Frühe Baustile in der ehemaligen Klosterkirche von Baumgartenberg (Oberösterreich)
Rudolf Koch, Wien

Aus: Kulturzeitschrift Oberösterreich, 41. Jahrgang, Heft 2/1991, S. 16 - 20.

 

Vor 850 Jahren stifteten der Hochfreie Otto von Machland und seine Gattin Gräfin Jutta von Peilstein einen Teil ihres Vermögens zur Errichtung eines Zisterzienserklosters am "mons pomarius" [1]. Das Ausstattungsgut umfaßte neben der nördlich des heutigen Ortes Baumgartenberg gelegenen Burg auf dem Ulrichsberg die zugehörige Kapelle St. Jakob und Ulrich, die Kirche St. Lambert (später St. Markus) in Mettensdorf, fünf Grangien und fünfzig Mansen Land im Nordwald an der Naarn, dazu noch Meierhöfe, Mühlen, Äcker, Wiesen und Fischwässer. Schon ein Jahr nach der Gründung von Baumgartenberg konnten am 6. Mai 1142 zwölf Zisterziensermönche aus Heiligenkreuz (gegründet 1135/36) unter der Führung Abt Friedrichs am „mons pomarius“ das Ordensleben aufnehmen.

Gotisches Epitaph Ottos von Machland (gestorben 1148) in der Stiftskirche von Baumgartenberg. Der Stifter mit
Kirchenmodell und Familienwappen ist in bewußt historisierendem Stil (Anfang 15. Jahrhundert) dargestellt.
(BDA).

 

 

Der Entschluß des Stifterpaares, sein Vermögen zur Dotierung von Klöstern zu verwenden, dürfte nach dem frühzeitigen Tod seines einzigen Sohnes entstanden sein, denn nur sechs Jahre nach der Gründung von Baumgartenberg übergab Otto einen noch größeren Teil seiner Güter an Bischof Reginbert von Passau, den Bruder Juttas, zur Gründung des Augustiner Chorherrenstiftes Säbnich [2].

Daß bei Baumgartenherg die Wahl gerade auf Zisterzienser aus Heiligenkreuz fiel, könnte auf die verwandtschaftlichen Beziehungen Juttas zurückgehen: Der Initiator und Förderer des Mutterklosters und spätere Bischof von Freising, Otto, war ein Vetter Juttas. Im Vergleich dazu wurde die zweite Zisterzienserabtei Oberösterreichs, Wilhering [3], die noch vor 1146 unter ähnlichen Umständen wie Baumgartenherg gegründet worden war, vom Stift Rein aus, der ältesten, vor 1129 gegründeten Zisterze Österreichs, besiedelt.

Die Anlage des Klosters Baumgartenberg im Tal und nicht an Stelle der Burg, wie dies bei der zweiten Gründung Ottos von Machland in Säbnich (1147) geschah, entspricht den durch Bernhard von Clairvaux für verbindlich erklärten "Gewohnheiten" (Consuetudines) des Zisterzienserordens. Außerdem mußten zur Aufnahme des ordentlichen Klosterbetriebes bei den Zisterziensern bereits vorher die Regulargebäude bestehen, wahrscheinlich provisorische Holzbauten, wie sie auch für Wilhering angenommen werden.

Baualterplan der Baumgartenberger Stiftskirche nach Mario Schwarz. Die eingezeichneten Kreuzrippengewölbe gehören noch dem Altbestand des 12. und 13. Jahrhunderts an.

 

Über den Baubeginn der monumentalen Klosterkirche, deren Bausubstanz im wesentlichen noch heute den Kern der Anlage bestimmt, berichtet keine Urkunde. Erst rund hundert Jahre später vermerkt der Schreiber einer Baumgartenberger Handschrift des 13. Jahrhunderts für den 15. April 1243 die Weihe des Hauptaltares zu Ehren Marias durch Bischof Rüdiger von Passau. Wie die neuere Forschung [4] annimmt, handelte es sich dabei um eine Teilweihe, denn der damit verbundene Ablaß wurde nur in Zusammenhang mit Spenden für den weiteren Kirchenbau erteilt. Die endgültige Fertigstellung verzögerte sich weitere 16 Jahre, wie aus einem Ablaß vom 12. Februar 1259 hervorgeht, der ausdrücklich an den Tag des Kirchweihfestes gebunden war.

