Vitruv und die Orientierung mit dem indischen Kreis
Vitruv 1. Buch, Kap. 6: Die Ausrichtung der Straßenzüge mit ücksicht auf die Winde, 6 - 7
Übersetzung nach C. Fensterbusch
Prinzip des indischen Kreises
6. Man lege in der Mitte der Stadt eine marmorne glatte Scheibe waagerecht
hin oder mache nach Richtscheit und Wasserwaage eine Stelle so glatt, daß
eine glatte Scheibe nicht erforderlich ist, und im Mittelpunkt dieser Stelle
stelle man einen bronzenen Stab (Gnomon) als Aufspürer des Schattens (griechisch
heißt diese Vorrichtung Skiotheres) senkrecht auf. Ungerahr um die fünfte
Vormittagsstunde ist der äußerste Punkt des Schattens dieses Stabes
festzustellen und mit einem Punkt zu markieren. Dann muß man, nachdem
der Zirkel (vom Mittelpunkt der Scheibe) bis zu dem Punkt, der die Schattenlänge
des Stabes
markiert, auseinandergezogen ist, (mit dieser Entfernung als Radius) um den
Mittelpunkt einen Kreis schlagen. Ebenso muß der nachmittäglich wachsende
Schatten dieses Gnomon beobachtet werden und, wenn er die Kreislinie berührt
und einen nachmittäglichen Schatten wirft, der gleich lang ist wie der
vormittägliche, muß (das Schattenende) mit einem Punkt markiert werden.
7. Von diesen beiden Punkten muß mit dem Zirkel ein kreuzweiser Durchschnitt
beschrieben und durch den Durchschnitt der Kreisbögen und
den Kreismittelpunkt eine Linie gezogen werden bis zum äußersten,
damit man die Mittagslinie (Südrichtung) und die Nordrichtung bekommt.
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© Dr. Rudolf Koch, Wien 2005
(Publikationen)