Utopien: Das Denken politischer Alternativen

PS BA 9, SoSe 2009

Mag. Marion Löffler

 

Letzte Aktualisierung: 26. August 2009

Achtung: Bin übersiedelt ins Zimmer B 209

Beginn: 11. März 2009

Ort: HS 2, NIG, 2. Stock, Institut für Politikwissenschaft

Zeit: Mittwoch, 18:30 - 20:00 Uhr

Inhalte, Ziele und Methoden der Lehrveranstaltung

Semesterplan

Leistungsnachweis/ Informationen zur kleinen Bachelorarbeit

Reader

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Veranstaltungshinweis: Am IWK findet eine Votragsreihe zum Thema Utopien statt: http://www.univie.ac.at/iwk/09ak.html#utopie

Erreichbarkeit


 

 
 
 
 

Inhalte, Ziele und Methoden der Lehrveranstaltung

Im Jahr 1516 veröffentliche Thomas Morus die „Utopia“ als bissige Kritik an den frühkapitalistischen Verhältnissen in England. Sein Werk wurde zum Namensgeber einer literarischen Gattung, die wie kaum eine andere an der Schnittstelle zwischen politischer Theorie und fiktionaler Literatur angesiedelt ist. Utopien boomten vor allem im vorrevolutionären Frankreich und wurden zur Quelle politischer Visionen, getragen von einem Fortschrittsglauben, der in der Zukunft eine bessere Welt vermutete. Allerdings begann mit Friedrich Engels Abgrenzung des wissenschaftlichen vom utopischen Sozialismus eine Abwertung utopischen Denkens, verbunden mit einem grundsätzlichen Ideologieverdacht. Spätestens mit dem Stalinismus als vermeintliche Verwirklichung der Utopie des Kommunismus stehen politische Utopien unter Totalitarismusverdacht. Diese Wende in der Einschätzung utopischen Denkens erfolgte bereits in Auseinandersetzung mit der Oktoberrevolution. Negative Utopien oder Dystopien wie Samjatins „Wir“ (1920) oder Orwells „1984“ (1948) behielten aber die Qualität und politische Stoßrichtung als Kritik an den politischen und sozialen Verhältnissen bei. Was zusehends fehlt ist die Vision eines Auswegs, einer Alternative zur kritisierten Wirklichkeit. Die gegenwärtige Debatte schwankt nun zwischen positiven und negativen Utopien. Einerseits scheint es notwendig und unverzichtbar für kreative Politik auch positive Visionen einer anderen Welt zu haben, andererseits können solche Visionen kaum als umfassende Gesellschafts- oder Staatsentwürfe verfasst werden, um individuelle Freiheit und Selbstbestimmung nicht quasi-totalitären Zwängen zu opfern.

In diesem Proseminar werden unterschiedliche Konzepte politischer Utopien vorgestellt und diskutiert. Es gilt die vielschichtigen Dimensionen von Utopie-Konzepten zu identifizieren, die sich entweder ergänzen oder einander entgegenstehen, um letztlich Variationen in der begrifflichen Vielfalt zu erkennen. Diese sollen letztlich für die Analyse ausgewählter Texte fruchtbar gemacht werden. Ziel ist es, einen kreativen Umgang mit theoretischen Konzepten zu üben, um sie zu analytischen Werkzeugen zu formen. Ihre Tauglichkeit soll schließlich anhand exemplarischer Analysen erprobt werden.

Die Utopieforschung ist eines der wenigen Forschungsfelder in der Politikwissenschaft, die literarische Texte, Filmproduktionen und politisch-theoretische Werke gleichermaßen in Betracht zieht. Diese Offenheit des Forschungsfeldes wollen wir uns zu Nutze machen, indem nicht nur theoretische Beiträge diskutiert werden, sondern auch Romane, Filme und andere Genres als Untersuchungsgegenstände herangezogen werden. Dies erfordert einen Mix unterschiedlicher methodischer und analytischer Verfahren, der im Proseminar erarbeitet werden soll.

