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Familiendrama / Drama Familie

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Themenüberblick

Am Beispiel der Lebenswelt "Familie" sollen theater- und politikwissenschaftliche Herangehensweisen versucht und auf ihren Erklärungs- wie Praxisgewinn hin überprüft werden. Zum einen bildet die "bürgerliche Familie" Stoff modernen wie spätmodernen Theaters, zum anderen ereignen sich in Familien "reale" Dramen. Die Relevanz des Themas ergibt sich nicht zuletzt aus der zunehmenden Bedeutung von Familienpolitik im Kontext neoliberaler Politik.

In der bürgerlichen Aufklärung hat nicht nur der Familienbegriff, sondern auch das Theater eine Umwertung erfahren. Das Theater wird zu einem Medium der Aufklärung, mit dessen Hilfe u.a. auch das neue Familienmodell propagiert werden sollte. Wie diese Verknüpfung von "Unterhaltung" und "aufklärerischer Gesellschaftslehre" vonstatten geht, wird besonders beim Aufklärungs-Philosophen Christian Wolff deutlich.
Im bürgerliche Trauerspiel bzw. Drama aber auch in Komödien wird in der Folge das Thema der bürgerlichen Familie in wiederkehrenden Konstellationen variiert und so unter "das Volk" gebracht.

Als Beispiele sind zu nennen:

Diderot: Der Hausvater
Lessing: Miß Sara Sampson
Schiller: Kabale und Liebe
Lessing: Emilia Galotti

Das Grundmodell, das das bürgerliche Familienideal propagiert und gleichzeitig nie vollständig verwirklichen kann, findet sowohl seine Kritiker - wie z.B. in Ibsen, der die bürgerliche Doppelmoral offen legt - wie auch seine Nachahmer in jüngster Zeit.

Dies soll anhand von sogenannten Familienserien im Fernsehen untersucht werden. Fernseh-Serien sind vom Anspruch her durchaus mit den Ansprüchen des bürgerlichen Theaters vergleichbar. Auch sie leisten "Aufklärungs- und Erziehungsarbeit". Gleichzeitig können sie durch Serialität und Alltagsnähe diese sogar noch effektiver leisten.

Anhand ausgewählter Beispiele (z.B. "Ein echter Wiener geht nicht unter", "Familie Leitner",
"Lindenstraße" und andere aktuelle Serien) sollen die Rollenzuschreibungen, Rollenerwartungen und das dargestellte Rollenversagen im Kontext des Familienmodells analysiert und diskutiert werden.

Das Schlagwort "Familiendrama" hat aber auch Medienpräsenz in einer Form, wie sie dem Ideal der Fernsehserien völlig zuwider läuft. Es bezeichnet den Misserfolg realer Familien, dem Familienmodell gerecht zu werden, wobei dieser Misserfolg in Gewaltausbrüchen, Mord und Totschlag, Kindesmissbrauch, spektakuläre Scheidungsverfahren und Selbstjustiz zum Ausdruck kommt. Die Wahrnehmung und Vermittlung der Familie als Drama über die Medien soll ebenfalls ein zentrales Thema des Seminars sein. Hierzu wären andere Fernsehformate wie Talkshows, medial aufbereitete Scheidungsverfahren, einschlägige Beiträge des "Reality TV" usw. zu analysieren.

Nicht zuletzt ist zu untersuchen, ob und wie die Darstellung der Idealfamilie und die des anscheinenden Versagens der Familie Eingang findet in die Formulierung und Umsetzung von Familienpolitik.


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