Arbeitsbericht Stillfried 1980: Untersuchungen im Bereich der Georgskirche

Aus: Forschungen in Stillfried 4, 1981.

 

Kirche: An der Nordostecke des Turmes wurden zwei Suchschnitte parallel zum Turmsockel und zur Westfront des Langhauses angelegt. In der Nordostecke der heutigen Sakristei (ehemals Kapelle) wurde eine Fläche von etwa 2 x 2 m bis in eine Tiefe von 2,50 m ergraben.

Kirche: Zur Klärung der Baugeschichte der Georgskirche von Stillfried wurden in der NO-Ecke des Turmes zwei Schnitte parallel zum Turmsockel bzw. zur Westfront des Langhauses angelegt und ein Quadrant in der NO-Ecke der Sakristei ergraben.

Die Außengrabung am Turm zeigte unter dem rezenten Humus eine nachmittelalterliche Aufschüttung aus Friedhofserde von 1 m Mächtigkeit und in dieser eine ca. 50 cm starke, dichte Schicht von Knochenbreccie. Diese Niveauanhebung dürfte gleichzeitig mit der Abmauerung des ehemaligen Nordabstieges in das Turmuntergeschoß zu einem Fenster erfolgt sein. Das sorgfältig bearbeitete Quadermauerwerk des Turmes hat einen ca. 50 cm hohen Sockel und weist bis zum ehemaligen Begehungshorizont eine verschieden gemusterte Oberflächenbehandlung auf. Eine deutliche Baufuge trennt den Turmsockel von der Westwand des Langhauses.

Unterhalb des ehemaligen Begehungshorizonts wurden zwei W-O orientierte, gestörte Grabschächte entlang des Turmfundaments sichtbar, welche in 1,80 m den gewachsenen Löß durchstießen. Der südliche Grabschacht wurde vom Turm geschnitten. so daß eine Datierung vor dem 14. Jh. möglich ist. Terminus ante quem ist die nachträgliche Einwölbung des Turmuntergeschosses mit einem frühgotischen Bandrippengewölbe Ende 13./Anfang 14. Jh.

Im N-S-Schnitt war der Boden bis zum gewachsenen Löß in 1,90 m Tiefe durch eine ältere Blitzschutzanlage gestört. In der NW-Ecke konnte in 1 m Tiefe eine Bestattung in W-O-Orientierung und Rückenlage festgestellt werden. Sie folgt darin nicht der radialen Anlage des jetzigen Friedhofs.

Die Innengrabung in der Sakristei ergab unter dem heutigen Ziegelboden und einer 40 cm starken Schuttschicht einen Ziegelboden auf gotischem Niveau, der teilweise bei der Errichtung des jetzigen Bodens wiederverwendet wurde. Unter dem gotischen Niveau verlief entlang der Chormauer ein schuttverfüllter Graben mit Keramik aus dem 14. Jh. In der NO-Ecke der Sakristei befand sich eine mächtige Stützmauer in Schalenbauweise, die unter der Ostwand der Sakristei einband und bis in eine Tiefe von 2,50 m reichte. Graben und Mauer können als Reparaturphase der Chorsüdmauer gedeutet werden, die mit ihrem Fundament teilweise hohl liegt und eine Bruchfuge aufweist. Eine Schichtmauer in N-S-Richtung bildet das Fundament für die Sakristeidienste. Es ergibt sich daraus die vorläufige Chronologie von frühgotischem Chor Ende 13. / Anfang 14. Jh., Reparaturphase 14. Jh., Errichtung der NS-Mauer und Bau der Sakristei Ende 14. Jh.

Innerhalb der Sakristei wurden mehrere gestörte Bestattungen des ehemaligen Friedhofs festgestellt. In 1,50 m und in 2,50 m Tiefe befanden sich zwei Bestattungen in Rückenlage und W-O-Orientierung, welche nur im Bereich der Unterschenkel aufgeschlossen wurden. Die tieferliegende Bestattung zeigte noch die Sargverfärbung und lag mit dem Oberkörper unter dem schuttverfüllten Graben des 14. Jh.


(R. KOCH).