WWTF-Projekt

Haptic and Olfactory Design. Resources for Vienna's Creative Industries
Tast- und Duftdesign. Ressourcen für die Wiener Kreativwirtschaft (2007-2010)


Homepage: www.univie.ac.at/tastduftwien

» English Abstract

Das vom WWTF geförderte Forschungsprojekt »Tast- und Duftdesign. Ressourcen für die Wiener Kreativwirtschaft« wurde zwischen 2007–2010 als eine weitgehende interdisziplinäre Kooperation zwischen zwei Instituten der Universität Wien, der Universität für angewandte Kunst, der Universität für Bodenkultur und dem ZOOM-Kindermuseum durchgeführt. Die Forschungsergebnisse sind durch die breit angelegte Interdisziplinarität und den systematischen Charakter ein bisher einzigartiger Versuch, die Identität der Stadt Wien aus haptischer und olfaktorischer Perspektive zu bestimmen. Dafür wurden Institutionen und Bereiche des öffentlichen Raums ausgewählt, die traditionell die kulturelle Identität Wiens definieren oder das »Stadtbild« der Wiener tagtäglich prägen, wie Gärten und Parks, Kaffeehäuser, öffentliche Verkehrsmittel, Museen, Spielplätze und Antiquitätenläden. Besonders diente als Gegenstand der urbanen Haptik- und Geruchsforschung, was häufig mit der Stadt Wien assoziiert wird, wie der Volksgarten (für den Rosen- und Fliedergeruch), die Cafés Sperl und Hawelka, der Stephansplatz, der Naschmarkt und die Opernpassage sowie auch die Süßwarenfabrik Manner und der Geruch des Schwarzbrotes in der Brotbackerei Mann. Allgemein betrachtet sind diese mit sechs Kategorien verbunden, die abseits der Uniformierung der gegenwärtigen Großtadtkultur dem Stadtraum ein spezifisches Profil zu verleihen vermögen: Natur oder Grünräume (Gärten und Parks), Kultur und Kulturtraditionen (Kaffeehäuser; Museen und Ausstellungsräume), Mobilität in Verkehrsräumen (Stadtmöbel), Raum und nicht-visuelle Räumlichkeitsstrukturen (der öffentliche Raum), Zeit oder die Stadt als Palimpsest (Antiquitätenläden) und nicht zuletzt, als transversale Kategorie: das Spiel (Spielplätze).

An all diesen Orten wurden die Materialbeschaffenheit und die Qualität des Luftraums mit unterschiedlichen Methoden untersucht. Die methodische Vielfalt spiegelt sich in den Chromatogrammen von einzelnen Plätzen in Wien, begleitet von allgemein verständlichen Kommentaren und Interpretationen, in den psychologischen Tests zu den Wirkungen von Gerüchen auf die Befindlichkeit und zu den Korrespondenzen zwischen den Basisemotionen und bestimmten Gerüchen sowie auch in einer neuen Klassifikation von für das Wiener Klima geeigneten Duftpflanzen und ihrem Blühkalender wider. Interviews und commented walks mit Studierenden und Experten lieferten nicht nur Analysen der Faktoren, die die Atmosphäre der Stadt ausmachen, sondern auch die Basis für eine allgemeine Verortung der Gerüche in der Stadt und für eine zeitliche Abfolge der Gerüche nach Jahreszeiten.

Die Untersuchungen heben allgemein die Einbettung der Sinneswahrnehmung in Sozialpraktiken hervor und betonen die »synästhetische«, d.h. multimodale Dimension des Stadtraums als Lebensraum. Zudem dient die damit erarbeitete Diagnose eines haptischen und olfaktorischen Stadtporträts der Identifizierung von Orten in Wien, die ein Gestaltungspotential (bzw. sogar -erfordernis) in Bezug auf Gerüche und Materialien aufweisen. Dabei werden freilich spezifische Schwierigkeiten der Untersuchung eines solchen Themas nicht verschwiegen, was die Anwendung von Methoden betrifft, die Verbalisierung der eigenen Sinneseindrucke und der damit verbundenen Emotionen sowie auch – nicht zuletzt – die paradoxe Forderung an Designer und Architekten, Räume zu schaffen (bzw. durch Renovierung wiederherzustellen), deren Qualitäten (Patina und Atmosphäre) sich stark einer Regulierung entziehen und im Laufe von langen Zeitzyklen durch das leibliche Bewohnen überhaupt erst entstehen können.