Notizen 2006 > Themenübersicht > "Pfostenlöcher", Balkenlöcher, Dübellöcher, Dachspuren etc. an ägyptischen Tempelbauten
Keilbuchsen, Keiltaschen, Keillöcher an ägyptischen Bauten und in Steinbrüchen - eine Auswahl
Die Technik, vor allem Hartgesteine wie Granit, durch Keile zu spalten, taucht in der ägyptischen Steinbearbeitungstechnik schon frühzeitig auf. Dabei wird eine Reihe von konisch zulaufenden Löchern in den Stein gearbeitet. Anschließend werden Keile eingetrieben. Die Sprengwirkung wird jedoch nicht durch die Schneide der Keile erzeugt, sondern ausschließlich durch den Flankendruck der Keile gegen die Keilbuchse. Daher ist es wichtig, daß zwischen den Flanken des Keils und den Seitenflächen der Keilbuchse ein möglichst lückenloser Kontakt besteht. Dies ist mit ein Grund, warum Keilbuchsen in der Regel sehr sorgfältig ausgemeißelt werden. Die Technik der Keilspaltung wurde bis in jüngste Zeit bei Granitsteinbrüchen in Europa angewendet; für bestimmte Aufgaben bedient man sich heute noch dieser Technik. Es gibt verschiedene Versuche, Keilbuchsen zu datieren, was unter Berücksichtigung regionale Eigenheiten bis zu einem gewissen Grade gelingt, so auch für die ägyptischen Keilbuchsen, für die in der Fachliteratur Richtlinien erarbeitet wurden. Im Wesentlichen geht es dabei um die Form, Größe und die Disposition der Keilbuchsen, die eine genauere zeitliche Einodnung ermöglicht. Sehr häufig wird - sogar in der Fachiteratur - die Meinung vertreten, die Ägypter hätten die Keilspaltung durch Eintreiben von Holzkeilen durchgeführt, die sie dann mit Wasser begossen. Durch das Aufquellen des Holzes wäre dann der nötige Seitendruck für die Steinspaltung entstanden. Bisher ist jedoch kein Experiment bekannt, wo dies tatsächlich überprüft worden wäre. Aus vielen - hier nicht näher auszuführenden Gründen - ist die Keilspaltung durch quellende Holzkeile in den Bereich des Wunschdenkens zu verweisen. Möglicherweise liegt auch eine Verwechslung vor: Im 19. Jahrhrundert wurde in Deutschland in einigen Steinbrüchen die Keilspaltung zwar mit Holzkeilen durchgeführt, aber dort dienten die Holzkeile lediglich dazu, Unebenheiten zwischen Keil und Keilbüchse auszugleichen. Die eigentliche Spaltung erfolgte dadurch, daß man in die Holzkeile Metallkeile einschlug, welche erst den eigentlichen Flankendruck erzeugten. |
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Die Abbildung läßt deutlich den Verlauf der Rißbildung zwischen den relativ weit auseinander stehenden Keilbuchsen erkennen. Die Flanken verlaufen unter geringer Abschrägung nach innen. Das Seitenverhältnis der rechteckigen Offnung ist etwa 1:3. Diese Art von Keilbuchsen ist bereits in römischer Zeit üblich. Bei diesem Säulenstumpf in Karnak, der jetzt von einem Skarabäus bekrönt wird und Gegenstand eines lächerlichen Touristenrituals ist, befinden sich die Keilbuchsen nur auf einer Hälfte des Säulenumfangs. |
Diese pharaonenzeitliche Keilbuchse, die sich noch in situ der Steinbruchwand von Assuan befindet, verdeutlicht den Unterschied zur späteren Sekundärspaltung in Luxor oder Karnak: die Länge der Keilbuchse ist fast dreimal so lang wie die in Luxor oder Karnak. Sie öffnet sich auch stärker. |
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Die beiden Beispiele aus dem jenem Steinbruch in Assuan, wo sich der bekannte "unfertige Obelisk" befindet, verdeutlicht den Unterschied zwischen pharaonenzeitlichen Keiltaschen und der Keilspalttechnik des letzten Jahrhunderts: Links erkennt man zwei horizontale Keiltaschen, welche bereits das Herausbrechen des nächsten Blocks vorbereiten. Diese Keile würden den neuen Block aus seinem natürlichen Lager bzw. Untergrund abheben. Unterhalb der rechten Keilbüchse ist der halbe Querschnitt einer sehr breiten älteren Keilbüchse zu erkennen, mit der durch Abstoßen der jetzt nicht mehr vorhandene Block aus der Steinbruchwand abgesprengt wurde. Das rechte Bild zeigt die moderne Technik mit sehr eng gesetzten und sehr kleinen Keilbuchsen. Der schmale durchlaufende Grat jeweils unmittelbar über den modernen Keilbuchsenöffnungen gehört zur Vorbereitung einer möglichst geradlinigen Abbruchflanke. |
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(Für Interessierte: Ein kleiner Beitrag des Verf. über "Keilspalttechniken an Findlingen (Keilbuchsen in Österreich")
Vgl. auch die Februar-Beiträge: "Keilspuren am Obelisken der Hatschepsut in Karnak" und "Weitere Befunde zur Keilspalttechnik in Karnak"
13.01.2006