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„Gilt“ das „Gesetz vom tendenziellen Fall der
Profitrate“?
Eine Einführung in die Problematik
In der vorhergehenden, ersten Nummer der grundrisse hat
Marcus Gassner mit seiner Interpretation der Reproduktionsschemata des II.
Bandes des „Kapitals“ die Debatte zum Krisenbegriff eröffnet, die ich nun mit
diesem Beitrag ergänzen möchte. Beitrag ist etwas zu viel gesagt, es ist mehr
eine Bemerkung, oder wenn man will, eine schriftliche Wortmeldung zu einem
Aspekt des Themas Krise. Kurz gesagt, möchte ich einige Zeilen zum „Tendenzieller
Fall der Profitrate“ verfassen, die vor allem all jenen, die sich (noch) nicht
damit beschäftigt haben, helfen soll, die Diskussion besser zu verstehen. Ich
werde versuchen, die Sache so einfach und klar wie nur möglich darzustellen und
alle verwendeten Begriffe zu erklären. Worum geht es also?
Was mit dem Ausdruck „tendenzieller Fall der Profitrate“ gemeint sein
könnte, läßt sich sinnlich sehr einfach darstellen. Wir alle haben das Bild
einer frühkapitalistischen Fabrik im Kopf, in dem zahllose ArbeiterInnen eine
Maschine bedienen während nach der Automatisierung umgekehrt wenige ArbeiterIn
komplexe Maschinenanlagen überwachen. Marx nennt nun jenes Kapital, das in
Maschinerie und Rohstoffe investiert wird, konstantes Kapital, abgekürzt „c“,
jenes, das für die Löhne ausgegeben wird, variables Kapital, abgekürzt „v“. Das
konstante Kapital wird von Marx deshalb so benannt, weil sein Wert in der
Produktion weder vermindert noch vermehrt wird, es geht entweder vollständig
(Rohstoffe) oder sukzessive (Maschinen) auf das Produkt über, bleibt also
konstant. (Wir wollen bei unseren Beispielen vereinfacht davon ausgehen, daß es
vollständig in einem Produktionszyklus verbraucht wird.) Der menschlichen
Arbeitskraft hingegen kommt die Fähigkeit zu, mehr Wert zu produzieren, als sie
selbst besitzt. Der für Löhne vorgeschoßne Kapitalanteil vergrößert sich, ist
also variabel. Warum? Das Kapital bezahlt den ArbeiterInnen durchaus den Wert
ihrer Arbeitskraft, also v. Unter „Wert der Arbeitskraft“ kann man sich alle Waren
und Dienstleistungen vorstellen, die durchschnittlich zur Reproduktion der
Arbeitskraft notwendig sind. Der Wert der Ware Arbeitskraft „v“ geht also, wie
der Wert des konstanten Kapitals „c“, auf das Produkt über. Das Kapital bezahlt
aber, und das ist wichtig zu bedenken, nicht die Arbeit, sondern den Wert der
Arbeitskraft. Sagen wir also vergröbernd, der Wert der Arbeitskraft löse sich
in 4 Stunden täglicher Arbeitsleistung auf. In den Wert des Produkts gehen also
ein: Der unveränderte Wert des konstanten Kapitals, der Wert des variablen
Kapitals und der Wert der vom Kapital nicht bezahlten Mehrarbeit. Hier sind wir
bei der Pointe der Marxschen Mehrwerttheorie. Obwohl das Kapital durchaus den
Wert der Arbeitskraft bezahlt, also einen Lohn bezahlt, der dem Äquivalent von
sagen wir 4 Stunden Arbeitsleistung entspricht, läßt das Kapital länger als die
notwendige Arbeitszeit, sagen wir nochmals 4 Stunden arbeiten. Diese Mehrarbeit
geht aber ebenso in den Wert des Produkts ein und bildet den so genannten Mehrwert.
Das variable Kapital ist also deshalb „variabel“, weil es neben dem bezahlten
Anteil, auch einen unbezahlten Teil an Wert in das Produkt einfließen läßt.
Vor dem eigentlichen Produktionsprozeß muß das Kapital in zwei
Bestandteile geteilt werden, in jene Summe, die für das konstante Kapital
(Rohmaterial, Maschinen usw.) und für Löhne (variables Kapital) ausgegeben
wird. Es teil sich also in
c + v
Wir lassen nun einen Produktionszyklus ablaufen, und erhalten als
Resultat einen Warenberg. Wir unterstellen dabei, daß das gesamte konstante
Kapital vollständig bei der Produktion verbraucht wurde. Also alles Rohmaterial
ist aufgebraucht, die Maschinen sind Schrott, das Fabrikgebäude abbruchreif.
(Natürlich halten die Maschinen usw. in der Regel länger als einen
Produktionszyklus, Marx unterscheidet daher auch zwischen flüssigem und fixem
Kapital. Doch wir wollen, wie Marx, bei unserem Thema davon abstrahieren.) In
den Wert dieser Waren ist also einmal c eingegangen, aber auch v und die
unbezahlte Mehrarbeit, m. Nehmen wir an, das Verhältnis zwischen Wert der
Arbeitskraft (4 Stunden) und Mehrarbeit „m“ (ebenfalls 4 Stunden) sei daher 1 :
1. (Wir unterstellen also einen
8stündigen Arbeitstag.) Der Wert der Waren läßt sich also auf folgende
wertbildende Faktoren zurückführen:
Wert der Waren nach dem Produktionszyklus: = c + v + m
Indem wir nun diese drei Größen in Beziehung setzen, erhalten wir
eine Reihe von wichtigen Begriffen, ohne die die Debatte um den tendenziellen
Fall der Profitrate nicht verstanden werden kann.
