Archiv für Dezember 2011

Kleine Fächer

aus: Deutscher Hochschulverband Newsletter 12/11

“Der Abbau der sogenannten Kleinen Fächer ist noch nicht gestoppt. In den bundesweit rund 120 Studiengängen, die über wenig Studierende und maximal drei Professuren verfügen, gibt es Gewinner wie Verlierer. Das geht aus einer Bestandsaufnahme des im Auftrag der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) durchgeführten und vom Bundesministerium für Bildung und Forschung finanzierten Projekts “Kartierung der Kleinen Fächer” hervor, das am 2. Dezember 2011 in Potsdam präsentiert wurde.

Die Einbußen in der Anthropologie (1997: 16,5 Professuren, 2011: 12 Professuren), der Kristallographie (1997: 42, 2011: 23,5) und der Mineralogie (1997: 77,5, 2011: 59) seien durch neue Trends in den Naturwissenschaften (Stichworte “Life Sciences”, “Humangenetik”) erklärbar. Dagegen werde das Wachstum der Islamwissenschaften (1997: 29, 2011: 33) durch den “11. September” und die daraus resultierenden öffentlichen Diskussionen verständlich. Die in diesem Zusammenhang gewachsene öffentliche Sensibilität für Religionen als gesellschaftliche Faktoren dürfte für den Anstieg der Professuren in der Judaistik (1997: 10, 2011: 15) und der Religionswissenschaft (1997: 20, 2011: 27,5) verantwortlich sein. Umgekehrt habe die Slawistik (1997: 93, 2011: 80) nach dem Ende des “Kalten Krieges” starke Verluste hinnehmen müssen. Ein Fach wie Gender Studies (1997: 29,5, 2011: 52,5),  das einen wichtigen gesellschaftlichen Trend wissenschaftlich beleuchte, habe ein großes Wachstum zu verzeichnen, während die nicht primär anwendungsorientierten Altphilologien (1997: 200 Professuren, heute: 158,5 Professuren), deren Existenz sich zum großen Teil auf die Lehrerbildung stütze, größere Einbußen erleiden mussten. Umschichtungen, die sich auf gesellschaftliche Trends zurückführen ließen, verzeichneten auch die Geschichtswissenschaften. Hier sind die Wissenschaftsgeschichte (1997: 28, 2011: 16), die Wirtschafts- und Sozialgeschichte (1997: 45, 2011: 37) und Medizingeschichte (1997: 31, 2011: 25) von starken Verlusten betroffen, während die Außereuropäische Geschichte zu Regionen wie Ost- und Südasien oder Lateinamerika (1997: 23, 2011: 30) gewonnen haben.

Die Einführung von Bachelor- und Master-Studiengängen habe, so ein weiteres Ergebnis der Kartierung, den Trend zum interdisziplinären Verbund-Studiengang und zu internationalen Kooperationen befördert. Studiengänge, die früher auf ein Kleines Fach lauteten, würden inzwischen oft durch regionalwissenschaftliche Lehrformate (Nahoststudien, Südasienkunde) ersetzt und verlören dadurch auch an Sichtbarkeit.

Weitgehend ungelöst sei bisher die Ausbildung in seltenen Fremdsprachen im sechssemestrigen Bachelorstudium. Hierfür seien sieben- oder achtsemestrige Bachelor-Studiengänge mit integrierten Auslandssemestern besser geeignet, die Sprachvermittlung zu leisten und die Wissenschaftlichkeit des Bachelorabschlusses sicherzustellen. http://www.hrk.de/95_6600.php”