Home
Seminar-Familie

Block 7

Archiv WS 01/02

Psychoanalyse und Familienpolitik


Termin: 13. Dezember 2001; 17:00 bis 20:00 Uhr

Zurück zum Seitenanfang


Arbeitsgruppe der ReferentInnen

Zurück zum Seitenanfang


Basistext:

Block 7 Max Horkheimer (1895-1973)
Die Erziehungsleistung der bürgerlichen Familie. In: Heide Rosenbaum (hg.): Seminar: Familie und Gesellschaftsstruktur. Materialien zu den sozioökonomischen Bedingungen von Familienformen. (Frankfurt / Main 1978), 425-434.

Zurück zum Seitenanfang


Themenüberblick:

1) Von der Individual- zur Sozialpsychologie

Sigmund Freuds Grundlegungen der Psychologie bilden das begriffliche Gerüst dieses Themenblocks. Der Vorwurf, der ihm häufig gemacht wurde, zu individualistisch vorzugehen und daher gesellschaftlich begründete Phänomene wie z.B. die weibliche Hysterie einem Individuum zuzuschreiben, trifft auf seine Schrift "das Unbehagen in der Kultur" sowie "die "kulturelle" Sexualmoral und die moderne Nervosität" nicht zu. Sie stehen hier exemplarisch für die Möglichkeit, Freuds Konzepte gesellschaftspsychologisch zu verwerten.

2) Autoritäre Gesellschaft

Die Entstehung und Durchsetzung des Faschismus in Deutschland wurde schon sehr früh (frühe Frankfurter Schule) nicht allein auf ökonomische oder geistesgeschichtliche Faktoren, sondern auch auf die spezifischen psycho-sozialen Bedingungen im Deutschland der Zwischenkriegszeit zurückgeführt.

Horkheimer analysiert in diesem Zusammenhang die Bedeutung der Familie und insbesondere des Vaters für die Entwicklung des autoritären Charakters, der dem Faschismus zugrundeliegt. Wilhelm Reich analysiert den Faschismus als massenpsychologisches Phänomen.

3) Gesellschaftlicher Wandel durch "sexuelle Befreiung"

Das marxistisch-sozialistische Thema der Revolution und des gesellschaftlichen Wandels findet im 20.Jh. auch eine Ausweitung auf die psychisch-sexuelle Ebene. Emanziption und sexuelle Befreiung werden konsequent miteinander verknüpft.

So in Wilhelm Reichs "sexueller Revolution" und in Marcuses "Triebstruktur und Gesellschaft". Marcuse sieht dabei den Hebel zur revolutionären Umgestaltung der Gesellschaft nicht mehr vorrangig in der Vergesellschaftung des Privateigentums, sondern in der Wandlung der Sexualität zum Eros und der Erotisierung aller sozialen Beziehungen.

4) Gesellschaftlicher Wandel als Faktum

Demgegenüber bleibt der gesellschaftliche Wandel kein Wunschdenken, sondern findet tatsächlich statt. Selbstverständlich nicht in der Form wie er erträumt wurde. Habermas betrachtet den Spätkapitalismus als soziale Verfallserscheinung: Staatliche Politik leidet unter Legitimationsproblemen, die Familien lösen sich auf und die Grenzen zwischen privat und öffentlich (die er für essentiell erachtet) lösen sich auf.

Mit dem Bedeutungsverlust von Ehe und Familie nimmt die Zahl geschiedener und alleinerziehender Mütter zu. Alexander Mitscherlich sieht im Verlust des Vaters große psychische Probleme, die einer politischen Lösung bedürfen.

5) Dispositive der Macht im Geschlechterverhältnis

In ihrem 1949 erschienenen Werk "das andere Geschlecht" führt Simone de Beauvoir einerseits die philosophische und praktische Konstruktion der Frau als Gegenentwurf zum Mann theoretisch vor, zum anderen liefert sie eine lebendige und mit psychologischen Einzelheiten versehene Schilderung der Lage der Frau ihrer Zeit, die trotz formaler, politischer Rechte in ein enges moralisch-soziales Korsett gezwängt ist.

Die Idee der Befreiung ist naheliegend. Dennoch lehnt Foucault eine derartige Interpretation ab. Im Gegensatz zur gängigen Freud-Rezeption, die den Schlüssel zur herrschaftsfreien Gesellschaft in der Beseitigung der Repression sieht (wie z.B. der Triebkontrolle), entschlüsselt er derartige Repressionen als kreative Kraft - als Macht. Macht wird als gegenseitiges soziales Verhältnis analysiert, das sich in die Körper einschreibt, aber nicht nur verbietet, sondern auch neue Begierden schafft. In seinen historisch angelegten Untersuchungen der Sexualdiskurse zeigt er auf, wie die heterosexuelle Beziehung zur hegemonialen Norm wird.

Zurück zum Seitenanfang


Reader:

Zurück zum Seitenanfang


Online-Materialien:

Zurück zum Seitenanfang


Überblick | Arbeitstechniken | Beispielabstracts | Block 1 | Block 2| Block 3 | Block 4 | Block 5 | Block 6 | Block 7 | Block 8 | Block 9

© 2001 "PhD-Initiative"