Der erste Begriff ist die organische Zusammensetzung des Kapitals.
Lasen wir Marx selbst die Definition dieses Begriffs vornehmen: „Die
Zusammensetzung des Kapitals ist in zweifachem Sinne zu fassen. Nach der Seite
des Werts bestimmt sie sich durch das Verhältnis, worin es sich teilt in
konstantes Kapital oder Wert der Produktionsmittel und variables Kapital oder
Wert der Arbeitskraft, Gesamtsumme der Arbeitslöhne. Nach der Seite des Stoffs,
wie er im Produktionsprozeß fungiert, teilt sich jedes Kapital in
Produktionsmittel und lebendige Arbeitskraft; (...) Ich nenne die erstere die
Wertzusammensetzung, die zweite die technische Zusammensetzung des Kapitals.
Zwischen beiden besteht enge Wechselwirkung. Um diese auszudrücken, nenne ich
die Wertzusammensetzung des Kapitals, insofern sie durch seine technische
Zusammensetzung bestimmt wird und deren Änderungen widerspiegelt: die organische
Zusammensetzung des Kapitals.“(MEW 23; 640) Organische Zusammensetzung
meint also das Verhältnis von c : v, ein Verhältnis, das durch die konkrete
Form der Produktion (welche und wie viele Maschinen, wie wertvoll sind die
Rohstoffe usw. – wie viele ArbeiterInnen sind notwendig, um diese Maschinen zu
betreiben...) bestimmt wird. Ich möchte nun die Änderung in der organischen
Zusammensetzung durch ein Beispiel erläutern.
Nehmen wir an, in einer frühkapitalistischen Fabrik würde eine
Maschine von 10 ArbeiterInnen bedient werden (müssen). Willkürlich setzen wir
einmal für c und v die Werte 50 und 40 (Arbeitslohn pro ArbeiterIn 4) und
weiters nehmen wir eine Mehrwertrate von 100% an, das heißt, bei einem
8stündigen Arbeitstag, 4 Stunden bezahlte und 4 Stunden unbezahlte Mehrarbeit.
Wir erhalten unter diesen Annahmen einen Warenwert der sich wie folgt
zusammensetzt:
Frühkapitalistische Produktion, investiertes Kapital:
1 Maschine + 10 ArbeiterInnenlöhne (Arbeitslohn = 4)
in Zahlen: 50c + 40v
Wert der produzierten Waren:
1 Maschine + 10 ArbeiterInnenlöhne + Mehrarbeit von 10 ArbeiterInnen
in Zahlen: 50c + 40v + 40m
Betrachten wir nun die Verhältnisse im entwickelten Kapitalismus. An
die Stelle von einer Maschine sind nun 5 getreten, aus der Masse der ArbeiterInnen
wurde nur eine einzige Arbeitskraft, die nun diese weitgehend automatisiertere
Produktionsablage überwacht. Wir erhalten nun folgendes Ergebnis:
Investiertes Kapital:
5 Maschinen + 1 ArbeiterInnenlohn
in Zahlen: 250c + 4v
Wert der produzierten Waren:
5 Maschinen + 1 ArbeiterInnenlohn + Mehrarbeit von 1er ArbeiterIn
in Zahlen: 250c + 4v + 4m
Betrachen wir also zuerst das Verhältnis zwischen c : v in beiden
Beispielen. Die „organische Zusammensetzung“ hat sich gewaltig verändert.
Während im ersten Beispiel das Verhältnis 5:4 betrug, hat es sich auf 250 : 4
verändert. Anderes gesagt, im ersten Beispiel werden noch ca. 44% für Löhne
ausgegeben, im zweiten Beispiel nur noch ca. 1,6%! Bevor wir aber in die
Debatte eintreten ist es notwenig, noch zwei weitere Begriffe zu entwickeln.
Betrachten wir als nächsten den Begriff Mehrwertrate. In unserem
Beispiel haben wir unterstellt, daß 50% der Arbeitszeit bezahlt, 50% unbezahlt
sind. Setzen wir m : v in dieses Verhältnis, so erhalten wir eine Mehrwertrate
von 1 oder von 100%. Die Mehrwertrate kann freilich nicht konstant bleiben.
Erhöht sich die Produktivkraft der Arbeit, so sinkt die notwendige Zeit die für
die Produktion der selben Warenmasse. Angenommen durch die Erhöhung der
Produktivkraft der Arbeit sinke der Wert der Ware Arbeitskraft auf eine Stunde
in unserer automatisierten Industriegesellschaft, da durch die Entwicklung der
Produktivkräfte nur noch eine Stunde notwendig ist, um das selbe Quantum an
Gebrauchswerten herzustellen, für das früher vier Stunden notwendig waren. Wir würden dann folgendes modifiziertes
Schema, bei gleichbleibendem 8 Stundentag erhalten:
Investiertes Kapital:
5 Maschinen + 1 ArbeiterInnenlohn
in Zahlen: 250c + 1v
Wert der produzierten Ware:
in Zahlen: 250c + 1v + 7m
Die Begriffe „organische Zusammensetzung“ und „Mehrwertrate“ sind
freilich Termini, die rein analytisch sind und in der rauhen Wirklichkeit der
kapitalistischen Produktion nicht sichtbar werden können. Was das Kapital tatsächlich
interessiert, ist das Verhältnis zwischen der investierten Summe (Kapital) und
dem erzielten Profit.