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Semesterplan

Termin / Zeit Themen
11. März 2009 Einführung in die Thematik und Administratives
I.: Auseinadersetzung mit Begriffen von Utopie
18. März 2009

Klassische Utopien: Die ideale Gesellschaft

Einteilung der Arbeitsgruppen (Themen und Materialien)

25. März 2009

Wie wirklich sind Utopien?

Basistext: Maresch, Rudolf 2004

1. April 2009

Politische und politikwissenschaftliche Relevanz von Utopien.

Basistexte:
Mannheim, Karl 1995 (1929)

Bloch, Ernst 1985 (1938-1947)

22. April 2009

Utopie als analytisches Konzept

Abgabe der Zwischenberichte

29. April 2009 Dimensionen des Utopischen
II.: Präsentationen der Arbeitsgruppen
6. Mai 2009

Staatsaufbau und Organisation des Gemeinwesens

Gruppe 1a/Gruppe 1b

13. Mai 2009

Gruppe 2: Wirtschaftsweise - Handout

Gruppe 3b: Umgang mit Vielfalt

20. Mai 2009

Umgang mit Vielfalt

Gruppe 3a - Handout / Gruppe 3c

27. Mai 2009

Sicherheit und Gewalt

Gruppe 4a - Handout /Gruppe 4b

3. Juni 2009

Der perfekte Mensch

Gruppe 5a - Handout /Gruppe 5b - Handout

10. Juni 2009

Errettung oder Zerstörung des Planten

Gruppe 6a - Handout /Gruppe 6b

III.: Detailanalysen für Einzelarbeiten
17. Juni 2009 Fragestellung und Konzeptualisierung der Einzelarbeiten
24. Juni 2009 Abschlussdiskussion

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Leistungsnachweis

Für eine positive Beurteilung ist erforderlich:

  • Lesen und Bearbeiten der Grundlagentexte
  • Beteiligung an einer Gruppenarbeit und Präsentation der Lehrveranstaltung
  • Verfassung einer schriftlichen Einzelarbeit im Umfang von ca. 10 Seiten
  • Regelmäßige Teilnahme (max. 2 Fehlstunden) und Mitarbeit

Abschlussarbeit:

  • Umfang ca. 10 Seiten
  • Im Zentrum sollte die Analyse eines Werks stehen
  • Aufbereitung eines Utopiebegriffs als analytisches Konzept
  • Mindestens sind zu bearbeiten sind:
    - ein theoretischer Text zum Utopiebegriff (z.B. aus dem Reader);
    - ein Werk (können auch mehrere sein, wenn z.B. ein Vergleich entlang einer analytischen Dimension gemacht wird);
    - ein weiterer Text (z.B. zur Methodik, Sekundärliteratur zum Werk / Autor usw.)
  • Abgabe bis spätestens 30. Oktober 2009
  • Persönliche Erklärung beilegen

Für die Erstellung einer kleinen Bachelorarbeit ist erforderlich:

  • Konzept, aus dem der Zugang zur Problematik ersichtlich wird, das die Frage-/Problemstellung, theoretischen Zugang (Begriffsklärung), methodologische Überlegungen, begründete Material- und Literaturauswahl sowie eine vorläufige Gliederung enthält
  • Persönliche Besprechung des Konzepts und Verfassen der kleinen Bachelorarbeit unter Berücksichtigung der Ergebnisse der Besprechung
  • Umfang ca. 15 Seiten (max. 20 Seiten)
  • Abgabe des Konzepts bis spätestens 17. Juni 2009
  • Nach Konzeptbesprechung ist eine Meldung bei der SPL vorzunehmen - Siehe SPL-Homepage
  • Abgabe bis spätestens 30. November 2009
  • Persönliche Erklärung beilegen

Details siehe Richtlinien für die Erstellung einer kleinen Bachelorarbeit

Abgabe der schriftlichen Arbeiten im Sekretariat bei Stefan Schreier bzw. Arbeiten einfach in den Briefkasten an der Tür des Sekretariats werfen.

