INSTINKT & SOZIOBIOLOGIE

Eines der 5 Problemstränge der Motivationsforschung ist der instinkttheoretischer Problemstrang. Da sich verschiedene Theorien auf die Maschinenmetapher bezieht, ist diese erwähnenswert. Einige der für den Instinkt relevanten Merkmale der Maschine sind:

- die Reaktion von Maschinen sind unvermeidlich und vordefiniert. Sie werden von bestimmten Umständen ausgelöst.

- die Handlungen sind fixiert und " Routine".

- Maschinen sind für einen bestimmten Zweck konstruiert und haben bestimmte Funktionen.

 

1) INSTINKTTHEORIE

1.1) Definition:

Der begriff des Instinktes ist nicht einheitlich aufgefasst. Allgemein wird aber von allen Theoretikern der Aspekt angenommen, daß der Instinkt als " sinnhafter automatischer Ablauf nichtgelernter Verhaltensweisen" definiert werden kann.

Es wird also betont, dass eine Handlung gleich beim ersten Mal, ohne angelernt zu werden, zielgemäß richtig durchgeführt wird.

Zum Beispiel: Das Weben des Spinnenetzes.

Außerdem wird diese Handlung zwanghaft bis zum Ende durchgeführt. Sobald der Stimulus sie ausgelöst hat, entwickelt sie sich unabhängig vom Auslöser weiter, auch wenn der Zweck nicht mehr erreicht wird.

Z. B.: Vögel fliegen zurück zum Nest, auch wenn ihre Eier weggenommen wurden.

Diese stereotypischen Handlungen verkörpern die Maschinenmetapher.

1.2) Mc Dougall

Er gilt als der historische Hauptvertreter dieser Theorie, und war gegen die Willensanalyse. Er stellte 1908 eine Liste von 12 Hauptinstinkten auf, und war der Meinung, daß jedes Verhalten eine instinktiven Ursprung hat.

1.3) Kritische Reaktion

Ab den 20iger Jahren sank die Begeisterung für die Instinkttheorie.

Holt meinte 1931 z. B.: " wenn einer seinen Daumen dreht, kommt dies von seinem Daumen-Dreh-Instinkt; dreht er ihn nicht, dann ist sein Daumen-Nicht-Dreh-Instinkt am Werk".

Berhard zählte tatsächlich zu dieser Zeit über 14 000 Instinkte in der psychologischen Literatur. Dunlop und Kuo bezweifelten als Reaktion darauf die Existenz der Instinkte, und meinten: " der Instinkt ist kein notwendiges Konzept in der Psychologie".

Eine weitere Kritik war die Zirkularität der Instinkttheorie: " Der Instinkt erklärt ein Verhalten, das eben ein Instinkt ist".

 

2) ETHOLOGISCHE SICHTWEISE

2.1) Definition:

Zweck der Ethologie ist die Beobachtung von Verhaltensmuster der Tiere in deren Interaktion mit ihrer natürlichen Umwelt.

Mit dem Ethologen Konrad Lorenz gewann die Instinkttheorie eine neue Brauchbarkeit. Er meinte, daß man bei der Instinkttheorie nur auf "ererbte Bewegungskoordinationen" konzentrieren soll.

Die Ethologen benützten die Schlüssel-Schloß- Metapher: nur ein Schlüssel paßt je zu einem Schloß, sowie nur eine Antwort zu einem Stimulus.

2.2) Energieflußtheorie:

Der Instinkt wird auch von Ethologen als " internen Energiefluß" bezeichnet. Hier wird gemeint, daß die Antwort blockiert wird und ihren Ausdruck sucht. Um diese Energie zu veranschaulichen verwendet Lorenz die hydraulische Metapher:

Es wird für jeden Instinkt andauernd eine handlungsspezifische Antriebsenergie produziert, die auf Entladung drängt. Kommt es längere Zeit zu keiner Entladung, erhöht sich der Druck. So sammelt sich noch mehr Energie, die heraus will.

Um diesen inneren Druck beim Menschen zu kanalisieren, hat Lorenz 1966 auf die Wichtigkeit des Sports hingewiesen. Der Sport wäre eine Katharsis für die inneren Instinkte.