Der Begriff der Profitrate m : (c + v)
Das investierte Kapital setzt sich aus c + v zusammen. Setzt man
dieses in Beziehung zum Mehrwert, so erhält man die Profitrate, m/(c + v), in
Worten: der Mehrwert dividiert durch die Summe des konstanten und des variablen
Kapitals mal Faktor 100 ergibt die Profitrate, also jenen Prozentsatz um den
sich das Kapital pro Produktionszyklus vermehrt. Rechnen wir nun einfach die
Profitrate bei unseren drei Beispielen aus, so ergibt sich:
Frühkapitalistische Produktion bei Mehrwertrate von 100% (50c + 40v +
40m) - Profitrate von 44%
Automatisierte Produktion bei Mehrwertrate von 100% (250c + 4v + 4m)
- Profitrate von 1,5%
Automatisierte Produktion bei Mehrwertrate von 700% (250c + 1v + 7m)
- Profitrate von 2,7%
Was haben uns diese drei Bespiele gezeigt? Geht man davon aus, daß
die organische Zusammensetzung unaufhörlich wachsen muß, so muß gleichzeitig
die Profitrate rapide sinken, selbst eine anzunehmende Erhöhung der
Mehrwertrate kann diesen Fall nur mildern, nicht aufhalten. Diese Auffassung
vertreten zumindest jene, die von der Geltung des Gesetzes des tendenziellen
Falls der Profitrate überzeugt sind. Indem das Kapital seinen Gesetzen folgt,
(Erhöhung der Produktivkraft der Arbeit durch Vergrößerung des konstanten
Kapitals) setzt es sich selbst eine unüberwindliche Schranke, tendenziell müßte
die Profitrate gegen Null tendieren, der Kapitalismus könnte nicht mehr
akkumulieren. Insbesondere Henryk Großmann war von der Gültigkeit dieses
Gesetzes felsenfest überzeugt.[i] Wenn sich nur der Kapitalismus möglichst rein
und umfassend entwickelt, muß er letztlich von selbst Zusammenbrechen, so kann
man seine Auffassung zusammenfassen. Aber ich habe die Beispiele absichtlich so
gewählt, daß sie diese gängige Auffassung gut illustrieren. Belegt und bewiesen
ist dadurch nichts. Hätte ich andere Zahlen gewählt, wäre ein anders Ergebnis
herausgekommen. Aber gehen wir schrittweise vor, und überlegen wir uns einige
sogenannte „entgegenwirkende Ursachen“.
Entgegenwirkende Ursachen?
Durch die Steigerung der Produktivkraft der Arbeit wird nicht nur der
Wert der Ware gesenkt. Die Waren gehen ja sei es als c, sei es als v wieder in
den Produktionsprozeß sein. Anders gesagt, die Verbilligung von c und v senkt
einerseits die organische Zusammensetzung und steigert andererseits die
Mehrwertrate. Ich möchte dies an dem von mir gewählten Beispielen illustrieren.
Im ersten Beispiel habe ich den Einsatz von einer Maschine, im zweiten den von
fünf angenommen. Wie konnte ich aber annehmen, daß fünf (verbesserte, moderne)
Maschinen fünf mal so viel Wert haben wie die eine alte, frühindustrielle? Wenn
durch die Entwicklung der Produktivkraft der Arbeit der Wert der Waren fällt,
so muß dies auch für das konstante Kapital gelten, daß das Kapital ja als Waren
auf dem Markt einkaufen muß. Tatsächlich führt Marx (in der von Engels
herausgegebenen Ausgabe) im dritten Band des Kapitals die „Verwohlfeilerung der
Elemente des konstanten Kapitals“ (MEW 25; 245) als dem Gesetz des
tendenziellen Falls entgegenwirkende Ursache an. Ebenso senkt sich der Wert der
Lebensmittel. Durch die Steigerung der Produktivkraft ist nun nur noch ein
Bruchteil jener Arbeitszeit notwendig, um die selbe Menge an Gebrauchsgütern zu
liefern. Also verbilligt sich auch das variable Kapital, um viel weniger Wert
ist nun die selbe Menge an gebrauchswerten erhältlich. Wenn wir nun beide
Faktoren berücksichtigen so erhalten wir zum Beispiel folgende Zahlen:
Investiertes Kapital:
5 Maschinen + 1 ArbeiterInnenlohn
in Zahlen: 50c + 1v
Wert der produzierten Waren:
in Zahlen: 50c + 1v + 7m
Nun ergibt sich eine Profitrate von 13,7%. Wie gesagt, diese Beispiel
dienen nur zur Illustration, zur Verdeutlichung von Zusammenhängen. Immerhin
können wir sehen, daß die Verbilligung (Wertsenkung) von c und v die Profitrate
wieder steigen läßt. Jenseits von Zahlenspielereien stellt sich also die Frage,
welches systematische Argument legt Marx seinem Gesetz zugrunde?