Ansicht der Stiftskirche von Baumgartenberg von Südwesten. Deutlich ist der Unterschied zwischen flachem romanischen Giebel und der gotischen Erhöhung zu sehen. Der Dachreiter anstelle eines Turmes gebt auf das Turmverbot der Zisterzienser zurück. Im Norden der wesentlich höhere spätgotische Umgangschor
( OÖLM, Landeskundl. Archiv)

 

Von diesem unter Abt Johannes (1252 bis 1272) vollendeten und durch Bischof Otto von Passau (1254 bis 1265) konsekrierten Kirchenbau, der eigenartigerweise nicht geostet, sondern in Nord-Süd-Richtung orientiert ist, haben sich die Mauern und Pfeiler des Langhauses und das Querhaus erhalten. Am Außenbau sind die Grenzen der romanischen Anlage am Quadermauerwerk, dem umlaufenden Rundbogenfries, der an der Südfront dem Giebel folgend ansteigt, und am darunterliegenden Rundfenster erkennbar. Dem heute noch erhaltenen originalen, aber leider beschädigten Hauptportal wurde unter Abt Christian (1301 bis 1317) ein gotisches dreischiffiges „Paradies“ vorgebaut, dessen Pultdach ein romanisches Rundbogenfenster verdeckt.

Im Inneren zeigen die jeweils ersten zwei Seitenschiffjoche noch die romanischen Kreuzrippengewölbe zwischen breiten Gurthögen, die restlichen Joche fielen der Barockisierung seit 1697 zum Opfer. Im Mittelschiff und in den Querhausjochen haben sich die Kreuzrippengewölbe unter der barocken Stuckverkleidung erhalten, wie 1966 anläßlich der Restaurierung festgestellt werden konnte. Dabei fand man auch die Gewände zweier Rundbogenfenster und eines großen zentralen Rundfensters an der Stirnseite des Querhausarmes, vor allem aber den mit Blattvoluten ornamental geschmückten Schlußstein. Desgleichen konnte die Gewändekante der ehemaligen Konversenpforte, die vom Kreuzgang ins erste südliche Joch des östlichen Seitenschiffes führte, entdeckt werden.

Für die Kenntnis der Baugeschichte wesentlich schwerer wiegt der Verlust der gesamten Choranlage nördlich des Querhauses. die unter den Hussiten zerstört und 1436 bis 1446 nach dem Vorbild des Zwettler Chorgrundrisses [5] (1383 vollendet) neu errichtet wurde. Von der Gestalt des romanischen Chores, der generell für die Stellung innerhalb der Zisterzienserbaukunst von besonderer Bedeutung ist, besitzen wir keine eindeutige Vorstellung. Wohl gibt es zwei ältere Bildquellen des romanischen Außenbaues von Baumgartenberg, doch zeigen sie in typisch mittelalterlicher Darstellungsweise nur das symbolische und auf das wesentliche beschränkte Abbild einer Kirchenarchitektur. Es sind dies die illuminierte Seite des Baumgartenberger Urbars (ca. 1335) mit dem knienden Stifterpaar, welches das Kirchenmodell präsentiert [6], und die Reliefdarstellung Ottos von Machland auf der bewußt altertümlich gestalteten, allerdings spätmittelalterlichen Tumbadeckel [7].

Grundriß der Zisterzienserabtei Pontigny I (1140 - 1170, schwarze Teile) und der Chorerweiterung von Pontigny II (1185—1210).

