Grundkurs Politische Theorie WiSe 2004/2005

Mag. Marion Löffler


 

Familie in der Politischen Ideengeschichte


 
 

Beginn: 12. Oktober 2004

Ort: HS 1, NIG, 2. Stock, Institut für Politikwissenschaft

Zeit: Dienstag, 18:00 - 20:00 Uhr

Ziele, Inhalte und Methoden der Lehrveranstaltung

Semesterplan

Leistungsnachweis

Übungen / Aufgaben

Reader / Referate

Erreichbarkeit


 

 
 
 
 

Ziele, Inhalte und Methoden der Lehrveranstaltung

Politische Theorie und Familie scheinen einander auszuschließen. Denn die Familie gilt als der Inbegriff des Privaten und daher auch als politisch irrelevant. Die fundamentale Trennung von Öffentlichkeit und Privatheit ist jedoch eine historisch junge Erscheinung. Familie wurde als emotionaler Rückzugsort konzipiert, der jeglichem staatlichen Eingriff entzogen werden sollte. Um dies zu ermöglichen, musste der Staat Familienorganisation gesetzlich normieren und somit das scheinbar Private politisch gestalten.

Ein Blick in die Ideengeschichte zeigt, dass Familie und das vermeintlich private und intime Zusammenleben von Menschen ein Politikum ist. Familie ist nicht nur staatlich reguliert und daher weit entfernt von individueller Lebensgestaltung, sondern galt schon den Klassikern der politischen Ideengeschichte als Maß für die rechte Ordnung des politischen Gemeinwesens. Die Binnenstruktur der Familie spielt eine zentrale Rolle für die Sozialisation künftiger StaatsbürgerInnen, aber auch für die Erlernung geschlechtsspezifischer Rollenmuster. Zudem ist Familie eine ökonomische Einheit, die gesellschaftlich notwendige Dienstleistungen erbringt.

Jede und jeder von uns hat bestimmte Vorstellungen und einen gewissen Erfahrungshintergrund, wenn wir von Familie sprechen. Vor allem das Nachdenken über Familie ist meist emotional aufgeladen. Die Behandlung der Familie als politische Kategorie birgt daher eine spezifische Herausforderung. Es gilt die Entpolitisierung von Familie, die wir selbst zu leben glauben, als ideologische Strategie zu entlarven und zu hinterfragen.

Dieser Grundkurs ist als Lektürekurs konzipiert. Wir wollen der Familie als politische Kategorie in Klassischen Texten der politischen Theorie und Ideengeschichte nachspüren. Das Spektrum reicht von der Antike bis zur Gegenwart. Dabei werden zwei Ziele verfolgt:

Erstens ist der Grundkurs als Ergänzung / Vertiefung zur Einführungsvorlesung gedacht. Er sollte entweder parallel mit dieser oder nach Absolvierung dieser Vorlesung besucht werden. In diesem Sinne bietet die Kategorie Familie eine Lektürerichtlinie klassischer Texte. Die Informationen aus der Einführungsvorlesung werden anhand dieses konkreten Beispieles vertieft.

Zweitens zielt der Grundkurs auf Sensibilisierung im Umgang mit Begriffen, wie das im Bereich politischer Theorie unbedingt erforderlich ist. Familie liegt im Schnittpunkt individueller Erfahrung, politischer Bezugnahme und wissenschaftlicher Behandlung. Es gilt daher die Dimensionen von Alltagsverständnis, politischer Einstellung und politikwissenschaftlicher Betrachtung zu handhaben.

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Semesterplan

Termin / Zeit Themen Übung / Aufgabe
12. Oktober 2004 Vorbesprechung  
19. Oktober 2004 Überblick über die Thematik Übung 1
09. November 2004

Familie in der Antike
Vom Oikos zur emotionalen Paarbeziehung

Abgabe Übung 1
16. November 2004 Methodologie der Ideengeschichte  
23. November 2004 Vom Mittelalter zur Neuzeit  
30. November 2004 Das Ende des Patriarchats ? Übung 2
07. Dezember 2004 Öffentlichkeit vs. Privatheit  
14. Dezember 2004 Sittlichkeit und Moralität

Abgabe Übung 2

Übung 3

11. Januar 2005 Materielle und ideologische Grundlagen der Familie  
18. Januar 2005 Alternativen zum Neoliberalismus ?  
25. Januar 2005 Abschluss Abgabe Übung 3

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Leistungsnachweis

  • regelmäßige Teilnahme und Mitarbeit (Anwesenheitspflicht: max. 2 Fehlstunden; Lektüre der Texte aus dem Reader; aktive Beteiligung an Diskussionen)
  • eigenständige Verfassung verschiedener schriftlicher Übungsarbeiten im Lauf des Semesters
  • Beteiligung an einem Referat (Gruppenreferate)
  • Lesen der Texte im Reader und aktive Mitarbeit

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Übungen / Aufgaben

Übung 1

Aufgabenstellung: 19. Oktober 2004

Lesen Sie einen der folgenden Texte aus dem Reader:

Kreisky, Eva / Löffler, Marion 2003: Staat und Familie: Ideologie und Realität eines Verhältnisses, in: Österreichische Zeitschrift für Politikwissenschaft, 32/4, 375-388.