Marx zieht selbstverständlich sowohl die steigende Mehrwertrate also
auch die Verbilligung der Maschinerie in Betracht, und erkannte ihn ihnen
wesentliche, dem Gesetz entgegenwirkende Faktoren. Warum ist er aber trotzdem
so überzeugt, daß diese Faktoren letztlich dem Gesetz nicht entgegenwirken
können? Weil er meint, daß der tendenzielle Fall im Begriff der Erhöhung der
Produktivkraft der Arbeit unmittelbar angelegt ist. Produktivkraft der Arbeit,
bzw. steigende Produktivkraft der Arbeit bedeutet im Kern nichts anderes, als
daß die zur Erzeugung eines bestimmten Quantums Gebrauchswert erforderliche
Zeit sinkt. Ein Beispiel. Während in der frühkapitalistischen – handwerklichen
Produktion sagen wir ein ganzer Arbeitstag (wahrscheinlich viel mehr) notwendig
war, um einen Tisch herzustellen, genügen später möglicherweise wenige Stunden,
ja Minuten. Blenden wir einem Moment den Wert der Maschinerie aus. Steigende
Produktivkraft der Arbeit bedeutet, daß bei einem gegebenen Arbeitstag zehn,
fünfzig oder hundert mal so viel Rohstoff verbraucht wird, da eben um diesen
Faktor der Produktion von Tischen steigt. Sicher gilt auch hier, das
Anschwellen der Stoffmenge bedeutet nicht im gleichen Umfang das Anschwellen
der Wertmenge. Die hundertfache Menge an Holz muß nicht bedeuten, daß der Wert
dieses Holzes um das hundertfache gestiegen ist. Marx selbst drückt dies so
aus: Das konstante Kapital muß im Vergleich zum variablen wachsen (davon ist er
überzeugt) aber der „wachsende Wertumfang des konstanten Kapital“
spiegelt „nur entfernt das Wachstum in der wirklichen Masse der
Gebrauchswerte“ wieder (MEW 25; 222)
Wird die hundertfache Menge an Holz verwendet, so bedeutet dies nicht, daß sein
Wert um das hundertfache steigt, möglicherweise steigt er nur um das zehn,
vielleicht nur um das fünffache, daher formuliert Marx „drückt entfernt aus“.
Aber immerhin, er steigt.
Marx war also davon überzeugt, daß die Erhöhung der Produktivkraft
der Arbeit mit Notwendigkeit eine erhöhte organische Zusammensetzung, also die
Verdrängung der lebendigen Arbeit aus der Produktion (sachlich wie wertmäßig)
nach sich ziehen müsse. „Die progressive Tendenz der allgemeinen Profitrate
zum Sinken ist also nur ein der kapitalistischen Produktionsweise
eigentümlicher Ausdruck für die fortschreitende Entwicklung der
gesellschaftlichen Produktivkraft der Arbeit.“ (MEW 25; 223) Und wenige Zeilen
vorher schreibt Marx: „Diese fortschreitende relative Abnahme des variablen
Kapitals im Verhältnis zum konstanten und daher zum Gesamtkapital ist identisch
mit fortschreitend höhern organischen Zusammensetzung des gesellschaftlichen
Kapitals in seinem Durchschnitt. Es ist ebenso nur ein andrer Ausdruck für die
fortschreitende Entwicklung der
gesellschaftlichen Produktivkraft der Arbeit, die sich gerade darin zeigt, daß
vermittelst der wachsenden Anwendung von Maschinerie und fixem Kapital
überhaupt mehr Roh- und Hilfsstoffe von derselben Anzahl Arbeiter in derselben
Zeit, d.h. mit weniger Arbeit in Produkte verwandelt werden.“ (MEW 25; 222) Wenn ich Marx richtig verstehe,
so liegt der Schwerpunkt seines Arguments weniger auf dem gestiegenen Wert der
Maschinerie, der technischen Anlagen usw. Sein Hauptargument liegt in der
rapide steigenden Masse der Rohstoffe, die durch die erhöhte Produktivkraft der
Arbeit pro Zeiteinheit verarbeitet wird und dem dadurch immer geringer
werdenden Anteil des Arbeitstages, der als zusätzlicher Wert dem Rohstoff
zugeführt werden kann. Wenn die tägliche
Produktion von Tischen von einem auf hundert steigt, so sinkt die zugesetzte
Arbeit pro Tisch auf ein hundertstel. Natürlich, und das betont ja Marx, sinkt
auch der Wert des Holzes, die gestiegene Masse der Gebrauchswerte wird „nur
entfernt“ in der Wertsteigerung ausgedrückt. Aber letztlich steigt die
Produktivkraft der Arbeit schneller als der Wert der Rohstoffe sinkt. Nochmals
eine Illustration des Gesagten an dem Beispiel der Tischproduktion. Wenn die
tägliche Menge von einem auf hundert Tische anwächst, so müßte der Wert des
Holzes um den selben Faktor, also hundert sinken, damit die Profitrate
gleichbleibt, verbilligt sich das Holz „nur“ um den Faktor zehn, so sinkt die
Profitrate, allerdings nur, wenn die Mehrwertrate konstant bleibt! Soll sie
umgekehrt steigen, so mußte der Holzpreis um mehr als das hundertfache sinken.
Lassen wir einmal die Darstellung an diesem Punkt so stehen, und sehen wir uns
ein wenig jene Kritik am „Gesetz“ an, die in den letzten Jahren formuliert
wurde.