 

Hans Blumenthal [8], der sich als erster näher mit diesen Darstellungen befaßte, kam zu dem Ergebnis, daß die romanische Choranlage von Baumgartenberg genau jener der ersten Kirche von Pontigny (ca. 1140 bis 1170) in Burgund glich. Dieser Typus [9] folgte offensichtlich den Vorstellungen des großen Ordensreformators Bernhard von Clairvaux und besaß einen flach geschlossenen Chor mit rechteckigem, die Wände des Querhauses umziehenden Kapellenkranz. Die Ostteile der Anlage sind jedoch nur teilweise erschlossen, denn bei Pontigny II (1185 bis 1205/10) ersetzte man das Chor haupt durch den noch heute erhaltenen Umgangschor, der dann bei der Zisterzienserabtei in Zwettl übernommen und schließlich auf diesem Wege Vorbild für den spätgotischen Chor von Baumgartenberg wurde. Benno Ulm [10] rekonstruiert die romanische Choranlage von Baumgartenberg ebenfalls in Anlehnung an Pontigny I, allerdings ohne die östlichen Querhauskapellen (der eigenartigen Orientierung in Baumgartenberg wegen also die nördlichen Kapellen), wobei er einräumt, daß sie auch erst durch den gotischen Neubau zerstört worden sein könnten.

Fontenay (1139—1147). Lage- und Grundrißplan der Zisterzienserabtei

 

Norbert Wibiral [11] schließlich dürfte die zutreffendste Lösung des Problems gefunden haben: Der romanische Chor der Stiftskirche von Baumgartenberg folgt jenem der burgundischen Zisterzienserkirche von Clairvaux II und dem heute noch erhaltenen Chor von Fontenay (1119 von Clairvaux aus gegründet und 1139 bis 1147 erbaut). Im Unterschied zu Pontigny I werden hier die Kapellen nicht um das gesamte Querschiff herumgeführt, sondern flankieren nur den rechteckigen Chorschluß. Die Art, wie in Baumgartenberg die Gewölberippen über dem großen Bogen zum Umgangschor anlaufen, scheint die Existenz der Seitenkapellen zu bestätigen, denn die heute dort befindliche Konsole, auf der die Rippen ruhen, ist eine spätere Veränderung. Sie ersetzt einen ursprünglich nach unten verlaufenden Wanddienst, der dem trennenden Mauer streifen zwischen den Querhauskapeller vorgelagert war. Mit Fontenay stimmt auch die Anlage paarweise ausgeführter Rundbogenfenster an den Querhausfassa den überein, wie Mario Schwarz feststellte und deren Gewändereste anläßlich der Restaurierung von 1966 bekannt wurden.

Die Stellung der ersten Choranlage von Baumgartenberg innerhalb der österreichischen Zisterzienserarchitektur des 12. Jahrhunderts ist nur mehr bedingt bestimmbar, denn der Typus der ersten Choranlage des Mutterklosters Heiligenkreuz (1136 bis 1160) ist uns nicht genügend bekannt [12]. Sie wurde durch den 1295 geweihten, für die weitere Architekturgeschichte bedeutsamen Hallenchor verdrängt. Untersuchungen in der erster Filiation von Heiligenkreuz, dem Stift Zwettl (1138 bis 1160), lassen auf einen völlig anderen Chortypus schließen: Ein quadratischer Chor, zusätzlich um eine Apside erweitert, wird von je einer flachen Ostapside am Querhaus flankiert [13].

Die Anlage wurde vielleicht schon 1138 festgelegt, später verändert und vor 1343 abgerissen. Diese Chorform ("crux capitata“), eher für die bodenständige Architektur charakteristisch, ist nicht typisch zisterziensisch. Vergleichbares in der Grundrißdisposition findet sich an der Stiftskirche von Viktring (1142 bis 1202) in Kärnten [14]. Hier ist noch relativ gut unter den gotischen und späteren Veränderungen die "bernhardinische" Lösung mit Chorquadrat und flankierenden Rechteckkapellen am Querhaus zu erkennen. Viktring gilt mit seiner Chorlösung und dem tonnengewölbten Lang- und Querhaus als das einzige erhaltene Beispiel burgundischer Zisterzienserbauart im deutschen Sprachraum.