Demirovic, Alex 1995: Aspekte der theoretischen und politischen Praxis politischer Theorie, in: Helmut Kramer (hg.), Politische Theorie und Ideengeschichte im Gespräch, Wien, 204-211.

Visualisieren Sie den Text (im Falle Kreisky/Löffler können Sie sich auf ein Unterkapitel beschränken). Die Darstellungsform bleibt Ihnen überlassen. Notieren Sie auf der Übung aber unbedingt Ihren Namen und den Text, den Sie bearbeiten.
Zudem erstellen Sie eine Aufzählung all dessen, was Sie beim Lesen des Textes nicht verstanden haben.

Gesamtumfang ca. 2 Seiten.

Abgabetermin: 09. November 2004

Übung 2

Aufgabenstellung: TERMIN VERSCHOBEN AUF 30. November 2004

Abgabetermin: 14. Dezember 2004

Textanalyse des Textes von Bodin aus dem Reader:
Bodin, Jean 1999 (1586): Über den Staat. Stuttgart, 13-17.

Folie zur Textanalyse

Übung 3

Aufgabenstellung: 14. Dezember 2004

Abgabetermin: 11. Januar bis spätestens 25. Januar 2005
(Wer ein persönliches Feedback wünscht, muss spätestens am 18. Januar abgeben!)

Verfassen Sie einen Essay zum Thema:

Wie gestaltet sich das Verhältnis von Staat und Familie in der Politischen Theorie und Ideengeschichte?

  • Bei der Bearbeitung der Frage beziehen Sie sich auf mindestens 3 Texte aus dem Reader.
  • Sinnvollerweise sollte die Fragestellung präzisiert werden (d.h. eingeschränkt bzw. auf einige Aspekte reduziert werden, die mithilfe der ausgewählten Texte bearbeitbar sind).
  • Für die Bearbeitung Ihrer Fragestellung können / sollten auch ein oder zwei Thesen formuliert werden.
  • Formales: Titelblatt; korrekte Zitate (Argumenten, die den Texten entnommen sind, belegen); Literaturangaben; 1,5-zeilig; Times New Roman, 12 dot oder äquivalent); mind. 3 - max. 5 Seiten.

Ein Essay ist eine flüssig geschriebene Erörterung eines Themas (einer Fragestellung), ohne es erschöpfend zu behandeln (zu beantworten).
Ein Essay braucht vor allem einen Standpunkt, den es zu begründen gilt. Auch Essays sind anspruchsvoll und sollten logisch stimmig sein sowie einen erkennbaren Argumentationsgang aufweisen. Meist gehen sie kommentierend vor, sie können also durchaus "subjektiv" sein (ACHTUNG: trotzdem begründen).
Sie dürfen auch ohne einen umfangreichen "wissenschaftlichen Apparat" (Fußnoten, Literaturverzeichnisse) auskommen (im Unterschied zu "Seminararbeiten"!) und können sich zudem mehr stilistische Freiheiten (literarischer) erlauben. Zitate und Beispiele sind gefragt. So haben sie keine so rigide Gliederung wie etwa Seminararbeiten. Dennoch sollte aber eine Ordnung des Textes erkennbar sein.

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Reader / Referate

Der Reader zum Grundkurs ist in der Buchhandlung Facultas, NIG Erdgeschoss, käuflich zu erwerben. Er steht voraussichtlich ab Montag, 18. Oktober 2004 zur Verfügung.

Inhalt des Readers:

Überblick (19.10.2004)

Kreisky, Eva / Löffler, Marion 2003: Staat und Familie: Ideologie und Realität eines Verhältnisses, in: Österreichische Zeitschrift für Politikwissenschaft, 32/4, 375-388.

Referat: Freudenberger, Meriä, Waibl - Handout

Demirovic, Alex 1995: Aspekte der theoretischen und politischen Praxis politischer Theorie, in: Helmut Kramer (hg.), Politische Theorie und Ideengeschichte im Gespräch, Wien, 204-211.

Referat: Hausner, Wessner - Handout


Familie in der Antike: Vom Oikos zur emotionalen Paarbeziehung (09.11.2004)

Dux, Günter 1997: Die Spur der Macht im Verhältnis der Geschlechter. Über den Ursprung der Ungleichheit zwischen Frau und Mann, Frankfurt/Main, 397-414.

Aristoteles 1994(Original ca.330 v.u.Z.): Politik (Wolfgang Kullmann hg.), Hamburg 48-49, 70-75.

Referat: Huber, Rainer, Lopez, Frank, Giselbrecht, Hörmann, Zambrano - Handout

Foucault, Michel 1989: Die Sorge um sich. Sexualität und Wahrheit 3, Frankfurt/Main, 98-109.

Epiktet 2001 (Original ca. 100): Von der Liebe in der Familie, in: Wolfgang Weinkauf (hg.), Die Philosophie der Stoa. Ausgewählte Texte, Stuttgart, 238-242.

