Unpubliziert. Illustrationen 2003.

 

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Das Kapitol Michelangelos und seine urbanistische Problematik.

Rudolf Koch, Wien 1977


Die Gestaltung des Kapitolinischen Hügels, die Papst Paul. III. 1539 in Auftrag gab, stellte für Michelangelo seine bislang größte urbanistische Tätigkeit dar. Michelangelo hatte dabei einen Platz vor sich, der auf eine lange geschichtliche Tradition zurückblicken konnte, und der immer wieder Ort politischer Machtdemonstrationen war.

 

Modell des Kapitolinischen Hügels im Museo della Civiltà Romana und heutige Lage im Stadtbild

 

In der Antike war der Kapitolinische Hügel religiöser Bezirk, standen doch hier der Tempel der Juno Moneta und der Tempel des Jupiter Capitolinus. Aber schon zu dieser Zeit war der Doppelhügel mit legendären Ereignissen in Zusammenhang gebracht worden, man denke nur an die Kapitolinischen Gänse. An der höchsten Stelle in der Mitte befand sich das sog. Tabularium mit dem Archiv der Staatsgesetze und Verträge und dahinter das Asylum, das mit der Legende des Romulus und Remus verbunden war, sollte doch hier einst die Hütte der Stadtgründer gelegen sein, und Romulus hier den aus Latium vertriebenen Völkern Asyl gewährt haben. An dieser Stelle endeten aber auch die Prozessionen und Triumphzüge der römischen Kaiser - ja das Kapitol galt am Ausgang des römischen Imperiums sogar als eines der sieben Weltwunder. Alle Bauten des Hügels waren über eine Treppe vom Forum Romanum aus erreichbar und ihre Fronten waren vom Hügel weg orientiert.

 

Im Mittelalter verfielen die Bauten und die Adelsfamilie der Corsini errichtete am Tabularium ihre Festung, die sie bis zum Wiedererwachen der geschichtlichen Bedeutung des Kapitols innehatten. 1144 erhob sich die Bürgerschaft gegen die Herrschaft der Päpste und des Adels, vertrieb die Familie Corsini und richtete im Tabularium den Sitz des Senates ein. Mit dieser politischen Wiederbelebung wurde gleichzeitig der erste Schritt zur Neugestaltung des Kapitols getan, indem man den Senatorenpalast vom Forum Romanum weg auf den heutigen Kapitolsplatz orientierte, also auf die mittelalterliche Besiedlungsfläche zu. Von nun an fanden hier auch kommunale Versammlungen statt.

 

Hypothetische Rekonstruktion des Senatorenpalastes
im 14. Jahrhundert.

 

In der Mitte des 14. Jahrhunderts errichtete das Zunftgericht an der Südseite des Platzes sein Amtsgericht, in dem auch die römischen Konservatorien untergebracht wurden. Um die Mitte des 15. Jhdts. und um 1520 wurde der "Palazzo dei Conservatori" durchgreifend erneuert und durch die Schräglage zum Senatorenpalast der Grundstock für Michelangelos späteren Bau festgelegt.

 


Ansicht des Senatoren- und Konservatorenpalastes vor der Umgestaltung durch Michelangelo, Hieronimus Cock, Mitte 16. Jahrhundert.

 

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