Pfongau in Neumarkt am Wallersee (Sbg.)

Filialkirche hl. Martin und Michael.

Gründungsbau: Rechteckiger Holzbau (Reste); 8. Jahrhundert.

Steinkirche I.: Apsidensaal mit segmentförmigem Ostabschluß, karolingisch.

Erweiterungsbau mit halbrunde Apsis; 12. Jahrhundert.

Umbau zur Chorquadratkirche; 13. Jahrhundert.


Der Ort "Faungaune" wird schon im 8. Jahrhundert anläßlich seiner Erwerbung durch den Abt von Mondsee, Opportunus (ca. 735/748 - 785), erwähnt, die Kirche allerdings erst 1614. Der heutige Bau, ein Saalraum mit polygonaler Apsis, stammt aus dem 15. Jahrhundert und wurde im 17. und 19. Jahrhundert erweitert. 1984 konnten durch eine Flächengrabung vier Vorgängerbauten erschlossen werden. Von einem Gründungsbau des 8. Jahrhunderts wurden lediglich die Reste von Pfostengruben nachgewiesen, die auf einen rechteckigen Ständerbau schließen lassen. Der Nachfolgebau war ein Saalbau mit flacher, segmentförmiger Apsis, wobei die Südmauer bis zum heutigen Bau teilweise beibehalten wurde.

Der kapellenartige Bautypus konnte auch beim Erstbau der Martinskirche in Hallwang (Sbg.) aus dem 8. Jahrhundert, dem Gründungsbau der Petrus und Pauluskirche in Salzburg-Liefering (790 im Indiculus Arnonis genannt) und als frühester Bau unter der Martinskirche von Thalgau (Sbg.), Anfang 8. Jahrhundert, nachgewiesen werden. Der Typus scheint vor allem im salzburger Bereich im Frühmittelalter eine wichtige Rolle gespielt zu haben. Ein früher Vertreter in Bayern (Epolding-Mühltal nahe München) aus der Mitte des 8. Jahrhunderts dürfte einen Hinweis auf die Herkunft dieses Typus geben, der vereinzelt bis ins 10/11. Jahrhundert auch noch weiter östlich weiterlebt (Sarling, NÖ, Veitskirche). Der erste Steinbau in Pfongau könnte wegen der kurzen Lebensdauer des hölzernen Vorgängers noch in karolingischer Zeit entstanden sein.

Im 12. Jahrhundert wurde der karolingische Ostabschluß durch eine romanische Apsis ersetzt, die ihrerseits im 13. Jahrhundert einem leicht eingezogenem Chorquadrat weichen mußte.


Literatur: Buberl, Kunsttopographie 10/1, 1913, 112f. - Dehio, Salzburg, 1986, 57 - Enzinger, Pfongau, 1984. - Czerwenka, Architektur, 1992, 106f.


Register


© studiolo 19.06.99 21:39