Der augenfälligste Unterschied zwischen Baumgartenberg und Viktring liegt jedoch in der Gestaltung und Wölbung des Langhauses. In Baumgartenberg zeigen die sieben Mittelschiffjoche längsrechteckigen Grundriß, die entsprechenden Seitenschiffjoche sind querrechteckig. Die Profile der Gurt- und Diagonalrippen im Mittel- und Querschiff sind gleichartig ausgeformt, die Seitenschiffjoche hingegen werden stärker durch breite Gurten voneinander getrennt. Daraus ergibt sich gegenüber dem Mutterkloster Heiligenkreuz eine völlig neue Raumstruktur. In Heiligenkreuz sind es quadratische Mittelschiffjoche, von den frühesten erhaltenen Bandrippengewölben des deutschen Sprachraumes überwölbt, denen jeweils zwei Seitenschiffjoche entsprechen.

Dieser quadratische Schematismus - wegen der engen geometrischen Abhängigkeit der Mittel- und Seitenschiffjoch auch als "gebundenes System“ bezeichnet - ist charakteristisch für die ältere Stilphase der Romanik und taucht in Niederösterreich schon bald nach Beginn des 12. Jahrhunderts an der Klosterneuburger Stiftskirche (1114 bis 1133) auf, von wo ursprünglich vermutlich auch die Bandrippengewölbe für Heiligenkreuz (1136 bis 1160) übernommen wurden. In Baumgartenberg wird das "gebundene System" durch die zukunftweisende Form der „durchlaufenden Travée" abgelöst, welche für die gotische Baukunst von führender Bedeutung wird.

Da Heiligenkreuz für die Vermittlung der durchlaufenden Jochfolge in Baumgartenberg ausscheidet, werden hier wieder die burgundischen Vorbilder in Pontigny I oder Fontenay bei der Grundrißwahl zum Tragen gekommen sein. Aufschlußreich ist dabei der Vergleich zwischen den beiden ungefähr gleichzeitig gegründeten und offensichlich aus demselben Ambiente beeinflußten Kirchen in Baumgartenberg und Viktring. Viktring ist durch die Wahl der burgundischen spitzbogigen Längstonne im Langhaus und den Quertonnen in den Seitenschiffen eng an Wölbelösungen wie in Fontenay gebunden. Während jedoch in Viktring nur nach jeder zweiten Seitenschiffarkade die Mittelschifftonne durch einen Gurtbogen rhythmisiert wird, entspricht in Fontenay jedem Seitenschiffjoch ein Gurtbogen im Mittelschiff. Der Erbauer der Kirche von Viktring bekundet trotz enger Anlehnung an die burgundisch-zisterziensische Architektur seine Vorliebe für das "gebundene System", welches im babenbergischen Kunstbereich seit Klosterneuburg und Heiligenkreuz von Bedeutung ist. Baumgartenberg geht über diese Stilstufe hinaus und verwirklicht die "durchlaufende Travée" mit Kreuzrippengewölben, wie sie in Pontigny vorhanden ist.

Neben diesen fortschrittlichen Stilmerkmalen in der Architektur von Baumgartenberg gibt es noch eine andere Stilkomponente [15]. Das Hauptportal, bei der barocken Erweiterung seines innersten Säulenportals beraubt, zeigt ein reich profiliertes Kämpfergesims über drei Gewändeabtreppungen mit eingestellten gemauerten Säulen. Letztere tragen gestreckte Würfelkapitelle. Einst dürfte außerdem ein Säulenpaar den Portaltrichter flankiert haben. Einzelheiten, wie das Verkröpfen des Kämpfers um Säulen und Pfosten, das Weiterführen des Kapitellringes als Rundstableiste um die Pfostenkanten und die Verschmelzung der Säulenbasen mit den Pfostenprofilen zu einem einheitlichen Sockel, haben ihre Vorbilder und Entsprechungen im süddeutschen Raum. In wesentlichen Eigenschaften stimmt das Baumgartenberger Südportal mit Portalen um die Mitte des 12. Jahrhunderts, so beispielsweise mit dem Westportal in Wels (Mitte des 12. Jahrhunderts) oder dem Kapitelhausportal in Zwettl (1140 bis 1160), überein. Ähnliches kann über den Stil der Rundbogenfriese am Außenbau gesagt werden, die allerdings in vergleichbarer Form vom 12. bis in die erste Hälfte des 13. Jahrhunderts nachzuweisen sind. Die bauplastische Gestaltung lag demnach im Gegensatz zum architektonischen Grundkonzept in Händen süddeutsch-österreichischer Werkleute, die von den gleichzeitigen burgundischen Errungenschaften unbeeindruckt geblieben waren.