Für Bensch steht und fällt das berühmte Gesetz mit dem Begriff der
organischen Zusammensetzung, also mit der These, c müsse sich gegenüber v
grenzenlos ausdehnen. Er schreibt: „Bisher wurden nur einige Marx-Zitate
angeführt, die eindeutig das Gesetz des Falls der Profitrate als einer Krisen
Theorie und nicht einer Zusammenbruchstheorie zugehörig anzeigen; als Zitate
ersetzen sie aber keineswegs ein systematisches Argument. Das ist erst möglich,
wenn das begriffliche Fundament des (tendenziellen) Falls der Profitrate
untersucht wird, und das ist der Begriff der organischen Zusammensetzung des
Kapitals.“ (Bensch 1995; 61) Dieser Aussage kann ich zustimmen. Bensch meint
nun, daß bei der Darstellung der steigenden organischen Zusammensetzung,
respektive der fallenden Profitrate ein Umstand nicht bedacht wurde. Um die
wirkliche Entwicklung auszudrücken, müßte es sich immer um den selben
Gebrauchswert handeln. Wenn z.B. zuerst mit vielen ArbeiterInnen und wenig
Maschinen (sachlich wie wertmäßig) Fahrräder produziert werden, später mit
teuren Maschinen und wenig ArbeiterInnen ebenfalls in der selben Zeit viel mehr
Fahrräder produziert werden, dann ist die organische Zusammensetzung des
Kapitals zweifellos gestiegen. Wie – so darf ich Bensch interpretieren – läßt
sich aber die Produktion von Fahrrädern mit der Produktion von sagen wir
Bildschirmen vergleichen? Sowohl die Produktion von Fahrrädern als auch von
Bildschirmen erfordert jeweils eine bestimmte technische und wertmäßige
Zusammensetzung. So weit, so gut. Nur darf ich diese beiden Zusammensetzungen
wirklich vergleichen? Die Antwort von Bensch: nein. In seinen Worten: „Bei
ungleichen Gebrauchswertarten zu verschiedenen Zeitpunkten geht aber die
Wertbestimmung verloren, die Fundament einer quantifizierenden Darstellung der
allgemeinen Profitrate bzw. deren Entwicklung ist. Es sind verschiedene
Gebrauchswerte (Waren) zur selben Zeit oder gleiche Gebrauchswerte (Waren) zu
verschiedenen Zeiten, nicht aber verschiedene Gebrauchswerte (Waren) zu
verschiedenen Zeiten als dem Wert nach vergleichbar darzustellen. Letzteres
drückt aber die aufgestellte Reihe aus.“ (Bensch 1995; 67) Mit
„aufgestellter Reihe“ meint er das Beispiel von Marx, der unter der Annahme
einer Mehrwertrate von 100% folgende Zusammensetzungen entwarf und damit den
Abschnitt zum tendenziellen Fall im dritten Band einleitete.
c=50, v=100 Profitrate 66,6%
c=200, v=100 Profitrate 33,3%
c=400, v=100 Profitrate 20%
Marx interpretiert nun dieses Abfolge etwas später: „Die im
Eingang hypothetisch aufgestellte Reihe drückt also die wirkliche Tendenz der
kapitalistischen Produktionsweise aus.“ (MEW 25; 222f) Die Verschiedenheit,
Ungleichartigkeit der Gebrauchswerte lasse einen systematischen Vergleich, das
Aufstellen von Reihen, die von dieser Verschiedenartigkeit abstrahiere, so
Bensch, nicht zu. Und er schlußfolgert: „Jeder
Versuch der Darstellung eines proportionellen Wachstums von Wert und Stoff von
c muß daran scheitern.” (Bensch 1995; 67)
Wirklich überzeugend ist das Argument von Bensch aber nicht. Sicher,
in einem Punkt hat er recht. Es mag zwar Gebrauchswerte geben, bei denen sich
die Alternative, viele ArbeiterInnen oder wenig Maschinen oder wenig
ArbeiterInnen und viele Maschinen stellt, es gibt aber Gebrauchswerte, bei
denen das einfach nicht der Fall ist. Selbst noch so viele ArbeiterInnen könne
mit einfachen Werkzeugen und den bloßen Händen keine Computerbauteile
herstellen. Man kann also sagen, daß die Produktion bestimmter Gebrauchswerte
bestimmte technische, und daher in Folge eine bestimmte organische
Zusammensetzung erfordern und Alternativen nur bis zu einem bestimmten Grad
möglich sind. Dieses Argument kann durchaus gegen das Gesetz des tendenziellen
Falls gewendet werden. Wie Marx im zweiten Band des Kapitals ja selbst
ausführt, beruhen viele Produktionsabläufe auf chemischen, organischen,
biologischen und physikalischen Prozessen, die nicht willkürlich verkürzt
werden können. Die stoffliche (gebrauchswertmäßige) Seite der Produktion, die
technische Zusammensetzung bestimmt ja bis zu einem gewissen Grade die
wertmäßige. Kein Lastwagen kann nur mit einem halben Fahrer besetzt werden, und
ebenso läßt sich die Menge an Teeblättern, die von den Pflückerinnen täglich
geerntet werden können, nicht grenzenlos erhöhen. Ebenso werden neue
Gebrauchswertarten entwickelt, die auf Grund des technologischen
Produktionsablaufes einfach ein bestimmtes Verhältnis von Maschine, Rohstoff
und menschlicher Arbeitskraft erfordern, das nicht willkürlich verändert werden
kann (die technische Zusammensetzung) und daher ein bestimmtes Wertverhältnis
präjudiziert.
