Kirchenbaukunst der Gotik in OberösterreichTradition und Reform in der KlosterbaukunstViele der spätmittelalterlichen Klosterkirchen Oberösterreichs wurden im Barock überbaut oder neu errichtet, wodurch sich die Kenntnisse über die gotischen Klosterkirchen nur auf eine schmale Basis stützen können. Eine gewisse Bedeutung bei der Verbreitung neuer Kirchentypen hatten die Bettelorden, welche durch ihre klaren architektonischen Formen auch auf die Landkirchenarchitektur einwirkten. Die Zisterzienserbaukunst hingegen, welche vor allem im benachbarten Niederösterreich eine wesentliche Rolle für die Entwicklung der früheren gotischen Klosterarchitektur spielte, verhielt sich in Oberösterreich verhältnismäßig konservativ und verblieb im Rahmen der Ordensbaukunst. Starken Einfluß hatte die vom niederösterreichischen Benediktinerstift Melk 1418 ausgehende Reformbewegung, der sich in Oberösterreich die Klöster Mondsee und Lambach anschlossen. Baumgartenberg, ehemalige Zisterzienserstiftskirche, jetzt Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt
Die Kirche des noch zu Lebzeiten des hl. Bernhard von Clairvaux durch den Ministerialen Otto von Machland und seine Gattin Jeuta im Jahre 1141 gestifteten Zisterzienserklosters ist eine siebenjochige, dreischiffige romanische Basilika (1141 - 1243), welche durch die Verwendung durchlaufender Travéen bereits frühgotische Tendenzen anzeigt. Dem Langhaus wurde 1301 - 1306 eine westliche Vorhalle angebaut. 1436 - 1446 ersetzte man den Bernhardinischen Chor des Erstbaus durch einen bemerkenswerten Umgangschor, der in direkter Anlehnung an den 1343 begonnen hochgotischen Chor des Zisterzienserstiftes Zwettl entstand. Die letzte Bauphase im Barock bis 1697 bestimmt im Wesentlichen das heutige Erscheinungsbild, sodaß der mittelalterliche Bestand nur in den Grundformen erfaßbar ist. Der Bau der Zisterzienserkirche von Baumgartenberg steht in seinen mittelalterlichen Teilen streng in der Tradition der Ordensbaukunst und greift im Sinne eines Konservatismus auf das über neunzig Jahre ältere Vorbild des Zwettler Hallenchores zurück. Das Vorbild wird jedoch insofern abgewandelt, als man auf einen Kapellenkranz verzichtet. Mondsee, ehemalige Stifts-, heute Pfarrkirche, hl. Michael
Der Neubau der mittelalterlichen Stiftskirche entstand ab 1470. 1477 erfolgte die Weihe der Marienkapelle, 1487 die Weihe des Hauptaltars, dem weitere Altarweihen 1497 folgten. Für die Zeit ab 1493 ist als Baumeister der vermutlich aus Burghausen stammende Hanns Lenngdörfer überliefert. Erst 1518 werden die Gewölbe des Langhauses geschlossen.
Die Kirche ist als dreischiffige, strebepfeilerlose Basilika angelegt, an die ein langer, auffallend hoch angelegter Polygonchor anschließt. Die nördlich angebaute Annenkapelle, heute Sakristei, erscheint mit der darüberliegenden ehemaligen Bibliothek am Außenbau als ein mit dem Sanktuarium gleichwertiger Baukörper und entspricht somit dem reformbedingten Baukonzept. Zu diesem gehört auch die Ausstattung des Sakristeiportals mit einem Figurenprogramm, welches den Zugang zum Klosterbereich in auffälliger Weise betont. Stilistische Merkmale, wie die Verwendung der Wechselberger-Figuration für die Kirchenwölbung oder die Springrippengewölbe im Kreuzgang, weisen auf engere Beziehungen zum Hüttenkreis um Braunau und Stephan Krumenauer hin. Startseite Inhalt: Kirchenbaukunst der Gotik in Oberösterreich © Dr. Rudolf Koch, Wien 2002, 2005 |