Österreichischer Beobachter. Exzerpt 1810
Erstellt von Christian Aspalter und Anton Tantner

Standort: Universitätsbibliothek Wien, Signatur II 18.966 III
Erscheinungsdaten: 1810-1848
Wien, Anton Strauß
Fraktur
{Paginiert und datiert ist jeweils nur der Hauptteil der Zeitung, nicht aber die zumeist literarische und kul-turelle Themen behandelnden, von FS redigierten Beilagen.}

Auswahl aus der Literatur
Eichler, Herbert: Zur Vorgeschichte des "Österreichischen Beobachters". In: Jahrbuch der Grillparzer-Gesellschaft. 28.1926, S.170-181.
Foit, Johann: Die publizistische Tätigkeit Friedrich Schlegels in Wien. Wien, Dissertation, 1956, S. 84-109.
Geiger, Ludwig: Friedrich Schlegels journalistische Anfänge in Wien. In: Jahrbuch der Grillparzer-Gesellschaft. 16.1906, S.295-310.
Korpus, Klara: Friedrich Schlegel als Geschichtsphilosoph und Geschichtsschreiber, Politiker und Journalist. Wien, Dissertation, 1916, S. 70-75
Leopold, Günther: Friedrich v. Gentz im österreichischen Staatsdienst. Unter besonderer Berücksichtigung seiner Verdienste um das österreichische Pressewesen. Wien, Dissertation, 1956, S.132-138.
Lunzer-Lindhausen, Marianne: Friedrich Schlegel als Publizist der österreichischen Regierung im Kampfe gegen Napoleon. In: Publizistik. 5.1960, S.522-531.
Mühlhauser, Josef: Die Geschichte des "Österreichischen Beobachter" von der Gründung bis zum Tode von Friedrich von Gentz. Wien, Dissertation, 1948

Seitenzahlen sind kursiviert in runde Klammern, Anmerkungen in geschwungene Klammern gesetzt.

Verwendete Abkürzungen

AWS = August Wilhelm Schlegel
ALZ = Allgemeine Literaturzeitung
BAY = Bayern
CH = Schweiz
D = Deutschland, deutsch
EB = Erzbischof
EU = Europa
F2 = Friedrich II.
FR = Frankreich, französisch
FS = Friedrich Schlegel
GB = Großbritannien/England, englisch
Geo = Geographie
gg = gegen
HI = Geschichte
Jh = Jahrhundert, Jahrhunderte
JvMüller = Johannes von Müller
Kg = König, königlich
MA = Mittelalter
MT = Maria Theresia
N = Nord(en)
ÖS = Österreich, österreichisch
Philo = Philosophie
PR = Preußen
Rev = Revolution
S = Süd(en)
SP = Spanien
tw = teilweise
Ü = Übersetzung
ua = unter anderem
v = von
va = vor allem
VB = Vaterländische Blätter
Vgl = Vergleich
Wiss = Wissenschaft, Wissenschaften


Exzerpt: Österreichischer Beobachter 1810


ÖS Beobachter Nr 1 2.3.1810
*Endlich keimt Palme des Friedens, "Des Beobachters Blicke ruhen auf einer heiteren Zukunft;"

ÖS Beobachter Nr 4 9.3.1810
*Schreibweise Göthe für Goethe (14)

ÖS Beobachter Beilage Nr 1 {nach Nr 8 19.3.1810; eingebunden, unpaginiert}
*"Wir beginnen die versprochene Anzeige der wichtigsten und merkwürdigsten literarischen Erscheinungen": Fundgruben des Orients; ihr Motto; "Sag': 'Gottes ist der Orient, und Gottes ist der Occident;
Er leitet, wen er will, den wahren Pfad.'"
"(Dieser wahre Pfad wird am sichersten dadurch eingeleitet, wenn das Göttliche, der Gang der Wahrheit, der Geist des Orients der letzte Zweck, der allgemeine Einheits- und Beziehungspunct des ganzen Studiums ist, dessen bis jetzt noch so sehr verkannter Werth alsdann wohl jedem einleuchtend seyn muß." philologische, geographische ua faktische Untersuchungen sind erste Grundlage; "die Geschichte der Ideen aber ist am Ende doch die Frucht, der reine Gewinn, der aus allen jenen Anstalten hervorgehen soll.)" -{am Schluß des Aufsatz wurde mit Blei "F." zugefügt -FS??}
*Rezension sämtl Werke Winkelmann "Goethe"
*"Göthes" Wahlverwandschaften
*in Berlin wird Shakespeare Kaufmann v Venedig in getreuen Übersetzung AWS aufgeführt

ÖS Beobachter Beilage Nr 2 nach Nr 10
*Göthes Wahlverwandschaften

ÖS Beobachter Beilage Nr 3 nach Nr 12:
*Theater; Attila von Zacharias Werner im Theater an der Wien: gewaltsam verändert;
*Bemerkung: Zitat von Friedrich Richter Dämmerungen für Deutschland: "(...). Bedächten doch die Vornehmen des Jahrhunderts, daß sie nicht vom Einflusse ihres Scheins, sondern vom Allmosen einer religiösern Vergangenheit leben, und daß die unglückliche Zeit von gläubiger Vorzeit zehre."

