Notizen 2006: Jänner | Februar | März | April | Mai | Juni | Juli | August | September | Oktober | November | Dezember |
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Konstruktive Details an ägyptischen Tempeltüren und Portalen Schenkt man den Durchgängen, Portalen und Türöffnungen in den ägyptischen Tempelanlagen mehr Beachtung als nur einen flüchtigen Blick aus den Augenwinkeln beim Hindurchgehen, so fallen zahlreiche technische Details an den Türpfeilern und Gewänden auf, die mit der Konstruktion der Türflügel bzw. Türblätter zusammenhängen. Dazu kommt noch, daß ägyptische Tempeltüren einige Eigenheiten aufweisen, die von der üblichen Bauweise späterer oder europäischer Portallösungen abweichen. Allgemeines zur Konstruktion |
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Konstruktion der Aufhängung einer ägyptischen Tür und Rekonstruktion der Montagetechnik: das Türblatt mit den fix montierten Drehzapfen wird über die Rinne im Boden schräg eingefädelt. (Abb. aus Arnold, Lexikon der ägyptischen Baukunst, Düsseldorf 2000, S. 268). |
Die Türblätter haben sich in der Regel nicht erhalten und Abbildungen von Türen, die Auskunft über technische Details geben könnten, sind äußerst selten. Bezüglich der Türkonstruktion schreibt etwa Arnold (Lexikon, 268f) in seinem Lexikon, daß die aus vertikalen und durch hölzerne Querbänder verbundenen Türblätter mit bronzenen Drehzapfen versehen waren. Da die Türblätter erst in der letzten Dekorationsphase eingebaut wurden, bestand das technische Problem, wie die Türblätter trotz ihrer oben und unten herausragenden Drehzapfen in die bündig mit dem Überlager (Architrav) bzw. der Schwelle abschließenden Löcher der Drehlager eingesetzt werden können. Man bediente sich dabei sogenannter Einführungsrinnen im Boden, sodaß man das Türblatt schräg in die Drehlager einfädeln konnte. Nach Arnold bestanden diese Drehlager bzw. Drehpfannen aus besonders hartem Gestein oder Metall und konnten rund, hufeisenförmig oder vierteilkreisförmig sein und - wie etwa in Karnak (1. Pylon) - bis zu 50 cm Durchmesser haben. |
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Die Türblätter waren nach Arnold teilweise mit Elektron, Gold und Silber beschlagen. Eine Abbildung eines mit Metallauflagen (?) beschlagenen Portals hat das Mitglied 4u2 im Ägyptologie-Forum (ÄC) online gestellt. Es handet sich um das Bruchstück eines Reliefs im Freiland-Museum von Karnak. Siehe: Thread #49 im ÄC S. auch Arnold (Lexikon, 268f): Im Djoser-Bezirk wurde eine doppelflügelige
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War die Tür einmal über die Rinne am Boden eingehängt, wurde diese mit Steinen verschlossen. Im Alten und Neuen Reich verlief die Einführungsrinne entlang der Portalgewände, im Mittleren Reich parallel zum Staffel. [? Anm.: das geht aber nur bei zweiflügeligen Türen, da man ein einflügeliges Türblatt im Türdurchlaß doch nicht schräg einführen kann!? Ist noch zu prüfen!] Arnold: Bei einflügeligen Türen ist die Türlaibung auf der Seite der Drehpfanne wegen der Türstärke tiefer, nur bei zweiflügeligen Türen ist die Laibung auf beiden Seiten gleich tief. [? Anm.: gemeint ist wohl, daß innen der Türpfosten breiter ist. ?] |
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Ergänzung: Zum Problem der Montageweise: kurze und lange Einschubrinne? Hier wird mit drei Animationen versucht, das Problem des Einschiebens eines Türflügels näher zu untersuchen. Kritik am Vorschlag Arnolds. |
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Der Türverschluß erfolgte (nach Arnold, Lexikon, 269) durch hölzerne oder metallene (Bronze) Riegelbalken. Bei einflügeligen Türen befand sich der Balken in der Wand (!) und wurde zum Schließen herausgezogen - also ganz im Gegensatz zu einem nichtägyptischen Riegelsystem: bei diesem sitzt der Riegel entweder auf dem Türblatt, oder er befindet sich in einem tiefen Balkenkanal an der einen Laibungsseite und wird zum Schließen über die gesamte Breite der Türöffnung herausgezogen und in ein kurzes Balkenloch an der anderen Laibungsseite eingeschoben. Bei zweiflügeligen ägyptischen Türen sitzt der Verschlußbalken an einem Türblatt (in Ösen oder Bügel) und wird in Ösen am anderen Türblatt eingeschoben. [Anm.: ähnliches gibt es bei späteren europäischen Bauten. Hier kann der Balken auch über Haken eingeführt werden. Wenn ich Arnold richtig verstehe, dann dürften bei zweiflügeligen ägyptischen Türen die Balkenlöcher in der Türlaibung fehlen ???] |
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Interessant sind bezüglich der Türen die Inschriften zur Baugeschichte des Horustempels von Edfu: der erste Bauabschnitt des Tempels war nach 25. Jahren, im 10. Regierungsjahr Ptolemäus IV. Philopator, fertiggestellt und erst im 16. Regierungsjahr die Haupttür und die Türflügel der Hallen. Im 30. Jahr seines Nachfolgers wurde der Bau "... mit dem Aufschreiben der Inschriften und dem Einschneiden mit ehernem Werkzeug, mit dem Ausschmücken seiner Mauern mit Gold und dem Auftragen der Farben, mit dem Fertigstellen seiner (hölzernen) Türblätter (?) und dem Überziehen seiner Türzapfen (?) mit vollkommenem Erz, mit dem Ausmeißeln des Steines für seine Türriegel mit ehernem Werkzeug und dem Beschlagen der Türflügel seiner Portale mit Gold, also mit dem Vollenden von Mesen (Tempel von Edfu) in vorzüglicher Arbeit ..." fortgesetzt. (Übersetzungs-Zitat nach Kurth, Treffpunkt der Götter, 70f.). Somit sind wesentliche Teile der Türkonstruktion - wie etwa die Löcher für die Verschlußbalken - erst nach Errichtung der Portalanlage ausgestemmt worden. |
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D. Kurth, Treffpunkt der Götter, Inschriften aus dem Tempel des Horus von Edfu, Zürich - München 1994 |
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