Neben dem Nachweis dieser zweiten Stilkomponente in Baumgartenberg kommt dem Hauptportal eine wichtige
Rolle bei der Frage nach dem Baubeginn der monumentalen Klosterkirche zu. Der älteren Forschung nach wurde schon ab dem überlieferten Datum von 1141/42 mit dem romanischen Kirchenbau begonnen
[16]. Norbert Wibiral führt als datierendes Argument die Gleichzeitigkeit des Hauptportals mit dem Kapitelsaalportal von Zwettl an. Eine zweite Gruppe [17] rückt den Abbruch der provisorischen Anlage und den Neubau der Kirche gegen 1180 bis Ende des 12. Jahrhunderts hinauf. Mario Schwarz, der sich zuletzt der Spätdatierung anschließt, untermauert sie mit dem Hinweis auf den Stil des Hauptportales, das gegenüber dem Kapitelhausportal in Zwettl schon wesentlich fortgeschrittenere Formen und schlankere Proportionen zeigt, die jedenfalls noch vor 1200 anzusetzen sind. Seinen Forschungen nach wurde der Bau beim Hauptportal begonnen und gegen den Chor hin weitergeführt, wobei der größte Baufortschritt in den ersten Jahrzehnten des 13. Jahrhunderts erfolgte. 1243 war das Langhaus benützbar, bis 1259 dauerte die konstruktiv schwierige Einwölbung [18].

Sollte der Baubeginn von Baumgartenberg tatsächlich erst rund ein halbes Jahrhundert nach seiner Stiftung in Angriff genommen worden sein? Für das Zisterzienserstift Wilhering ist aufgrund der geringen Dotierung und der mißlichen finanziellen Lage des Klosters ein solcher Fall überliefert. In Baumgartenberg treten die Schwierigkeiten erst nach dem Tode Ottos von Machland (1148) auf, als Abt Friedrich wegen Unklarheiten im Testament in einen erbitterten Besitzstreit mit der zweiten Stiftung, Säbnich, später Waldhausen, trat. Dazu kamen noch Bemühungen der Zisterzienser, die Vogtfreiheit zu erlangen, und erst zwischen 1154 und 1188 erhielt Heiligenkreuz die Vaterabtrechte. Es erscheint daher richtiger, die Planung und den Beginn der Fundamentlegung noch zu Lebzeiten des Stifters anzunehmen. Dies umso eher, als gerade die zweite Stiftung in Säbnich darauf hindeutet, daß genügend Geldmittel vorhanden waren, um auch in Baumgartenberg schon früh einen Steinbau in Angriff nehmen zu können. Außerdem war Baumgartenberg vom Anfang an für die Grablege Ottos, der formell dem Zisterzienserorden beigetreten war, bestimmt gewesen, wie aus der erwähnten spätgotischen Grabplatte des Stifters zu schließen ist. Für den frühen Baubeginn spricht überdies die enge Anlehnung an bestimmte, nahezu zeitgleiche Zisterzienserbauten in Burgund - ein Phänomen, das in der Gründungs- und Baugeschichte von Viktring seine Parallelen hat. Die romanische Stiftskirche von Baumgartenberg stellt somit neben Viktring ein weiteres Beispiel für die frühe Übernahme burgundisch-zisterziensischer Bauformen in Österreich dar.

Als Otto von Machland zu Weihnachten 1148 starb, dürfte der Kirchenbau, welchen er zu seiner Grablege ausersehen hatte, bereits über die Fundamente hinaus gediehen sein. Die Weiterführung des Bauvorhabens, das zukunftsweisende Lösungen aus Burgund zu verwirklicher trachtete, wurde jedoch durch Besitzstreitigkeiten auf Jahrzehnte verzögert und konnte erst gegen Ende des 12. Jahrhunderts wieder aufgenommen und im 13. Jahrhundert vollendet werden.