Warum aber bei der Betrachtung der historischen Entwicklung der
Profitrate nicht von den Besonderheiten der Gebrauchswerte abstrahiert werden
darf, warum zum Beispiel ein Vergleich zwischen der gesellschaftlichen
Durchschnittsprofitrate der 20er Jahre und der Gegenwart nicht möglich und
sinnvoll sein soll (obwohl heute Gebrauchswertarten produziert werden, die es
damals gar nicht gegeben hat) kann ich wirklich nicht nachvollziehen. Im Grunde
verweist Bensch zu recht darauf, daß die technische Zusammensetzung bei
Überlegungen bezüglich der Entwicklung der Profitrate nicht ignoriert werden
darf, wieso aber deswegen das sogenannte „Gesetz“ widerlegt sein soll, ist
nicht einzusehen.
Interessanter und weitreichender scheint mir das Argument von Michael
Heinrich zu sein. Ebenso wie die differenzierten Überlegungen von Bensch werde
ich hier seine komplexen Überlegungen auf die Essenz des Argumentes reduzieren.
Heinrich geht einmal von der Formel der Profitrate aus, die da lautet:
m
p = -------------
c + v
in Worten: Die Profitrate ergibt sich aus dem Mehrwert, dividiert
such die Summe des konstanten und des variablen Kapitals. Heinrich, wie
übrigens bereits Gillman[ii]
dividiert nun diesen Bruch durch v und erhält folgendes Ergebnis:
m
v
p =
------------
c + 1
v
Wir erhalten nun einen grausigen Doppelbruch, und ich befürchte, daß
mache, denen jede mathematische Formel so und so ein Greuel ist, nun mit dem
Lesen dieses Beitrags aufhören. Doch keine Panik, wenn wir uns in aller Ruhe
dieses Monster betrachten, wird die Sache bald halb so schlimm. Was steht im
Zäher dieses Bruches, also oberhalb des langen Divisionsstriches? Es steht m :
v, eine bekannte Größe. m : v ist einfach die Mehrwertrate, das Verhältnis der
unbezahlten zur bezahlten Arbeit.
Betrachten wir nun den Nenner des Bruches. Ursprünglich stand
darunter c + v. Wir haben diesen Term durch v dividiert und er hielten: c : v +
v : v. Dividiert man v : v so erhält man einfach 1, c : v aber nichts anderes
als die organische Zusammensetzung des Kapitals, also das Verhältnis des
konstanten Kapitals zum variablen. Im Nenner des Bruches steht also die
organische Zusammensetzung (c : v) sowie die Zahl 1. Was wissen wir nun über
die organische Zusammensetzung, oder genauer, was haben wir angenommen? Daß
auch sie steigt, c wird im Vergleich zu v immer größer.
Oberhalb des Doppelbruches steht also die Mehrwertrate (m : v),
unterhalb die organische Zusammensetzung (c : v) plus die Zahl 1 (die ja
konstant bleibt, wie immer sich auch v, m und c entwickeln). Was können wir nun
über beide Größen aussagen? Daß sie beide steigen werden. Entwickelt sich die
kapitalistische Produktionsweise, steigt also die Produktivität der Arbeit auf
Grund des Einsatzes von Technik und Maschinerie, so werden beide Größen
wachsen, es wird sowohl die Mehrwertrate, als auch die organische
Zusammensetzung steigen. Die Profitrate ist also das Ergebnis einer Division,
Mehrwertrate durch organische Zusammensetzung. Wenn nun beides steigt, so
stellt sich die Frage, was steigt schneller, die Mehrwertrate oder die
organische Zusammensetzung? Wenn nun der Zäher, die Mehrwertrate, schneller
steigt als die organische Zusammensetzung, so wird die Profitrate erhöht,
steigt hingegen der Nenner, also die organische Zusammensetzung schneller als
der Nenner, sinkt die Profitrate. Kommentar Heinrich: „Für die
Bewegungsrichtung der Profitrate kommt es aber auf das VERHÄLTNIS der Bewegung
dieser beiden Größen an, welche verändert sich im Vergleich zur anderen
schneller und dominiert damit das Geschehen.“ (Heinrich 1999; 337)
Ich möchte dies an einem Beispiel erläutern. Gehen wir von einer
Mehrwertrate von 100% und einer organischen Zusammensetzung von 4 : 1 aus.
Nehmen wir folgende Ausgangsbedingung an:
40c + 10v + 10m
Die Profitrate beträgt in diesem Beispiel 20%. [10 : (40 + 10) = 0,2]
Gehen wir zuerst davon aus, daß die Mehrwertrate schneller steigt als
die organische Zusammensetzung.
50c + 10v + 30m
Nun beträgt die Profitrate 50%. [30 : (50 + 10) = 0,5] Die organische
Zusammensetzung ist von 4:1 auf 5:1 gestiegen, die Mehrwertrate aber von 1:1
auf 3:1. Lassen wir nun die organische Zusammensetzung schneller steigen als
die Mehrwertrate. Wir lassen die Mehrwertrate von 1:1 auf 2:1 steigen, die
organische Zusammensetzung aber von 4:1 auf 10:1 und erhalten nun folgende
Zahlen:
100c + 10v + 20m
Nun beträgt die Profitrate bloß ca. 18%. [20 : (100 + 10) = 0,18]
Es geht also um das Verhältnis von steigender organischer
Zusammensetzung und ebenso steigender Mehrwertrate. Der erste Faktor läßt die
Profitrate fallen, der zweite läßt sie steigen.