2.3) Leerlaufhandlungen

Wichtig in der ethologischen Theorie sind die Schlüsselreize. Bleiben diese längere Zeit aus, kann es zu sogenannten " Leerlaufhandlungen" kommen. Diese beweisen die Existenz dieser inneren Energie, da sie sogar ohne Stimulus zum Ausdruck kommen.

Ein Beispiel: bei Bergvögeln, die längere Zeit alleine im Käfig gehalten werden, wurde beobachtet, daß Weibchen eigene Federn benützten um ein Nest zu bauen.

Eine andere Folge des Energiedruckes sind die verschobenen Aktivitäten. Diese können auftreten, wenn gleichzeitig 2 miteinander unverträgliche Antworten erweckt werden. Dann kommt es zu unangemessenen Verhaltensweisen.

Der Ethologe Tinbergen gibt hier folgendes Beispiel an: Ein Vogel kommt in einer Situation, wo er zögert, ob er an der Grenze seines Reviers den Konkurrenten angreifen oder doch fliehen soll. Da fängt er plötzlich an sich zu putzen.

Tinbergen erklärt dieses Unangebrachte Verhalten dadurch, daß nach einem bestimmten Stufensystem das Tier zu einer unteren Instinktstufe greift, wenn er ins zögern kommt.

 

3) SOZIOBIOLOGISCHE THEORIE

3.1) Definition:

In der Soziobiologie wird die biologische Basis des instinktiven Sozialverhaltens untersucht.

Die Soziobiologen betrachten die Motivation auf einem längeren Zeitraum: aus der Perspektive der Evolutionstheorie von Darwin. Sie sehen als letzte Ursache des Sozialverhaltens die Nützlichkeit des Verhaltens zur Erhaltung des "genetischen Pools".

Ein Hauptbereich der Soziobiologie ist die Untersuchung des Altruismus als instinktive Motivation. Der Altruismus könnte anscheinend die Evolutionstheorie von Darwin in Frage stellen, weil laut ihm alle Organismen Überlebensmaschinen sind. Power meinte in diesem Sinn: "Nur Egoismus garantiert die Evolution".

3.2) Untersuchung des Altruismus

Es wurden verschiedene Experimente durchgeführt, um die Rolle des Altruismus zu erforschen. Folgendes Beispiel scheint ein Beweis für die Existenz des Altruismus zu sein: Eine Mutter opfert sich instinktiv um ihre 3 Kinder aus dem Feuer zu retten. Sie hatte also den Instinkt ihren genetischen Pool durch ihre Kinder zu erhalten.

Die These der Soziobiologie lautet also:

Im Vergleich zu den hohen Kosten, die durch aggressiven und egoistischen Verhalten entstehen, ist der Altruismus der bessere Gewinn für die Erhaltung der Art.

Insofern könnte man von egoistischen Altruismus sprechen.

Weiner hat seinen Lesern eine Liste von Fragen ( z.B.: You are on a boat that overturns. It contains your 5-year-old and your 1-year-old children ( of the same sex). The boat sinks and you can save only one. Whom do you choose to save? your 5-year-old or your 1-year-old child) , deren Antworten folgende These bestätigen: Je bedeutsamer das Lebewesen für die Reproduktion, umso wertvoller ist es.

Z.B: Das 5-jährige Kind wird bevorzugt, weil es näher am Fortpflanzungsalter steht; Männer bevorzugen jüngere Frauen, weil diese mehr Kinder zeugen können, usw.

Emotionen unterstützen auch diese These: z.B. ist die Trauer größer um Kinder, für welche länger Gefühle investiert wurden.

Es gibt aber auch noch andere Faktoren, die den Altruismus beeinflussen: z.B. die Form der Kindergesichter oder auch die äußere Ähnlichkeit.

NACHWORT:

Die obenerwähnten Instinkttheorien stoßen aber auf einige Kritiken. Nicht umsonst haben sich die Ethologen seit einiger Zeit von der Motivationsforschung zurückgezogen. Sie sind auf eine Kritik eingegangen, die sie für richtig hielten. Diese betrifft die Gefahr des Extrapolierens vom Tierverhalten zum menschlichen.

Ihre Meinung nähert sich übrigens der allgemeinen humanistischen Sichtweise, bei welcher die Menschen zusätzlich zu den Instinkten auch über die Macht der Vernunft verfügt.

Literatur:

Weiner (1992), Human Motivation, Metaphors, Theories and Research.