ÖS Beobachter Beilage Nr 4 nach Nr 13 30.3.1810
*aus Fundgruben des Orients: Über Blumensprache in türkischen Harems; Gedanken: aus Stolbergs Geschichte der Religion

ÖS Beobachter Beilage Nr 5: nach Nr 15 4.4.1810
*Caroline Pichler: Nachruf auf Köderl, gest 11.1.1810 datiert 21.3.1810 sehr positiv; "Die neueste Literatur kannte er von Amtswegen, als Büchercensor und Revisor vollkommen. Ossian, sein Lieblich, begleitete ihn auf seinen einsamen Fußreisen in die romantisch wilden Gebirgsgegenden, die er zuweilen im Spätherbst, wenn es seine Pflicht erlaubte, antrat, und wibey er meistens bey seinem Bruder einsprach." {vollständiger Text siehe VB 27.4.1810}
*Gedicht von -th- zu Fasching 1810
*O.: Über Mesmer (aus Jenaer ALZ)
*Nachrichten: für Kant wird Denkmal errichtet; in Königreich Westphalen ist durch Entscheidung Polizeiministerium Kotzebues Journal die Biene verboten

ÖS Beobachter Beilage Nr 6: nach Nr 17 9.4.1810
*Auszug aus Schrift ehem. Metropolitan-EB Regensburg: Hinweis auf die schwierige Lage der katholischen Diözesen im Rheinbund nach Säkularisierung; nach Zitat: "Wir wollen also unsere Gebethe um Wiederherstellung des kirchlichen Friedens in diesem so interessanten Theile der katholischen Welt an die göttliche Vorsehung richten. Dieser, dem geistlichen und weltlichen Wohl der Völker so nützliche Frieden wird deren Anhänglichkeit an ihre Souverains befestigen, und vielleicht im Geiste der christlichen Liebe die Vereinigung der Katholiken und Protestanten erleichtern. Diese, sowohl im Ganzen als besonders in den rheinischen Bundesstaaten so wünschenswerthe Vereinigung scheint nur dann möglich, wenn das hierarchische System selbst befestigt ist. Denn wie soll man sich vereinigen, wenn die Personen, welche dazu auf gründliche und orthodoxe Weise beytragen können, mit einem Worte, wenn die katholischen Titularbischöfe in diesen Gegenden nicht mehr vorhanden sind?" Keime des Hasses, der aus Meinungsverschiedenheit entsteht, muß zerstört werden; die vollkommene Übereinstimmung dieser Meinungen kann nur Werk göttlicher Vorsehung sein
*Theater: es spukt von Frau v Weissenthurn

ÖS Beobachter Beilage Nr 7: nach Nr 19 13.4.1810
*Aufsatz zu ÖS Finanzplan, Bancozettel
*Theater

ÖS Beobachter Beilage Nr 8 nach Nr 22 20.4.1810
*Über höhere Poesie (aus Stollbergs HI der Religion)
*AWS: Gedicht Auf die Richtstätte der Jungfrau v Orleans zu Rouen
*Nachrichten: vermöge königl Rescript 21.3.1810 ist in BAY Nachdruck der Johann v Müllerschen Schriften (Hg Bruder) bei 100 Ducaten Strafe verboten, um diesem nützlichen Unternehmen königl Schutz zu erteilen
*Kotzebue Die Biene nun auch in PR und Hansestädten verboten

ÖS Beobachter Nr 28 4.5.1810
*über Kaiserin FR wird Anekdote verbreitet, die unwahr ist

ÖS Beobachter Beilage Nr 9 nach Nr 30 9.5.1810
*Theater
*Die Biene nun geschlossen, Kotzebue will Die Ameise herausbringen, die nichts Politisches enthalten soll

ÖS Beobachter Beilage Nr 10 nach Nr 32 14.5.1810
*FW Riedler nun wirklicher Regierungsrat als Beisitzer der Studienhofcommission
*Theater
*Rom (aus Stolbergs HI der Religion): war mächtig nicht allein durch Tapferkeit, List, auch durch "blendenden Zauber", der Nationen "hintaumeln vor einem Menschen, oder vor einem Volke" läßt