Anmerkungen

1 Literaturauswahl: J. Gradt, Die Stiftskirche des aufgelassenen Cistercienser-Klosters Baumgartenberg im Lande ob der Enns, in: Mitteilungen der k. k. Zentralkommission, XVII. Jg., 1872, S 81ff. - H. H. Blumenthal, Die mittelalterliche Baugeschichte des ehemaligen Cistercienserstiftes Baumgartenberg in Oberösterreich, in: Kirchenkunst, 4. Jg., 1932, S 43ff und 5. Jg. ‚ 1933, S 48. - B. Ulm, Das Mühlviertel, Österreichische Kunstmonographie Bd. V, Salzburg 1971, S 57ff. - N. Wibiral, Notizen zur Baugeschichte und Ausstattung der ehemaligen Stiftskirche von Baumgartenberg, in: Österreichische Zeitschrift für Kunst und Denkmalpflege, XX. Jg., 1966, S 146ff. - J. Neuhardt, Baumgartenberg, Oberösterreich, Christliche Kunststatten Österreichs 73, Salzburg 1968 - M. Schwarz, Studien zur Klosterbaukunst in Österreich unter den letzten Babenbergern, Dissertation der Universität Wien 147, Wien 1981, S 30ff. - R. Koch, Kirchenbaukunst bis zum Ende der Romanik, in: Das Mühlviertel, Katalog der OÖ. Landesausstellung im Schloß Weinberg, Linz 1988, S 364f und Kat.-Nr. 9.56 — 9.59

2  B. Ulm, Mühlviertel, wie Anm. 1, S 118 und 223ff.

3 Zur Baugeschichte allgemein vgl.: M. Schwarz, Klosterbaukunst, wie Anm. 1, S 14ff.

4 M. Schwarz, Klosterbaukunst, wie Anm. 1, S 34.

5 Zur Baugeschichte vgl. allgemein: K. Kubes, J. Rössl, H. Fasching, Stift Zwettl und seine Kunstschätze, St. Pölten — Wien 1979.

6 Vgl. dazu H. H. Blumenthal, Die altesten bildlichen Darstellungen der Stiftskirche zu Baumgartenberg. Ein Beitrag zu ihrer Baugeschichte, in: Heimatgaue, Zeitschrift für oö. Geschichte, Landes- und Volkskunde, IX. Jg., 1928, S 277ff.

7 J. Neuhardt, Baumgartenberg, wie Anm. 1, S  2.

8  H. H. Blumenthal, wie Anm. 6.

9  Zur Typenentwicklung der Zisterzienseranlagen vgl. allgemein: H. Hahn, Die frühe Kirchenbaukunst der Zisterzienser, Berlin 1957.

10 B. Ulm, Mühlviertel, wie Anm. 1, S 58.

11 N. Wibiral, Notizen, wie Anm. 1, S 152.

12  Zur Baugeschichte allgemein vgl.: D. Frey, Stift Heiligenkreuz, Österreichische Kunsttopographie Bd. 19, 1926.

13 F. Daim, Archäologische Grabungen im Stift Zwettl 1978 und 1979, in: Die Kuenringer, Ausstellungskatalog der Niederösterreichischen Landesausstellung im Stift Zwettl, Wien 1981, S 738ff.

14 K. Ginhart, Viktring, Christliche Kunststätten Österreichs, Nr. 32, Salzburg 1962.

15 Darauf hat vor allem M. Schwarz (wie Anm. 1, S 37 - 42 und 50) hingewiesen.

16  J. Gradt, H. H. Blumenthal, J. Neurath, B. Ulm und N. Wibiral, wie Anm. 1.

17 W. Buchowiecki, Romanische Landkirchen in Oberösterreich, in: Oberösterreichische Heimatblätter IV, 1950, S 99 und E. Hainisch im Dehio-Handbuch Oberösterreich, Wien 6. Aufl. 1977, S 37.

18 M. Schwarz, Klosterbaukunst, wie Anm. 1, S 50f.