Linz, St. Martin. Die Urkunde von 799

 

 Codex antiqissimus fol. 18 Hochstift Passausches Archiv Hs 1,  Hauptstaatsarchiv München
Codex antiqissimus fol. 18 Hochstift Passausches Archiv Hs 1, Hauptstaatsarchiv München  

Latores leges sancxerunt, ut qui de substantiis vel rebus ecclesiasticis alicui alicuid conaverit commodare, hoc coram pluris testibus per scripturarum seriem firmiter roboretur, ut in evum inconvulsum quiverit perseverare et non etiam umquam abstrahenda sint a iure ecclesiastico. Dum et omnibus non habetur incognitum, qualiter ego Keroldus comes postulando petii et obnixa prece deprecatus sum Unaldricum episcopum quendam capellam ipsius ex cessione regis ut nobis eam in beneficium concedere deberet usum fructuarium excolere. Quod ita et ipse propter amorem et magnam dilectionem nostram taliter visus est celsitudinem nostram honorare vel studium honoris impendere et ipsum prestitum dixit nobis esse concessum, hoc est in pago Trungouue in loco, cui vocabulum est Linze, super magnum flumen Danubium id est ecclesia, que constructa (est) in honore sancti ac beatissimi Martini episcopi atque confessoris Christi, cum omni pertinentia vel soliditate suacuicquid ad ipsa ecclesiam vel ad ipsum castrum aspicere vel pertinere videtur, quam quondam Rodlandus capellanus domi nostri regis in beneficium tenere visus fuit et postea domus rex ipsi pontifici per suam clementiar ipsam capellam vel res ipsius sub omni custodia vigilanti cura et pastorali gubernatione tradidit regendam. Nunc veto nobis in quantum sua fiat dominatio usque ad obitum vite nostre vel usque quo nostra decreverit voluntas libero arbitrio statuit ipsas res nobis fruere dominare atque possidere. Propterea visi sumus censire exinde ei amnis singulis de argento solidos XX, ut ipsos ad nativitatem sancti Johannis baptiste, quod est VIII. Kal. Jul., exsolvere non tardamus. Et statim complacuit nobis, ut in aliqua miseratione res ipsas eminorare non debemus et post obitum nostrum ad ipsum locum integriter deservire valeant secundum pristinam institutionem. Actum ad Treisma, quando illia sacra synodus ibi anno resedit, die XX. mensis Junii indictione VII in anno XXXII regni Caroli regis.

Die Gesetzgeber haben festgesetzt, daß, wenn jemand von kirchlichem Vermögen oder kirchlichen Dingen irgendjemand etwas zu leihen unternommen haben würde, dies in Gegenwart mehrerer Zeugen durch Ordnung in Schrift festiglich bekräftige werde damit es unverändert zu beharren vermag und nicht auch jemals vom kirchlichen Recht abgezogen werde. Es wird als allen nicht unbekannt gehalten, daß ich Graf Kerold bittweise begehre und mit inständiger Bitte von Bischof Waldricus erbeten habe, eine bestimmte Kapelle desselben aus Bewilligung des Königs, daß er sie uns als Beneficium überlassen dürfe, um den Ertrag zu verbessern. Weil er so auch selbst wegen (seiner) Liebe und unserer großen Wertschätzung derart erscheint, daß er unsere Herrlichkeit ehrt sowie Eifer für die Ehrung aufwendet, hat er ausgesprochen, daß dieses Begehren uns gewährt sei, das ist im Traungau in dem Ort, dessen Name Linz ist, über dem großen Fluß Donau nämlich die Kirche, die zu Ehren des heiligen und seeligsten Bischofs und Bekenners Christi Martinus erbaut ist, mit allem Zubehör und Besitz, was immer zu dieser Kirche und zu dieser Burg hinzusehen oder zu gehören scheint, die vordem der Kapellan unseres Herrn Rodland als Beneficium gehabt hat und hernach der Herr König dem Bischof durch seine Mildigkeit übergeben hat, damit er diese Kapelle unter seinem vollen Schutz mit wachsamer Sorge und bischöflicher Leitung regiere. Nun hat er uns festgesetzt, soweit seine Herrschaft reicht, bis zum Hingang unseres Lebens oder solange, als es unser Wille in freiem Entscheid beschließt, diese Dinge für uns zu nutzen, zu beherrschen und zu besitzen. Dafür müssen wir ihm davon Zinsen in jedem Jahr 20 Schilling in Silber, so daß wir nicht säumen, sie zum Geburtstag des hl. Johannes des Täufers, das ist am 24. Juni, zu zahlen. Und zugleich hat uns gefallen, daß wir in einem Unglück diese Sachen nicht vermindern dürfen und daß sie nach unserem Tod ungeschmälert demselben Ort dienen sollen entsprechend der früheren Einrichtung. Geschehen zu Treisma, in dem Jahr, als hier eine heilige Synode abgehalten wurde, am 20. Tag des Monats Juni, Römerzinszahl 7, im 32. Jahre des König Karls.  

Übersetzung und Transkription nach Erich Trinks, Die Urkunde von 799, in: Franz Juraschek, Wilhelm Jenny, Die Martinskirche von Linz, ein vorkarolingischer Bau in seiner Umgestaltung zur Nischenkirche, Linz 1949, 83 f.

Ergänzung zu: R. Koch, Schwerpunkte der Kirchenarchäologie in Oberösterreich, in: Studien zur Kunst- und Kulturgeschichte, Festgabe für Benno Ulm (OÖ. Heimatblätter 40, 1986, Heft 3/4), S. 191 - 207. (siehe Onlineversion!) bzw.  R. Koch, Linz, Pfarrkirche hl. Martin, in: H. Fillitz (ed.), Geschichte der Bildenden Kunst I: Früh- und Hochmittelalter, München-New York 1998, S. 223 - 225 (mit Literaturangaben). (siehe Onlineversion!)


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© Dr. Rudolf Koch, Wien 2005 
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