ÖS Beobachter Beilage Nr 11 nach Nr 35 21.5.1810
*D-Übersetzung römischer Elegiendichter Tibull von Koreff in Paris erschienen; ist nach Beispielen und Grundsätzen Voß und AWS ausgebarbeitet
*Hermann: aus FS- historischen Vorlesungen: Sieg gg Augustus; "Er kannte die Kriegskunst der Römer, ihre Sprache und Bildung. Nicht irgend eine gemeinere Triebfeder, sondern allein die klare Überzeugung von dem, was Deutschland heilsam und zur Rettung nothwendig sey, hat seinen Haß gegen Rom entflammt."; Kampf gg Germanicus, Land tw verwüstet: "Hermann hatte eingesehen, woran es eigentlich, um den Römern sicher unbezwinglich zu bleiben, gebreche; an einem allgemeinen Verein und festen Zusammenhalten der verschiedenen deutschen Völker.", so ua gg Marbod, Kg im S-D, der im Kampf für Vaterland gleichgültig war, in Frieden mit Römern lebte, "den römischen Sitten nachgebildete Herrscherweise war verhaßt"; als Erhalter, wahrer Stifter und zweiter Stammvater der D-Nation "ist er auch als der Anfang und Begründer der gesammten neuern Geschichte, der freyen europäischen Verfassung und Bildung anzusehen."; sein Heldenleben hatte mehr Folgen "als Alexanders glänzende Eroberungen und Cäsars blutige Siege" {am Rand des Texts sind mit Bleistift die Strichpunkte nochmals angemerkt sind; war evt ein Mittel eines Lesers, die Autorenschaft von FS zu erkunden}
*Über Liebe und Ehe in Beziehung auf Goethe's Wahlverwandtschaften. Unterscheidung Ehe, die auf Anziehung des Ungleichartigen, und (leidenschaftlicher) Liebe, die auf Anziehung des Gleichartigen beruht "Das ist das Geheimniß seines chemisch-moralischen Räthsels!" {Bleistift: "F."}
*Literarische Ostermesse 1810: Joh v Müllers 24 Bücher allg HI, kritische Ausgabe Nibelungenlied v Hagen, 3.Teil Pfisters HI v Schwaben: "tiefere Kenntniß des Mittelalters", Beschluß Werk über dramatische Lit und Kunst AWS; Campes D Wörterbuch (erstes brauchbares, nach seichten und ungenügenden Werk von Adelung) 4.Tril; "Hr. Brandes fährt fort, über den Zeitgeist nach seiner Weise zu commentiren." Adam Müllers Vorlesungen über F2
*Stolberg-Zitat

ÖS Beobachter Beilage Nr 12 nach Nr 38 28.5.1810
*Hartmann's Erscheinung aus Collins Rudolph v Habsburg: in Archiv für Geo Historie usw wurde manches "für die künftige Geschichte Kaiser Karl des V." berichtigt, nun Proben HvCollins Nationalgedicht; zu Ottokar: "in dessen Sinnesart, was kaum vereinbar scheint, wüthende Leidenschaft und tückische Bosheit widerwärtig vermischt war"; vor Gedicht einige Stellen über Rudolph von FS: Haus Hohenstaufen hatte auf Blutgerüst schrecklich geendet, kraftlose Königswahlen, man wußte nicht ob D und Welt rechtmäßigen Ks habe, "da erreichte die Verwirrung ihre höchste Stufe"; "das unglückliche Europa enthauptet klage"; Parallelisierung Papst-Kaiser Sonne-Mond, nun Himmel verdunkelt, aber ritterlicher Mut, Rudolph {nach Foit,107 von FS}
*Theater
*Über wahren Ursprung 1001 Nacht (aus Fundgruben): bestehen aus ungleichartigen Teilen, diese Vermischung geschah über lange Zeit, Ursprung persisch, tw indisch
*W Grimm kündigt D Ü von altdänischen Heldengesängen an
*Gall
*Physiker Cavendish tot
*Kotzebue nicht nach GB, Jornal soll statt Ameise Wespe heißen

ÖS Beobachter Beilage Nr 13 nach Nr 39 30.5.1810
*Aus Tibulls Elegien
*Egmont von Goethe
*AWS (Schlegel): Büsching/Hagen Hg: Buch der Liebe: Alt-D Texte