Referat: Krainz, Haromy, Breitschädel, Essl, Gütermann - Handout


Methodologie der Ideengeschichte (16.11.2004)

Koselleck, Reinhart 2000: Begriffsgeschichte und Sozialgeschichte, in: ders., Vergangene Zukunft, Frankfurt/Main, 107-129.

Fragen zum Text Koselleck

Hellmuth, Eckhart/Ehrenstein, Christoph von 2001: Intellectual History Made in Britain. Die Cambridge School und ihre Kritiker, in: Geschichte und Gesellschaft. Zeitschrift für Historische Sozialwissenschaft, 27. Jg./H.1, Jänner-März, Neue Ideengeschichte, 149-172.


Vom Mittelalter zur Neuzeit (23.11.2004)

Ariès, Philippe 2003 (1960): Geschichte der Kindheit. München, 486-490, 556-564.

Referat: Burgstaller, Lesnik-Schobesberger,Mautner-Markhof - Handout + Graphik

Bodin, Jean 1999 (1586): Über den Staat. Stuttgart, 13-17.

Hobbes, Thomas 1992 (1651): Leviathan oder Stoff, Form und Gewalt eines kirchlichen und bürgerlichen Staates. Iring Fetscher (hg.), Frankfurt/Main, 155-162.

Referat: Kammel, Klein, Sorger - Handout_Person + Handout_Text


Das Ende des Patriarchats ? (30.11.2004)

Kreisky, Eva 2004: Geschlecht als politische und politikwissenschaftliche Kategorie, in: Sieglinde k. Rosenberger/Birgit Sauer (hg.), Politikwissenschaft und Geschlecht: Konzepte – Verknüpfungen - Perspektiven, Wien, 23-43.

Referat: Czicsek, Moosmaier, Voss-Gruber, Weicher - Handout + Präsentation

Locke, John 1996 (1690): Über die Regierung, Stuttgart, 40-58.

Referat: Widder, Renner - Handout

Rousseau, Jean-Jacques 2001 (1762): Emile oder Über die Erziehung, Stuttgart, 719-734.

Referat: Arslan, Nigl, Kager, Sulamis - Handout


Öffentlichkeit vs. Privatheit (07.12.2004)

Lang, Sabine 2004: Politik – Öffentlichkeit – Privatheit, in: Sieglinde k. Rosenberger/Birgit Sauer (hg.), Politikwissenschaft und Geschlecht: Konzepte – Verknüpfungen - Perspektiven, Wien, 65-81.

Referat: Eichberger, Furtner, Neuhold, Schuller - Handout

Kant, Immanuel 1977 (1783): Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung? in: ders., Schriften zur Anthropologie, Geschichtsphilosophie, Politik und Pädagogik 1. Werkausgabe Band XI, Frankfurt/Main, 53-61.

Referat: Atzmüller, Gruber, Kern, Quirgst


Sittlichkeit und Moralität (14.12.2005)

Honneth, Axel 2000: Das Andere der Gerechtigkeit. Aufsätze zur praktishen Philosophie, Frankfurt/Main, 193-215.

Hegel, Georg Wilhelm Friedrich 2000 (1821): Grundlinien der Philosophie des Rechts oder Naturrecht und Staatswissenschaft im Grundrisse, Werke 7, Frankfurt/Main, 305-339.

Referat: Aksoy, Bingül, Ertl, Karabulut, Löffler, Özbey, Perner, Rautner, Spiegel, Wohlfahrt - Handout


Materielle und ideologische Grundlagen der Familie (11.01.2005)

Referat: Mares, Mitterecker - Handout-Biographien

Bourdieu, Pierre 1998: Familiensinn, in: ders., Praktische Vernunft. Zur Theorie des Handelns, Frankfurt/Main, 126-136.

Referat: Özer, Akay - Handout

Marx, Karl 1983 (1846): Die deutsche Ideologie, MEW, Bd. 3, 5-530, Berlin, 28-36.

Engels, Friedrich 1975 (1884): Der Ursprung der Familie, des Privateigentums und des Staats, Berlin, 76-84.

Referat: C. Berger, J. Berger, Kadunic, Zimmerl - Handout_Engels


Alternativen zum Neoliberalismus ? (18.01.2005)

Etzioni, Amitai 1998: Die Entdeckung des Gemeinwesens. Das Programm des Kommunitarismus, Frankfurt / Main, 63-103.

Referat: Kodydek, Reul - Handout

Giddens, Anthony 1999: Der dritte Weg. Die Erneuerung der sozialen Demokratie, Frankfurt/Main, 106-116.

Referat: Otzelberger, Ersoy - Handout

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Erreichbarkeit

Mag. Marion Löffler

E-Mail: marion.loeffler@univie.ac.at

Tel.: (01) 4277 / 47 729

Sprechstunde: jeweils eine Stunde vor der Lehrveranstaltung im StudienassistenInnen-Zimmer 4 (Raum D 213) - 17:00-18:00 Uhr

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