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Reader

Der Reader zum Proseminar ist in der Buchhandlung Facultas, NIG Erdgeschoss, um 6,70 Euro käuflich zu erwerben.

Berücksichtigen Sie auch die weiteren Literaturhinweise.

Inhalt des Readers:

Texte zu Geschichte und Begriff der politischen Utopie:

Saage, Richard 1990: Das Ende der politischen Utopie? Frankfurt/Main, 13-25.

Maresch, Rudolf 2004: Zeit für Utopien, in: Ders./Florian Rötzer (hg.) 2004: Renaissance der Utopie. Zukunftsfiguren des 21. Jahrhunderts, Frankfurt/Main, 7-20.

Castro Varela, Maria do Mar 2007: Allgemeine Überlegungen zum Utopiebegriff, in: Dies.: Unzeitgemäße Utopien. Migrantinnen zwischen Selbsterfindung und gelehrter Hoffnung, Bielefeld, 32-36.

Heyer, Andreas 2006: Brauchen die politischen Wissenschaften einen Begriff der Utopie? Mit Überlegungen zum Stellenwert der politischen Theorie und Ideengeschichte. Nachwort, in: Richard Saage: Utopisches Denken im historischen Prozess. Materialien zur Utopieforschung, Münster, 245-263.

Bondeli, Martin 2007: Thesen zum Begriff und zur Aktualität der Sozialutopie, in: Utopie heute I. Zur Aktuellen Bedeutung, Funktion und Kritik des utopischen Denkens und Vorstellens, Stuttgart, 17-35.

Koselleck, Reinhart 2003: Die Verzeitlichung der Utopie, in: ders.: Zeitschichten. Studien zur Historik, Frankfurt/Main, 131-149.
Mannheim, Karl 1995 (1929): Ideologie und Utopie, Frankfurt/Main, 169-184.

Mannheim, Karl 1995 (1929): Ideologie und Utopie, Frankfurt/Main, 169-184.

Bloch, Ernst 1985 (1938-1947): Prinzip Hoffnung, 2 Bde., Frankfurt/Main, 161-180; 189-199; 328-334; 356-368; 387-391.
Mieth, Corinna 2007: Liberalismus und Utopie – ein Widerspruch? In: Utopie heute I. Zur Aktuellen Bedeutung, Funktion und Kritik des utopischen Denkens und Vorstellens, Stuttgart, 79-110.

Chlada, Marvin 2004. Die geschlossene Gesellschaft und ihre Freunde, in: Ders.: Der Wille zur Utopie, Aschaffenburg, 39-48.

Texte zu Methodologie und Methodik:

Horn, Eva 2008: Literatur: Gibt es Gesellschaft im Text? In: Stephan Moebius/ Andreas Reckwitz (Hg.): Poststrukturalistische Sozialwissenschaften, Frankfurt/Main, 363-381.

Ullrich, Peter 2008: Diskursanalyse, Diskursforschung, Diskurstheorie. Ein- und Überblick, in: Ulrike Freikamp/Matthias Leanza/Janne Mende/Stefan Müller/ Peter Ullrich/ Hein-Jürgen Voß (hg.): Kritik mit Methode? Forschungsmethoden und Gesellschaftskritik, Berlin, 19-31.

Rigotti, Francesca 1994: Die Macht und ihre Metaphern. Über die sprachlichen Bilder der Politik, Frankfurt/Main/New York, 15-25 und 161-187.

Monaco, James 1997 (1977): Film verstehen. Kunst, Technik, Sprache, Geschichte und Theorie des Films und der Medien, Reinbek bei Hamburg, 162-175 und 179.

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Erreichbarkeit

Mag. Marion Löffler

E-Mail: marion.loeffler@univie.ac.at

Tel.: (01) 4277 / 477 29

Sprechstunde: Mittwoch, 16-17 Uhr (Raum B 209)

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