ÖS Beobachter Beilage Nr 14 nach Nr 44 11.6.1810
*M.: Gluck Iphigenia in Tauris
*AWS: Büsching/Hagen Fortsetzung "Ein Grund, warum es allen Verehrern der vaterländischen Denkmäler um so angelegener seyn muß, solche Unternehmungen, wie das gegenwärtige, zu unterstützen, liegt in den Zeitumständen. Man muß eilen, das noch Vorhandene durch neue Abdrucke zu retten, sonst möchte es zu spät seyn. Durch die Einziehung der Klöster und andere Besitzveränderungen, welche dieses Zeitalter, wo alle bis jetzt bestandenen Einrichtungen eingestürzt, oder in ihren Grundfesten erschüttert sind, herbeygeführt, wird dasjenige, was Jahrhunderte lang in Büchersammlungen sorgfältig verwahrt worden, zerstreut oder versplittert, oder gar ins Ausland entführt, wie es noch neulich den Schätzen der wolfenbüttelschen Bibliothek ergangen ist. Schon in Folge des unseligen dreyßigjährigen Krieges kam der Manessische Codex der Minnesänger nach Paris, und über hundert andere in den Vatican, wo sie für immer ungenutzt verborgen hätten liegen mögen, wenn der Eifer deutscher Gelehrten {sic!} sie nicht aufgespürt hätte. Denn die auswärtigen Literatoren, welche sich mit solchen Erwerbnissen brüsten wollen, da sie nicht ein Mahl das heutige Deutsch, geschweige den {sic!} Altdeutsch verstehen, gemahnen einen gerade wie Harlekin im Lustspiel, der einen Brief entwendet, und sich hinterdrein besinnt, daß er nicht lesen kann."
*Bartholdy: Der Liebe Lustgewebe
*Nekrolog Brandes (13.5.1810 gestorben) nachlässige fehlerhafte Schreibart, Verdienst daß er schon früh vor FR-Rev warnte; wobei sein Freund Rehberg dies besser machte; "In Brandes Betrachtungen über den Zeitgeist in Deutschland ist Wahres und Falsches, Treffendes und ganz oder halb Verfehltes vermischt, wie es bey einer unzusammenhängenden Rhapsodie einzelner Bemerkungen immer der Fall seyn wird." "Ein Schriftsteller, der in seinem eigenen Geiste noch zu keiner festen Ansicht und Ordnung, zu keiner Einheit gelangt ist, der wird uns schwerlich die Einheit und den wahren Sinn des Zeitalters aufzulösen im Stande seyn." {mit Bleistift: "F?"} {nach Foit,107 von FS}

ÖS Beobachter Beilage Nr 15 nach Nr 48 20.6.1810
*Goethe-Gedicht
*Rez JvMüller: 24 Bücher allg HI: Verweis auf seine Exzerpte
*Theater: Schiller: Tell
*Nekrolog Meiners 1.5.1810: Schule des historischen Studiums in Göttingen erleidet einen Verlust nach dem anderen; "Noch in demselben Jahre, in welchem Johannes von Müller die angefangenen Werke der Nachwelt unvollendet hinterließ, folgte ihm sein würdiger Lehrer Schlözer, der durch tief forschenden Fleiß und durch oft kühn gewagte, daber doch immer lehrreiche eigne Meinungen und Zweifel so manche bisher dunkle Stelle der Geschichte in ein helleres Licht gesetzt, vielfältig Neues entdeckt, überall, wo er seine Thätigkeit hinwandte, den Geist der Untersuchung erregt hat."; dann Spittler, nun Meiners; von ihm hat "Über die HI der Menschheit" den geringsten Wert, unzuverlässige kritiklos gesammelte Quellen; besser HI der Wiss Griechenland und Rom; Vgl des MA mit unserem Jahrhundert: Mangel an Kritik noch größer; praktisch daß in letzterem viele Zitate über diese fast "völlig unbekannte Strecke der Weltgeschichte" auf einen Haufen beisammen; HI berühmter Gelehrten ist vorzüglichste seiner Werke. {mit Bleistift: "F"} {nach Foit,107 von FS}

