Hans Makart - Malerfürst der Belle Époque

Von Rudolf Koch, Wien

Erstpublikation in: in: Unser Schaffen, 25. Jg. Nr. 5, Mai 1980, S. 5f.

Vor 140 Jahren, am 29. Mai 1840, wurde Johann Evangelist Ferdinand Apolinaris Makart in Salzburg geboren. Aus eher bescheidenen Verhältnissen stammend - der Vater war "Schloßverwaltungs-Kontrollor und Zimmeraufseher" im Schloß Mirabell - entwickelte sich Hans Makart zu einer der interessantesten und umstrittensten Künstlerpersönlichkeiten der Gründerzeit. Als er mit nur 44 Jahren, am 3. Oktober 1884, in Wien starb, hatte er seiner Zeit in allen Fragen des Geschmacks und der Kunst für ein Vierteljahrhundert den Stempel aufgedrückt. Die Mode nahm ebenso Anteil an seinem Schaffen wie das Theater. Man umgab sich mit dem berauschenden Interieur, wie es auf seinen Bildern zu sehen war, und die Dame der Gesellschaft trug den "Makarthut". An den Wänden der Wohnräume blühte das "Makart-Bouquet" und die Modefarbe hieß das "Makart-Rot".

Über die Jugend des Malers berichtet uns sein Onkel und Vormund Rüssemayer, daß Hans eher verträumt und still gewesen sei und schon früh zum Zeichenstift gegriffen hätte. Auch spätere Zeitgenossen schilderten Makarts Temperament in ähnlicher Weise. Seine Sprechweise war leise und ausdruckslos. Das Talent zum Malen besaß bereits sein Vater, der sich auch eine kleine Sammlung von Kopien berühmter Künstler anlegte. Makarts Veranlagung wurde von seinem Vater zwar geduldet, jedoch nicht weiter gefördert. Erst der kunstsinnige Onkel erkannte die Begabung seines Neffen und ermöglichte ihm das Studium an der Akademie in Wien.


 

Das Sommersemester 1858 in der Maler-Vorbereitungsklasse in Wien ist für Makart eine Enttäuschung, da er sich durch das damals übliche Kopieren von Gipsbüsten wenig zu künstlerischem Schaffen angeregt fühlt. Er beschließt, zu einem Salzburger Graveur in die Lehre zu gehen. Sein Onkel Rüssemayer gewinnt schließlich den Erzbischof von Salzburg, Maximilian von Tarnoczy, für ihn als Mäzen, und so kann Makart von 1860 bis 1865 an der Münchner Akademie unter Karl von Piloty - einem hervorragenden Lehrer der Historienmalerei - studieren.

Bald zeigt sich Makarts künstlerische Stärke im Vergleich zu den Mitschülern, unter ihnen Defregger und Lenbach, seine Virtuosität in der Pinselführung und die eindrucksvolle koloristische Farbgebung. Von diesen frühen Arbeiten beeindruckt, leiht der Münchner Meister Piloty dem vielversprechenden Talent Geld für Studienreisen nach London, Paris und Rom. Vor allem die Kunst Veroneses, die dekorative Wirkung und die leuchtenden Farben der Gemälde des großen Venezianers, beeinflussen Makart nachhaltig.

Mit 28 Jahren gelingt Hans Makart schließlich der künstlerische Durchbruch. Waren noch im Jahre 1867 seine "Modernen Amoretten" wegen der schlechten Anbringung des Gemäldes auf der Pariser Weltausstellung ohne Echo geblieben, überraschte und begeisterte der Maler sein Münchner Publikum im Jahr darauf mit der "Pest in Florenz". Dieser Erfolg brachte ihm zahlreiche Aufträge und damit die finanzielle Unabhängigkeit. Das Geheimnis seines plötzlichen Aufstiegs lag sowohl in seiner ungewöhnlichen Darstellungsweise als auch in einer neuen Maltechnik. Indem er der Ölfarbe Asphalt beimengte, erzielte der Künstler eine unerhörte Frische und Leuchtkraft der Farben. Anfängliche technische Mängel führten leider zur Zerstörung seiner ersten Bilder, jedoch schon nach kurzer Zeit beherrschte Makart die Eigenart des Materials, welches ihm eine sehr rasche Malweise gestattete.

Im Jahre 1869 wird Makart vom Kaiser nach Wien berufen und erhält in der Gußhausstraße ein Atelier. Sogleich beginnt er mit der Ausgestaltung der Räume und setzt damit die Maßstäbe für jenen Lebensstil, den das zu Wohlstand gelangte Bürgertum in der Folge übernimmt. Rudolf von Alt hat uns das Interieur des Ateliers durch ein hervorragendes Aquarell überliefert: In einem für heutige Begriffe wahren Dschungel von Zimmerpalmen, Straußenfedern, ausgestopften exotischen Vögeln, Prunkvasen und Marmorbüsten prangt ein typisches Monumentalgemälde Makarts - "Der Frühling" - während den Boden Teppiche von erlesener Qualität nahezu gänzlich bedecken.

Hier malte Makart, umgeben von seiner eigenen Welt, an seinen berühmtesten Historien-Bildern "Kleopatra auf dem Nil" und "Einzug Karl V. in Antwerpen" wie auch an zahlreichen Portraits von Damen der Gesellschaft. Dieses Atelier mit seinem verschwenderischen Prunk war jedoch nicht nur Hintergrund, sondern bildete gleichzeitig den Mittelpunkt glanzvoller Feste der tonangebenden Gesellschaftsschicht.

Den Höhepunkt seiner Karriere erreicht Makart 1879 mit der Ernennung zum Professor an der Akademie in Wien. Anläßlich der Silberhochzeit des Kaiserpaares im selben Jahr erhält der Künstler von der Stadt Wien den ehrenvollen Auftrag zur Gestaltung des Huldigungsfestzuges. Damit war Makart die Gelegenheit gegeben, ein Gemälde wie den Einzug Karls V. als "Lebendes Bild" aufzuführen. Das ungeheuer pompöse Ereignis fand auf der Ringstraße - dem "Festzug der Baustile" - statt. Zehntausende konnten den Huldigungen der Handwerker, Berufsgruppen und Industrien der Monarchie - alle im Kostüm der Dürerzeit - beiwohnen.

In den letzten Lebensjahren blieb Hans Makart der Ruf des Malerfürsten, dessen Werke enthusiastisch gefeiert wurden, treu, wenngleich bereits Gegenstimmen laut wurden, die ihm vorwarfen, in seinen Bildern vom historischen Inhalt zugunsten einer malerischen Inszenierungskunst abzuweichen.

Mit Makarts Tod 1884 ging eine Epoche zu Ende. Bei seinem Trauerzug war die Menschenmenge so groß, daß man die Feierlichkeiten von der Paulanerkirche in die wesentlich größere Karlskirche verlegen mußte. Das Interesse am Ruhme Makarts verlor sich jedoch sehr bald. Bereits um die Jahrhundertwende hatte der Jugendstil die Makartzeit abgelöst. Erst seit jüngster Zeit beginnt man wieder, gemeinsam mit der Würdigung der Ringstraßen-Epoche, das Werk von Hans Makart zu beachten und zu schätzen.