Was haben wir mit dem obigen Doppelbruch gewonnen? Wir können
mathematisch exakt das Verhältnis zwischen Mehrwertrate, organischer
Zusammensetzung und Profitrate ausdrücken, haben aber die entscheidende Frage,
MUSS und/oder KANN das konstante Kapital gigantisch anwachsen, noch lange nicht
beantwortet. Um dies zu untersuchen, formalisiert Heinrich einfach die Konsequenz
der Entwicklung der Produktivkraft der Arbeit, das heißt, er formalisiert den
sinkenden Wert der Ware. Dabei nimmt er einen Zeitpunkt 1 (geringere
Produktivkraft) und einen späteren Zeitpunkt 2 (gestiegene Produktivkraft) an
und schreibt (Heinrich 1999; 338)
c2 + v2 + m2 = k(c1 + v1 + m1)
Dieser Ausdruck besagt folgendes: Durch die Entwicklung der
Produktivkraft der Arbeit sinkt der Wert der Waren. Der Wert der im
Kapitalismus produzierten Gebrauchswerte läßt sich analytisch auf die Faktoren
c, v und m zurückführen. Die Gleichung besagt nur, daß die Summe dieser
Faktoren sinken muß. Da sich die Waren verbilligen, muß k kleiner als 1 sein,
sonst erhielten wir keine Gleichung.
Analog dazu können wir zu zwei unterschiedlichen Entwicklungsphasen
des Kapitalismus zwei verschiedene Profitraten annehmen. Wir nehmen eine
Profitrate (1) an und eine weitere, nach einer angenommenen Entwicklung der
Produktivkraft der Arbeit, die Profitrate (2), von der Marx annahm, sie müsse
signifikant gesunken sein. Heinrich übernimmt nun die von Marx postulierten
Annahmen, nämlich daß das konstante Kapital gestiegen, im Verhältnis dazu das
variable gesunken sei, kurzum, er übernimmt die Voraussetzung der gestiegenen
organischen Zusammensetzung. Er formalisiert diese Annahmen und kommt zu
folgendem Ergebnis: (Die mathematischen Details der Ableitung will ich
überspringen, wer Zweifel an der Richtigkeit hat, kann die Ableitung jederzeit
bei Heinrich nachrechnen.)[iii]
m1+ Δv1 – Δc1
P2 = ----------------------------
c1 + v1 + Δc1 – Δv1
Was steht nun im Zähler, also über dem Bruchstrich? Wir finden den
Mehrwert zum Zeitpunkt 1 plus jenem Wert, um den das variable Kapital
verringert wurde, minus dem Wert, um den das konstante Kapital erhöht wurde.
Anders gesagt, zum alten Mehrwert ist jene Summe, die an Löhnen eingespart
wurde hinzuzurechnen und jene Summe, die an zusätzlichen Kosten in Maschinen,
Anlagen und Rohstoffen investiert wurde, abzuziehen.
Unten in Nenner steht des ursprüngliche konstante und variable
Kapital (Zeitpunkt 1), plus die Erhöhung des konstanten Kapitals minus der
Einsparungen beim variablen Kapital.
Heinrich meint nun, daß man eine systematische Aussage über das
Verhältnis der Erhöhung des konstanten und der Verringerung des variablen
Kapitals machen kann. Und zwar: Die Erhöhung des konstanten Kapitals (Δc1)
ist kleiner als die Verringerung des variablen Kapital (Δv1). In anderen
Worten, es wird weniger in Maschinen und Rohstoffen investiert als an Löhnen
eingespart wird. Nochmals anders ausgedrückt, der Wert von Δc1 ist kleiner
als der Wert von Δv1. Wenn ich unter dieser Voraussetzung den obigen Bruch
untersuche, komme ich zu folgendem Ergebnis. Während im Nenner (über dem
Bruchstich) ein Wert hinzugefügt wird, wird im Nenner (unter dem Bruchstrich)
ein Wert abgezogen. Erhöht sich aber der Zähler und verringert sich der Nenner,
so steigt der Quotient an, d.h. das Ergebnis der Division erhöht sich. Wir
vergleichen nun unter diesem Gesichtspunkt die Profitrate 1 mit der Profitrate
2.
m1
P1 = ----------------
c1 + v1
verglichen mit
m1+ Δv1 – Δc1
P2 = ----------------------------
c1 + v1 + Δc1 – Δv1
läßt erkennen, daß die Profitrate 2 höher als die Profitrate 1 sein muß.
Heinrich kommt also folgerichtig zum Schluß: „Auf der von Marx gewählten
Abstraktionsebene läßt sich demnach nicht nur kein Fallen der Profitrate
begründen, sondern sogar ein tendenzielles Steigen.“ (Heinrich 1999; 339f)
Ich will, nochmals zur Erläuterung ein Beispiel mit Zahlen nehmen.
Wir gehen von einer Profitrate 1 mit folgenden Werten aus (m = 20, c= 40, v =
20). Unter diesen Voraussetzungen beträgt sie 33,3%. Wir lassen nun c geringer
steigen (plus 5) als v sinken (minus 10). Wir müssen nun die Summe aus m1 +
Δv1 – Δc1 (20 + 10 – 5) durch die Summe aus c 1 + v1 + Δc1 –
Δv1 (40 +20 + 5 – 10) dividieren und erhalten eine Profitrate von 45,4%.
(Dieses Zahlenbeispiel dient nur dazu, all jenen, die sich mit allgemeinen
Zahlen schwertun, zu helfen, den Aufbau der obigen Formel besser nachvollziehen
zu können.)