ÖS Beobachter Beilage Nr 16 nach Nr 53 2.7.1810
*Stanzen v Goethe für allegorischen Maskenzug darstellend die romantische Poesie
*"F.Schl." {FS}: JvMüller allg HI: da aus FR übersetzt, Sprache nicht so dunkel wie sonst; Quellen des Verderbnis sucht Verfasser richtig in Lehre der Gnostiker; "Der Standpunct des Schweizers mit einem Worte ist dem ganzen Werke durchscheinend und vorherrschend"
"Dieß ist keineswegs als ein Tadel gemeint, sondern es soll nur dienen, den wahren Gesichtspunct des Werkes zu bestimmen.
Es gibt zwey ganz verschiedene Arten, die Weltgeschichte zu behandeln, die rein factische und die moralische. Unter der ersten Behandlunsgart verstehen wir diejenige, welche ohne eingestreute eigne Bemerkungen des Verfassers, ja ohne alle moralische Beziehung, die bewährten Thatsachen aufzählt, die Geschichte von China mit dem gleichen Interesse wie die des eignen Vaterlandes. In dieser Art ist Gatterer durch unermüdeten Fleiß einzig und der Stammvater der gründlicheren Geschichtsforschung in Deutschland geworden. Auch noch jetzt sind seine Arbeiten unentbehrlich, und die seiner Nachfolger meistens nur als Ergänzung dessen, war er geliefert, zu empfehlen; am besten leisten dieses durch Hinweisung auf die Quellen Beck, auch Remer als mannichfaltiger Sammler, wenn er nur nicht so oft ungebührliche eigne Gedanken und Einfälle einmischte." -Müller hätte dies (faktische Behandlung) auch machen können; "War es aber das, was die Welt von ihm erwartete und wünschte, oder nicht vielmehr etwas ganz anders? Jene factischen Bearbeitungen der Weltgeschichte werden mit Recht bey dem Unterricht der Jugend zum Grunde gelegt. Von Joh. von Müller erwartete das Zeitalter ein Werk, wo der denkende Staatsmann, der gebildete Weltbürger Nahrung und Bereicherung fände; ein solches hat er auch, wenn gleich in unvollendeter Gestalt der Welt als ein unschätzbares Erbe hinterlassen. - Der Geist, der Gedanke ist es, was ihm den Werth gibt. In dieser zweyten moralischen Behandlungsweise der Weltgeschichte darf der Darsteller sich selbst, seine Gesinnungen und Grundsätze, sein Vaterland und seine Überzeugungen durchaus nicht verläugnen. Der Standort und Gesichtskreis des Verfassers geht unvermeidlich in sein Werk um so mehr über, je lebendiger kraft- und geistvoller dieses selbst ist."
*Zitat von JvMüller

ÖS Beobachter Beilage Nr 17 nach Nr 56 9.7.1810
*Wilkins Grammatik Sanskrit-Sprache {nach Foit,107 von FS}
*Zitate von JvMüller
*Verweis auf Fundgruben Orient

ÖS Beobachter Beilage Nr 18 nach Nr 66 1.8.1810
*Ballet Henry: Wilhelm Tell

ÖS Beobachter Beilage Nr 19 nach Nr 69 8.8.1810
*FR-Übersetzung von Hormayrs ÖS Plutarch. Zuerst zum Original: Wert liegt in Menge der Berichtigungen alter Irrtümer, für ÖS Leser besonders in Wärme, Begeisterung und Beredsamkeit; "zur Lieblingslectüre aller Patrioten"; getadelt werden konnte höchstens "die Schreibart" "reichhaltig, oft glänzend, stellenweise hinreißend"; Biographie muß sich auch in Stil von historischen Jahrbüchern unterscheiden: "Jahrbücher mag man auf den Ton einer ruhig und immer gleichförmig fortfließenden Darstellung beschränken. Die Biographie soll und will nicht bloß erzählen, sondern charakterisiren, das innerste Wesen eines außerordentlichen Geistes nach allen seinen Eigenheiten lebendig vor Augen stellen. Hier ist oft der ganze Reichthum der Sprache noch sehr unzureichend, die feineren Züge und Farben des geistigen Gemähldes, wie es der Darsteller erfaßt hat, ganz zu erreichen und wieder zu geben; und es wird sich derselbe auch die seltneren Wendungen der Sprache und manches nicht Gewöhnliche erlauben müssen, wenn er seinen Zweck erreichen soll."
"Die östereichische Geschichte ist von Rudolph dem I. bis zum Preßburger Frieden aufs innigste mit der deutschen Geschichte verbunden; die deutsche Geschichte aber war (wie auf ähnliche Weise die englische nach den verschiedenen Ansichten und Grundsätzen der Torys und der Whigs) nach den Ansichten zweyer entgegen gesetzten Parteyen behandelt worden; je nachdem die Schriftsteller entweder in protestantischen oder katholischen Gesinnungen, entweder für die landesfürstlichen oder für die kaiserlichen Rechte schrieben und urtheilten. Wie groß die Überzahl derjenigen Geschichtsschreiber Deutschlands, besonders in den neuern Zeiten war, welche ihre, für Österreich ungünstige Gesinnungen nicht verbergen, wie sehr oft die Wahrheit, ja auch die öffentliche Meinung und der gemeinsame deutsche Vaterlandssinn durch solche einseitige Darstellungen gelitten, ist bekannt genug." Schmidt fast der einzige, den man entggstellen kann, "der Österreichs oder um es richtiger zu sagen, des Kaiserthums und des gesammten Deutschlands Sache mit Gelehrsamkeit, mit Würde und Mäßigung geführt hat.", daher bleibender Wert, auch wenn Mängel in älteren Epoche und MA; gerade dort wo aber Werk besser wird, unbeendet; -umso unentbehrlicher ÖS Plutarch
Dasselbe gilt für allg StaatenHI von EU, da ÖS seit Maximilian meistens Mittelpunkt der EU Politik war
*Über vaterländische Gedichte: Haschka
*Goethe-Gedicht
*Über Schweden
*JvMüller-Zitate

