Josef Plecnik,
Der Zentralfriedhof Zale in Ljubljana - Laibach, Slowenien
(1938 - 1940)

 


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Die Propyläen, dahinter das zentrale Oratorium

 

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Die zweigeschossige Anlage ist wie eine Scheinbühne aufgebaut, da die Zwischendecke zum Obergeschoß fehlt.

 

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Dem tempelartig gestalteten zentralen Oratorium ist ein
großzügig angelegter Baldachin über vier Stützen vorgelagert.
Darunter befindet sich der Katafalk für die Aufbahrung.

Eigenartig mutet die Konzeption der Giebelfassade an, welche
zwar als klassisches Zitat aufzufassen ist, jedoch als offener Giebel
mit einer ionischen Säule gestaltet ist, welche in der Achse des
Zugangs liegt und so als Mittelsäule den Eingang "sperrt".

 

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Details des Katafalkes unter dem Baldachin und der Wandgestaltung über dem Eingangsportal. Über dem an
manieristischen Formen angelehnten Dreiecksgiebel öffnet sich eine dreiachsige, dreigeschossige Fensterfront
mit Biforenfenstern. Anstelle der Teilungssäulchen der jeweiligen Bifore sind jedoch vasenartige Balluster
angebracht. Diese ungewöhnliche Form eines Säulchens kommt bei Plecnik mehrfach vor und verbindet hier
einerseits das Motiv der Urne mit Gegenständen des Totenrituals, andererseits handelt es sich um ein für Plecnik
typisches Ziermotiv aus seinem wiederkehrenden Repertoir von Vasen, Krügen und ähnlichen Behältnissen, die
als stützendes oder tragendes Bauglied umgedeutet werden.

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Entsprechend den unterschiedlichen religiösen Gruppen wurden mehrere Varianten von Aufbahrungsräumen
gestaltet. Die folgenden Beispiele zeigen die Variationsbreite im Typus der Architektur. Wieder verwendet
Plecnik Architekturzitate älterer Stilepochen, wandelt sie jedoch in origineller Weise um: so wird etwa aus
dem Motiv der mittelalterlichen Rad- und Rosettenfenster eine formal einfache und klare geometrische Form.
Beachtenswert ist auch der ausgeprägte Wechsel im Material. Sichtziegelmauerwerk wechselt mit neutral
gehaltenen weißen Verputzflächen ab; daneben werden durch graue und dunkle Steinmetzarbeiten (Gesimse
und die Sockelarchitektur für die Aufbahrung) Material und Farbakzente gesetzt.

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Christus mit Maria und Johannes Evangelista, darüber die segnende Hand Gottes.
Symbole des Todes, der Erlösung und Auferstehung.

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Oktogonale Kapelle für St. Peter. Auflösung der oberen Wandteile der "Zella"
durch drei Register von vasenartigen "Balustern". Harmonische Proportionen.

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Aufbahrungskapelle mit beidseitigen Vorhallen. Zusammen mit dem Dachreiter erinnert
die Anlage an das Vorbild des Heiligen Grabes in Jerusalem bzw. an die zahlreichen
mittelalterlichen und neuzeitlichen Kopien..

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Im rückwärtigen Teil polygonaler Anbau. Horizontaler dekorativer Streifendekor, im
Fensterbereich die für Plecnik so tyischen Vasen bzw. Krüge, die hier als Halbrelief
gestaltet sind

 

Metallkreuz mit Email und Farbdekor vor roter Klinkerziegelwand

 

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Friedhofsgebäude mit byzantinisierender Wanddekoration.

Neben diesem figuralen Dekor tritt hier die Gestaltung der Architekturoberflächen
durch geometrische Zierelemente (Raster und Ringformen) ganz besonders in den
Vordergrund. Dabei kommt etwa der Materialdifferenzierung und der exakten
Verarbeitung eine besondere Rolle zu. Dies wird bei näherer Betrachtung des Gitter-
Dekors im Bild links deutlich: es kommen nicht nur unterschiedliche Materialien zur
Anwendung, sondern sie werden auch unterschiedlich versetzt.


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Das Mauerwerk - eigentlich ist es eine Verblendung - wird auf unterschiedlichste Art
verlegt (versetzt): an den Ecken und im Sockelbereich steinsichtiges "Bollenmauerwerk"
aus Geröllen (Schotter, Gerölle, "Kieselsteine"), die Wandflächen mit Plättchendekor,
Architekturrahmungen (Fenster, Türen etc.) aus Haustein, figuraler Wanddekor und die
unvermeidlichen Vasenmotive.

 

Beispiele für Grabdenkmäler und Beleuchtungskörper

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Die Metallarbeiten zeigen einen großen Formenreichtung und originelle Lösungen.
Daß man neuerdings Energiesparlampen in die Luster schraubt, fällt erst auf den 2. Blick auf.


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