekte
Natürlich haben Astronomen ein vitales Interesse an einem dunklen Nachthimmel. Ihre
Forschungsobjekte sind Sterne und Galaxien, die um das 10- bis 20-Millionenfache schwächer
leuchten als die gerade noch mit freiem Auge sichtbaren. Seeberger: "Das Licht der Sterne
ist einige wenige bis einige tausend Jahre, jenes der Galaxien Millionen bis Milliarden
von Jahren ungestört durch die Weiten des Universums unterwegs. In den letzten Millisekunden
der langen Reise zerstören wir wichtige Informationen über ferne Welten durch unsere
hausgemachte Lichtverschmutzung."
Flora und Fauna
Aber nicht nur Astronomen sind die künstlichen Lichtquellen ein Dorn im Auge: Auch
Biologen schlagen Alarm. Das unterschätzte Umweltproblem Lichtverschmutzung beeinflußt
nachträglich Flora und Fauna [...]
Ökonomisch
Dem Problem kann jedoch entgegengesteuert werden, noch dazu mit Kostenersparnis: Das
Umrüsten der Straßenbeleuchtung auf gelbe Natriumdampf-Lampen. Vor kurzem wurden die Bürgermeister
aller 96 Vorarlberger Gemeinden in einem gemeinsamen Schreiben der Umweltschutzabteilung des
Landes, des Energie-Instituts und der Vorarlberger Amateur-Astronomen über die Vorteile
energie-effizienter gelber Straßenbeleuchtung informiert (Näheres in der Broschüre
"Die Helle Not"). Das Erstaunliche:
Umrüsten auf solche Lampen amortisiert sich innerhalb von acht Jahren!
Weitere Vorteile:
- 33 bis 41 Prozent Energie- und Kosteneinsparung,
- 20 Prozent längere Lebensdauer und weniger Wartungsaufwand,
- Faktor 100 weniger UV-Lichtanteil und damit um 85 Prozent geringere Lockwirkung für Insekten
wie vom Aussterben bedrohte Nachtfalter,
- kaum giftiges Schwermetall (Quecksilber) im Leuchtmittel und damit Beitrag zum Umweltschutz,
- wesentlich geringere Streuverluste und damit ein Beitrag gegen Lichtverschmutzung und
- geringere Reinigungskosten
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