ÖS Beobachter Beilage Nr 20 nach Nr 72 15.8.1810
*Über Fox und dessen historischen Nachlaß: 3bdg HI ÖS, letzter Bd von SP, ÖS-Erbfolgekrieg an sehr wichtig als Quelle und Urkundensammlung (Depeschen der GB-Gesandten Wien Berlin); außerdem HI der ersten Regierungsjahre Kg Jakob II, sollte HI der Engl Rev von 1688 heißen; "Was aber dem Werke außer der Erweiterung und Berichtigung der faktischen Wahrheit noch ein besonderes Interesse gibt, ist der Geist, in dem es geschrieben ist. Allerdings ist dieß der Geist einer Partey, in allen Urtheilen und allgemeinen Ansichten spricht der entschiedne ja leidenschaftliche Whig und Republikaner. Wohl darf es nicht der erste und beste einer wichtigen Parthey seyn, der ihre Stimme auf solche Weise vernehmen läßt. Ist es aber der Vornehmsten einer, ist er selbst eine historische Person, wie Fox, so wird ein Werk durch einen Partey-Anstrich dieser Art zwar keineswegs zu einem reinen historischen Kunstwerke gestaltet, aber eben dadurch als ein historisches Actenstück merkwürdig. Überall, wo in einem Lande zwey große Parteyen als noch wirksame Kräfte und Elemente des Staats und der Nation bestehen, da ist eine doppelte Behandlung der vaterländischen Geschichte nach dem Sinne der einen oder der andern Partey unvermeidlich und nothwendig, so lange die Parteyen selbst fortdauern. Nur muß allerdings neben dem Einfluß der Partey, zu welcher der Geschichtsschreiber sich bekennt, auf seine Grundsätze und Urtheile, in Rücksicht der Tatsachen jene Gewissenhaftigkeit und Kritik beobachtet werden, von der Fox ein so rühmliches Beyspiel aufstellt. Auch wird die faktische Genauigkeit durch den Streit nicht selten befördert, indem jede Parey {sic} die Kritik der andern zu fürchten hat, beyde sich gegenseitig bewachen. (...) Man würde sich nur täuschen, wenn man glaubte, daß bey einem solchen Partey Verhältniß, wie das geschilderte, die reine historische Wahrheit einzig und allein bey den sogenannten unparteyischen oder neutralen Schriftstellern zu finden wäre. Denn nur zu oft gerathen diese aus falscher Friedensliebe, da sie überall mildern, und beyde Teile schonen wollen, in den Fehler, daß sie des Guten von der einen wie von der andern Seite zu viel thun und die strenge Wahrheit der Thatsachen wirklich verfälschen, wie dieß Fox an Hume's Beyspiel mehrmahls gezeigt hat." Lehrreich dagg Fox schonungslose Darstellung der Greuel welche der Revolution am Ende Regierung Karl II und unter Jakob II vorangingen; "Hier sieht man vor Augen, welch unermeßliche Unglück Starrsinn oder Übereilung der Herrschenden über eine Nation bringen kann; ein Unglück, wogegen keine Magna Charta und kein Buchstabe einer Constitution hilft. Man wird gewahr, wie nah (nicht viel über ein Jahrhundert; in England, damahls unstreitig dem aufgeklärtesten Lande Europa's) uns noch gewisse Verwirrungen liegen, die man so gern weit von uns weg in die sogenannten barbarischen Zeitalter zurücksetzen möchte; jene Krisen, wo Irrthum, Vorurtheil und Leidenschaft und großen Massen wirken, und von Eigennutz und falscher Politik gebraucht und geleitet, furchtbare Meinungs- und Glaubens-Kriege erzeugen!"
Bitter redet Fox über Betrug Macphersons, der Papiere Kg Jakob II verfälschte, hält er genauso schlimm wie Ossian; -gegründet, aber nicht vergessen, daß hier der Engländer gg Schotten redet, "ein alter Nationalzwiespalt" so einflußreich wie der zwischen N-D und S-D Sinn
*Gedichte Ulrich v Hutten
*Kunst-Nachricht: Canova mit zwei Statuen von Kaiser Napoleon beschäftigt

