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Jährliche Nilüberschwemmungen und Schlammablagerungen hinterließen an den Tempelanlagen charakteristische Spuren in Form von Verfärbungen. Diese bilden natürliche Höhenmarkierungen, bezeichnen somit ehemalige mögliche Lauf- oder Begehungshorizonte, welche auch noch nach einer Versetzung des Bauwerks erhalten bleiben. Besonders deutlich sind diese Sedimentations- und Erosionsmarken am Tempelbezirk von Philae, der mit dem Bau des neuen Assuanstaudammes auf die Nachbarinsel Agilkia versetzt werden mußte.
Die Granitfelsen (mit der typischen Zerklüftung in Form der sog. "Wollsackverwitterung") zeigen knapp über der Wasserlinie eine dunkle Zone von Ablagerungen, die vom Oberflächenwasser bei Hochstand des Stausees stammt. Unterhalb dieses Horizonts beginnt eine hellere Erosionszone (Auslaugung). Der Zustand der Tempelanlage und die topographische Situation in Philae vor der Errichtung des 1. Staudammes in Assuan ist durch mehrere historische Abbildungen dokumentiert.
Die beiden Aufnahmen des englischen Fotographen Francis Frith wurden bei Niedrigwasser gemacht. Die dunkleren Stellen an der Sockelmauer markieren die mittleren Hochwasserstände vor dem Bau des 1. Assuandammes. Der erste Staudamm von Assuan wurde von 1898 bis 1902 errichtet, jedoch schon 1907 bis 1912 und nochmals 1929 bis 1934 erhöht. Die Folge war, daß die Insel Philae - mit Ausnahme während der Sommermonate von Juli bis Oktober - permanent überflutet wurde. Pläne zur Versetzung der Tempelanlagen nach Bigeh oder auf die Insel Elephantine wurden nicht verwirklicht.
Die beiden Fotos lassen deutlich die durch Organismenbefall und Ablagerung gebildeten Wasserstandsmarken erkennen. In der 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts war Philae ein beliebtes touristisches Ziel für romantische Bootsfahrten durch die Tempelanlagen.
Erst mit der Erbauung des neuen Nasser- Staudamms in den 1960er-Jahren begann die UNESCO mit einem Rettungsprogramm, da die Tempelanlagen durch die Anhebung des Wasserspiegels permanent zu mindestens einem Drittel unter Wasser gerieten. Die Rettungsaktion erfolgte 1977 bis 1980, wobei die Tempelanlage von der Insel Philae auf die ca. 500 m entfernte Nachbarinsel Agilkia versetzt wurde. Das Foto aus dem 19. Jahrhundert zeigt noch die später entfernten Schuttmassen am Original-Standort Philae. Die (kontrastverstärkte) Bestandsaufnahme rechts läßt deutlich eine dunkle Ablagerungsschicht entlang der Fassade erkennen, die sich auf den Schäften der Kolonnade fortsetzt. Der Verlauf dieser Wassermarke deckt sich mit der Schuttoberkante bzw. mit den dunklen Verfärbungen an den Säulenschäften der Aufnahme des 19. Jahrhunderts. Eine zweite Wassermarke verläuft in Höhe der Hohlkehle des Portals, wie am Farbwechsel vom dunkleren zum helleren Mauerwerk erkennbar ist. Es handelt sich um eine Wassermarke, verursacht durch den wesentlich höheren Wasserspiegel des 1. Assuanstaudammes. Charakteristik der Sedimentationshorizonte und Wassermarken.
An der rechten Ecke des Pylons erstreckte sich eine größere und mit Schutt mehr oder weniger stark bedeckte Ebene. Die untere Wassermarke läuft hier ohne dieses charakteristische Abbiegen annähernd horizontal um die Ecke. Außerdem ist festzuhalten, daß die untere Wassermarke nicht ein gleichmäßiges dunkles Band bildet, sondern in mehreren Streifen von unten nach oben heller wird. An der Unterkante der Wassermarke setzt abrupt ein hellerer Wandstreifen ein.
Besonders stark ist dieses Abbiegen an der hofseitigen Portalanlage des ersten Pylons festzustellen, wo nicht nur die Schicht links des Portals sehr stark abbiegt, sondern an der rechten Seite die gesamte dunkle Schicht schräg zum Nilufer hin abfällt. Das gleiche Phänomen zeigt sich an der nilseitigen Fassade des sogenannten Trajan-Kiosk. Höhenmäßig paßt diese Wassermarke - auch nach der Versetzung der Tempelanlagen nach Agilkia - grosso modo mit jenen am Isistempel zusammen.
Wie erklärt sich nun das charakteristische Abbiegen des Leithorizonts an den Portalöffnungen? Es handelt sich um typische Sedimentationsmarken, die dadurch entstehen, daß Nilschlamm eingeschwemmt und abgelagert wird - teilweise sogar in den bis ins 19. Jahrhundert hier liegenden Ruinenschutt. An Wandöffnungen kommt es durch die Einengung des Wasserstroms beim raschen Ab- bzw. Einfließen zu typischen Wirbelbildungen: der Wasserstrom gräbt sich gleichsam ein Bett in die eigenen Sedimente (Nilschlamm).
Mit der Wirbelbildung und der davon abhängigen differenzierten Art der Sedimentation ist auch zu erklären, daß bei den Kolonnaden die Wassermarken nach innen abbiegen (Wirbelbildung an der Innenseite der Säule), die zugehörige Wassermarke an der Wand jedoch wieder auf dem Niveau der Hofseite des Säulenschaftes ist. Die teilweise sehr starken Farbunterschiede - Säulenschäfte und Wandflächen unterhalb des Leithorizonts wirken wie ausgebleicht - erklären sich aus einer gewissen Aggresivität des Nilschlamms (Huminsäuren etc.), der hier längere Zeit auf den Stein einwirken kann. Man vergleiche dazu die obige Abbildung aus dem Mammisi von Philae mit dem Gegensatz zwischen ausgewaschener unterer Zone und stark patinierter oberen Wand.
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Verwandte Themen Zu Philae und Agilkia UNESCO: The Rescue of Nubian Monuments and Sites UNESCO: International Campaign to Save the Monuments of Nubia
Zu Francis Frith Francis Frith (1822-1898; 3 ägyptische Expeditionen zwischen 1856 und 1860) Zangaki (Zangaki-Brüder) Zangaki-Brüder, Griechen oder Zyprioten, 1860 - 1880 im Algerien, Palästina und Ägypten tätig. Die mit Zangaki signierten Fotos werden von den Fotoarchiven unterschiedlich datiert. So etwa vom Griffith Institute, das meist ca. 1880 bei Karnak und Luxor mit ca. 1890 angibt. Die Zangaki-Aufnahmen zeigen allerdings Zustände aus verschiedenen Perioden.
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