Wie kommt nun Heinrich zum Schluß, daß die Erhöhung des konstanten
Kapitals kleiner sein muß, als die Verringerung des variablen Kapitals. Er
greift auf eine Aussage von Marx aus dem I. Band des Kapitals zurück, „daß
nämlich bei Einführung einer neuen Produktionsmethode der Aufwand an
zusätzlichem konstanten Kapital durch die Einsparung an variablem Kapital
begrenzt wird.“ (Heinrich 1999; 337) Neue Produktionsmethoden, so
Heinrich im Anschluß an Marx, werden nur dann getätigt, wenn der Kostpreis (die
Summe aus c + v) sinkt. Die Produktionskosten müssen für das Kapital sinken,
sonst wird die Investition nicht getätigt, sonst werden Arbeitskräfte nicht
durch Maschinen verdrängt. Eingeführt wird die neue Methode der Produktion nur
wenn gilt, daß die Erhöhung des konstanten Kapitals KLEINER ist als die
Verminderung des variablen Kapitals, „so daß sich der Kostpreis des
Kapitalisten vermindert.“ (Heinrich 1999; 338) Das intendierte Ziel des
Kapitals ist ja weder die Erhöhung der Produktivkraft der Arbeit respektive die
Senkung des Werts der Waren sondern die Erhöhung des eigenen Profits. Indem nun
dieses Ziel intendiert wird muß das Kapital ungewollt und nicht willentlich
sowohl die Produktivkraft der Arbeit erhöhen als auch den Wert der Waren
senken. Wenn die berühmte Aussage von der List der Vernunft Sinn macht, dann
hier. Das Kapital erhöht aber die Produktivkraft der Arbeit, anders gesagt es
erhöht die organische Zusammensetzung keinesfalls um jeden Preis. Es führt neue Produktionsmethoden, so
Heinrich in Anschluß an Marx, nur dann ein, wenn die Summe aus c + v, also der
Kostpreis, sinkt.
Es lassen sich nun leicht Fälle konstruieren, in denen die Erhöhung
der Produktivität der Arbeit mit einer Erhöhung des Kostpreis Hand in Hand
geht. Vergleichen wir etwa Kapital A mit der Zusammensetzung 60c + 20v + 20m,
ergibt einen Warenwert von 100, mit einem Kapital B, das den selben
Gebrauchswert mit der Zusammensetzung von 80c + 5v + 5m produzieren könnte. Würde
eine Produktionsmethode B, die insgesamt die Produktivkraft der Arbeit erhöht,
also den Wert der Ware von 100 auf 90 senkt eingeführt? Heinrich meint nein.
Obwohl die Produktivkraft der Arbeit im Falle B steigen würde, würde das
Kapital B sich in eine aussichtslose Konkurrenzsituation begeben. Sein
Kostpreis würde, verglichen mit Kapital A um den Wert von 5 steigen, statt 80
wären 85 Einheiten zu investieren. Ebenso würde der erzielte Mehrwert, selbst
wenn Kapital A den (vorläufigen gesellschaftlichen Durchschnitt darstellen
würde) von 20 auf 15 sinken. In diesem Fall erweisen sich die kapitalistischen
Produktionsverhältnisse als Schranke für die Entwicklung der Produktivkraft der
Arbeit.
Wir dürfen freilich nicht vergessen, auf welchem hohen Abstraktionsniveau
sich die Debatte bewegt. Aussagen über die derzeitige konkrete Entwicklung der
Profitrate, in die ja viele historisch besondere Faktoren einfließen, die in
fünfzig, hundert oder hundertfünfzig Jahren sich völlig anders darstellen,
lassen sich nicht unmittelbar aus der Kritik am sogenannten Gesetz des
tendenziellen Falls ableiten. Zusammenfassend läßt sich aber sagen, daß die
kapitalistische Produktionsweise nicht von selbst am tendenziellen Fall
zerschellen und zerbrechen wird. Automatisch wird das Kapital nicht, jedenfalls
nicht durch den tendenziellen Fall der Profitrate, zusammenbrechen. Wir haben
keinen Grund, ein derartiges Gesetz anzunehmen. (Da andere Versionen von
Zusammenbruchstheorien in diesem Artikel nicht angesprochen wurden, will ich hier
kein summarisches Urteil darüber abgeben.) Ohne revolutionäre Aktivitäten der
Subjekte wird es jedenfalls keine Überwindung des Kapitalismus geben können.
Literatur:
Bensch, Hans-Georg (1995), "Vom Reichtum
der Gesellschaften. Mehrprodukt und Reproduktion als Freiheit und Notwendigkeit
in der Kritik der Politischen Ökonomie." Lüneburg 1995
Heinrich, Michael (1999), "Die Wissenschaft vom
Wert. Die Marxsche Kritik der politischen Ökonomie zwischen wissenschaftlicher
Revolution und klassischer Tradition", Überarbeitete und erweiterte
Neuauflage, Münster
Marx, Karl (MEW 23) = Kapital, Band 1
- (MEW 25) = Kapital, Band 3
Anmerkungen:
1Bereits im Titel seines Hauptwerks „Das Akkumulations- und Zusammenbruchsgesetz des kapitalistischen Systems“ ist diese These enthalten.
[ii] Joseph M. Gillman, „Das Gesetz des tendenziellen Falls der Profitrate“, 1969 Frankfurt am Main
[iii] Unter Δc1 bzw. Δv1 (sprich Delta c 1, Delta v 1) ist jene Summe zu verstehen, um die der ursprüngliche Wert erhöht oder vermindert wurde. Wenn c1 von sagen wir 50 auf 60 erhöht wird, ist Δc1 10, wenn v1 von 30 auf 15 verringert wurde, beträgt Δv1 15.