ÖS Beobachter Beilage Nr 21 nach Nr 74 20.8.1810
*Ridler: Nekrolog Anton Simon
*Zitat aus Archiv für Geo Hist usw Nr 85 von Ridler "Rückerinnerung an ÖS Helden": zu verschiedenen Völkern der Monarchie

ÖS Beobachter Beilage Nr 22 nach Nr 76 24.8.1810
*FS: Schirin (Gedicht)
*Über den Charakter der schwedischen Nation: Zitat aus Arndt Einleitung zu historischen Charakterschilderungen, nicht so gut wie sein Geist der Zeit ("Sinn der Gerechtigkeit, das Gefühl für weltbürgerliche Ordnung und edle Freyheit")

ÖS Beobachter Beilage Nr 23 nach Nr 77 27.8.1810
*Beschluß zu FR-Übersetzung HormayrsÖS Plutarch: verdienstvolle historische Schriften D Lit letzte 30 Jahre: nur zwei: JvMüller HI CH und ÖS Plutarch. Gemeinsamkeit CH und ÖS, daß hier Nationalsinn und Einheit stark geblieben sind, während in D Studium der HI "statt der Nationalwirkung und patriotischen Begeisterung mehr eine universal-historische Richtung nahm," aber auch Unterschiede Müller-Hormayr: CH ging in letzten 18.Jh immer mehr in Zustand der Ruhe über, ÖS im 18.Jh in steigender Progression; Müller schrieb zu Zeiten eines scheinbaren europäischen Gleichgewichts, ÖS Plutarch zu Zeit des Kampfes, "wo wenige Monathe oft so viele Veränderungen und Begebenheiten herbeyführten, als sich sonst kaum in ganzen Jahrzehenden in halben Jahrhunderten ereignet hatten. Hier galt kein Säumen und Zögern, wenn der entscheidende Augenblick nicht verfehlt werden, und die Stimme des Patrioten, der weckende Aufruf des Nationalsinnes durch eine rasche und allgemein wirkende Zusammenstellung aller der größten und schönsten National-Erinnerungen dann zu spät kommen sollte.", Müller nahm sich 30 Jahre Zeit. Übersetzung wird gelobt. {Bleistift: "F."}
*Mungo Park

ÖS Beobachter Beilage Nr 24 nach Nr 78 29.8.1810
*Fortsetzung Nekrolog Simon
*Fortsetzung Fox (Unterscheidung Manier/Styl) {Bleistift: "F."}

ÖS Beobachter Beilage Nr 25 nach Nr 86 17.9.1810
*Deutsche Hexameter (soll wahrscheinlich lustig sein)
*Fortsetzung Nekrolog Simon
*AWS: Auf die Taufe eines Negers
*AW (wohl AWS): Literarische Nachricht: junger D-Gelehrter Glöckle schreibt D-Handschriften im Vatikan ab; da in Rom jetzt Bibliotheken und Archive von Stelle gerückt werden, sind noch Funde zu erhoffen; zu wünschen ist, daß sich Glückle mit Hagen und Büsching vereinigt, damit diese ihre Sammlung vervollständigen; "Den frommen Wunsch, daß deutsche Fürsten durch ihre Unterstützung die Aufbewahrung dieser Denkmäler des altdeutschen Rittergeistes dem unsichern Erfolg des Buchhandels entziehen möchten, wagen wir kaum zu äußern."
*Erichson: Griechischer Blumenkranz

ÖS Beobachter Beilage Nr 26 nach Nr 90 26.9.1810
*aus FS historischen Vorlesungen: Über die Götterlehre und älteste Poesie der Deutschen: wäre unrecht zu glauben, daß mit Christentum Einfluß der Götterlehre verschwand, lebte viele Jh in Poesie des MA weiter, "ja bis auf neuesten Zeiten, ist alles, was wir in Dichtungen, Begriffen und Gefühlen, romantisch, als uns Neuern ganz allein eigen und nicht erst von den Alten nachgebildet, nennen, zuerst und seinem Grunde nach aus diesen Quellen entsprungen"; um so törichter wenn einige Wunsch äußern, Christentum möchte lieber nicht in D eingeführt sein; denn: "was irgend gut und schön, was in einem gewissen Sinne wahr, edel, und liebenswürdig in der deutschen Götterlehre war, das hat sich in der romantischen Dichtkunst erhalten, lebt noch als Poesie fort." Götterlehre enthielt auch schädliches und unsittliches.
*Schillers Gedächtnisfeier

ÖS Beobachter Beilage Nr 27 nach Nr 99 17.10.1810
*H. {wohl Hammer}: de Wallenbourg: Notice sur le Schah-name de Ferdousi: da er lyrischen persischen Dichter nicht hätte übersetzen können: "es blieb ihm nur die Wahl unter den moralischen und den romantischen und epischen oder so man will historischen über, wo der Gehalt die Form überwiegt"
*neue Erfindung Wasserschlitten

ÖS Beobachter Beilage Nr 28 und 29 nach Nr 110 12.11.1810
*Schluß Nekrolog Anton Simon (von Ridler): "Der Zeitgeist, der in dem letzten Jahrzehend des vorigen Jahrhunderts in vielen Ländern alle bürgerliche Ordnung zerstört hatte; die Menge französischer und deutscher politischer Schriftsteller, die als Vertheidiger und Lobredner wilder Schwärmerey aufgetreten waren, mahnten die österreichische Staatsverwaltung gewaltsam, den neuesten Producten der Literatur eine strenge Aufmerksamkeit zu widmen. Es konnte ihr nicht gleichgültig seyn, daß viele ihrer Maßregeln, welche nur sie in der vollen Kenntniß aller Verhältnisse zu beurtheilen im Stande war, in einem schiefen Lichte dargestellt, und laut getadelt wurden; kurz, daß viele Schriftsteller, manche aus Plan, manche aus kurzsichtiger Leidenschaft sichs zum Zwecke machten, den stets guten und patriotischen Sinn der österreichischen Völker zu verderben. In einer zweckmäßigen Censur glaubte sie das kräftigste Gegenmittel gegen die schädliche Tendenz, dieser heimlichen und öffentlichen Feinde gefunden zu haben.*) Auch S. erhielt diese für die damahligen Zeitverhältnisse wichtige Anstellung. Nur Männer von erprobtem Biedersinn, von umfassenden Kenntnissen und klaren Ansichten der Zeitereignisse verdienten diese Bestimmung."
"*)Die beste Censur kann indeß nur negativ wirken. Ein weit kräftigeres Mittel gegen diese Feinde Österreichs wäre eine Akademie gewesen, deren Mitglieder durch Schriften allgemeine Ideen berichtiget, Irrthümer und Verleumdungen aufgedeckt, kurz die sich bemühet hätten, die öffentliche Meinung zu leiten, ja selbst dem Zeitgeiste eine bessere Richtung zu geben."
Es folgen Passagen über Roman.
In Anmerkung: Regierung MT wird "das goldene Zeitalter Österreichs genannt"
Anmerkung ***): zu Zensur
"Die Wichtigkeit eines Staats wird nicht allein von Zahlen, d. i. von der physischen Stärke, sondern auch vorzüglich von der ihn belebenden moralischen Kraft bestimmt. Diese hängt zum Theil wieder von der höhern und geringern Stufe der Nationalcultur ab." Daher 1795 Studienrevisionshofcommission eingerichtet, Spitze Rottenhan: hatte in schon lange gekränkt, daß in ÖS keine Akademie, gab auch Simon eine Anstellung
*Über die Edda

ÖS Beobachter Beilage Nr 30 nach Nr 113 19.11.1810
*Hofstätter: Altdeutsche Gedichte: aus Hofbibliothek; auch am 4.5.1809 auf Feld der Ehre verstorbener Leo v Seckendorf damit beschäftigt; darf "den Freunden romantischer Dichtung" versprochen werden (erscheint erst)
*Abgerissene Gedanken Friedrich Richter:
+"Wir
Die deutsche Seele besteht nicht, wie nach Thales die menschliche, aus Wasser, nicht wie nach Democritus diese, aus Feuer, sondern wie nach Hippokrates aus beyden. Diese Mischung aus Feuer und Kälte - zu welcher ich noch die geographische von Süd- und Nord-Deutschland bringe - könnte uns sehr entwickeln und zu hohem Wuchse treiben."
+Männlichkeit der Autoren: kritisiert, daß Autoren als Tintenfaß ein Tränengefäß benützen, sich zur Unmännlichkeit offen bekennen, in Rom hätts dies nicht gegeben, in Sparta sowieso nicht.

ÖS Beobachter Beilage Nr 31 nach Nr 121 7.12.1810
*Theater: ua Phädra, Columbus
*Miscellen:
Unterdrückte Werk der Frau v Stael ü.D enthielt Charakteristik des D-Geists, keine politischen Ggstände berührt, literarische und wiss Bildung gerühmt, Mangel an Einheit nicht verschwiegen; va Abschnitt zu Philo 18.Jh gerühmt, der Artikel von Kant und anderen voranging
*Ankündigung Handwörterbuch alt-D Sprache

ÖS Beobachter Beilage Nr 32 nach Nr 128 24.12.1810
*Gedichte von M Collin
*O.: Abhandlung über Lustspiel
*Vision des Kg Karl XI von Schweden, aus Vaterländischem Museum entnommen

Über diese Exzerpte


Verzeichnis der Exzerpte